Meine neue Vintage-Gitarre von Höfner

Mai 4, 2009

hofner

Nebenkostenrückzahlungen sind schon etwas Feines. Man kann davon im Nachtleben dekadent die Sau raushängen lassen, seine Steuerschulden bezahlen oder sich einfach eine neue Gitarre kaufen. Da mich die ersten beiden Dinge nicht wirklich interessieren, habe ich mich nun erst mal für die dritte Variante entschieden.

Bei der Reparatur eines anderen beliebten Klangkörpers hatte ich neulich das neue Objekt der Begierde gesichtet. Eine weinrote Höfner Model 450 von 1966 hing dort im Gitarrenhospital an der Wand. Dummerweise genau dass, wo ich schon seit Jahren unterbewusst hinter her bin. Warum also nicht einmal eine deutsche Vintage-Gitarre erwerben?

Auch wenn alte Western-Gitarren vielleicht nicht immer mehr so exakt zu spielen sind, wie neue Fabrikware, gibt es doch nichts schöneres, als eine Gitarre zu besitzen, die älter ist als man selbst.

Amerikanische Gitarren sind in Deutschland schwer preiswert zu erstehen. Und mit Höfner und Framus gab und gibt es ja in diesen Breitengraden seit vielen Jahrzehnten auch weltweit geachtete Hersteller. Was für die Beatles gut genug war, sollte dann auch für mich ausreichen.

Zwei Wochen nach der ersten Begegnung war dann die Panik zu groß, jemand könnte mir zuvorkommen. Also Skrupel beiseite gewischt, schnell hin in den Hinterhofladen geeilt, Geld auf Tisch gelegt und Gitarre eingepackt.

Natürlich musste ich sofort damit spontan ein paar Songs aufnehmen. Das Ergebnis kann man unten in den Videos sehen und hören.

Hell’s Angelic:


Hermes und der Horror der neuen Bob-Dylan-Platte

April 30, 2009

Der letzte Freitag (24. April 2009) war für mich so etwas wie ein heiliger Tag. Denn an diesem Datum ist das neue Bob-Dylan-Album „Together Through Life“ erschienen.

Nach der überraschenden Ankündigung über die baldige Veröffentlichung einer neuen Dylan-Platte, habe ich Monate lang sehnsüchtig auf diese Großereignis gewartet. Schließlich wollte ich wissen, ob der Meister des Songwritings seinen auf „Love And Theft“ großartig begonnen und auf „Modern Times“ aufgrund von teilweise fehlender Songsubstanz etwas beliebig fortgeführte „Renter-Blues-Rock“ auch auf dem neuen Album weiterführen wird.

Sollte wirklich etwas dran sein an der and vielen Orten angekündigten Rückkehr von „His Bobness“ an die mexikanische Grenze im Tex-Mex-Gewand? Oder gibt es wieder Chess-Records-Sound-Exzesse wie auf den Vorgänger-Alben?

Also wurde im Vorfeld alles genau geplant: Bereits Wochen zuvor hatte ich die aufwendige Doppel-Vinyl-Edition (inklusive CD-Ausgabe) bei dem größten Internetversandhändler vorbestellt. Für den Veröffentlichungstag wurde sich extra frei genommen und alle eventuellen anderweitigen Termine großräumig abgesagt.

Am Tag vor dem Erscheinen des Albums wurde das Werk auch wie geplant schon mittags versandt. So weit so gut. Doch im Verlauf des expliziten Freitags stellte sich irgendwann heraus, dass „Together Trough Life“ wohl nicht mehr geliefert wird. Samstag dann aber auch nicht. Sonntag sowieso nicht. Montag jedoch auch nicht.

Das Kundenkonto beim Anbieter zeigte bei Nachforschungen folgendes an: Informationen zur Lieferung: 24. April 2009, 14:06 Uhr, Status: zugestellt, Transportdienst: Hermes. Eine Pressemeldung vom drauffolgenden Montag lieferte dann die nachträgliche Erklärung. Auch Hermes bekommt jetzt ein Stück vom größten Onlinehändlerkuchen ab.

Ein panischer Anruf auf der Hotline des Versandhauses lieferte dann genauere Ergebnisse zu meinem persönlichen Skandal zu Tage: Die Ware wurde an dem obigen Datum einem „Assman Kiosk“ (Vgl. My Ass!) unter meiner Adresse zugestellt.

