Nils Bokelberg, Kurt Cobain und die 90er Jahre

Als die ehemalige deutsche Fernsehikone der 90er Jahre, Nils Bokelberg, in seinem Blog und bei Spreeblick dazu aufrief, seinen Song “Die 90s“ akustisch zu vergewaltigen, konnte ich meinem inneren kreativen Drang nicht widerstehen. Außerdem schien eine schnelle Neueinspielung eine gute Aufgabe, um mein wieder auferstandenes Schlagzeug und einen neuen Gitarrenverstärker unter schöpferischen Hochdruck zu testen.

Meine prollige musikalische Version des Jahrzehnts von Grunge und Love-Parade erinnert nun entfernt an “Smells Like Teen Spirit” von Nirvana. Bei der Geschwindigkeit, der Tonart, der Gesangsplatzierung im Refrain und natürlich der Thematik des Textes der Vorlage von Nilzenburger, war so eine Interpretation natürlich naheliegend. Zu naheliegend wahrscheinlich.

Dies ist auch der Grund, warum dieses Meisterwerk meines schlechten Geschmacks wohl für immer auf Nils’ und meiner privaten Festplatte sein Dasein fristen wird. Courtney Love und Dave Grohl sollen ja notorisch knapp bei Kasse sein. Und auch die GEMA wird zu Recht an den Kontoständen ihrer finanziell potenten Kunden interessiert sein.

Auch wenn in diesem konkreten Fall wahrscheinlich keine rechtlichen Komplikationen zu erwarten sind, schließlich ist der Song ja eindeutig von Nils geschrieben worden, es wurden keine Original-Samples verwendet und es würde ja auch niemals ein Gewinn damit erwirtschaftet werden, wird dieses Werk für alle Ewigkeiten in der privaten Anonymität einer weniger Computer verschwinden.

Für die nächsten Sessions muss ich jedoch noch die Mikrophonplatzierungen der Schlagzeugabnahme optimieren. Der Sound ist da noch etwas schwammig in den oberen Mitten. Die virtuelle Aufnahme der 90ties mit einem aktiven Protagonisten dieser Epoche hat mir aber trotzdem viel Sinn bereitet.

Wenn Dave Grohl einem eine Drum-Lektion erteilt

Warum bin ich eigentlich kein dekadenter und Millionen schwerer Star? Die Antwort liefert das Video unten. Denn wenn man mit gerade 19 Jahren schon so irre gut Schlagzeug spielt wie Dave Grohl bei der US-Punk-Rock-Band Scream im Jahre 1988, kann dann im restlichen Leben eigentlich nicht mehr viel schief laufen.

Ich konnte das damals mit 19 Jahren und heute erst recht nicht. Und ich werde es mit einer Relativitätstheorie aushebelnder Gewissheit auch niemals können. Deswegen muss ich mich mit dem berühmt-berüchtigten Kupillas-Drum-Beat zufrieden geben oder mich lieber gleich ganz auf professionelle Schlagzeuger verlassen.

Man mag die Songwriterqualitäten von Grohl zurecht anzweifeln. Auch der College-Rock der Foo Fighters kann manchmal recht niveaulos und nervtötend sein. Doch die musikalischen Fähigkeiten von Dave Grohl sind nicht negierbar. Besonders auf dem Drum-Hocker, der den Sound einer guten Rockband bedeutet, macht der Mann aus Virginia immer eine gute Figur.

Auch wenn Scream, dessen Mitglied Grohl mit bereits 17 Jahren wurde und mit denen er kreuz und quer durch die USA und Europa tourte, keine besonders wichtige Gruppe war: Sein Stil scheint schon in seinen jungen Jahren, wo andere sich noch mit menschenfeindlichen Metronomen und sinnentleerten Rhytmusübungen aufhalten, fast vollständig entwickelt.

