Welche Nachteile Vinyl-Schallplatten haben

Wer etwas in der musikalischen Welt auf sich hält kauft analoge Vinyl-Schallplatten und schreit dies auch bei jeder Gelegenheit in das digitale Universum hinaus.

Die Vorteile liegen dabei ja auch klar auf der Hand: Die über 60 Jahre alte unkomprimierte Schallplatte klingt vermeintlich wärmer, tiefer und besser als herkömmliche digitale Tonträger. Durch die Größe des Covers wird das haptische Erlebnis zusätzlich verstärkt.

Die Unmöglichkeit des hin- und her-”skippens” führt meistens dazu, dass der Hörer Alben auch öfters wieder vollständig hört. Im Gegensatz zu digitalen Musikmedien, wie 100.000 Songs umfassende MP3-Festplatten-Sammlungen oder 35-CDs-Boxsets, ist nach spätestens 25 Minuten (die maximale Länge einer LP-Seite) ein erstes, absehbares Ende erreicht. Eine beruhigende Tatsache.

Auch der Prozess des “Diggins”, das Suchen und Finden von meistens alten, seltenen Schallplatten-Artefakten, ist eine viel amüsantere Erfahrung als der schnelle Klick bei iTunes oder Amazon. Hinzu kommt, dass der Vinyl-Kauf nicht selten eine lukrative Wertanlage darstellt. Von “politischen” Gründen für die CD-Abstinenz ganz zu schweigen.

Das in den letzten Jahren wieder mehr, aber immer noch im Verhältnis zu vergangenen Absatzzahlen oder aktuellen CD-Verkaufszahlen erschreckend wenig Leute Platten kaufen, hat sicher auch etwas mit den obsoleten digitalen Speichermedien zu tun.

Viele Nutzer lesen mittlerweile die Daten von den kleinen silbernen Scheiben nur aus, um sie dann auf dem MP3-Spieler oder auf der Computerfestplatte zu verwalten und platzsparend zu transportieren. Zudem gibt es jede Menge illegale Alternativen zum Kauf. Es scheint, als wäre die CD (obwohl immer noch Rückgrat der deutschen Musikindustrie) in Musikliebhaberkreisen bereits nach etwa 20 Jahren im Angesicht des Mediennutzungswandel schon wieder zu einem Auslaufprodukt geworden.

Dabei sollte man nicht vergessen, dass selbst die Hochphase des Vinyls im Verhältnis zu der dessen Vorgänger der Schellack-Platte zeitlich wesentlich geringer war. Einige Plattensammler – wie der dogmatische Joe Bussard – lehnen noch heute den Vinylkonsum konsequent als modernen Wahnsinn ab.

Doch in Zeiten wo viele Plattenhändler eher potenzielle Abzocker, anstatt verlässliche Kundenberater sind, ähnelt der Schallplatten-Kauf nicht selten der Teilnahme an einer dubiosen Kirmes-Lotterie. Viele gebrauchte und sorgfältig geprüfte Exemplare des immer teurer werdenden Musikgoldes knacken, knistern und leiern selbst nach intensiver Reinigung.

Die Plattenregale sind gefüllt mit schlechten holländischen Pressungen und illegalen Billig-Neuveröffentlichungen, so genannten “Counterfeits”. Und sogar der Klang vieler Neuausgaben von großen Labels ist nicht selten eher bescheiden, da oftmals einfach das griffbereite CD-Master im billigen Ausland auf schlechtem Vinyl gepresst wurde. Der Sound der Platte ist dann, selbst im direkten Vergleich zur günstigeren CD, oft tot und leblos.

Hinzu kommt, dass viele findige Subjekte mittlerweile Platten ohne Rücksicht auf Verluste aggressiv reinigen und abschleifen. Besonders auf Flohmärkten können so seltene Ausgaben an Touristen und sonstige Ahnungslose als neuwertig (“Mint”) teuer verkauft werden. Auch wenn dem Sammler eine gut erhaltende Originalausgabe oder eine solide Neuveröffentlichung den Spaß am Platten kaufen erhält; der Kunde weiß folglich im Gegensatz zum CD-Kauf letztendlich selten wirklich genau, was er für sein schwer verdientes Geld auch bekommt.

