Stonercountry von J. Stone & The Bankrobbers

Mit einer neuen Gitarre im Gepäck war es nun an der Zeit mit meiner Stoner-Country-Band J. Stone & The Bankrobbers endlich mal unsere Songs einzuspielen.

Obwohl ein Guerilla-Gig in einer Wohnung am Ostkreuz in Berlin-Friedrichshain am Abend zuvor noch an unserer Leistungsfähigkeit zehrte, haben wir am letzten Sonntagabend sechs Lieder Live aufgenommen.

In der Behausung vom Bandleader J. Stone und Drummer/Background-Sänger Monsieur le champignon kamen eine Menge neuer Files auf meinen Laptop. Nach zehn Stunden Dauermischen und Mastern von mir am folgenden Tag gibt es nun endlich hier was zu hören. Vorhang auf für Stonercountry aus Berlin!

01. Rock Paper Scissors
02. When Jesus Came To My Door
03. Scarecrow
04. I Don’t Really Care
05. The Day I Slaughtered My Cat
06. The Ballad Of Women

Bruce Springsteen, Halloween und der Jersey Devil

Halloween nervt sicher fast so stark wie Karneval, Oktoberfest oder Loveparade. Dieser kommerzialisierte amerikanische Brauch irischem Ursprungs interessiert mich demzufolge genauso wenig wie Valentinstag, Vatertag oder Sylvester. Wenn Bruce Springsteen aber einen schmutzigen Blues am Kürbisfest zum freien Download anbietet, ist das jedoch schon eine ganz andere Sache.

Nach dem ersten Hören konnte ich allerdings gar nicht glauben, dass da der Boss hinter dem Song über den Jersey Devil stecken soll. Ein von Chess-Künstlern beeinflusster dreckiger Blues im harten Lofi-Sound-Gewand mit verzerrten Gesang hörte sich irgendwie nicht nach dem Rockstar aus Jersey an. Vielleicht nur ein schlechter Halloween-Scherz?

Das zugehörige unheimliche Video bestätigte mir dann aber doch die wirkliche Urheberschaft des angekündigten Protagonisten. Dort kann man Springsteen in theatralischen Posen, welche an Robert De Niro oder den späten Bob Dylan erinnern, sehen. Zwar ist der Track keine neue Hit-Single, aber ein solider B-Song des musikalischen Gewissens Amerikas.

Es scheint, als wolle der Musiker seinen Aussagen, dass er im Moment seine beste Musik macht und diese nun auch schneller und häufiger veröffentlich will, damit besonderem Nachdruck verleihen. Auf seiner Website schreibt der Boss, dass der Song eine kleine Freude für seine Freunde und Fans zum Halloween-Fest sei: “Dear Friends and Fans, If you grew up in central or south Jersey, you grew up with the “Jersey Devil.” Here’s a little musical Halloween treat. Have fun!” Ein typisch amerikanischer (Alb-)Traum also.

Den Song kann man sich hier runterladen. Das ist das Video dazu:

Wenn Bill Monroe das noch erleben könnte

Am kommenden Freitag (3. Oktober 2008) habe ich aller Voraussicht nach die Ehre mein erstes Konzert als “Chef-Mandolist” spielen zu dürfen. Dann werde ich nämlich zusammen mit anderen Musikern den jungen, talentierten Berliner Songschreiber J. Stone bei Singer-Songwriter-Contest im art.gerecht in Kreuzberg begleiten.

Zudem wird man noch meine Künste an der Mundharmonika und am Hintergrundgesang bewundern können. Wir werden so geschätzte sechs, von Country, Blues und Bluegrass beeinflusste, Stoner-Country-Songs spielen. Die Geschichte soll ab 20 Uhr starten.

Update: Das Konzert war gut besucht, hat viel Spaß gemacht und war rundum ein voller Erfolg. Meine extra für diesen Anlass erworbenen Fender-Mandoline hat mir gute Dienste erwiesen. Auf unser MySpace-Seite gibt es hier Fotos von dem Konzert zu sehen. Nächsten Freitag (10. Oktober 2008) spielen wir noch einmal in der letzten Runde im art.gerecht.

Blues-Legende Willie Dixon ist nervös

Der wunderbare Willie Dixon hat vor fast einem halben Jahrhundert ein Lied geschrieben, welches das Befinden von vielen modernen Stadtmenschen besser ausdrückt, als so mancher aktuelle Hit. Obwohl der Track eher eine zwischengeschlechtliche Beziehungsthematik umschreibt, kann er auch als ein Lebensgefühl verstanden werden. Der Song heißt Nervous.