Das ganze hatte nur folgendes Problem: In meinem Umfeld gibt es weder ein Etablismont, noch einen Bewohner unter diesem Namen. Außerdem hatte ich auch niemals eine Benachrichtigung, in welcher Form auch immer, erhalten. Schließlich saß ich am besagten Zustellungsdatum brav in meiner Wohnung und habe wehmütig auf die Klingel gestarrt.

Die wie immer überfreundliche Dame am Konsumtelefon meines Vertrauens hatte dann jedoch Mitleid mit meinem Dilemma und bot mir an das wertvolle Kulturgut einfach noch mal zu versenden. Einer der wenigen Vorteile, die sich ergeben, wenn man bei multinational operierenden Großkonzernen bestellt. „Aber ja doch, sofort rausschicken!“ war meine leicht hysterisch geschriene Antwort. Gesagt, getan. Perfekt – was für ein Service!

Doch was in der Zwischenzeit machen? Google lieferte die Antwort. Drei Straßen und zwei Straßenbahnstation weiter sollte es tatsächlich einen Kiosk mit dem Namen „Assemann“ geben. Also stürzte ich sofort raus aus meinem Bett und irrte dann spät abends noch durch die Straßen von Berlin auf der Suche nach einer ominösen Trinkhalle.

Leider ohne den geringsten Erfolg. Auch die genau Inspektion der relevanten Hinterhöfe lieferte keine genaueren Hinweise. Sogar bei erneuter Betrachtung am nächsten Tag nicht. Was für eine Katastrophe!

Zwei Tage später traf dann die erneute Lieferung ein. Diesmal von DHL und meinem Lieblingspostboten gebracht. Sollte der Versandhändler meiner Gewohnheit jedoch bei dieser Versandpolitik bleiben, muss ich wohl darauf erst einmal verzichten. Zumindestens bei dringenden Neuerscheinung. In Berlin gibt es ja noch einige Alternativangebote.

Und die Bob-Dylan-Platte? Das Paket liegt noch immer eingepackt auf meinem Boden. Irgendwie ist mir nach fast einer Woche schmerzvollem Warten die Lust auf das Hören vergangen. Vielleicht lege ich sie gleich mal auf.


Mit Deine Dose im NBI in der Kulturbrauerei in Berlin

April 25, 2009

nbi1

Nach aufregenden Eskapaden im musikalischen Banküberfallen war es an der Zeit mal wieder als Solo-Aktivist mit den Sporen zu treten. Ganz allein ist man jedoch auf Dauer zum Scheitern verurteilt. Deswegen war es eine solide Idee sich von den Indie-Rock-Verfechtern von Deine Dose begleiten zu lassen.

Analog zu klassischen Konzertdarbietungen einer relevanten Musikepoche vor ungefähr 40 Jahren bestritt ich am 23. April 2009 mein Stück vom Zirkuskuchen mit einem akustischen, englischsprachiges Solo-Set, sowie einem Band-Dose-Set im deutsprachigen Gewand.

Dabei gilt zu beachten, dass erstmals ein Band-Set von mir ausschließlich mit (von mir so gefürchteten) deutschen Liedern bestritten wurde. Auf ein stilprägendes Jackett habe ich dann aber zum Glück doch noch verzichtet. Anschließend konnten Interessierte noch die Hausherren von Deine Dose mit einem einstündigen Set abnicken.

Harte Jahre mit Erfahrungen im journalistischen Abliefern haben auch bei diesem Event wieder eine nahezu vollständige mediale Auswertung in Bild, Ton und Video bewirkt. Vorhang auf für das Affenhaus im Elfenbeinturm.

Setlist:
1. Without Feathers You Can’t Fly
2. Let’s Play Hardball
3. Hell’s Angelic
4. Fast Money

5. Clubheim der Nation
6. Das Affenhaus ist ein Elfenbeinturm
7. Zu gut für diese Welt
8. Auf verlorenem Posten

Jens Kupillas & Deine Dose
„Das Affenhaus ist ein Elfenbeinturm“


Mit den Trashlords hinter verschlossenen Türen

Januar 1, 2009

Während einige meiner Nachbarn versucht haben die örtliche Polizeistation zu sprengen, durfte ich den Silvesterabend sinnvoller nutzten, um die rituell abgehaltene Weihnachts-Session mit den Trashlords zu mischen.

