Leonard Cohen griff Warren Beatty unter die Arme

Der kanadische Allroundkünstler Leonard Cohen hat in seiner Karriere oft das Image des intellektuellen Charmeurs kultiviert. Neben einigen wirklichen Hits waren jedoch viele seiner Songs von einer gewissen Beliebigkeit und Belanglosigkeit geprägt. Wie gut jedoch die Musik Cohens im richtigen Kontext funktionieren kann, zeigt der Robert Altman Film McCabe & Mrs. Miller mit Warren Beatty.

Drei Songs von Leonard Cohen sind Bestandteil des Soundtracks des sogenannten Anti-Western aus dem Jahre 1971. Bestehende Klischees des Westerngenres werden dort zwar angedeutet, aber jedoch nie zur gewohnten Auflösung geführt. Der melancholische Schneewestern McCabe & Mrs. Miller hat oft etwas Traumartiges an sich, was nicht zuletzt von der stimmungsvollen Musik Cohens unterstützt wird.

Obwohl Leonard Cohen schon mit 13 Jahren anfing Gitarre zu spielen und während seines Studiums an der McGill University im kanadischen Montreal in der dreiköpfigen Country-Folk-Band Buckskin Boys musizierte, begann er mit der eigentlichen Musikkarriere relativ spät. Zunächst veröffentlichte er in den 1950er und 1960er Jahren mehrere Romane und Gedichtbände deren Tantiemen ihm ermöglichten ziellos durchs Leben zu treiben.

Nach diversen Europaaufenthalten kehrte er mit fast 33 Jahren im Jahre 1967 ins berühmte Chelsea Hotel nach New York City zurück. Als neuer Bob Dylan vermarktet verkaufte sich sein erstes Album The Songs Of Leonard Cohen im selben Jahr auch besonders unter den Folkfans relativ gut. Die drei Lieder „Winter Lady“, „The Stranger Song“ und „Sisters Of Mercy“ der Platte sind dann vier Jahre später auch in den besonders eindruckvollen Szenen von McCabe & Mrs. Miller zu sehen.

Und so profitierten am Ende idealerweise beide Seiten von einander. Cohens Lieder gewinnen durch die stimmungsvollen Bilder von Robert Altman noch mehr an Substanz, während auch die teilweise improvisierte Darstellung von Warren Beatty nicht selten eine tiefere Bedeutung ereilt. Bei der Premiere von McCabe & Mrs. Miller hatte Cohen dann schon zwei weitere Alben veröffentlicht.

Der Song „Sisters Of Mercy“ in McCabe & Mrs. Miller:

Die saubere Seite des Bluegrass-Chefs Bill Monroe

Nicht weniger Musiker können von sich behaupten eine gesamte Musikrichtung selbst kreiert zu haben. Wenn man Bill Monroe schon nicht zugute halten will das er den Bluegrass wirklich alleine erfunden hat, so muss man ihm wenigstens zugestehen das er diese Musiksparte maßgeblich wie kein Anderer geprägt hat.

Als jüngstes von acht Kinder eines Farmerpaares wurde Monroe im westlichen Kentucky schon früh mit einfachen Verhältnissen und dem Tod konfrontiert. Seine Eltern und der Stiefelternersatz „Uncle Pen“ waren gestorben bevor Bill 20 Jahre alt war. Zusammen mit seinem Bruder Charlie begann der Mandolinenspieler als The Monroe Brothers ab Mitte der 1930er Jahre eine erfolgreiche Schallplattenkarriere, welche jedoch 1938 im erbitterten Bruderkrieg kurzzeitig endete.

Schon von Beginn an war es für den niemals unrasiert anzutreffenden Monroe ein wichtiges Anliegen, dass er und seine Band zu jeder Zeit anständig und ordentlich gekleidet waren. Seine sich ab 1939 nennende Band Bill Monroe And His Blue Grass Boys (Bluegrass leitet sich vom „Bluegrass State Kentucky“ und die aufgrund des nährstoffreichen Bodens blaugrünen Blätter der dort verbreiteten Grasart Poa pratensis ab) kleideten sich oft in Reitklamotten und trugen dazu fast immer einen stattlichen Hut.