Mit seiner im Jahre 1989 veröffentlichten Autobiographie hat Dixon stolz verkündet “I Am The Blues” und damit sogar nicht wirklich übertrieben. Schließlich ist er als Bassist und gelegentlich auch als Sänger auf einer Vielzahl von bedeutenden Blues- und Jazzplatten zu hören. Als Hauskomponist und Produzent des legendären Blueslabel Chess Records aus Chicago ist er zu dem Autor von Klassikern wie Hoochie Coochie Man, Evil oder Back Door Man, welche durch die Interpretation von Muddy Waters oder Howlin’ Wolf weltbekannt wurden. Songs aus seiner Feder wurden außerdem von den unterschiedlichsten Musikern wie den Rolling Stones, Cream, Led Zeppelin, Elvis Presley, Grateful Dead, Jimi Hendrix, The Doors oder den Black Crowes aufgenommen.

Eine der eindrucksvollsten Versionen von Nervous stammt von dem zweiten Teil des American Folk Blues Festival: 1962-1969. Den beiden deutschen Veranstaltern und Bluesfans Horst Lippmann und Fritz Rau gelang es ab dem Jahre 1962 immer wieder bekannte Bluesmusiker für Konzerte nach Europa zu holen. So fand auch Willi Dixon im Jahre 1962 seinen Weg in europäische Räumlichkeiten wie das Olympia in Paris oder dem Titania-Palast in Berlin. Das deutsche Fernsehen filmte einige dieser Shows oder lies die Musiker direkt im TV-Studio vor der Kamera und ohne Publikum spielen. So wurde auch das Video unten von Nervous für die Augen nachfolgender Generation konserviert.

Nach einer Einleitung des Pianisten Memphis Slim spiel dieser zusammen mit Willie Dixon am Bass und Gesang, Jump Jackson an den Drums und T-Bone Walker an der Gitarre den Song Nervous. Und kaum einer wird es wagen öffentlich ihre Integrität anzuzweifeln.

Albert Kings einzigartiger Blues-Gitarrenstil

Linkshändler sollen ja angeblich allesamt potentielle Genies sein. Bei prominenten Beispielen der Popmusikgeschichte wie Paul “Macca” McCartney, Jimi Hendrix oder Kurt Cobain scheint dies ja auch halbwegs zuzutreffen. Das beste Beispiel ist jedoch der Fast-2-Meter-Mann Albert King, welcher zusammen mit BB King und Freddie King das Blues Triumvirat der herrschenden E-Gitarren Könige bildet.

It’s A Long Way To The Top (If You Wanna Rock ‘N’ Roll) sangen die heiligen AC/DC schon. Albert King wusste bereits fast 40 Jahre vorher einen Blues über diese Thematik zu singen. Auf Plantagen in Mississippi und Arkansas groß geworden begann er schon als Kind auf aus Zigarrenkisten selbstgebauten Gitarren zu spielen. Später konnte er sich dann keine wirkliche Linkhändlergitarre leisten und spielte deswegen “normale” Instrumente verkehrt herum. Das hatte zur Folge, dass die dünnen Seiten bei Albert Kings Gitarren dann oben waren. Diesen Umstand verdankt jedoch die Welt den einzigartigen Gitarrenstil des auch als “The Velvet Bulldozer” bekannten Musikers. Denn wenn ein rechtshändiger Gitarrist die hohen Saiten noch oben zieht, zog sie Albert King analog dazu nach unten und dies hörte sich anderes an.

Anfang der 1950er Jahre durfte King dann auch mit Jimmy Reed in einer Band spielen, leider nur als Drummer. Eine erste Solosingle im Jahre 1953 für das Label Parrott interessiert dann kaum jemanden, was zur Folge hatte das Albert King nach St. Louis zog und erstmal nur noch in seiner Freizeit vor sich hin klampfte.

Erst Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre nahm der Gitarrist wieder einige Singles für die Plattenfirma Bobbin auf, die teilweise von Ike Turner produziert wurden und sich relativ erfolgreich verkauften. Zu dieser Zeit begann Albert King auch seine bekannte Gitarre Lucy, ein Instrument aus der damals noch neuen Serie der Firma Gibson mit dem Namen Flying V, zu spielen. Dieses Modell wurde viele Jahre später von Mettalisten wie den Scorpions oder Metallica erfolgreich zweckentfremdet.