Auch wenn mit digitalen Medien schwer glaubwürdig als DJ aufzulegen und viel gute Musik überhaupt nie oder erst viel später digital erschienen ist: Der größte Nachteil der klobigen Schallplatte ist allerdings, dass man sie schwer günstig brennen, runterladen oder beliebig vervielfältigen kann. Für echte Musikliebhaber mit begrenzten Budget ein leider immer noch schlagendes Argument.

Ein weiterer Punkt, der einem den Erwerb von gebrauchten Schallplatten gründlich versaut, ist das Internet. Im Zeitalter von Smartphones und einer fast grenzenlosen Informationsverfügbarkeit sind viele Plattenhändler zeitnah über den potenziellen Wert ihrer Ware bestens unterrichtet.

Mittlerweile werden also die meisten Vinyl-Platten gnadenlos durch den Popsike-Filter (eine Website die Ergebnisse von Schallplatten-Auktionen speichert) gejagt. Mit von den Käufern mit generierten horrenden und teilweise unverschämten Preisen als Ergebnis. Denn diese Preise werden ja bezahlt.

Für einige an der Insolvenz schrammende oder gar schwarz agierenden Verkäufer ohne große berufliche Alternativen ein logischer Vorgang. Eine uninteressante Kaufoptionen aber für Schnäppchenjäger und normale Kunden. Vor allem, wenn die neue, remasterte CD-Version nur noch einen Bruchteil von der uralten Schallplatte kostet.

Das Sammeln von seltenen Platten entwickelt sich immer mehr zu einem dekadenten Hobby für gut betagte Menschen. Wurde früher noch eher in Porzellan- oder Briefmarkensammlungen investiert, stehen nun heute vermehrt teure Platten im Fokus der gelangweilten Elite.

Der Turbo-Kapitalismus hat in diese ehemals von vermeintlich linken Besserwissern dominierte Bastion Einzug gehalten. Gnadenlose Vorreiter sind nicht die mit unterm Strich fairen Preisen agierenden Elektrofachmärkte oder Internetversandhäuser, sondern oft der kleine, skrupellose Plattenverkäufer von um die Ecke.

Disclaimer: Dieser Artikel ist erstmalig am 20. August 2008 erschienen. Ich habe ihn am 8. April 2011 aber nochmal stark überarbeitet.

Die besten Songs des Jahres 2010 zum Download

2010 neigt sich dem Ende zu. Die übliche Zeit das eigene Werkarchiv wieder auf den neusten Stand zu bringen. Und wie jedes Jahr fällt auch diesen Mal ein neues Solo-Album von mir dabei ab. Diese Mischung aus Folk, Country und Indie gibt es obligatorischer Weise erneut zum Gratis-Download.

406 Aufnahmen mit meiner Musik habe ich bis jetzt 2010 schon erstellt. Damit liege ich in etwa in meinem üblichen Jahres-Durchschnitt. Demos von neuen Liedern, Master-Takes von älteren Songs, alternative Mixe, Live-Mitschnitte von der Bühne oder aus dem Proberaum und der Wohnung. Überwiegend eigene Songs, aber auch wieder erstaunlich viele Cover-Versionen von bekannten und unbekannten Liedern sind mit dabei.

Das meiste davon wird “Schrott” sein und hoffentlich nie einer hören müssen. Doch während die neueste, bereits fertig gestellte Platte meiner jüngsten Haupt-Band The Last Pawnbrokers, “Lower Bohéme” erst nächstes Jahr erscheinen soll, gibt es die besten Solo-Demos von meinen neueren Songs bereits hier und jetzt kostenlos zum herunterladen.

Geschrieben, gespielt, aufgenommen, gemischt und gemastered unter den abenteuerlichsten Bedingungen von mir alleine in meinem Bunker. Den Nachbarn sei Dank. Nur lauteres Schlagzeug durfte ich im Proberaum einspielen.

