Die saubere Seite des Bluegrass-Chefs Bill Monroe

Nicht weniger Musiker können von sich behaupten eine gesamte Musikrichtung selbst kreiert zu haben. Wenn man Bill Monroe schon nicht zugute halten will das er den Bluegrass wirklich alleine erfunden hat, so muss man ihm wenigstens zugestehen das er diese Musiksparte maßgeblich wie kein Anderer geprägt hat.

Als jüngstes von acht Kinder eines Farmerpaares wurde Monroe im westlichen Kentucky schon früh mit einfachen Verhältnissen und dem Tod konfrontiert. Seine Eltern und der Stiefelternersatz „Uncle Pen“ waren gestorben bevor Bill 20 Jahre alt war. Zusammen mit seinem Bruder Charlie begann der Mandolinenspieler als The Monroe Brothers ab Mitte der 1930er Jahre eine erfolgreiche Schallplattenkarriere, welche jedoch 1938 im erbitterten Bruderkrieg kurzzeitig endete.

Schon von Beginn an war es für den niemals unrasiert anzutreffenden Monroe ein wichtiges Anliegen, dass er und seine Band zu jeder Zeit anständig und ordentlich gekleidet waren. Seine sich ab 1939 nennende Band Bill Monroe And His Blue Grass Boys (Bluegrass leitet sich vom „Bluegrass State Kentucky“ und die aufgrund des nährstoffreichen Bodens blaugrünen Blätter der dort verbreiteten Grasart Poa pratensis ab) kleideten sich oft in Reitklamotten und trugen dazu fast immer einen stattlichen Hut.

Mit einer beschleunigten String-Band Version von dem Jimmy Rodgers Song „Mule Skinner Blues“ gelang Bill Monroe And His Blue Grass Boys im Jahre 1940 ein erster Riesenerfolg. Bei der Audition für die Grand Ole Opry liefert der Song der Band einen „Job for Life“ in dem schon damals legendären Etablissement.

Mit Flatt & Scruggs, Chubby Wise an der Fiddle und Howard Watts (a. k. a. „Cedric Rainwater“) am Bass war schon Mitte der 1940er das klassische Lineup der Blue Grass Boys perfekt. Es folgten viele Jahrzehnte des erfolgreichen Musikzierens, u. a. zusammen mit so bekannten Größen wie Jimmy Martin, Sonny Osborne, Carter Stanley oder Kenny Baker.

Trotz eines der größten Blue Grass Dogmen, dem Musizieren mit akustischen Instrumenten ohne eigentliche Rhythmuseinheiten wie Schlagzeug, Perkussion oder gar Blechbläsern, hat diese Musik und gerade die von Bill Monroe im Besonderen eine ungewöhnliche Energie, Drive und Rhythmus. Der Großteil der aktuellen Bands mit „Groove“, „Tightness“ und „Funk“ auf der Fahne reichen daran heute nicht mal ansatzweise heran. Das rührt nicht zuletzt daher, weil mit Musikern wie unter anderem Scruggs und nicht zuletzt Monroe selber, absolute Virtuosen an den Instrumenten zu Gange waren.

Bill Monroe trat bis in die 1990er Jahre mit seiner Band Live und im Tonstudio in Erscheinung. Bei den Blue Grass Boys spielten über die Jahrzehnte verteilt über 150 Musiker mit. Selbstverständlich immer 100 Prozent korrekt gekleidet.

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