Wer kennt diese Rust Never Sleeps von Neil Young?


Rarität, oder kann die weg? Vor einiger Zeit habe ich im Record Store in Berlin eine merkwürdige Ausgabe von Neil Youngs Jahrhundertalbum Rust Never Sleeps erstanden. Auch wenn ich mit diesem offiziell zertifizierten Meisterwerk noch nicht wirklich warm geworden bin, konnte ich dem Angebot nicht widerstehen. Es war meine dritte Ausgabe dieses Albums. Andere Versionen nicht mitgezählt.

Im Gegensatz zum Original ziert das Cover dieser Ausgabe jedoch zusätzlich einen Neil Young im neumodischen Berlin-Mitte-Outfit – im schlecht sitzenden Anzug, Hipster-Schuhen und mit obligatorischer Bierflasche. Auf der Rückseite sind einige Songtexte und das Logo der Platte abgedruckt.

Das Label besagt “Neumann Stereophonic SX68Sound KY15″. Bei der Musik scheint es sich um das Original-Album zu handeln. Auch wenn die Qualität etwas schlechter zu sein scheint, als die von meinem US-Original.

Wahrscheinlich wird es sich um ein illegales Bootleg handeln. Selbst das Internet ist hierzu ungewöhnlicher Weise bisher sprachlos. Dies wird sich mit diesem Artikel nun ändern. Vielleicht weiß ja jemand mehr über diese irre Pressung?

Neil Youngs gelungenes Konzeptalbum Greendale

Mit Konzeptalben ist das ja so eine Sache: Fast jeder Musiker kommt innerhalb seines Werdegangs mindestens einmal in die Verlegenheit mit einer Songsammlung eine komplexere Geschichte erzählen zu wollen. Meistens sind solche Versuche jedoch zum Scheitern verdammt. Nicht so Neil Youngs bestes Album seit Ragged Glory: Greendale aus dem Jahr 2003.

Entsprungen war das bis heute letzte Neil-Young-Album, das er mit seiner berüchtigten Begleitband Crazy Horse eingespielt hat aus Neils herkömmlichen Songwriting-Prozess für eine neue Platte. Nach den ersten Liedern stand jedoch bald fest, dass einige Charaktere in den Texten wiederholt auftauchten: Carmichael, Grandpa, Sun Green, der Teufel und die anderen herz-amerikanischen Figuren einer kalifornischen Kleinstadt, die von einem Mord aus ihrem Alltag aufgeschreckt werden. Der an Thornton Wilders Our Town erinnernde Songzyklus Greendale nahm damit seinen Anfang.

Wie zu Beginn das Songwriting, so entwickelte sich das gesamte Projekt stetig und spontan weiter. Einer ersten CD-Version (mit der Solo-Greendale-Performance aus der Vicar Street in Dublin auf DVD) folgte einige Monate später eine neue CD-Ausgabe, der die DVD “Inside Greendale” (u. a. mit Liveaufnahmen von Neil-Young-&-Crazy-Horse-Auftritten) bei lag. Neben einer opulenten 180g-Vinylbox von Classic Records (inklusive einer raren Single und einem riesigen Booklet) und einem Bildband erschien 2003 auch ein Spielfilm. 2007 wurde sogar eine Comic-Version von Joshua Dysart bei Vertigo Comics veröffentlicht.

War zunächst geplant, die gefilmten Studiosessions (Crazy-Horse-Gitarrist Frank “Poncho” Sampedro musste dem sparsamen Power-Trio-Sound auf die Ersatzbank weichen; bei der anschließenden Tour wurde er jedoch wieder ein gewechselt) nachträglich mit Green-Screen-Material anzureichern, drehte Neil als Bernard Shakey schließlich mit Freunden selbst einen kompletten Film auf Super-8.

Sarah White, die rebellische Schulfreundin von Neils Tochter agierte als Sun Green, der Tourmanager Eric Johnson durfte sich als Jed und den Teufel probieren, Neils “Gärtner” James Mazzeo mimte Earl und der leider vor kurzen verstorbene Nashville-Musiker Ben Keith durfte Grandpa sein. Und natürlich fehlte auch Pegi Young als Edith Green nicht.