Neben meiner Stimme sind Instrumente wie E-, Western-, Konzert- und Lap-Steel-Gitarre, Dobro, Kontrabass, E-Bass, Klavier, Mandoline, Banjo, Mundharmonika, Harmonium, Keyboard, Orgel, Melodica und diverse Perkussion zu hören. Viel Spaß mit “The Year In Music”:

Jens Kupillas - The Year In Music

Jens Kupillas – The Year In Music (2010)

01. Sunday Social
02. Hate To Grow Old
03. No Hard Feelings
04. Mexican Standoff
05. Another One From The Loser Gang
06. Word Travels Fast
07. In The Movies
08. Traitor’s Blues
09. Winter Ends
10. Red Flag Danger
11. Happy Ending Culture
12. Too Hot To Handle
13. Blank Stare (Hidden Track)

Download komplett in einem Zip-File

Mit den Trashlords hinter verschlossenen Türen

Während einige meiner Nachbarn versucht haben die örtliche Polizeistation zu sprengen, durfte ich den Silvesterabend sinnvoller nutzten, um die rituell abgehaltene Weihnachts-Session mit den Trashlords zu mischen.

Dieses Jahr hatten wir uns wieder am 27. Dezember 2008 im Keller des legendären Studios Institut für Wohlklangforschung in Hannover eingefunden und ohne doppelten Boden live acht Eigenkompositionen eingespielt.

Aufgrund von logistischen Problemen fanden die Aufnahmen diesmal nur in der Kernbesetzung zu viert statt. Dafür sind die Songs diesmal zusätzlich zur Akustik-Gitarre, Bass, Mundharmonika und Gesängen wieder mit vollständigen Schlagzeug und elektrisch verstärkter Gitarre angereichert worden.

Wegen den zu erwartenden technischen Schwierigkeiten haben es dann immerhin noch fünf Lieder am Ende durch die digitale Barriere auf meinen Laptop geschafft. Wie sich so das anhört, könnt ihr hier unten überprüfen:

Jens Kupillas & The Trashlords
The Behind Closed Doors Session

01. Hell’s Angelic
02. On The Second Leg
03. Dark Friday
04. Irakli
05. Das Affenhaus ist ein Elfenbeinturm
06. Red Eyed Strangers
07. Fast Money
08. Waiting For A Plane

back-kopie

Stonercountry von J. Stone & The Bankrobbers

Mit einer neuen Gitarre im Gepäck war es nun an der Zeit mit meiner Stoner-Country-Band J. Stone & The Bankrobbers endlich mal unsere Songs einzuspielen.

Obwohl ein Guerilla-Gig in einer Wohnung am Ostkreuz in Berlin-Friedrichshain am Abend zuvor noch an unserer Leistungsfähigkeit zehrte, haben wir am letzten Sonntagabend sechs Lieder Live aufgenommen.

In der Behausung vom Bandleader J. Stone und Drummer/Background-Sänger Monsieur le champignon kamen eine Menge neuer Files auf meinen Laptop. Nach zehn Stunden Dauermischen und Mastern von mir am folgenden Tag gibt es nun endlich hier was zu hören. Vorhang auf für Stonercountry aus Berlin!

01. Rock Paper Scissors
02. When Jesus Came To My Door
03. Scarecrow
04. I Don’t Really Care
05. The Day I Slaughtered My Cat
06. The Ballad Of Women

Mit der Baby-Taylor-Gitarre ganz groß raus kommen

Aus purer Verzweiflung habe ich mir letzte Woche eine neue Western-Gitarre gekauft. Genervt vom ewigen Schleppen und eingeengt beim DVD-Konsum vor dem Fernseher: Die Wahl viel diesmal auf eine kleine und handliche ¾-Kindergitarre. Und zwar auf eine Baby Taylor.

Als ich im Sommer mit großem Erschrecken feststellte, keine Gitarre in der kleineren ¾-Größe zu besitzen, war ich in Panik kurz davor sofort eine billige Kaufhausgitarre von der Stange zu erwerben. Die Ermahnungen von Freunden führten dann jedoch zu einer eher nüchternen Einschätzung der delikaten Situation.

Nach dem Sondieren der Lage stand dann vom Preis/Leistungs-Verhältnis fast nur noch eine Baby Taylor in der Dreadnought-Form zur Auswahl. Als ich ein auf Reisen durch Thailand gespieltes Exemplar bei dem Bassisten meiner Stoner-Country-Band J. Stone & The Bankrobbers Probespielen durfte, war es um mich geschehen. Ich habe mir sofort eine Ausgabe im Internet bestellt.