Und ich habe hiermit den finalen Beweis erbracht, dass man Talent nicht erüben kann. Bleibt mir also nichts anderes weiter übrig, nachts mich damit in den Schlaf zu träumen, einmal so solide Schlagzeug wie Dave Grohl spielen zu können. Oder wie Levon Helm. Oder wie John Bonham. Oder wie Keith Moon. Oder wie Ringo Starr…

Die Foo Fighters All Star Band in Las Vegas

Letzte Woche eröffneten die Foo Fighters mit einem gewagten, aber energiegeladenen Medley aus ihrer neuen Single The Pretender und dem Punkrock-Klassiker God Save The Queen von den Sex Pistols die MTV Europe Music Awards in München. Vor fast zwei Monaten spielten sie allerdings beim großen Bruder, den MTV Video Music Awards in Las Vegas, ein viel interessanteres Konzert.

Während der eine Ex-Mann von Pamela Anderson (Kid Rock) dem anderen verdutzten Ex-Mann (Tommy Lee) physisch zu Nahe trat und sich Britney Spears mit ihrer Performance blamierte, spielten die Foo Fighters mit vielen hochdotierten Gästen in der sogenannten Fantasy Suite des Palms Hotel und Casinos einen brillanten Gig.

So konnte man nicht nur die Foo Fighters Klassiker Everlong, All My Life, Best Of You oder die neue Single The Pretender (Ex-The Germs, Ex-Nirvana, Ex-Foo Fighters Gitarrist Pat Smear an der Gitarre!) bewundern, sondern auch naheliegende Coverversionen und artverwandte Kooperationen begutachten.

Motörhead Frontsau Lemmy und vor Keith Richards die Nummer Eins des Rocks half bei dem Song Shake Your Blood von Dave Grohls Soloprojekt Probot, sowie beim Motörhead Cover I’ll Be Your Sister aus. System Of A Down Sänger Serj Tankian sang die schon inflationär oft interpretierte Dead Kennedys Hymne Holiday in Cambodia während Rapper Cee-Lo neben der Prince Schnulze Darling Nikki auch zusammen mit den Queens Of The Stone Age (Dave Grohl am Schlagzeug!) deren Song Make It Wit Chu ablieferte.

Highlight des Abends war allerdings der Auftritt von Jesse “The Devil” Hughes als die Eagles Of Death Metal mit Josh Homme am Schlagzeug und Dave Grohl an der Leadgitarre. Die simplen Songs von Hughes und das holprige drumming von Homme rockten am meisten das Haus.

Das scheinbar gecastete und teilweise deplazierte wirkende Publikum konnte so in einem kleinen Rahmen ein leidenschaftliches Konzert erleben. Den besonderen Reiz machte jedoch aus, eine der bekanntesten Rockmusiker in den unterschiedlichsten Positionen und an die verschiedensten Instrumenten in Aktion zu sehen.

Die Setlist:

1. Foo Fighters “Shake Your Blood Part 1″
2. Foo Fighters “Everlong”
3. Foo Fighters “Best of You”
4. Foo Fighters “All My Life”
5. Foo Fighters featuring Pat Smear “The Pretender”
6. Foo Fighters featuring Serj Tankian “Holiday in Cambodia”
7. Foo Fighters featuring Cee-Lo “Darling Nikki”
8. Queens of the Stone Age featuring Cee-Lo and Dave Grohl “Make It Wit Chu”
9. Mastodon featuring Josh Homme “Colony of Birchmen”
10. Foo Fighters featuring Lemmy “I’ll Be Your Sister”
11. Foo Fighters featuring Lemmy “Shake Your Blood Part 2″
12. Eagles of Death Metal featuring Dave Grohl “Speaking in Tongues”
13. Eagles of Death Metal featuring Dave Grohl ” I Want You So Hard”
14. Eagles of Death Metal featuring Dave Grohl “I Only Want You”

Foo Fighters sind die Rolling Stones der Generation X

Das Schöne an Dave Grohl und seiner Hauptband den Foo Fighters war ja, dass sie energiegeladene und ohrwurmverdächtige, jedoch auch oft etwas belanglose und harmlose Musik gemacht haben.