Seine Gitarre stimmte King in der Regal vier Halbtöne nach unten und schlug die Saiten wie damals unter Bluesmusikern oft üblich von Hand anstatt mit Hilfe eines Plektrums an.

Mit 42 Jahren begann der Musiker im Jahre 1966 für die eher als Soul Label bekannte und in Memphis beheimatete Firma Stax aufzunehmen. Zusammen mit seiner neuen Begleitband Booker T & The MG’s (später wurden Teile davon als Begleitmusiker der Blues Brothers degradiert) produzierte King in den folgenden Jahren bis 1974 viele Hits und trat oft Live (u. a. mit Jimi Hendrix) auf. Erst ein Herzinfarkt konnte die noch bis ins hohe Lebensalter aktive Musikerkarriere 1992 stoppen. Ohne seinen Gitarrenstil wären Musiker wie Jimi Hendrix, Eric Clapton oder Stevie Ray Vaughan so nicht möglich gewesen.

BB Kings verborgene Blues-Schätze als Buch

Das Virgin Oberfreak Sir Richard Branson einen guten Riecher für interessante Projekte hat ist bekannt. Das Buch The BB King Treasures durch Virgin Books im Jahre 2005 in England veröffentlicht ist jedoch ein ganz besonderer Schatz. Im Stile des bekannten The Bob Dylan Scrapbooks anlässlich des 80. Geburtstag des Blues Boys erschienen, findet so diese Blues Schatzkiste nun auch über Umwege ihren Weg in die BRD.

In den USA durch die Bulfinch Press in die Bücherregale der Musikinteressierten gelangt, ist dieses von Dick Watermann zusammengestellte Buch durch die direkte Mithilfe von BB King persönlich entstanden.
Das besondere daran ist, dass es sich dabei nicht um einen normalen Bildband oder um eine klassische Biografie handelt, sondern eine mit sehr viele Liebe und seltenen Anekdoten aufgemachte Anthologie. Unveröffentlichtes Archivmaterial, originalgetreue, herausnehmbare Reproduktionen seltener Dokumente und eine Audio-CD mit King-Interviews und zwei bisher unveröffentlichten Songs (einer von BBs erster Aufnahmesession für ABC Records im Jahre 1962 und einer von einer Studiosession in London im Jahre 1971) sind genauso in diesem DIN A4 Bildband zu finden wie rare Fotos, Booklets mit Bildserien, alte Tourplakate und sorgfältig faksimilierten Originaldokumente aus dem Privatarchiv der Legende.

Auch die redaktionellen Beiträge, besonders über die Herkunft und Anfangszeit von BB King mit Statements überwiegend vom Protagonisten selber, jedoch auch von popkulturellen Größen wie Peter Guralnick, sind sehr gut gelungen. Einer meiner Lieblingsbilder ist neben den alten Plattencovern und Liveportraits ein Foto, wo BB King lächelnd Arm in Arm mit der Sängerin Claudia Marie Ivory Jackson und einem erfreuten Elvis A. Presley zu sehen ist.

Dieses Buch wird sich sicherlich zu dem Standardwerk über BB King etablieren. Eine wahre Schatzkiste.

B.B. King im Jahre 1968 in der legendären Ralph Gleason TV Sendung Jazz Casual:

Joe Bussard archiviert nur die Platten-Essenz

Joe Bussard ist ein Sammler und Suchender im positiven Sinne. Ohne die über 25.000 Exemplare von 78-rpm Platten umfassenden Sammlung des fast 71jährigen, wären wichtige amerikanische Kulturgüter wahrscheinlich für immer auf dem Grunde des Mississippis verloren gegangen.

Zum Glück sucht und archiviert Bussard seit den frühen 1950er Jahren die kostbaren, runden und nicht selten einzigartigen Tondokumente im Keller seines Hauses in Frederick im US “Border State” Maryland. Für einige Wiederveröffentlichungen von Reissue Labels wie Yazoo Records waren diese Scheiben in den mächtigen Kelleregalen des Zigarrenliebhabers die einzigste verfügbare Originalquelle.

Clint Eastwood hat einmal die Beiträge der USA zur “Weltkultur” definiert: Westerns & Jazz. Dies sind auch die Eckpfeiler der musikalischen Aktivitäten von Joe Bussard. Mit dem leidenschaftlichen Herzen eines Musikers, Radiomoderators und Labelinhabers, begibt er sich seit über 50 Jahren auf sogenannte “Fieldtrips” in die südlichen Regionen der Vereinigten Staaten.

