Neil Young hat mit der Coda der Konzerte seiner aktuellen Europa-Tournee erneut bewiesen, dass es wirklich sehr schwer ist Lieder der Beatles erfolgreich zu interpretieren. Besonders wenn man sich dabei an so epischen Studiomeisterwerken wie A Day In The Life vergeht.
War Neils Cover-Version von Imagine auf dem Tribute To Heroes Konzerts wegen der Änderung von einer der dekadentesten Textzeilen überhaupt in “Imagine no possessions. I wonder if I can” noch originell, so kann diese erneute Würdigung von Lennon und Co. als durchaus gewagt eingestuft werden.
Darüber wer der beste Pilzkopf war und warum Paul McCartney die öffentliche musikalische Wahrnehmung der Fab Four stärker als John Lennon geprägt hat, habe ich mich bereits an anderer Stelle ausgelassen. Was die besten Beatles-Stücke sind, ist im Gegensatz dazu jedoch weitaus schwieriger zu bestimmen.
Auch wenn Bestenlisten generell eher wenig Sinn machen; sie sind doch manchmal trotzdem notwendig. Gerade in einem umfangreichen Werk können Hitmarkierungen Orientierung bieten. Deshalb habe ich hier die Top 20 mit meinen liebsten Beatles-Songs aufgeführt.
Ich bitte um Beachtung: Obwohl John Lennon in meiner Fab-Four-Sympathie-Rangliste nur kurz vor George Harrison das Schlusslicht mit bildet, wird diese Aufzählung ausschließlich von Jahrhundertsongs dominiert, bei denen Lennon überwiegend die Lead-Vocals gesungen hat. Ob sein Gesang auch ein Indiz für die Haupturheberschaft der Stücke ist, wird nicht mehr genau zu bestimmen sein und war bereits in der Vergangenheit immer wieder Gegenstand von Kontroversen.
Es handelt sich bei dieser Liste auch um eine durchaus subjektive, wertende und zeitlich abhängige Reihenfolge. Die Hauptargumente für die Auswahl, neben den großartigen Kompositionen an sich, sind in den Klammern mit angegeben.
1. Across The Universe (WWF Version)
(Text, Akkordwechsel, Gitarrenpickung, Atmosphäre, Chöre der Apple Scruffs)
2. Happiness Is A Warm Gun
(Titel, Struktur, Gitarrensound, Gesänge am Ende, Atmosphäre)
3. Strawberry Fields Forever
(Mellotron von Paul, Idee, Drums von Ringo, rückwärts gespielte Tonbandcollagen, Ende, gepitchter Gesang)
4. Tomorrow Never Knows
(Drums von Ringo, “Der Dalai Lama singt von einem Berg herab”, One-Chord-Song (C-Dur), Tonband-Samples von Paul)
5. A Day In The Life
(Gesangslinie der Strophe, Orchester-Zwischenteil, Übergang zur letzten Strophe, Bass von Paul, “Now they know how many holes it takes to fill the albert hall”)
6. Help!
(Drum-Fills von Ringo, Lead-Gesangs-Performance, zweite Strophenstimme von Paul und George, Lead-Gitarre im Chorus von George)
7. I Am The Walrus
(Struktur, Video aus Magical Mystery Tour, Gesangssound, Text, Gesänge der Mike Sammes Singers, Soundeffekte)
8. I’m A Loser
(Titel, Harmonikasolies)
9. Revolution
(“You Can Count Me Out-In”, Anti-Mao Bekenntnis, Schreie am Ende, Gitarrensound, E-Piano von Nicky Hopkins)
10. Everybody’s Got Something To Hide Except Me And My Monkey
(Titel, Anfang, Lead-Gitarre)
11. The Ballad Of John And Yoko
(Egotrip von Lennon-McCartney (Lennon (on guitar): “Go a bit faster, Ringo!” McCartney (on drums): “OK, George!”), Bass/Drums von Paul, Back-Vocals von Paul, Bridge, Subtile Steigerung zum Ende hin)
12. You’ve Got To Hide Your Love Away
(Bob Dylan, keine Drums, 12-String Gitarre)
13. Girl
(Atemgeräusche beim Gesang, Mittel-Achter, “Tit-Tit-Tit“ Back-Vocals, Walzer-Ende)
14. In My Life
(Gitarrenanfang von George, Bach-Piano-Solo von George Martin (bei halber Geschwindigkeit aufgenommen), Vergangenheitsthematik)
15. Norwegian Wood
(Sitar von George, ¾ Takt, Back-Vocals von Paul)
16. Don’t Let Me Down
(Gelungene Umsetzung der Love-Song Thematik, Billy Preston, Mittel-Achter, Rooftop Konzert)
17. You’re Going To Lose That Girl
(Bongos, Back-Vocals)
18. A Hard Day’s Night
(Ringo Zitat, Film, Geschichte des Anfangsakkord, Perkussion)
19. I’m Only Sleeping
(Rückwärts gespieltes Gitarrensolo, Idee, Gesangsperformance)
20. Sexy Sadie
(Negatives Maharishi Mahesh Yogi Portrait, Piano von Paul, Back-Vocals)