Doch während meistens die Musik den Film begleitet und eher im Hintergrund steht, verhält es sich hier genau andersherum: Die Musik und die Songs stehen klar im Zentrum und werden von amateurartigen Bildern nur unterstützt und im besten Fall verstärkt. Und dort manifestiert sich die Größe dieses späten Neil-Young-Werkes. Greendale funktioniert in erster Linie als klassisches Album und jeder Song auch für sich alleine.

Denn während viele größenwahnsinnige Popdichter versuchen durch limitierte Rock-Songs mit epischen Prosawerken zu konkurrieren, bleibt sich Neil Young mit Greendale selbst treu. Die Geschichte wird konsequent dem klassischen Song-Kontext angemessen erzählt. Keine großen Handlungsbögen, Entwicklungen durchmachende Figuren oder dramaturgische Spannungsbögen. Nur lose zusammenhängende Momentaufnahmen mit für Neil erstaunlich humorvollen und hochwertigen Texten. Ohne Beiwerk, Erklärungen oder theatralischen Aufführungen kann die Platte auch als Platte bestehen – und muss kein Konzeptalbum sein.

Johnny Magic – Neil Young unterwegs im Web 2.0

Im April 2009 veröffentlicht Neil Young seine neuste Platte “Fork In The Road“. Es soll ein Konzeptalbum über seine Arbeit an dem Linc-Volt-Projekt sein. Im Rahmen dieser Tätigkeit hat der Musiker und Sammler von alten Autos zusammen mit dem Mechaniker Jonathan Goodwin unter anderem einen alten Lincoln Continental in ein ökologisch korrektes Fahrzeug umgebaut.

Eine ganze Generation sollte damit anscheinend zum umweltverträglichen Autofahren inspiriert werden. Amüsante Videos dokumentierten dieses Ereignis im Internet. Eine noch nicht veröffentlichte Dokumentation wurde darüber von Larry Johnson produziert.

Für die seinem Autodoktor gewidmete Single “Johnny Magic” des neuen Albums hat der Gitarrenmeister nun zwei Videos über die Huffington Post und seine eigenen Webseiten veröffentlicht. Ein Clip wurde zuvor sogar Live gestreamed. Bereits im Januar 2009 war ein selbstgemachtes Video zum Titeltrack der neuen Platte erschienen.

Die zwei neuen Clips zeigen nun verwackelte Bilder von Young zum Playback des neuen Songs singend am Steuer seines Super-Ökomobils und eines anderen Wagens auf der Fahrt durch Wichita. Im heute (11. März 2009), zwei Tage nach dem ersten Video veröffentlichten zweiten Video, ist noch der Hund Carl mit dabei.

Unser “Joe, the Rock Star” kündigt die Veröffentlichung mit folgenden Worten an: “This is a song about people and heroes and change. Life in America. I hope you enjoy it as much as my dog. He is usually very camera shy but not in this video. Featuring Shakey Pictures’ new “economy look” to go with the times! Let’s send Johnny to Detroit!”

Diese Aktion liegt damit voll im nicht mehr so neuen Trend vom “User Generated Content” und hat bei einer “Legende” wie Neil Young auch einen gewissen Charme. Der mit Youngs Tourband, bestehend aus Ben Keith (Pedal Steel, Keyboards), Chad Cromwell (Drums), Rick Rosas (Bass), Pegi Young (Gesang) und Anthony Crawford (Gesang, Gitarre), eingespielte Track besticht durch einen passend zur Thematik rollenden “Drive” und einer eingängige Melodie.

Vielerorts konnte man in jüngster Zeit eine nicht ganz unberechtigte Kritik an Neil Youngs angeblich eher schwächeren neuen Texten vernehmen. Auch die vermeintliche Überheblichkeit und Weltfremdheit des dekadenten Rock-Star-Millionärs mit den kostspieligen Hobbys wurde teilweise nicht ganz zu Unrecht bemängelt.