Eine Akustik-Gitarre von der kalifornischen Marke Taylor stand zwar schon öfters zur Debatte, jedoch wollte ich an die 1974 gegründete Firma nie so richtig glauben. In diesem Bereich kommen für mich eigentlich nur Instrumente des Herstellers Martin aus Nazareth, Pennsylvania in Frage. Mit Abstufungen sind vielleicht auch noch für den Bühneneinsatz die soliden japanischen Gitarren von Takamine zu empfehlen. Auch die deutsche Marke Höfner soll in dem Bereich nicht schlecht sein.

Die seidenmatte Baby Taylor gibt es in vier verschiedenen Holz-Variationen: In Mahagoni, in Fichte mit Boden und Zargen aus laminierter Sapele, in Fichte mit Boden und Zargen aus laminiertem Ahorn und in einer etwas größeren 7/8-Version (auch in einer Linkshändlerversion). Die Wahl viel dann bei mir auf die Mahagoni-Ausgabe des Instrumentes, da diese Holzart in dem Ruf steht von der Klangcharakteristik etwas basslastiger zu sein. Bei einer winzigen Gitarre wohl die ersten Frequenzen, die wahrscheinlich verschwinden dürften, welche aber für meine Musik relativ wichtig sind.

Innerhalb von zwei Tagen war das in Mexiko gebaute Instrument bei mir im Briefkasten. Inklusive schöner und stabiler Tasche. Sofort wurden vierzehn Lieder aufgenommen um die Gitarre gründlich zu testen. Und das Ergebnis hat selbst mich etwas überrascht.

Die Klampfe ist super leicht (ca. 1,5 kg), klein (ca. 86 cm) und der Hals kann sogar noch abgeschraubt werden, womit das Gerät in jeden handelsüblichen Trenchcoat passen dürfen. Spielen lässt sich die Kleine auch total flüssig, leicht und einfach. Auch die kleinere Mensur (mit 57,8 cm ca. 7 cm kürzer als die einer “normalen” Gitarre) bereitet beim normalen Akkordspielen, sogar mit Kapodaster, keine nennenswerten Schwierigkeiten.

Die Reisegitarre ist robust verarbeitet und besonders die Stimmmechaniken lassen sich gut bedienen. Die Decke ist aus massiven amerikanischem Mahagoni und die Boden und Zargen aus laminierter Sapele gefertigt. Das wichtigste jedoch: Der Klang unterscheidet sich kaum von denen von großen Gitarren. Natürlich ist der Bassbereich aufgrund der Körpergröße etwas eingeschränkter, alle Saiten klingen trotzdem sehr ausgewogen und voluminös.

Ein Höreindruck vermittelt das erste auf dem neuen Instrument gespielte und aufgenommene Lied: Autumn Song. Mit diesem neuem Baby im Schrank wird in Zukunft hoffentlich das für Musiker übliche Equipment schleppen etwas reduziert. Gerade noch rechtzeitig zugeschlagen.

Der Taylor-Gründer Bob Taylor erklärt seine Baby Taylor:

Bruce Springsteen, Halloween und der Jersey Devil

Halloween nervt sicher fast so stark wie Karneval, Oktoberfest oder Loveparade. Dieser kommerzialisierte amerikanische Brauch irischem Ursprungs interessiert mich demzufolge genauso wenig wie Valentinstag, Vatertag oder Sylvester. Wenn Bruce Springsteen aber einen schmutzigen Blues am Kürbisfest zum freien Download anbietet, ist das jedoch schon eine ganz andere Sache.

Nach dem ersten Hören konnte ich allerdings gar nicht glauben, dass da der Boss hinter dem Song über den Jersey Devil stecken soll. Ein von Chess-Künstlern beeinflusster dreckiger Blues im harten Lofi-Sound-Gewand mit verzerrten Gesang hörte sich irgendwie nicht nach dem Rockstar aus Jersey an. Vielleicht nur ein schlechter Halloween-Scherz?

Das zugehörige unheimliche Video bestätigte mir dann aber doch die wirkliche Urheberschaft des angekündigten Protagonisten. Dort kann man Springsteen in theatralischen Posen, welche an Robert De Niro oder den späten Bob Dylan erinnern, sehen. Zwar ist der Track keine neue Hit-Single, aber ein solider B-Song des musikalischen Gewissens Amerikas.

