Led Zeppelin wiedervereint in London

Gestern war es also soweit. Led Zeppelin spielten in der Londoner O2-Arena vor über 20.000 Zuschauern das seit einem halben Jahr massiv angekündigte Reunion-Konzert. Aufgrund der räumlichen Differenz, dem nötigen Kleingeld, der geringen Chance bei den Millionen von Ticketanfragen eine Karte abzubekommen und vor allem aus mangelndem Interesse war ich jedoch nicht vor Ort.

Ähnlich wie Helmut Kohls Verdienste für die deutsche Einheit, darf auch der maßgebliche Einfluss von Led Zeppelin auf die Rockmusik der 1970er Jahre nicht öffentlich angezweifelt werden. Obwohl sich mir als Fan des textlastigen 2-Minuten Pop-Songs die Lieder der englischen Rockveteranen irgendwie nie völlig erschlossen haben, sind die einzelnen Musiker und deren Zusammenspiel sicherlich maßgeblich für diese Art von Musik.

Der Anlass des 16 Songs umfassenden Sets vom 10. Dezember 2007 war dann jedoch auch ein besonders ehrenwerter: Zum Gedenken an den vor einem Jahr verstorbenen Atlantic Records-Gründer Ahmet Ertegun spielten die drei Herren um die 60 und der 41-jährige Sohn des 1980 volltrunken an seinem Erbrochenen erstickte Ur-Drummer John Bonham eine solide Show. Alle Einnahmen sollen an die Stiftung von Ertegun – einer der wichtigsten Plattenproduzenten und Pioniere der Popmusikgeschichte – gehen.

Die größten Led Zeppelin Hits wie Dazed And Confused, Kashmir, Whole Lotta Love und sogar der Nothing Else Matters Vorläufer Stairway To Heaven wurden dann auch dem begeisterten Publikum dargeboten. Mit der Konzertpremiere von For Your Life gab es sogar ein ganz besonderes Leckerbissen für die Fans. So liest mal jedenfalls an vielen Stellen im Internet.

Das Gesamtwerk kann nun downgeloaded werden, Klingeltöne gibt es davon auch und die vielen Kameramänner auf der Bühne deuten auf eine baldige DVD Veröffentlichung hin. Die Rockveteranen – welche sich in den 1970er Jahren gegen Promotion und Singleveröffentlichungen sträubten – sind damit also endlich in der medialen Gegenwart angekommen.

Mir wird es wohl wahrscheinlich nie ganz klar werden, wo durch sich Led Zeppelin von meiner Meinung nach besseren 1970er Jahre Rockbands wie Black Sabbath, Kiss, AC/DC oder Queen positiv abgrenzen. Waren sie vielleicht nur etwas früher da? Sind sie bessere Musiker mit besseren Songs? Oder gibt es da vielleicht gar keinen Wettbewerb und die Bands können sogar alle nebeneinander auf gleicher Höhe bestehen?

Den unzähligen anwesenden Fans hat das Konzert sicherlich eine besondere Gottesandacht beschert. Eine Tournee schließt die Band jedoch kategorisch aus. Somit wird es wohl bei diesem einmaligen Event bleiben. Kommerzielle Folgeaktivitäten wird es bestimmt immer wieder mal geben. Auch nicht so schlecht.

Die Blue Man Group im BlueMax Theater in Berlin

Dank meines Kollegen Andi kam ich jetzt endlich auch mal in den Genuss der weltbekannten Blue Man Group. Bereits seit dem Jahre 2004 kann man die Blaumänner schon in Deutschland bewundern. Seit Anfang 2007 sogar im eigenen BlueMax Theater (im ehemaligen IMAX-Kino) in Berlin und in einer zweiten Spielstätte in Oberhausen.

Die Blue Man Group wurde schon im Jahre 1987 von Matt Goldman, Phil Stanton und Chris Wink infolge einiger kleinerer Aufführungen in New York gegründet. Nachdem sie im Jahre 1991 den Village Voice Obie Award erhielten, führten sie im gleichen Jahr ihre Show im La MaMa Experimental Theatre Club auf. Nach kurzer Zeit zogen sie in das Astor Place Theatre um, in dem sie bis heute auftreten. In den folgenden Jahren wurden Shows in Boston, Chicago und Las Vegas eröffnet. Im Jahre 2004 wurde Berlin die erste außeramerikanische Spielstätte der Blue Man Group.