Dazu bleibt anzumerken, dass die Lyrics bei Neil Young nie wirklich das Ausschlaggebende waren. Was seine Musik ausmacht, ist die unkopierbare Atmosphäre, melancholische Melodien, seine unverwechselbare Stimme, sein einzigartiges Gitarrenspiel und nicht zuletzt seine bemerkenswerten Lieder. Auch schon oft gehörte Schüttelreime können daher leichter verziehen werden.

Wer keine einfachen Reime hören will, kann sich ja gerne ein Buch oder Kurzgeschichten zu Gemüte führen. Viele Songtexte von Slackern wie Kurt Cobain wurden ja oft wegen des fehlen von Reimstrukturen gelobt. Sie waren jedoch deshalb auch manchmal ein Ausweichen vor den elementaren Herausforderungen des lyrischen Dichtens: Nämlich den passenden Reim zu finden.

Sicherlich sind interessante und nicht so oft gehörte Phrasen gerade heutzutage besonders erfreulich. Doch Neil Young hat in seiner viele Jahrzehnte umfassenden Karriere schon so einiges gedichtet; Wiederholungen sind da nicht ganz unvermeidlich. Außerdem war er einer von denen, die dieses System des Songschreibens maßgeblich mit geprägt haben. Ihm dies jetzt vorzuwerfen wäre so, als würde man Johnny Rotten seine “punkige” Attitüde vorhalten.

Die neuen Videos von Neil Young lassen jedoch eine leichte Ernsthaftigkeit und Integrität erkennen, an der es vielen aktuellen Musikern momentan leider eklatant mangelt. Der marxistische Trick, anderen Menschen in erster Linie kommerzielle Motive zu unterstellen, sollte bei diesem Mann nun wirklich nicht angewendet werden. Dafür hat er zu viel erlebt, geleistet und schon genug Geld verdient.

Man sollte Neil Young deswegen vor allem mit sich selbst messen. Mit Prairie Wind hat er erst 2005 gezeigt, dass er noch gute Platten veröffentlichen kann. Und wie sich sein neues Album in den Kanon der klassischen Neil-Young-Alben einfügt, wird sich dann im April zeigen.

Update: Und noch ein neues Video zu dem schönen und ruhigen Song “Light a Candle” im amerikanischen Rolling Stone.

Welche die besten Beatles-Songs sind

Neil Young hat mit der Coda der Konzerte seiner aktuellen Europa-Tournee erneut bewiesen, dass es wirklich sehr schwer ist Lieder der Beatles erfolgreich zu interpretieren. Besonders wenn man sich dabei an so epischen Studiomeisterwerken wie A Day In The Life vergeht.

War Neils Cover-Version von Imagine auf dem Tribute To Heroes Konzerts wegen der Änderung von einer der dekadentesten Textzeilen überhaupt in “Imagine no possessions. I wonder if I can” noch originell, so kann diese erneute Würdigung von Lennon und Co. als durchaus gewagt eingestuft werden.

Darüber wer der beste Pilzkopf war und warum Paul McCartney die öffentliche musikalische Wahrnehmung der Fab Four stärker als John Lennon geprägt hat, habe ich mich bereits an anderer Stelle ausgelassen. Was die besten Beatles-Stücke sind, ist im Gegensatz dazu jedoch weitaus schwieriger zu bestimmen.

Auch wenn Bestenlisten generell eher wenig Sinn machen; sie sind doch manchmal trotzdem notwendig. Gerade in einem umfangreichen Werk können Hitmarkierungen Orientierung bieten. Deshalb habe ich hier die Top 20 mit meinen liebsten Beatles-Songs aufgeführt.

Ich bitte um Beachtung: Obwohl John Lennon in meiner Fab-Four-Sympathie-Rangliste nur kurz vor George Harrison das Schlusslicht mit bildet, wird diese Aufzählung ausschließlich von Jahrhundertsongs dominiert, bei denen Lennon überwiegend die Lead-Vocals gesungen hat. Ob sein Gesang auch ein Indiz für die Haupturheberschaft der Stücke ist, wird nicht mehr genau zu bestimmen sein und war bereits in der Vergangenheit immer wieder Gegenstand von Kontroversen.

Es handelt sich bei dieser Liste auch um eine durchaus subjektive, wertende und zeitlich abhängige Reihenfolge. Die Hauptargumente für die Auswahl, neben den großartigen Kompositionen an sich, sind in den Klammern mit angegeben.