Es scheint, als wolle der Musiker seinen Aussagen, dass er im Moment seine beste Musik macht und diese nun auch schneller und häufiger veröffentlich will, damit besonderem Nachdruck verleihen. Auf seiner Website schreibt der Boss, dass der Song eine kleine Freude für seine Freunde und Fans zum Halloween-Fest sei: “Dear Friends and Fans, If you grew up in central or south Jersey, you grew up with the “Jersey Devil.” Here’s a little musical Halloween treat. Have fun!” Ein typisch amerikanischer (Alb-)Traum also.

Den Song kann man sich hier runterladen. Das ist das Video dazu:

Auf den Spuren von Kinky Friedman in Hannover

Cover by W. Hank Daniels

Cover by W. Hank Daniels

Und wieder einmal hat die Reise in die Vergangenheit ein nützliches Ergebnis zu Tage gefördert. Am letzten Augustwochenende 2008 war ich schon zum neunten Mal in diesem Jahr zum Musik machen in meiner alten Heimat Hannover-Linden.

Zum dritten Mal haben wir im Esszimmer von Sarge (The Trashlords, Zoonamii, Disco Darlings) eine lockere Musiksession abzuhalten. Die kleinere Besetzung mit W. Hank Daniels, Frank Meusel (H.O.R.E.), Sarge und mir hatte sich urlaubsbedingt hingegen zum letzten musizieren nicht geändert.

Aber auch in diesem überschaulichten Rahmen sind einige interessante Aufnahmen auf den Laptop gekommen. Neben ein paar Eigenkompositionen von meiner Wenigkeit, haben wir auch diesmal wieder ein paar solide Coverversionen von Musikern wie John Fogerty, Kinky Friedman, Buck Owens, Merle Haggard, Hank Williams und Jagger/Richards ausgewählt.

Ein paar, wieder relativ schnell aufgenommen Songs, könnt Ihr Euch hier anhören und runterladen. Ach ja, der Session-Counter zeigt bereits schon 135 Lieder seit Weihnachten 2007 an. Erstaunlich!

Jens Kupillas & The Trashlords
(feat. W. Hank Daniels & Frank Meusel)
The 4th & Broad Session

01 A White Dove Among Black Cats (Take 1)
02 A White Dove Among Black Cats (Take 2)
03 Love’s Gonna Live Here Again
04 Bad Moon Rising
05 Jeffrey Lewis Sings The Brooklyn Bound Blues
06 Sing Me Back Home
07 Big Buildings And Small Faces
08 The Worm Keeps On Diggin’
09 Sold American
10 I’ll Be A Bachelor ‘Till I Die
11 Dead Flowers
12 Ballade vom kleinen Mann

Welche Nachteile Vinyl-Schallplatten haben

Wer etwas in der musikalischen Welt auf sich hält kauft analoge Vinyl-Schallplatten und schreit dies auch bei jeder Gelegenheit in das digitale Universum hinaus.

Die Vorteile liegen dabei ja auch klar auf der Hand: Die über 60 Jahre alte unkomprimierte Schallplatte klingt vermeintlich wärmer, tiefer und besser als herkömmliche digitale Tonträger. Durch die Größe des Covers wird das haptische Erlebnis zusätzlich verstärkt.

Die Unmöglichkeit des hin- und her-”skippens” führt meistens dazu, dass der Hörer Alben auch öfters wieder vollständig hört. Im Gegensatz zu digitalen Musikmedien, wie 100.000 Songs umfassende MP3-Festplatten-Sammlungen oder 35-CDs-Boxsets, ist nach spätestens 25 Minuten (die maximale Länge einer LP-Seite) ein erstes, absehbares Ende erreicht. Eine beruhigende Tatsache.

Auch der Prozess des “Diggins”, das Suchen und Finden von meistens alten, seltenen Schallplatten-Artefakten, ist eine viel amüsantere Erfahrung als der schnelle Klick bei iTunes oder Amazon. Hinzu kommt, dass der Vinyl-Kauf nicht selten eine lukrative Wertanlage darstellt. Von “politischen” Gründen für die CD-Abstinenz ganz zu schweigen.

Das in den letzten Jahren wieder mehr, aber immer noch im Verhältnis zu vergangenen Absatzzahlen oder aktuellen CD-Verkaufszahlen erschreckend wenig Leute Platten kaufen, hat sicher auch etwas mit den obsoleten digitalen Speichermedien zu tun.