Immer auf der Suche nach in runden Platten eingeritzter amerikanischer Jazz-, Country-, Blues-, Gospel- und Folkmusik der 1920er und 1930er Jahre aus dem Dunstkreis seiner beiden großen Helden; dem “Father Of Delta Blues” Charley Patton und dem “Singing Brakeman” Jimmie Rodgers.

Es gibt viele Musiksammler mit extrem vielen Platten, jedoch kaum einer hat wahrscheinlich so viele Gute bei sich zu Hause stehen wie Joe Bussard. Und kaum einer hat sie wahrscheinlich so intensiv und leidenschaftlich in sich aufgesogen wie dieser Mann.
Die Begeisterung Bussards für die kreativste und produktivste Periode in der amerikanischen Tonaufzeichnung geht jedoch einher mit einem Dogmatismus, welcher auf den Betrachter zunächst leicht befremdlich wirkt.

So lehnt er wegen durchaus nachvollziehbaren Gründen, wie z. B. der Einführung von Tonbandmaschinen und der dadurch ermöglichten Technik des “Overdubbings”, jede Art von Tonaufnahmen nach 1950 kategorisch ab. Die Jazzmusik ist in den Augen des Musikkenners bereits schon Mitte der 1930er Jahre für immer gestorben, was die Spätwerke von Duke Ellington oder Count Basie, aber auch das von Bebopern wie Charlie Parker, Dizzy Gillespie oder Thelonious Monk, von vornherein negiert. Eine von seiner pubertierenden Tochter erworbene John Lennon LP endete in den späten 1960er Jahren auch als Frisbeescheibe im Müllcontainer.

In seiner rebellischen Jugend lauschte Bussard schon mal vereinzelt modernen Klängen von Musikern wie Hank Williams Sn, Gene Autry oder Hank Snow. Diese Zeiten sind aber weitäsgehend vorbei. Abgeleitet aus der weltweiten “Gleichschaltung” der Musikkultur durch Pop- und Rockmusik (laut Bussard), bleibt dem Kenner der musikalischen Vergangenheit keine andere Wahl, als sich in das eigene Universum zurückzuziehen. Für viele Musikfanatiker mag Musik nur ein Hobby sein; für Joe Bussard war und ist es immer ein Fulltimejob.

Und somit ist es im Grunde auch nur folgerichtig, wenn er alle fremde und zerstörerische Elemente konsequent ablehnt und sich nur den puren Originalen widmet. Denn Musik wird wahrscheinlich niemals ehrlicher und direkter sein, als diese in den 1920er Jahren von armen Berufsmusiker, ohne großen technischen Aufwand direkt über ein Mikrophon auf Platte geritzten akustischen Zeichen. Diese wertvollen Signale will Joe Bussard bewahren.

Der Videoausschnitt unten stammt aus der brillianten Joe Bussard Dokumentation Desperate Man Blues. Erhältlich mit etwas Glück auf DVD und dem dazugehörigen fantastischen Soundtrack auf CD.
Auch zu empfehlen sind die Bussard Compilations Down In The Basement und Fonotone Records 1956-1969.

Blues-Legende BB King aus Krankenhaus entlassen

Wie die lokale The Daily News berichtet, wurde der 81jährige BB King am Samstag (27.1.2007) aus dem University of Texas Medical Branch in Galveston, Texas entlassen.

Der am Donnastagabend über Grippesymptome klagende “King Of The Blues” lies sich auf Anraten seiner Familienangehörigen für Untersuchungen ins Krankenhaus einliefern. Aufgrund der Diabeteserkrankung und dem Bluthochdruck von King, zeigte sich zunächst das persönliche Umfeld besorgt über den Gesundheitszustand des Musikers. Am Samstagnachmittag wurde jedoch ein lächelnder BB aus dem Hospital entlassen. Als Folge seines dortigen Aufenthaltes mussten die Konzerte vom Donnastag und Freitag im Galveston’s Grand 1894 Opera House ausfallen. Diese sollen im Juni nachgeholt werden.

Die Direktorin des “Opera House”, Maureen Patton, erklärte, dass BB King darauf bestanden habe die ausgefallenen Termine sofort nachzuholen, jedoch von seinen Ärzten und seinem Sohn und Manager Willie King davon abgehalten wurde. “He would have kept going instead of resting,” sagte Willie King der Presse. “But he’s doing really great now. He’s back to doing things like he normally does, plus he has an extra day to rest. He’ll be ready to go back.”
Na dann “Gute Besserung”.