1. Across The Universe (WWF Version)
(Text, Akkordwechsel, Gitarrenpickung, Atmosphäre, Chöre der Apple Scruffs)

2. Happiness Is A Warm Gun
(Titel, Struktur, Gitarrensound, Gesänge am Ende, Atmosphäre)

3. Strawberry Fields Forever
(Mellotron von Paul, Idee, Drums von Ringo, rückwärts gespielte Tonbandcollagen, Ende, gepitchter Gesang)

4. Tomorrow Never Knows
(Drums von Ringo, “Der Dalai Lama singt von einem Berg herab”, One-Chord-Song (C-Dur), Tonband-Samples von Paul)

5. A Day In The Life
(Gesangslinie der Strophe, Orchester-Zwischenteil, Übergang zur letzten Strophe, Bass von Paul, “Now they know how many holes it takes to fill the albert hall”)

6. Help!
(Drum-Fills von Ringo, Lead-Gesangs-Performance, zweite Strophenstimme von Paul und George, Lead-Gitarre im Chorus von George)

7. I Am The Walrus
(Struktur, Video aus Magical Mystery Tour, Gesangssound, Text, Gesänge der Mike Sammes Singers, Soundeffekte)

8. I’m A Loser
(Titel, Harmonikasolies)

9. Revolution
(“You Can Count Me Out-In”, Anti-Mao Bekenntnis, Schreie am Ende, Gitarrensound, E-Piano von Nicky Hopkins)

10. Everybody’s Got Something To Hide Except Me And My Monkey

(Titel, Anfang, Lead-Gitarre)

11. The Ballad Of John And Yoko
(Egotrip von Lennon-McCartney (Lennon (on guitar): “Go a bit faster, Ringo!” McCartney (on drums): “OK, George!”), Bass/Drums von Paul, Back-Vocals von Paul, Bridge, Subtile Steigerung zum Ende hin)

12. You’ve Got To Hide Your Love Away

(Bob Dylan, keine Drums, 12-String Gitarre)

13. Girl
(Atemgeräusche beim Gesang, Mittel-Achter, “Tit-Tit-Tit“ Back-Vocals, Walzer-Ende)

14. In My Life
(Gitarrenanfang von George, Bach-Piano-Solo von George Martin (bei halber Geschwindigkeit aufgenommen), Vergangenheitsthematik)

15. Norwegian Wood
(Sitar von George, ¾ Takt, Back-Vocals von Paul)

16. Don’t Let Me Down
(Gelungene Umsetzung der Love-Song Thematik, Billy Preston, Mittel-Achter, Rooftop Konzert)

17. You’re Going To Lose That Girl
(Bongos, Back-Vocals)

18. A Hard Day’s Night
(Ringo Zitat, Film, Geschichte des Anfangsakkord, Perkussion)

19. I’m Only Sleeping
(Rückwärts gespieltes Gitarrensolo, Idee, Gesangsperformance)

20. Sexy Sadie
(Negatives Maharishi Mahesh Yogi Portrait, Piano von Paul, Back-Vocals)

Chrome Dreams – Der Flickenteppich von Neil Young

Fast jedes Jahr eine neue Neil Young Platte! Dieses Jahr heißt das neue Studioalbum von Neil – neben dem Livealbum Live At The Massey Hall 1971Chrome Dreams II.

Nach Living With War aus dem Jahre 2006, welches ausschließlich neue Songs beinhaltete, wartet das neue Album nun mit einem Rückblick in Neils Vergangenheit auf. Im Rahmen seiner Beschäftigung mit der Archives Serie, seinem Gegenstück zur Bootleg Series von Bob Dylan, ein auch sicherlich verständlicher Schritt. Der amerikanische Rolling Stone-Redakteur Brian Hiatt liegt mit seiner Deutung jedoch nicht ganz falsch, wenn er das Album als “weird” bezeichnet.