Viele Nutzer lesen mittlerweile die Daten von den kleinen silbernen Scheiben nur aus, um sie dann auf dem MP3-Spieler oder auf der Computerfestplatte zu verwalten und platzsparend zu transportieren. Zudem gibt es jede Menge illegale Alternativen zum Kauf. Es scheint, als wäre die CD (obwohl immer noch Rückgrat der deutschen Musikindustrie) in Musikliebhaberkreisen bereits nach etwa 20 Jahren im Angesicht des Mediennutzungswandel schon wieder zu einem Auslaufprodukt geworden.

Dabei sollte man nicht vergessen, dass selbst die Hochphase des Vinyls im Verhältnis zu der dessen Vorgänger der Schellack-Platte zeitlich wesentlich geringer war. Einige Plattensammler – wie der dogmatische Joe Bussard – lehnen noch heute den Vinylkonsum konsequent als modernen Wahnsinn ab.

Doch in Zeiten wo viele Plattenhändler eher potenzielle Abzocker, anstatt verlässliche Kundenberater sind, ähnelt der Schallplatten-Kauf nicht selten der Teilnahme an einer dubiosen Kirmes-Lotterie. Viele gebrauchte und sorgfältig geprüfte Exemplare des immer teurer werdenden Musikgoldes knacken, knistern und leiern selbst nach intensiver Reinigung.

Die Plattenregale sind gefüllt mit schlechten holländischen Pressungen und illegalen Billig-Neuveröffentlichungen, so genannten “Counterfeits”. Und sogar der Klang vieler Neuausgaben von großen Labels ist nicht selten eher bescheiden, da oftmals einfach das griffbereite CD-Master im billigen Ausland auf schlechtem Vinyl gepresst wurde. Der Sound der Platte ist dann, selbst im direkten Vergleich zur günstigeren CD, oft tot und leblos.

Hinzu kommt, dass viele findige Subjekte mittlerweile Platten ohne Rücksicht auf Verluste aggressiv reinigen und abschleifen. Besonders auf Flohmärkten können so seltene Ausgaben an Touristen und sonstige Ahnungslose als neuwertig (“Mint”) teuer verkauft werden. Auch wenn dem Sammler eine gut erhaltende Originalausgabe oder eine solide Neuveröffentlichung den Spaß am Platten kaufen erhält; der Kunde weiß folglich im Gegensatz zum CD-Kauf letztendlich selten wirklich genau, was er für sein schwer verdientes Geld auch bekommt.

Auch wenn mit digitalen Medien schwer glaubwürdig als DJ aufzulegen und viel gute Musik überhaupt nie oder erst viel später digital erschienen ist: Der größte Nachteil der klobigen Schallplatte ist allerdings, dass man sie schwer günstig brennen, runterladen oder beliebig vervielfältigen kann. Für echte Musikliebhaber mit begrenzten Budget ein leider immer noch schlagendes Argument.

Ein weiterer Punkt, der einem den Erwerb von gebrauchten Schallplatten gründlich versaut, ist das Internet. Im Zeitalter von Smartphones und einer fast grenzenlosen Informationsverfügbarkeit sind viele Plattenhändler zeitnah über den potenziellen Wert ihrer Ware bestens unterrichtet.

Mittlerweile werden also die meisten Vinyl-Platten gnadenlos durch den Popsike-Filter (eine Website die Ergebnisse von Schallplatten-Auktionen speichert) gejagt. Mit von den Käufern mit generierten horrenden und teilweise unverschämten Preisen als Ergebnis. Denn diese Preise werden ja bezahlt.

Für einige an der Insolvenz schrammende oder gar schwarz agierenden Verkäufer ohne große berufliche Alternativen ein logischer Vorgang. Eine uninteressante Kaufoptionen aber für Schnäppchenjäger und normale Kunden. Vor allem, wenn die neue, remasterte CD-Version nur noch einen Bruchteil von der uralten Schallplatte kostet.

Das Sammeln von seltenen Platten entwickelt sich immer mehr zu einem dekadenten Hobby für gut betagte Menschen. Wurde früher noch eher in Porzellan- oder Briefmarkensammlungen investiert, stehen nun heute vermehrt teure Platten im Fokus der gelangweilten Elite.