Seit dem letzten Doppelalbum In Your Honor hat jedoch Grohl nun nach so vielen Jahren des bescheidenen Musizierens anscheinend das sogenannte John Lennon Fieber gepackt. Eigene Musikaktivitäten stehen nun nicht mehr für sich selber, sondern müssen in einem gesamtgesellschaftlichen Rahmen stattfinden.

In Your Honor wurde dann dem amerikanischen kleinen Mann und Arbeiter gewidmet. Eine imaginäre Person von der weder Grohl, als auch Lennon aufgrund ihren Biografien keine wirkliche Ahnung haben können.
Beim Live Earth Konzert in London wurden dann auch durchschnittliche Schüttelreimsongs in den großen Kontext eingeordnet und dementsprechend Ex-Vizepräsidenten und der Zukunft der ganzen Welt gewidmet.

Nun erscheint nach einem akustischen Livealbum und dem Vaterschaftsurlaub von Herrn Grohl am 21. September das neue Foo Fighters Album mit dem bedeutungsschwangeren Titel Echoes, Silence, Patience And Grace.
Die erste Single The Pretender zeigt, dass die Foo Fighters anscheinend immer weniger ihre großen Vorbilder Led Zeppelin verkraften können.
Trotzdem knallt der Song ungemein und beweist erneut aus was für extrem guten Musikern die Band besteht. Das der Schlagzeuger Taylor Hawkins nun endlich auch offiziell und hörbar bei den Foo Fighters mitsingen darf wirkt sich dann auch sehr positiv auf den von The Colour And The Shape Produzent Gil Norton mit entwickelten Sound aus. Leider steht der durchschnittliche Text trotz The Who Zitat dem Ganzen immer noch etwas hinten an.

Die Foo Fighters scheinen also endgültig zu den Rolling Stones der Generation X zu werden. Man darf gespannt drauf warten, wem dann das neue Werk gewidmet sein wird.

Die Foo Fighters (inkluxive Pat Smear) mit The Pretender Live bei Radio One (BBC):

Was Elton John und Dave Grohl gemeinsam haben

Elton John war für mich schon immer unerklärlicher Weise ein Musikgeschichtliches Neutrum. Ähnlich wie Billy Joel oder Simon & Garfunkel hat mich der Engländer mit den besten neuen Haaren seit Andy Warhol nie wirklich interessiert, aber auch nie besonders gestört.

Unter objektiven Gesichtspunkten waren die umgedeutete offizielle Todeshymne für die Prinzessin der Herzen und die Überfrequentierung der weltweiten Klatschspalten eigentlich schon per se schmerzhafte Angelegenheiten; in der Regel lies das aber mein sonst so schnell zu erregendes Musikgewissen überwiegend kalt.

Diese Tatsachen bringen Sir Elton John wenn schon nicht musikalisch, dann wenigstens auf meinem subjektiven “Awarenesslevel” in gefährliche Nähe zu “Everybody’s Darling” Dave Grohl. Obwohl der ehemalige Nirvana-Drum-Destroyer natürlich um einiges sympathischer daher kommt als der englische Ritter, ließen mich (abgesehen natürlich von seinen genialen Drumkünsten) die Songwriterambitionen des Quasi-Südstaatler Grohl, insbesondere im Rahmen seiner Band Foo Fighters, relativ kalt.

Ausgelöst durch den Musikkritikerfilm “Almost Famous” kam jedoch schon vor einiger Zeit in der amerikanischen Talkshow von Oberyuppie Craig Kilborn zusammen, was vielleicht schon immer mal vereint werden sollte: Dave Grohl singt Solo nur mit einer Martingitarre bewaffnet den Elton John Obersmashhit “Tiny Dancer”. Und er macht das so gut und unterhaltsam, dass ich mich schon jetzt beginne zu fragen, ob ich da nicht eventuell was falsch wahrgenommen und sträflich vernachlässig haben sollte. Eine Elton John Platte konnte ich mir jedenfalls schon organisieren und meine Foo Fighters CDs hole ich auch gleich noch mal aus dem Keller.