Da ist zunächst der Albumtitel Chrome Dreams II. Ein offizielles Chrome Dreams I hat es nie gegeben. So ein Album soll im Jahre 1977 zwar aufgenommen, jedoch nie veröffentlicht worden sein. Songs von den Sessions wie Like A Hurricane, Powderfinger oder Pocahontas tauchten später in teilweise anderen Versionen auf anderen Neil Young Alben wieder auf. Der Titel ist sicherlich auch eine Anspielung auf Neils Autosammelleidenschaft. Die Analogie zwischen diesen beiden metallischen Werken bleibt für den Zuhörer jedoch trotzdem ein kleines Rätsel.

Auch der beste Song des Album, Ordinary People, welcher an der dritten Stelle kommt, wirft einige Fragen auf. Zum einen zeichnet er sich für Neil Young durch eine eher untypische lyrische Dichte und Länge aus. Zum anderen geht er über 18 endlose Minuten lang und wird von der eher ungewöhnlich spielenden Bläsersektion The Bluenotes unterstützt. Besonders hervorzuheben sind die Drums von Chad Cromwell, die dem Song eine solide Basis liefern. Mit dabei war auch der Crazy Horse Gitarrist Frank “Poncho” Sampedro, was Chrome Dreams II fast zu einem Crazy Horse Album macht, denn deren Drummer Ralph Molina trommelte nahezu die gesamte Platte ein.

Es mag bedenklich anmuteten, wenn sich Neil über den Mann von nebenan anhand von musikalischen Schnappschüssen auslässt, dass Erstaunlichste ist jedoch, dass Ordinary People schon 1988 ursprünglich für das This Note’s For You Album aufgenommen wurde und somit ein fast 20 Jahre alter Song auf einem neuen Neil Young Album erscheint.
Das Lied wurde relativ oft von Neil Young während der “Sponsored By Nobody” Tour Ende der 1980er Jahre Live gespielt und galt lange als einer seiner besten unveröffentlichten Songs überhaupt. Ironischerweise wurde dieser Track Anfang September 2007 in den USA als “Single” an die Radiosender verschickt. Aufgrund der Länge und dem begrenzten Radioformat sicherlich aber so gut wie nie vollständig gespielt. Er tauchte dann eher in Internetradios wieder auf. Hier ist ein Fullstream des amerikanischen Rolling Stone zu hören.

Selbst der Opener Beautiful Bluebird von Chrome Dreams II hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Die ursprüngliche Version ist ein Outtake von Neils reaktionären Countryalbum Old Ways, welches er zusammen mit Willie Nelson und Waylon Jennings im Jahre 1985 aufgenommen hatte. Auch das Neil in dem Lied – ganz Hippie – über Vögel singt, sollte nicht weiter irritieren. Selbst der Song Boxcar, ein weiteres Highlight von Chrome Dreams II, war ein Song auf dem unveröffentlichten Album Times Square aus den späten 1980er Jahren.

Die restlichen sieben Songs der CD sind relativ neu und wurden größtenteils dieses Jahr Live im Feelgood’s Garage Studio in der Nähe von Redwood City, Kalifornien mit alten Neil Young Weggefährtin wie dem Bassisten Rick Rosas oder Neils Ehefrau Pegi aufgenommen.
Erwähnung verdienen das vom Klavier und einem Kinderchor getragene letzte Lied The Way und das über 14 Minuten lange vom einem markanten Gitarrenanschlag angetriebene No Hidden Path.

Der peinliche Rocker Dirty Old Man weiß dann mit holprigen Schlagzeug und versoffenen Männerchor nicht wirklich zu überzeugen. Den Dirty Old Man nimmt man Neil Young trotz gutem Gitarrensound irgendwie nicht richtig ab. Trotzdem beinhaltet das Album – auch wenn es sicherlich nicht zum Klassiker taugen wird – nette Klänge zum hören.

Ein wenig beängstigend ist allerdings die Tatsache, dass die älteren Songs jedoch mit Abstand die hörenswertesten des Albums sind. Vielleicht wird es nächstes Jahr mit einem neuen Neil Young Album wieder anderes. Und hoffentlich erscheint dann auch endlich die seit Ewigkeiten angekündigte und wegen Chrome Dreams II erneut verschobene opulente Box Archives.