Der Turbo-Kapitalismus hat in diese ehemals von vermeintlich linken Besserwissern dominierte Bastion Einzug gehalten. Gnadenlose Vorreiter sind nicht die mit unterm Strich fairen Preisen agierenden Elektrofachmärkte oder Internetversandhäuser, sondern oft der kleine, skrupellose Plattenverkäufer von um die Ecke.

Disclaimer: Dieser Artikel ist erstmalig am 20. August 2008 erschienen. Ich habe ihn am 8. April 2011 aber nochmal stark überarbeitet.

Eine musikalische Reise nach Hannover-Linden

Seit Weihnachten 2007 fahre ich ungefähr einmal im Monat in die alte Heimat nach Hannover-Linden, um dort mit alten Weggefährten informelle Wohnzimmer-Musik-Sessions abzuhalten. In diesem Zeitraum haben wir bis jetzt 106 Lieder mit meinem Laptop Live und ohne groß zu zögern aufgenommen.

An diesen in der Regel akustischen Ereignissen waren bisher folgende Musiker beteiligt: Cyman Lee (The Trashlords, Zoonamii), Sarge (The Trashlords, Zoonamii, Disco Darlings), Olli (Greener), Ben Blome, Niklas Pfeil (van Heugen, Ella, Reebosound), W. Hank Daniels, Frank Meusel (H.O.R.E.) und meine Wenigkeit. Dabei kamen Instrumente wie Gitarre, Bass, Schlagzeug, Mandoline, Akkordeon, Glockenspiel, Mundharmonika und diverse Perkussiongeräte zum Einsatz.

Die größtenteils als “First Take” aufgenommenen Songs waren meistens Eigenkompositionen von Cyman Lee oder von mir. Allerdings spielten wir auch einige Coverversionen von so illusteren Songwriting-Genies wie Bob Dylan, Merle Haggard, Guy Clack, David Allen Coe, Kris Kristofferson, Mono für alle!, Hank Williams, Tom Petty, Bruce Springsteen, John Prime, Kinky Friedman, Hank III, John Fogerty oder Willie Nelson.

Letztes Wochenende war es dann wieder soweit: Mit einer über die Mitfahrgelegenheit gebuchten unorthodoxen Reisemöglichkeit begab ich mich etwa 300 Kilometer weiter westwärts. Aufgrund urlaubsbedingter Fehlzeiten fanden die Aufnahmen diesmal nur in einem eher kleineren Rahmen, bestehend aus Frank, Sarge, W. Hank Daniels und mir, statt. Folgende neun Songs haben wir aufgenommen. Einige könnt Ihr Euch auch hier anhören und runterladen.

Update: Jetzt gibt es auch einen Song mit W. Hank Daniels an den Lead-Vocals hier zu hören. Und zwar: Country Heroes.

Jens Kupillas & The Trashlords
(feat. W. Hank Daniels & Frank Meusel)
The Street Fighting Men Session

01 Old Friends
02 My Humble Heart
03 Country Heroes
04 In Every Life A Little Rain Must Fall
05 The Ballad Of Ira Hayes
06 Long Haired Redneck
07 With The Old Breed
08 Without Feathers You Can’t Fly
09 Sold American

Die Musikindustrie stirbt trotz Radiohead allein

Jüngst ist heraus gekommen, dass der große Marketing-Gag zu Radioheads überbewerteten Album In Rainbows, wie so oft bei Marketingmaßnahmen, ein totaler Flop gewesen sein soll. Die britische Gruppe hatte schon im Oktober 2007 zur Promotion ihres Ende 2007 erscheinenden Albums die Aufnahmen auf ihrer Website zum Download in schlechterer Audioqualität und ohne Booklet angeboten. Als Gegenleistung wurde um eine im Ermessen des Nutzers liegende Spende gebeten.

Später ist dann allerdings an die Öffentlichkeit gekommen, dass erstaunlich wenigen Menschen Radioheads Musik eine Spende wert war. Nun teilte zu allem Überfluss auch noch die Mechanical Copyright Protection Society mit, dass sich die Nutzer In Rainbows häufiger von nicht subventionierten Tauschbörsen herunterluden, als von der offiziellen Radiohead-Website. Ob dieses Verhalten nun illegal war oder nicht, müssen wohl die Anwälte später entscheiden.

Das Ergebnis der Studie offenbart jedoch wieder einmal ein Paradoxon der modernen Kulturindustrie. Im Gegensatz zum Büchermarkt, indem immer mehr Menschen der westlichen Hemisphäre Bücher kaufen, im Gegenzug dazu aber immer weniger lesen, scheinen sich immer mehr potenzielle Konsumenten für Musik zu interessieren, allerdings ohne die Bereitschaft in die konservierten Kommerzprodukte zu investieren. Die Konzertsäle von alternden Rockstars sind allerdings auch trotz der zum Teil unverschämten Eintrittspreisen meistens prall gefüllt, der Merchandisingabsatz läuft gut und Musik-Internetportale und Tauschbörsen verzeichnen nicht mehr zu erfassende Zugriffszahlen.

Ob nun durch Musikpiraterie im Internet, einer generelle Marktsättigung, das Versagen des Hit-orientierten Geschäftsmodells, die Veränderung der Konsum- und Lebensgewohnheiten oder einfach nur das Nachlassen der musikalischen Qualität: Die Ursachen, warum sich die Umsätze der Tonträgerindustrie in den letzten Jahren fast halbiert haben (Im Klartext: Es kaufen heute nur noch etwa die Hälfte der Menschen CDs und Platten wie zum Ende der 1990er Jahre!) sind sicher so viele, wie es MySpace-Profile gibt.

Sie führen allerdings zu einem ästhetischen und existenziellen Problem für die Zukunft der kommerziellen Musikverbreitung. Denn die Illusion, dass all die Computerkids da draußen mit ihren Laptops ähnlich qualitativ hochwertige Musik kreieren, entdecken und vermarkten können, wie es eigentlich nur gut ausgebildete Tontechniker und finanzstarke Plattenfirmen vermögen, ist ein fataler Irrtum. So sehr es für den Einzelnen von großem Vorteil zu sein scheint; so sehr ist das Nachlassen der Musikqualität seit Mitte der 1990er auch eine subjektive Bestätigung der aufweichenden Arbeitsteilung in der Musiklandschaft.

Gute Musik ist aber sicherlich genug vorhanden, so dass ein Menschenleben bei weitem nicht mehr ausreicht, dies alles hinreichend zu rezipieren. Also auch wenn jede neue Epoche ihre eigene Kunst und Kultur wirklich erfordern sollte; der Bedarf an neuen Liedern ist objektiv betrachtet jedoch eher gering.

Den Musikmanagern bleibt zur Rettung da wohl nur noch übrig neue Wege zu gehen und auch unerschlossene Bereiche vollständig zu kommerzialisieren. Der noch schwach wachsende Klassikmarkt hat gezeigt, wo noch Kapital in der Musik drin stecken kann. Denn wenn die Kids kein Geld mehr bereit sind für Musik auszugeben, ältere Semester, die noch anders sozialisiert worden sind, sind es unter Umständen vielleicht schon. Die logische Konsequenz daraus wäre Musik eher für ältere Zielgruppen zu machen und zu veröffentlichen. Denn diese haben in der Regel noch eher das nötige Geld über und sind bereit dieses auch für überteuerte Tonträger auszugeben.

Eine der positivsten Begleiterscheinungen dürfte neben der weltweiten Verfügbarkeit von Musik und deren artverwandte Informationen sicherlich die Tatsache sein, dass die Menschen in Zukunft nicht mehr vordergründig Musik machen können um schnell reich, berühmt und sexy zu werden, sondern weil es ihnen wirklich um die Musik an sich geht.

Das Marketingkonzept zu In Rainbows, was nur für eine etablierte und über Jahrzehnte von der Musikindustrie aufgebaute Band wie Radiohead möglich war, scheint jedoch trotzdem ein voller Erfolg gewesen zu sein. Die Platte stieg Anfang 2008 in vielen Ländern direkt auf Platz 1 in die Charts ein. Radiohead, eine Band, die wie kaum eine andere von der finanziellen und infrastrukturellen Macht der Plattenfirmen profitiert hatte, dürfte dies sicherlich weniger tangieren. Denn deren existenzielle Schäfchen sind schon lange im trockenen Dock der gesicherten Alterfürsorge.