Dieses Jahr hatten wir uns wieder am 27. Dezember 2008 im Keller des legendären Studios Institut für Wohlklangforschung in Hannover eingefunden und ohne doppelten Boden live acht Eigenkompositionen eingespielt.

Aufgrund von logistischen Problemen fanden die Aufnahmen diesmal nur in der Kernbesetzung zu viert statt. Dafür sind die Songs diesmal zusätzlich zur Akustik-Gitarre, Bass, Mundharmonika und Gesängen wieder mit vollständigen Schlagzeug und elektrisch verstärkter Gitarre angereichert worden.

Wegen den zu erwartenden technischen Schwierigkeiten haben es dann immerhin noch fünf Lieder am Ende durch die digitale Barriere auf meinen Laptop geschafft. Wie sich so das anhört, könnt ihr hier unten überprüfen:

Jens Kupillas & The Trashlords
The Behind Closed Doors Session

01. Hell’s Angelic
02. On The Second Leg
03. Dark Friday
04. Irakli
05. Das Affenhaus ist ein Elfenbeinturm
06. Red Eyed Strangers
07. Fast Money
08. Waiting For A Plane

back-kopie


Auch in einer Fleischerei kann man Songs singen

September 18, 2008

gelegenheiten

Letzte Woche habe ich an dem denkwürdigen Jahrestag von 9/11 ein paar Lieder im Gelegenheiten in Berlin-Neukölln gesungen. In einem ehemaligen Fleischereifachgeschäft in der Weserstraße gab es vegetarische Balladen aus meiner Feder, sowie zwei Coverversionen zu hören.

Glücklicherweise fanden sich auch ein paar Ex-Kollegen, Kinder mit „Migrationhintergrund“ und diverse andere Musikforscher ein, um meinen Durchhalteparolen zu lauschen. Mir hat es großen Spaß bereitet mal wieder alleine mit meiner (extra für solche Anlässe erworbenen) Takamine-Gitarre ein paar Songs darzubieten.

Wie es sich für die digitale Zeit gehört wurde die Performance, wenn auch klanglich eher im unteren Qualitätsspektrum angesiedelt, teilweise als Bild-, Audio- und Videomaterial mit Laptop und Digitalkamera festgehalten. Diese folgenen Tracks hatte ich in etwa 40 Minuten gespielt:

01. You’re The One That Got Away
02. Let’s Play Hardball
03. Without Feathers You Can’t Fly
04. Get Lost
05. German Attitude
06. Gettin’ Even
07. Gentleman Adventure
08. Hands Off My Empire
09. Wild Mood Swings
10. Western Adventure
11. Auf verlorenem Posten
12. Zu gut für diese Welt
13. Lest We Forget
14. Are You Sure Hank Done It This Way?
15. No Surrender

Let’s Play Hardball:

Danke an Andreja und Alex für das Material.


Diese Bahnfahrer sollten Sie meiden

August 3, 2008

Das Fahren mit den öffentlichen Verkehrmitteln ist nicht selten eine Tortur: Unplanmäßige Abfahrtszeiten, streikende Bedienste, hohes Passagieraufkommen, schlechte Verkehrsanbindungen und kaum zu ertragende klimatische Bedingungen lassen die Reise mit Zug, Bahn oder Bus zu einem notwendigen Übel werden.

Als wären die Grundbedingungen für die tägliche Beförderung nicht schon schlecht genug: Erschwert wird diese zusätzlich noch durch bestimmte Passiergruppen, welche es sich zur Aufgabe gemacht haben, den unbescholtenen Fahrgast unnötig zu tyrannisieren. Zur Hilfestellung für den Leser werden im Folgenden die fünf wichtigsten Gruppen und ihre Erkennungsmerkmale genannt.

1. Der Bahn-Walker

Egal wie voll das Verkehrsmittel ist und zu welcher Uhrzeit man reist: Der Passagier kann sich darauf verlassen innerhalb von einer halben Stunde mindestens mit einem Bahn-Walker in einen ungewünschten Kontakt zu treten. Der Bahn-Walker geht dabei immer ähnlich vor: Er steigt in der hintersten Möglichkeit in die Bahn ein und bewegt sich dann mehr oder minder höflich bis zum anderen Ende des Abteils.