BBC 2 Interview mit Neil Young vom 13. Oktober 2007:

Das erste Album von Bert Jansch

Der weise Neil Young hat zwei Hauptgitarrenidole: Für die elektrische Gitarre ist dies zum einen unüberraschender Weise Jimi Hendrix. Für die akkustische Gitarre kein alter Bluesmusiker wie Robert Johnson, Charlie Patton oder Skip James, sondern der schottische Folkmusiker Bert Jansch.

Auch für Donovon, Jimmy Page und Bob Dylan rangiert Jansch ganz oben unter den relevanten Musikern der späten 1960er Jahre und den folgenden Jahrzehnten. Einflüsse seiner Musik lassen sich in akustischen Led Zepplin Passagen genauso wiederfinden wie im Gitarrenstil von Donovan oder Neil Young. Selbst der legendäre Nick Drake war ein Bewunderer des Musikers aus Glasgow und coverte sogar dessen Song Courting Blues.

Nachdem Jansch mit seiner minderjährigen Ehefrau für einige Zeit durch Europa gereist war, zwang ihn eine Magen- und Darmgrippe im marokkanischen Tangier zur Rückkehr ins Vereinigte Königreich. Im London in der Mitte der 1960er Jahre traf er dort auf eine lebendige Folkszene und den Produzenten Bill Leader. Jansch erstes, selbstbetiteltes Album, soll dann auch in der Küche von Leader mit einem einfachen Tapedeck und einer geliehenen Gitarre aufgenommen worden sein.

Der Produzent verkaufte die Aufnahmen für 100 Pfund an die Plattenfirma Transatlantic Records, welche dann die 15 Songs als Platte veröffentlichten. Das Album Bert Jansch verkaufte sich im Jahre 1965 dann sogleich über 150.000 mal. Der Song Do You Hear Me Now von dieser Platte erlange später noch größere Aufmerksamkeit, als ihn Donovan für seine Nummer 1 EP Universal Soldier aufnahm. Mit Needle Of Death enthielt Bert Jansch auch einen der ersten britischen Songs, welcher die negativen Aspekte des Drogenmissbrauchs thematisierte. Seine Geschichte über den Herointod eines Freundes weißt dann zudem auch starke Ähnlichkeiten mit dem Neil Young Song The Needle And The Damage Done auf.

Obwohl Bert Jansch zunächst als der britische Bob Dylan angesehen wurde, hinkt dieser Vergleich doch stark. Während die Texte bei Bob Dylans Musik einen maßgeblich Antriebsmotor darstellen, ist die Musik von Jansch eher vom Gitarrenspiel getrieben. Viele Instrumentallieder unterstreichen diese Annahme noch. Trotzdem ist es doch erstaunlich wie stark sich sein Einfluss bei vielen anderen Musikern wiederfindet. Gerade im Vergleich zu Donovan oder Nick Drake sind die Ähnlichkeiten doch frappierend.

Ende 2006 hat Bert Jansch sein letztes Studioalbum The Black Swan mit Gastmusikern wie Beth Orton oder Devendra Banhart veröffentlicht. Im August 2007 erschien die Live-DVD Fresh As A Sweet Sunday Morning mit Aufnahmen von einem Konzert vom 22. April 2006 aus der Sheffield Memorial Hall in England.

Bert Jansch am 13. April 2007 in Barcelona:

Old Black und Neil Youngs alte Gitarren

Willie Nelson hat Trigger, Bruce Springsteen eine umgebaute Telecaster und Neil Young seine geliebte Gitarre Old Black. Neil gilt als leidenschaftlicher Sammler von alten und zum Teil auch billigen Second Hand Gitarren. Auf seiner Ranch Broken Arrow außerhalb von der kalifornischen Reichensiedlung Woodside beheimatet er neben vielen alten Autos und einer Modeleisenbahn auch eine gigantische Gitarrensammlung.

Auch wenn bei ihm im Studio aus soundtechnischen Gründen oft neuere und teurere Instrumente im Einsatz sind; bei Auftritten verwendet er neben diversen Tasteninstrumenten in der Regel seit Jahrzehnten die gleichen fünf Gitarren. Liebevoll gepflegt werden diese seit 1972 von Neils Gitarrentechniker, Gelegenheitsbegleitmusiker und Gitarrensammler Larry Cragg.