Beim Berliner Publikum schienen die drei leicht naiven aber durchaus liebenswürdigen Hauptprotagonisten, sowie die vierköpfige Band gut anzukommen. Kein Wunder, denn das Stück setzte nicht zuletzt auf eindrucksvolle Spezial-Effekte, Interaktion mit dem Publikum und massenkompatible Darstellungsformen. Hinter dem vordergründigen Anschein steckte jedoch noch mehr an kreativer Substanz.

Unterschwellige Kritik an der modernen Medienlandschaft schien bei der deutschen Blue Man Group-Inszenierung immer wieder durch. Das Publikum wurde durch irreführende Leuchtreklame und sinnentleerte Plakate bewusst in die Irre geführt wurde. Eingespielte Aufnahmen wiesen auf die Problematik des digitalen Zeitalters hin. Die Szenen hatten fast immer einen kritischen Beigeschmack. Dies wurde zum Beispiel in der bekannten Rockkonzert-Bewegungen-Szene deutlich, wo Darsteller und Publikum die zehn wichtigsten Rockstarbewegungen einstudieren mussten. Präsentiert wurde dies meistens mit einem leicht ironischen und humorvollen Unterton und war dadurch eher selten peinlich.

Ein wenig erinnerten die stummen Blaumänner an die Marx Brothers. Auch die unverhältnismäßigen, aber lustigen Aktionen der Blue Man Group unterhielten das Publikum prächtig. In ihrer einfachen Welt konnten die drei Darsteller fast alles tun und lassen was sie wollten, ohne existenzielle Konsequenzen fürchten zu müssen. Ein Hauch von Anarchie schwebte in der Luft. Gerade für den jüngeren Teil des Publikums eine perfekte Identifikationsvoraussetzung der Marke Pippi Langstrumpf.

Ein zentraler Punkt des Stückes war auch die Einbeziehung des Publikums. Zuschauer wurden auf die Bühne gerufen und die Blaumänner wanderten des Öfteren ins Publikum und animierten die Besucher zum Mitmachen. Bemerkenswert war auch wie die Darsteller auf die Reaktionen aus dem Publikum eingingen und Anregungen aufnahmen und weiterverarbeiteten. Improvisation war eine wichtige Größe der Show. Eine Vorstellung wird aus diesem Grunde wohl auch nie wirklich der Anderen gleichen. Natürlich fehlten in diesem Zusammenhang nicht sorgfältig platzierte Verfremdungseffekte. Eine Sprecherin war zum Beispiel plötzlich über ihre erotische Stimme begeistert oder Zuschauer wurden hinter den Kulissen vorgeblich rau behandelt.

Ein weiterer elementarer Bestandteil war die Musik. Diese kam gelegentlich von Band, wurde aber hauptsächlich von Musikern Live gespielt. Die Band thronte hoch über der Bühne in zwei großen Kästen und spielte mit so einer Energie, dass man sich fragte, wie es möglich ist bei einer aus dem prall gefüllten Vorstellungsplan resultierenden Mehrfachbesetzung an anderen Tagen auch dieses Niveau zu halten. Der Schlagzeuger war der heimliche Star des Abends. Er spielte so druckvoll und präzise wie es ein Dave Grohl wohl auch tun würde. Das der Zither- und Gitarren-Spieler fast alleine für Melodie und Klansphären zuständig war – Perkussionist, sowie Chapmanstick-, Bass- und Talkingdrumspieler waren tendenziell eher der Rhythmussektion zugeordnet – fiel nicht im geringsten negativ auf. Der Sound war breit und energievoll.