Freie Sitzplätze interessieren ihn dabei genau so wenig, wie die Entfernung seines Fahrzieles oder die Füße seiner Mitfahrer. Auf mangelnde Kooperation oder Anteilnahme von anderen Fahrgästen reagiert er in der Regel mit Unverständnis und in besonders starken Fällen sogar mit Entrüstung.

2. Der Brummkreisel

Der Brummkreisel tritt meistens in Gruppenstärke in der Größenordnung von einer Kleinfamilie bis hin zu einer größeren Touristengruppe auf. Auch in einzeln soll er jedoch schon gesichtet worden sein. Zu erkennen ist diese Spezies meistens beim Verlassen des Transportmittels. Während sich der normale Fahrgast bemüht relativ schnell und zielstrebig zu seinem Bestimmungsziel zu gelangen, bleibt der Brummkreisel im Einstiegsbereich stehen und dreht sich orientierungslos um sich selber.

Der routinemäßige Ablauf beim Halten wird besonders erheblich gestört, wenn er in größeren Personenstärken auftritt. Von standardmäßigen Aus- und Eingangswegen hat er ebenso wenig eine Ahnung wie von Stadt- oder Fahrplänen. Außerdem hat er eine Vorliebe für Körperkontakt mit seinen Mitmenschen. Ähnlich wie beim Bahn-Walker ist auch das Ego der Brummkreisel ausgeprägt. Aus seinem Verhalten resultierende Probleme werden durch Nichtbeachtung oder Unverständnis abgeschmettert.

3. Der Einsteiger

Der Einsteiger markiert den Gegensatz zum Brummkreisel. Im Kontrast zu seinem potenziellen Artgenossen zeichnet er sich nicht durch Langsamkeit, sondern durch übereiltes Vorgehen aus. Panische Verhaltensweisen sind aber beiden Personengruppen zu eigen.
Beim öffnen der Türen stürzt sich der Einsteiger ohne Rücksicht auf menschliche Verluste in das Fahrzeug. Sein Ziel ist dabei immer gleich: Das Ergattern eines besonders schönen Sitzplatzes, bevor andere ihm zuvor kommen können.

Angesiedelt im unteren und oberen Altersspektrum lebt der Einsteiger jedoch relativ gefährlich, da die Masse der Aussteiger ihm normaler Weise immer überlegen ist. Nicht selten hat er mit mehr oder minder starken körperlichen Beeinträchtigungen zu rechen.

4. Der notorische Zeitungsleser

Die Gruppe, welche am exaktesten zu bestimmen ist, ist die der notorischen Zeitungsleser. Ein Exemplar dieser Passagier-Ausprägung ist immer im mittleren Alter, hat leichtes Übergewicht, schütteres Haar und ist mit einem Kaufhausanzug der unteren Preisklasse ausgestattet. Er tritt meistens in den frühen Morgenstunden und am späten Nachmittag in Begleitung eines Aktenkoffers aus Kunstleder in Erscheinung. Seiner Hauptaktivität geht ein lauter Öffnungsknall, hervorgerufen von den Schnallen seines Koffers, voraus. Gefolgt von einer Zeitungsentfaltungsarie, welche sich über mehrere Quadratmeter und Minuten erstrecken kann.

Auf ständigem Kriegsfuss steht er mit potenziellen Mitlesern. Im Gegensatz zu den anderen kritischen Passagiergruppen hat das Verhalten des notorischen Zeitungslesers jedoch den positiven Nebeneffekt, dass in seinem Umfeld kein Mitfahrer einschlafen und damit den richtigen Ausstiegspunkt verpassen kann.

5. Der Platzhalter

Auch wenn die Platzhalter überwiegend aus jungen Menschen bestehen; ein nicht geringer Prozentsatz stammt auch aus anderen Altersgruppen. Dann sind sie aber überwiegend weiblich. Weder die Personenfülle des Verkehrsmittels noch die Anwesenheit von hilfebedürftigen Personen hat dabei jedoch einen Einfluss auf das Vorgehen. Sitzplätze werden durch Taschen, Jacken, Plastiktüten oder gar Körperteilen vorreserviert. Dabei steht der beanspruchte Platz im doppelten Verhältnis zu den eigenen Körpermaßen.

Bei Zurrechtweisung durch andere Fahrgäste fügt sich der Platzhalter in der Regel immer wortlos. Er ist aber im Folgenden dann in der Lage durch subtile Einflussnahme die weitere Fahrt für seinen Züchtiger zu einer unangenehmen Angelegenheit werden zu lassen.