Als Neil die erste Rohfassung von Jim Jarmuschs großartiger Dokumentation Year Of The Hourse zu sehen bekam, sprang er fassungslos vom Sessel auf: Jarmusch hatte Filmaufnahmen aus über 20 Jahren von Neil Young & Crazy Horse eindrucksvoll zusammen geschnitten. Neil wurde aber keineswegs vom Kontrast seines jungen Antlitzes mit dem Aktuellen in Rage versetzt, sondern vom Erscheinungsbild seiner damals noch neueren und funkelenden Gitarre Old Black.

Die Gibson R6 Les Paul Goldtop aus dem Jahre 1953 ist Neils Haupt-E-Gitarre seit den späten 1960er Jahren. Zuvor spielte er überwiegend eine Gretsch 6120, welche er unter anderem während seiner Zeit bei Buffalo Springfield einsetzte.

Auch eine Gretsch der Marke White Falcon aus den späten 1950er benutzte Neil von den späten 1960er bis in die frühen 1970er Jahre. Zu hören ist diese unter anderem auf den Songs Ohio, Southern Man, L.A., und Alabama. Ihr Verbleib ist aber spätestens seit dem Neil Young Album Zuma etwas unklar.

Gerüchte besagen, Neil habe sie mit dem damaligen Buffalo Springfield Mitglied Stephen Stills gegen Old Black getauscht. Andere behaupten der Musiker Jim Messina habe als Tausch gegen die legendäre Gibson von Neil eine orange Gretsch-Gitarre bekommen. Fakt ist aber, dass Old Black seit den frühen 1970er Jahren auf fast allen elektrischen Konzerten von Neil Young zu hören war.

Im Laufe ihrer über fünfzigjährigen Existenz wurde Old Black mehrfach umgebaut. Die originalen Pickups wurden durch einen DiMarzio Single-Coil, einen Mini-Humbucker aus einer Gibson Firebird Gitarre und einem P-90 Pickup ersetzt. Außerdem wurde ein neuer Kippschalter installiert, der es Neil ermöglicht, alle weiteren Schalter (unter anderem Tone und Volume Regler) und Einstellungen zu umgehen und direkt seinen Sound vom Humbucker in den Verstärker zu schicken. Die wohl bekannteste und wichtigste Neuerung an der schwarzen Gitarre ist jedoch das Bigsby B7 Vibrato System. Der zugehörige Tremolohebel, mit dem Töne variiert werden können, ist ein relevanter Bestandteil von Neils E-Gitarrensound.

Ihren Namen hat Old Black wahrscheinlich durch eine amateurhafte Umlackierung erhalten. Der vermutliche standardmäßig goldene Körper wurde dabei anscheinend schwarz umgesprüht. Auch das bei Goldtops in der Regel weiße Plastikschlagbrett ist dabei wohl ausgetauscht worden. Das neue Schlagbrett ist aus Aluminium und damit mitverantwortlich für eine stärkere Feedbackanfälligkeit der Gitarre. Auch diese ist nicht unwichtig für den individuellen Gitarrensound von Neil Young.

Das Gibson Les Paul Logo auf dem Gitarrenkopf legt nahe, dass entweder der Hals gegen einen von einer anderen Gibson (vermutlich einer Gibson SG) ausgetauscht wurde, oder das es sich bei Old Black in Wirklichkeit um einen Gold Top Deluxe Nachbau aus dem Jahre 1968 handelt. Bekannt ist Old Black außerdem wegen dem markanten Gitarrengurt auf dem Peacesymbole und Friedentauben zu sehen sind. Das beeindruckendste sind jedoch die Abnutzungsspuren am Hals und Körper der Gitarre. Dort ist nämlich nicht selten der Lack ab und das blanke Holz zu sehen.

Eine weitere wichtige Gitarre von Neil Young ist die Westerngitarre Hank der Marke Martin D-28. Dieser Spitzname rührt von dem früheren Besitzer, der Countrylegende Hank Williams, her. Williams Sohn, der “Country Outlaw” Hank Williams Jr., hatte die Gitarre seines Vaters gegen ein paar Schrottflinten getauscht. Nach einigen Eigentümerwechseln kam sie nach einiger Zeit in den Besitz von Grant Boatwright.