Mit einer beschleunigten String-Band Version von dem Jimmy Rodgers Song „Mule Skinner Blues“ gelang Bill Monroe And His Blue Grass Boys im Jahre 1940 ein erster Riesenerfolg. Bei der Audition für die Grand Ole Opry liefert der Song der Band einen „Job for Life“ in dem schon damals legendären Etablissement.

Mit Flatt & Scruggs, Chubby Wise an der Fiddle und Howard Watts (a. k. a. „Cedric Rainwater“) am Bass war schon Mitte der 1940er das klassische Lineup der Blue Grass Boys perfekt. Es folgten viele Jahrzehnte des erfolgreichen Musikzierens, u. a. zusammen mit so bekannten Größen wie Jimmy Martin, Sonny Osborne, Carter Stanley oder Kenny Baker.

Trotz eines der größten Blue Grass Dogmen, dem Musizieren mit akustischen Instrumenten ohne eigentliche Rhythmuseinheiten wie Schlagzeug, Perkussion oder gar Blechbläsern, hat diese Musik und gerade die von Bill Monroe im Besonderen eine ungewöhnliche Energie, Drive und Rhythmus. Der Großteil der aktuellen Bands mit „Groove“, „Tightness“ und „Funk“ auf der Fahne reichen daran heute nicht mal ansatzweise heran. Das rührt nicht zuletzt daher, weil mit Musikern wie unter anderem Scruggs und nicht zuletzt Monroe selber, absolute Virtuosen an den Instrumenten zu Gange waren.

Bill Monroe trat bis in die 1990er Jahre mit seiner Band Live und im Tonstudio in Erscheinung. Bei den Blue Grass Boys spielten über die Jahrzehnte verteilt über 150 Musiker mit. Selbstverständlich immer 100 Prozent korrekt gekleidet.

Ausgerechnet Alaska hebt das Unterhaltungsniveau

Rückblickend scheint es heutzutage fast wie ein Wunder, daß von der US-Serie „Northern Exposure“ (in Deutschland unverständlicherweise unter dem Titel „Ausgerechnet Alaska“ erschienen) Anfang der 1990er Jahre 6. Staffeln produziert und diese einigermaßen erfolgreich gesendet wurden.

Die 110 Folgen zeigen den gesellschaftlichen Mikrokosmos der fiktiven 800 Seelen Kleinstadt Cicely an der „Alaskanischen Riviera“. Auf einem hohen intellektuellen und philosophischen Niveau werden abgeschlossene Alltagsgeschichten von einigen Stadtbewohnern erzählt, wobei die Charaktere differenziert dargestellt werden und im Verlauf der Serie eine logische Weiterentwicklung durchmachen.

Der Soundtrack mit Künstlern wie z. B. der Allman Brothers Band, George Strait, den Ramones, Duke Ellington, Hank Williams Jr., Willie Nelson, Billie Holiday, Lynard Skynard, Guns ‚N’ Roses, Nat King Cole, Beethoven oder Mozart führte später bei der DVD Auswertung zu Lizenzstreitigkeiten, weswegen in Deutschland nur die erste Staffel auf DVD erschien.

Glanzstück ist jedoch der für den Emmy nominierte Titeltrack von dem Filmkomponisten David Schwartz (u. a. Musikkomponist für die Serien Deadwood, Beverly Hills 90210, etc.), welchen Sie sich auf seiner Homepage hier legal runterladen könnt. Auf der Aufnahme sind renommierte Studiomusiker wie z. B. Tollak Ollestad, Luis Conte, oder Jim Keltner, welcher schon für Musiker wie Bob Dylan, Eric Clapton, BB King, John Lennon oder Sheryl Crow auf der Bühne und im Studio gespielt hat, zu hören.

Wenn Chris „In The Morning“ Stevens (gespielt von John Corbett) auf dem Video unten mit Goethes letzten Worten „Mehr Licht“ sein Kunstwerk einweiht, ist dies sicherlich auch metaphorisch zu verstehen. Das Licht am Ende des Tunnels ist nämlich oft nur ein entgegenkommender Zug.