Gegen Ende der Aufführung hatte man dann etwas das Gefühl, dass einige spektakuläre Effekte nur um des Effekts willen eingesetzt wurden. Einen Sinn oder einer Dienlichkeit für die gesamte Aufführung ließen sich dann nicht immer erkennen. Ich für meinen Geschmack wäre lieber zehn Minuten früher in den Berliner Abend entlassen worden. Der fast ausverkaufte Saal schien dies aber anders zu sehen. Die Zuschauer amüsierten sich köstlich, als zum Beispiel sich Massen von Klopapier über den Saal ergossen, die Blaumänner per Kameraübertragung das nächste Taxis ergriffen oder als mit viel Farbe und großen Trommeln so richtig rumgesaut wurde.

Mittlerweile hat die Blue Man Group in Berlin schon über eine Millionen Besucher erreicht. Anfang 2008 wird es eine dritte deutsche Spielstätte in Stuttgart geben. Es zeigt, dass man mit innovativen Ideen die darstellende Kunst auch besondern jungen Generationen erfolgreich nahe bringen kann, ohne dabei plump oder niveaulos zu werden. Die Chance sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen zu können bleibt also in der nächsten Zeit weiter bestehen.

Dieser Artikel bezieht sich auf die 20 Uhr Vorstellung im Berliner BlueMax Theater vom 30.11.2007.

Thomas Gottschalk kündigt die Blue Man Group an:

Die Foo Fighters All Star Band in Las Vegas

Letzte Woche eröffneten die Foo Fighters mit einem gewagten, aber energiegeladenen Medley aus ihrer neuen Single The Pretender und dem Punkrock-Klassiker God Save The Queen von den Sex Pistols die MTV Europe Music Awards in München. Vor fast zwei Monaten spielten sie allerdings beim großen Bruder, den MTV Video Music Awards in Las Vegas, ein viel interessanteres Konzert.

Während der eine Ex-Mann von Pamela Anderson (Kid Rock) dem anderen verdutzten Ex-Mann (Tommy Lee) physisch zu Nahe trat und sich Britney Spears mit ihrer Performance blamierte, spielten die Foo Fighters mit vielen hochdotierten Gästen in der sogenannten Fantasy Suite des Palms Hotel und Casinos einen brillanten Gig.

So konnte man nicht nur die Foo Fighters Klassiker Everlong, All My Life, Best Of You oder die neue Single The Pretender (Ex-The Germs, Ex-Nirvana, Ex-Foo Fighters Gitarrist Pat Smear an der Gitarre!) bewundern, sondern auch naheliegende Coverversionen und artverwandte Kooperationen begutachten.

Motörhead Frontsau Lemmy und vor Keith Richards die Nummer Eins des Rocks half bei dem Song Shake Your Blood von Dave Grohls Soloprojekt Probot, sowie beim Motörhead Cover I’ll Be Your Sister aus. System Of A Down Sänger Serj Tankian sang die schon inflationär oft interpretierte Dead Kennedys Hymne Holiday in Cambodia während Rapper Cee-Lo neben der Prince Schnulze Darling Nikki auch zusammen mit den Queens Of The Stone Age (Dave Grohl am Schlagzeug!) deren Song Make It Wit Chu ablieferte.

Highlight des Abends war allerdings der Auftritt von Jesse “The Devil” Hughes als die Eagles Of Death Metal mit Josh Homme am Schlagzeug und Dave Grohl an der Leadgitarre. Die simplen Songs von Hughes und das holprige drumming von Homme rockten am meisten das Haus.

Das scheinbar gecastete und teilweise deplazierte wirkende Publikum konnte so in einem kleinen Rahmen ein leidenschaftliches Konzert erleben. Den besonderen Reiz machte jedoch aus, eine der bekanntesten Rockmusiker in den unterschiedlichsten Positionen und an die verschiedensten Instrumenten in Aktion zu sehen.

Die Setlist:

1. Foo Fighters “Shake Your Blood Part 1″
2. Foo Fighters “Everlong”
3. Foo Fighters “Best of You”
4. Foo Fighters “All My Life”
5. Foo Fighters featuring Pat Smear “The Pretender”
6. Foo Fighters featuring Serj Tankian “Holiday in Cambodia”
7. Foo Fighters featuring Cee-Lo “Darling Nikki”
8. Queens of the Stone Age featuring Cee-Lo and Dave Grohl “Make It Wit Chu”
9. Mastodon featuring Josh Homme “Colony of Birchmen”
10. Foo Fighters featuring Lemmy “I’ll Be Your Sister”
11. Foo Fighters featuring Lemmy “Shake Your Blood Part 2″
12. Eagles of Death Metal featuring Dave Grohl “Speaking in Tongues”
13. Eagles of Death Metal featuring Dave Grohl ” I Want You So Hard”
14. Eagles of Death Metal featuring Dave Grohl “I Only Want You”

The Hellacopters haben jetzt weniger Licht

Am Wochenende gab die schwedische Rockband The Hellacopters auf ihrer Homepage ihre Auflösung bekannt. Im Jahre 2008 soll es jedoch noch ein verflixtes siebtes Album geben, gefolgt von einer ausgedehnten Tour durch Skandinavien und dem europäischen Festland.

Das letzte Mal sah ich The Hellacopters vor etwa sechs Jahren auf der Reeperbahn in den Hamburger Docks als Vorgruppe von den Foo Fighters Live in Aktion. Eigentlich als Fan der schwedischen Rocker angereist, war ich jedoch erstaunt über den qualitativen Klassenunterschied zu den amerikanischen Kollegen um Dave Grohl. Mit dem Bühnenantritt der Foos wurde schnell klar, dass nun spiel- und soundtechnisch, sowie von der Bühnepräsenz der Akteure auf einem höheren Niveau gearbeitet wird.

Trotz den Parallelen, dass beide Frontmänner im Herzen eigentlich Schlagzeuger sind und zuvor in guten Rockbands die Stöcke, welche die Welt bedeuten geschwungen hatten, waren die Foo Fighters in meinem subjektiven Empfinden die eindeutig bessere Bands des Abends. Dave Grohl interagierte mit dem Publikum, band sich Luftballons von der Karnevalsveranstaltung vom Tag zuvor um den Hals und rockte, trotz seines traditionell livebedingten Grölgesangs, wie Sau.

Später auf der Rückfahrt wurde mir jedoch klar, was diesen Eindruck maßgeblich unterstützt hatte: Wie so oft musste die Vorband mit einem extrem schlechteren Bühnen- und Livesound auskommen und durfte fast komplett ohne Lichtanlage im der matten Bühnengrundbeleuchtung auftreten. Das so ein Vorgehen was bei Acts wie Gund N’ Roses aus Angst des Gesichtsverlustes gang und gebe zu sein scheint, nun auch bei den Foo Fighters angewandt wurde, irritierte mich. In den folgenden Jahren konnten sich dann The Hellacopters bedeutend seltener über so eine Verhaltensweise beklagen: Denn dann waren sie und ihre Techniker als Headliner für das Licht ihrer Vorgruppen verantwortlich.

Eine wirkliche Erklärung für das Ende der Band nach über 13 Jahren wird dann in ihrem Statement vom Samstag nicht gegeben. Wie üblich ist von persönlichen Gründen und Dankesreden für gemeinsame Weggefährten und Fans die Rede. Genaue Termine für die anstehende Tour sind bislang auch noch nicht bekannt gegeben worden.

Video zu By The Grace Of God:

Die Beasts Of Bourbon im Berliner Columbia Club

Obwohl die Beasts Of Bourbon tendenziell eher ältere Musik spielen, hätte deren gestriges Konzert im Berliner Columbia Club auch in den Jahren 1977, 1987, 1997 oder eben 2007 stattfinden können. Den jeweiligen Zuschauern wäre kein großer Unterschied aufgefallen.

Vom Rock ausgezerrt wie eh und je lieferte die Band einen positiven Beweis für zeitlose Rockmusik und eine energievolle Performance. Das fortgeschrittene Alter der Protagonisten auf der Bühne spielte dabei keine bedeutende Rolle und viel auch kaum weiter auf; das des Publikums allerdings schon.

Die Halle des Columbia Clubs füllte sich nur mäßig mit dem zu erwartenden männlichen Berliner Klientel und selbst bei Konzertbeginn war die Örtlichkeit nur maximal zu zwei Dritteln gefüllt. Sinnlose Absperrgitter vor der Bühne ein eher improvisierter Thekenstand sorgten zusammen mit der Architektur der Halle für eine leichte Dorffest- oder Schülerfetenatmosphäre. Dementsprechend kreischig war dann auch der Sound während des Konzertes. Dies war jedoch mit Beginn der Show bestenfalls nur noch Nebensache.

Mit dem Konzertanfang und den beiden Klassiker The Low Road und Just Right wurde relativ schnell die rockende Spreu vom posenden Weizen getrennt. Darauf folgten dann einige Songs von dem neuen Album Little Animals (acht Stück insgesamt am ganzen Abend), welche auch erstaunlich gut beim Publikum ankamen.
Rockstarerfahrungen mit den The Cruel Sea unterstützen den Sänger Tex Perkins, denn seine ironisch und extrem lustigen Bühneneinlagen führten zusammen mit seiner wahnsinnig prägnanten Stimme zu einer deutlichen Präsenz auf den Brettern dieser Welt.
Die Stimmung innerhalb der Band schien, wie es sich für eine richtige Rockband gehört, eher leicht gereizt. Tex Perkins und Gründungsmitglied Spencer P. Jones interagierten zwar gewohnt harmonisch, Bassist Brain Hopper schien jedoch Probleme mit dem Sound und anderen Bandmitgliedern zu haben. Auch Drummer Tony Pola hing zeitweise dem Beat etwas hinterher. Bei dieser Art des Ausdrucksrocks sollte das aber auch zeitweise so sein.

Die geniale Komposition Drop Out des alten Beasts Of Bourbon Schlagzeugers James Baker wurde eben diesen und dem anderen relevanten Exmitstreiter Kim Salmon gewidmet und war sicherlich mit dem Hound Dog Taylor Song Let’s Get Funky einer der Höherpunkte des Abends.

Die Gitarrensaiten wechselt die Band noch selber und auch der gesamte Abend wurde an den selben abgerockten Instrumenten und ohne Roadies bestritten. Die Band steigert sich immer mehr zum Ende des Konzertes hin und musste für zwei Zugaben wieder zurück kommen, bevor nach dem Schlusssong des neuen Albums Thanks nichts mehr ging.

Das Publikum bildete eher einen Gegenpol zu dieser mehr oder minder frischen Band. Die Menschen im Zuschauerraum waren zwar zum Ende hin immer euphorischer bei der Sache, der unbeteiligte Beobachter musste jedoch schnell feststellen, dass ein Generationswechsel im schlechten Sinne an diesem Abend stattgefunden hatte. Bestimmte Rockveranstaltungen scheinen nicht für generationsübergreifenden Fangemeinden gemacht zu sein. Leicht tragisch nur, wenn die Musik und deren Musiker im krassen Gegensatz dazu stehen. Das wahrgenommene Auftreten des Publikums der Columbiahalle hatte dann jedoch teilweise einen nervenden und konservativen Unterton und war symptomatisch für die anwesende geistig überalterte Kreuzberger Rockcommunity.

Dies Beasts Of Bourbon waren zwar eine zeitlang nicht wirklich aktiv, aber auch nie richtig aufgelöst und Rockgeschichte. Dieser Abend machte das wieder unmissverständlich klar. Wie gewohnt beschien das Konzert die rockige Seite der Australier. Die oftmals besseren Countrysongs blieben bei so einem Liveansatz größtenteils verständlicher Weise im Vinyl stecken. Hoffentlich geht es mit dieser Band trotzdem immer auf Platte und auf der Bühne so weiter.

Setlist (aus der Erinnerung nieder geschrieben und keine Garantie oder Anspruch auf Vollständigkeit und korrekter Chronologie):

1. The Low Road
2. Just Right
3. I Don’t Care About Nothing Anymore
4. I’m Gone
5. I Told You So
6. Hard, Straight & Long
7. Chase The Dragon
8. Bad Revisited
9. Little Animals
10. Master And Slave
11. Finger Lickin’
12. Driva Man
13. Too Much Too Late
14. Drop Out
15. Hard For You
16. Saturated
17. New Day Of The Dead
18. Let’s Get Funky
19. Thanks

Video zum Song I Don’t Care About Nothing Anymore vom neuen Album Little Animals:

Spinal Tap auf dem Live Earth Gig in London

Metallica spielten drei Hits von ihrem Black Album, Bloc Party und Keane trugen ihre pathosgestützten Sounds vor und erstaunlicherweise rockten die Foo Fighters und Beastie Boys extrem hart. Die größte, beste und wichtigste Auswirkung des weltweiten Live Earth Spektakels war jedoch sicherlich, dass sich Spinal Tap für diesen Auftritt wiedervereinigten.

Und so heizte, angekündigt von This Is Spinal Tap Regisseur Rob Reiner alias als Marty DiBergi, die Band um Nigel Tufnel und David St. Hubbins dem Londoner Wembley Stadium am 7.7.2007 deutlich ein. Für ihren Lieblingsplaneten spielten Spinal Tap unter anderem ihren Klassiker Stonehenge.

Neben das Nigel bei einem Song Mandoline spielte war das Finale des Auftrittes am beeindruckendesten. Mit an die 30 Bassisten spielte die Band den aus dem Spinal Tap Film bekannten Song Big Bottom. Mit dabei an den uneingestöpselten Viersaitern waren unter anderem Nate Mendal von den Foo Fighters, MCA von Beastie Boys sowie James Hetfield, Kirk Hammett und Robert Trujillo von Metallica. Von dieses Auftritts soll dann auch eine neue 15-Minuten-Dokumentation erstellt werden. Basser geht es nun wirklich nicht!

Die Gorilla Biscuits kündigen Europatournee an

Einer der ersten Bands die mich damals in den glorreichen alten Tagen zum Punk und Hardcore überredeten waren die bis heute noch unübertroffenen Straight Edge Helden Gorilla Biscuits.

Neben schneller und melodiöser Musik überzeugten mich besonders die humorvollen und guten Texte, welche tendenziell eher von einem persönlichen Standpunkt aus geschrieben waren. Selbst heute – viele Jahre später – wirken diese noch frisch, zeitlos und überhaupt nicht peinlich. Dies scheint eine seltene Ausnahme im schnell gealterten Hardcore-Punk, deren heutige Anhänger oftmals konservativer erscheinen als viele ältere Protagonisten im Schlager- oder Countrymilieu.

Während Mastermind und Wahlberliner Walter Schreifels nach der Auflösung der Gorilla Biscuits im Jahre 1991 zunächst mit Quicksand und dann später mit den Rival Schools und Walking Concert relativ erfolgreich weiter musizierte und Sänger Anthony Civarelli Ende der 1990er Jahre noch eine Quasi-Gorilla Biscuits Coverband unter seinem Spitznamen CIV formierte, ansonsten aber relativ unspektakulär in seinem Tattoostudio auf Long Island sein Dasein fristete, blieb es um die restlichen Mitglieder im Einzelnen und der Band im Besonderen relativ ruhig. Kurze Lebenszeichen der Gruppe waren die Benefizkonzerte für den legendären, damals von der Schließung bedrohten New Yorker Club CBGB’s in den Jahren 1997 und 2005.

Mit dem remasterten Reissue des sogenannten zweiten und letzten Gorilla Biscuits Albums Start Today im Jahre 2006 durch das Harcorelabel Revelation Records wurde es wieder etwas lauter um die Band aus New York City. Walter Schreifels schrieb die Liner Notes zur Wiederveröffentlichung, die Band ging in Originalbesetzung für einen knappen Monat in den USA auf Tour und sie veröffentlichten parallel eine limitierte Tour 7“ (nur 20 Stück pro Konzert) mit zwei neuen Aufnahmen.

Nach einigen Verwirrungen kündigt sich endlich eine umfangreiche und definitive Europatournee an. Ob die Konzerte nun nostalgische Gottesdienste sein werden oder auch neue Songs zu hören sein werden wird sich zeigen. Und hoffentlich kommt dann bald auch eine neue Platte mit neuen Songs.

Tourdaten:
04.09. Hamburg – Grünspan
05.09. NL-Amsterdam – Melkweg
06.09. B-Antwerpen – Hof Ter Lo
07.09. Essen – Essen Bebt Festival
08.09. Leipzig – Conne Island
10.09. Berlin – SO 36
18.09. München – Backstage
19.09. A-Wien – Arena
23.09. CH-Winterthur – Salzhaus
24.09. CH-Genf – l´Usine
01.10. Saarbrücken – Garage
02.10. Wiesbaden – Schlachthof
03.10. Schweinfurt – Alter Stattbahnhof
04.10. Köln – Kantine
05.10. Münster – Skaters Palace
06.10. Bremen – Wehrschloss
07.10. NL-Tilburg – 013

Die Gorilla Biscuits bei ihrer letzten Europatournee in Frankreich im Jahre 1991:

Modest Mouse Live im Fritz Club im Berliner Postbahnhof

Die Band Modest Mouse um den Sänger und Gitarristen Isaac Brock hat sicherlich die kommerzielle und mediale Anerkennung verdient, welche sie gerade in der Öffentlichkeit erhält. Gegründet im Jahre 1993 veröffentlichen die Musiker aus Issaquah, einer Stadt im US-Staat Washington, seit 1996 stetig solide Indie-Platten auf fast unzählig vielen Labels, vom Indielabel K-Records bis hin zum Majorgiganten Epic Records. Am 7.6.2006 spielte diese Band im Fritz Club im Berliner Postbahnhof.

Das Konzert war wie zu erwarten frühzeitig ausverkauft. Das letzte Album vom Frühjahr diesen Jahres We Were Dead Before The Ship Even Sank war überraschender Weise auf Platz 1 in die Billboard Charts eingestiegen. Außerdem war jetzt der Publikumgarant und The Smith Gitarrist Johnny Marr mit von der Partie.

Das Publikum feierte dann zurückhaltend euphorisch bei gefühlten 60 Grad und 98 Prozent Luftfeuchtigkeit die überwiegend sechsköpfige Band. Songs wurden meistens durch Begeisterungsrufe der vorderen Reihen gefeiert und frühzeitig erkannt, auf aggressives Rumgepoge oder gar Stagediving wurde erfreulicher Weise überwiegend verzichtet.

Positiv fiel relativ schnell die Instrumentierung auf. Mit zwei Schlagzeugern, von denen sich ein Drummer eher auf Perkussion beschränkt, Keyboards und akustischen Instrumenten (Kontrabass, Akkordeon, etc.) wurde ein Sound erzielt der von gängigen Rockstandards abwich. Zeitweise durfte sogar ein vermeintlicher Roadie mitspielen. Bis auf die Drummer, sowie Marr und Brock an den edelsten Klampfen, rotierte das Instrumentenkarussell auch stetig. Die Bassläufe waren aber trotzdem meistens die heimlichen Highlights des Abends.

Besonders einschüchternd war das Erscheinungsbild des Noel Gallagher Vorbilds Marr. Sein drahtiges Äußeres lies keineswegs auf einen 43jährigen Musiker, sondern eher auf einen Ende 20jährigen Studenten schließen. Seine Gitarrenmelodieläufe orientierten sich dann auch nicht an vergangenen Tagen, sondern spielten zeitlose ohrwurmartige Gitarrenläufe, welche teilweise an David Bowie Platten der Berliner Zeit erinnerten.

Hollywoodstar Susan Sarandon im Trainingsanzug an der Bar schien dies zu gefallen, auch wenn sich der Gesang aus dem Soundbrei nicht wirklich hervorhebt. Dafür sang aber Marr ungewöhnlich präzise seine Backvocals.

Das Konzert irritiert jedoch in einer Hinsicht. Auf der Bühne waren äußerst fähige und sympathische Musiker am Werke. Der Sound war im Postbahnhof nicht wirklich schlecht und man freute sich tendenziell über jeden weiteren Song. Die Arrangements waren gut und die Setlist auch ausgewogen zusammengestellt. Der Funke sprang jedoch nicht wirklich über und man hatte nach dem Konzert das leichte Gefühl zwar ein solides, aber doch auch etwas belangloses Ereignis erlebt zu haben. Vielleicht war ich aber für so einen Event auch nur nicht spirituell bereit.

Zwei Tage später wird bekannt das Sänger Brock bei einem Überfall im Gesicht verletzt worden ist und weitere Konzerte ausfallen müssen. Die Karten behalten ihre Gültigkeit und Nachholtermine sollen so schnell wie möglich angekündigt werden. Gute Besserung.

Fotos vom Konzert gibt es hier.

Nachtrag: Nachholtermine sind jetzt angekündigt worden:

03.07. Köln – Live Music Hall
04.07. Frankfurt – Batschkapp

Hier ein Ausschnitt vom Berliner Konzert, wo Isaac zu der Publikumsfrage nach seinem rotem Auge Stellung nimmt:

Video zu der neuen Modest Mouse Single Dashboard:

Die Beasts Of Bourbon kommen nach Deutschland

Ein solides neues Album haben die Beasts Of Bourbon Ende April 2007 in Australien auf dem AC/DC Label Albert Productions veröffentlicht. Angeblich in nur zwei Tagen geschrieben und in drei Tagen aufgenommen.

Jetzt kündigt die MySpace Seite der Band direkt im Anschluss ihrer Australientour eine umfangreiche Europatournee an. Den Auftakt machen die Jungs in der Glocksee in Hannover. Hier die Daten. Nicht verpassen!

06.07.2007 Hannover (Cafe Glocksee)
07.07.2007 Dortmund (FZW)
11.07.2007 Ulm (Eden Bar)
12.07.2007 Wien (Szene)
13.07.2007 München (Muffathalle)
14.07.2007 Ebensee (Kino)
15.07.2007 Torino (Spaziale)
16.07.2007 Faenza (Strade Blu)
20.07.2007 Bilbao (Cafe Anztokia)
21.07.2007 Santander (Draga Beach)
22.07.2007 Madrid (Gruta 77)
26.07.2007 London (The Underworld)
27.07.2007 Köln (Yard Club @ Kantine)
29.07.2007 Berlin (Columbia Club)
31.07.2007 Hamburg (Knust)
01.08.2007 Kopenhagen (Vega)
02.08.2007 Halden (Kick Off Party DOTF)
03.08.2007 Halden (Down On The Farm Festival)
04.08.2007 Halden (DOTF Festival – Acoustic Set)

Die Beasts Of Bourbon im Interview bei Beat TV:

Mrs. Norah Jones singt den Johnny-Cash-Blues

Ravi Shankar Tochter Norah Jones hat mit Johnny Cash eine breite Fanbasis gemeinsam, welche sich quer durch alle Bevölkerungsgruppen zieht und Menschen erreicht, die nicht unbedingt zu überzeugten Jazz- bzw. Country-Hörern im eigentlichen Sinne zählen.

Mit ihren ersten beiden Alben haarscharf an belangloser Fahrstuhlmusik vorbeimusiziert, intensivierte Mrs. Jones Anfang diesen Jahres offiziell mit ihrem dritten Album die eigene Songschreiberkunst. Das ihre Stärke aber auch auf dem Interpretieren großer Standards liegt, bewies die New Yorkerin unter anderem schon mit ihrer Version des Hank Williams Sn. Klassikers “Cold, Cold Heart” auf ihrem ersten Album Come Away With Me.

Während der bekannten Johnny Cash Tribut TV Show imponierte Jones mit der Performance von einem von Cashs besten Songs – “Home Of The Blues” (erhältlich auch auf The Legend of Johnny Cash Vol. 2) – und verwies damit die Auftritte von langjährigen Cashweggefährten wie Willie Nelson oder Hank Williams Jr. auf ihre Plätze.