Als Neil Young Mitte der 1970er Jahre auf der Suche nach einer neuen Akustikgitarre war, arrangierte sein Freund Tut Taylor den Kauf zu einem nicht bekannten Preis. Seitdem ist Neil seit über 30 Jahren mit Hank auf Tournee und im Studio unterwegs. Mit dem Song This Old Guitar von seinem vorletzten Album Prairie Wind hat er ihr ein Denkmal gesetzt. Für ein paar Monate soll Neil diese Gitarre sogar Bob Dylan ausgeliehen haben.

Eine vor Hank oft benutzte Westerngitarre, welche auch heute noch oft verwendet wird, ist Neils Martin D-45. Auf ihr hat er viele seiner frühen Songs, wie zum Beispiel Old Man, geschrieben und eingespielt. Neben einer weiteren Martin 12-Saiter Akustikgitarre verdient noch ein Gibson Mastertone Banjo aus dem Jahre 1927 eine besondere Erwähnung. Das Instrument hat sechs Saiten und wird wie eine Gitarre gestimmt. James Taylor spielte es auf der Aufnahme zu Old Man und bei dem Klassiker Old King von der jüngsten Neil Young DVD Heart Of Gold aus dem Jahre 2006 hat es der Meister selber zwischen den Fingern.

Obwohl jede dieser Gitarren heute mehr an kommerziellen Wert besitzen dürfte als eine kleine Eigentumswohnung, ist es doch beeindruckend das Neil Young seit so vielen Jahrzehnten mit den gleichen Instrumenten arbeitet. Beim Kauf und Bau eher solide Standardinstrumente der mittleren Preisklasse, hat sich deren realer und besonders ideeller Wert um ein vielfaches potenziert. Das Spielen hat sie mächtig gemacht.

Neil Young mit Old Black und Pearl Jam spielen Keep On Rockin In A Free World beim MTV Video Music Award 1993:

Timothy Treadwell war Werner Herzogs Grizzly Man

Schon blöd wenn man wie Timothy Treadwell 13 Sommer lang im Katmai-Nationalpark in Alaska immer wieder mit Bären abhängt und dann am Ende als Dank trotzdem von den Viechern gefressen wird. Der Ausnahmeregisseur Werner Herzog machte unter anderen aus den von Treadwell mit einer Videokamera gedrehten über 100 Stunden langen Amateuraufnahmen im Jahre 2005 den wunderbaren Dokumentarfilm Grizzly Man.

Wenig später, im Januar 2006, rettete Herzog nach einem Autounfall in den Hollywood Hills das Leben von Johnny Cash Darsteller Joaquin Phoenix. Timothy Treadwell und seine Freundin konnte der durch seine Zusammenarbeit mit Klaus Kinski bekannt gewordene Regisseur leider nicht mehr retten. Die waren bereits im Oktober 2003 von Grizzlybären in Alaska getötet worden.

Neben der irrwitzigen Geschichte um den egozentrischen Freak Treadwell ist jedoch die Filmmusik von Fairport Convention Mitstreiter Richard Thompson ein wichtiger Bestandteil des Films.

Ähnlich wie Neil Young bei seinem großartigen Soundtrack zu dem Jim Jarmusch Western Dead Man konzentriert sich auch Thompson mehr auf eine die Atmosphäre der jeweiligen Szenen unterstützenden Gitarrenarbeit, als auf traditionell folkiges Songwriting.
Unterstützt wird der als Folkmusiker bekannt gewordene Engländer in den lauteren Passagen zeitweilig von Henry Kaiser und Sonic Youth/Wilco Mitarbeiter Jim O’Rourke.

Insgesamt gesehen ist der Film ein sehr interessantes Projekt und der eindrucksvolle Beweis das Werner Herzog viele Jahre nach dem Ende seiner Partnerschaft mit Kinski noch immer gute Filme macht. Zwei neue Werke hat er übrigens seit Grizzly Man schon wieder fertig gestellt.

Grizzly Man Trailer: