Wie ein Revelation-Sampler Hardcore beendete

Als im November 1996 die Label-Compilation In-Flight Program des Hardcore-Labels Revelation Records für den extrem günstigen Preis von DM 4.99 erschien, markierte dies für mich ganz persönlich das Ende einer Musik-Ära.

Nicht das ich zuvor nur ausschließlich diese Art von akustischen Signalen aufgenommen hätte. Denn seit meinem musikalischen Erwachen in meinen frühen Teenager-Jahren habe ich meine klangliche Welt meistens an den Fixsternen Bruce Springsteen, Bob Dylan und Johnny Cash (in wertender Reihenfolge) ausgerichtet. Mit leichter Abstufung auch gelegentlich an wichtigen Musikern wie Pulp, Manic Street Preachers, Nirvana, Beatles, Slayer, Neil Young oder Hank Williams.

Die lokale Hardcore- und Punk-Szene im norddeutschen Raum nahm jedoch einen relativ großen Stellenraum in meinem Freizeitleben in den Jahren von 1991-97 ein. Auch zuvor hatte ich schon viel harte Musik, wenn auch mit einem stärkern Heavy Metal Einschlag, gehört. Und auch nach 1997 verirrten sich noch so manche Hardcore-Aufnahmen in meine Platten- und CD-Regale.

In meiner Erinnerung lies jedoch ungefähr zu der Zeit als ich diese Compilation anlässlich der 50. Veröffentlichung dieses von Ray Cappo mitgegründeten Hardcore-Labels erwarb, auch das leidenschaftliche Interesse an dieser Musik nach. Die Gründe dafür waren sicher vielfältig; führten jedoch zu keiner bewussten Entscheidung:

Meine eigene, für mich künstlerisch immer extrem frustrierende Hardcore-Band Chapter 11, befand sich zu der Zeit in der Auflösung. Ich war genervt von den nachrückenden Szeneteilnehmern, welche man wohl eher in einer Großraumdisko oder auf einem Stadtfest, als auf einem Punkkonzert anzutreffen erwartete. Zudem begann auch das Interesse an den immer gleichen, vordefinierten Ritualen nachzulassen. Der wohl wichtigste Grund war allerdings, dass sich mein Freundeskreis selbst gewandelt hatte und mir einfach nicht mehr genug Weggefährten für solche Hobbys zur Verfügung standen.

Rückblickend mutet der Revelation-Sampler – bis auf ein paar Ausfälle von Bands wie Beta Minus Mechanic, The Iceburn Collective oder Whirlpool – fast wie eine Greatest Hits Album der amerikanischen Hardcore-Szene der frühen 1990er Jahre an. Wichtige Gruppen aus dem Spektrum von NYC- über Straight Edge- bis hin zu Post-Hardcore wie Youth Of Today, Gorilla Biscuits, Quicksand, Judge, Texas Is The Reason, Supertouch, Inside Out, Burn, Into Another, Chain Of Strength oder Bold machen diese CD zu einem immer noch aktuellen Genuss.

Es scheint allerdings, dass die dritte große Hardcore-Welle zu Beginn der 1990er Jahre auch der Zenit für dieses Musik-Genre bedeutete. Für viele Anhänger markierte dann die Veröffentlichung des Albums The Shape Of Punk To Come der schwedischen Band Refused im Oktober des Jahres 1998 endgültig das Ende der kreativen Entwicklung dieser musikalischen Bewegung.

Jetzt ist wieder ein neue Zusammenstellung mit Tracks von aktuellen Veröffentlichungen von Revelation Records erschienen. Die meisten Bands sind mir – im Vergleich zu dem ersten Album dieser Serie – leider kein Begriff mehr. Doch diesmal ist der Preis noch weiter gefallen: Man kann es sich hier bei Revelation Records umsonst runterladen.

Wenn Dave Grohl einem eine Drum-Lektion erteilt

Warum bin ich eigentlich kein dekadenter und Millionen schwerer Star? Die Antwort liefert das Video unten. Denn wenn man mit gerade 19 Jahren schon so irre gut Schlagzeug spielt wie Dave Grohl bei der US-Punk-Rock-Band Scream im Jahre 1988, kann dann im restlichen Leben eigentlich nicht mehr viel schief laufen.

Ich konnte das damals mit 19 Jahren und heute erst recht nicht. Und ich werde es mit einer Relativitätstheorie aushebelnder Gewissheit auch niemals können. Deswegen muss ich mich mit dem berühmt-berüchtigten Kupillas-Drum-Beat zufrieden geben oder mich lieber gleich ganz auf professionelle Schlagzeuger verlassen.

Man mag die Songwriterqualitäten von Grohl zurecht anzweifeln. Auch der College-Rock der Foo Fighters kann manchmal recht niveaulos und nervtötend sein. Doch die musikalischen Fähigkeiten von Dave Grohl sind nicht negierbar. Besonders auf dem Drum-Hocker, der den Sound einer guten Rockband bedeutet, macht der Mann aus Virginia immer eine gute Figur.

Auch wenn Scream, dessen Mitglied Grohl mit bereits 17 Jahren wurde und mit denen er kreuz und quer durch die USA und Europa tourte, keine besonders wichtige Gruppe war: Sein Stil scheint schon in seinen jungen Jahren, wo andere sich noch mit menschenfeindlichen Metronomen und sinnentleerten Rhytmusübungen aufhalten, fast vollständig entwickelt.

Und ich habe hiermit den finalen Beweis erbracht, dass man Talent nicht erüben kann. Bleibt mir also nichts anderes weiter übrig, nachts mich damit in den Schlaf zu träumen, einmal so solide Schlagzeug wie Dave Grohl spielen zu können. Oder wie Levon Helm. Oder wie John Bonham. Oder wie Keith Moon. Oder wie Ringo Starr…

Die Gorilla Biscuits kündigen Europatournee an

Einer der ersten Bands die mich damals in den glorreichen alten Tagen zum Punk und Hardcore überredeten waren die bis heute noch unübertroffenen Straight Edge Helden Gorilla Biscuits.

Neben schneller und melodiöser Musik überzeugten mich besonders die humorvollen und guten Texte, welche tendenziell eher von einem persönlichen Standpunkt aus geschrieben waren. Selbst heute – viele Jahre später – wirken diese noch frisch, zeitlos und überhaupt nicht peinlich. Dies scheint eine seltene Ausnahme im schnell gealterten Hardcore-Punk, deren heutige Anhänger oftmals konservativer erscheinen als viele ältere Protagonisten im Schlager- oder Countrymilieu.

Während Mastermind und Wahlberliner Walter Schreifels nach der Auflösung der Gorilla Biscuits im Jahre 1991 zunächst mit Quicksand und dann später mit den Rival Schools und Walking Concert relativ erfolgreich weiter musizierte und Sänger Anthony Civarelli Ende der 1990er Jahre noch eine Quasi-Gorilla Biscuits Coverband unter seinem Spitznamen CIV formierte, ansonsten aber relativ unspektakulär in seinem Tattoostudio auf Long Island sein Dasein fristete, blieb es um die restlichen Mitglieder im Einzelnen und der Band im Besonderen relativ ruhig. Kurze Lebenszeichen der Gruppe waren die Benefizkonzerte für den legendären, damals von der Schließung bedrohten New Yorker Club CBGB’s in den Jahren 1997 und 2005.

Mit dem remasterten Reissue des sogenannten zweiten und letzten Gorilla Biscuits Albums Start Today im Jahre 2006 durch das Harcorelabel Revelation Records wurde es wieder etwas lauter um die Band aus New York City. Walter Schreifels schrieb die Liner Notes zur Wiederveröffentlichung, die Band ging in Originalbesetzung für einen knappen Monat in den USA auf Tour und sie veröffentlichten parallel eine limitierte Tour 7“ (nur 20 Stück pro Konzert) mit zwei neuen Aufnahmen.

Nach einigen Verwirrungen kündigt sich endlich eine umfangreiche und definitive Europatournee an. Ob die Konzerte nun nostalgische Gottesdienste sein werden oder auch neue Songs zu hören sein werden wird sich zeigen. Und hoffentlich kommt dann bald auch eine neue Platte mit neuen Songs.

Tourdaten:
04.09. Hamburg – Grünspan
05.09. NL-Amsterdam – Melkweg
06.09. B-Antwerpen – Hof Ter Lo
07.09. Essen – Essen Bebt Festival
08.09. Leipzig – Conne Island
10.09. Berlin – SO 36
18.09. München – Backstage
19.09. A-Wien – Arena
23.09. CH-Winterthur – Salzhaus
24.09. CH-Genf – l´Usine
01.10. Saarbrücken – Garage
02.10. Wiesbaden – Schlachthof
03.10. Schweinfurt – Alter Stattbahnhof
04.10. Köln – Kantine
05.10. Münster – Skaters Palace
06.10. Bremen – Wehrschloss
07.10. NL-Tilburg – 013

Die Gorilla Biscuits bei ihrer letzten Europatournee in Frankreich im Jahre 1991:

Walter Schreifels spricht in Berlin deutsch!

Außer Dave Grohl und Eric Clapton kann wohl kaum jemand von sich behaupten in mehr als drei musikhistorisch relevanten Bands gespielt zu haben. Bis auf Walter Schreifels, der bei Youth Of Today, den Gorilla Biscuits und Quicksand mit dabei war und in jüngster Zeit mit den Rival Schools und Walking Concert musizierte.

Nun wohnt dieser Mann auch noch freiwillig in Berlin und beackert auf Solopfaden unsere Breitengrade. Zusammen mit Olli Schulz ist er im März in Deutschland unterwegs und wird sicherlich zu diesem Anlass auch einige Hits seiner alten Bands spielen. Hoffentlich auch die Aktivierungshymne meiner Jugend „Start Today“ von den großartigen Gorilla Biscuits (wie unten im Video zu sehen).

Tourdaten:

08.03. Jena – Kassablanca
14.03. Oldenburg – Amadeus
15.03. Osnabrück – Kleine Freiheit
16.03. Köln – Stereo Wonderland
17.03. Konstanz – Kulturladen
18.03. Frankfurt – Cookys