Videospiel-Klassiker oder fast eine Jugend

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Legendär waren in meiner Heimatstadt die Street-Fighter- und Super-Mario-Kart-Tuniere der frühen 1990er-Jahre. Unzählige Male musste auch beim Handhaben von Videospielen wie Super Contra, Castlevania, Katakis, California Games oder Tetris das Inventar meines Kinderzimmers leiden.

Um meine Jugend aufzuarbeiten habe ich nun in jüngster Zeit wieder alte Videospiel-Konsolen akquiriert. Ein Atari VCS 2600, ein Super NES und ein Game Boy der ersten Generation liegen jetzt unter meinem LCD-Fernseher. Ein günstiger Anlass, um für WELT ONLINE das große Videospiel-Klassiker-Quiz zu entwerfen.

Seit über 50 Jahren gibt es mittlerweile nun schon Videospiele. Waren diese digitalen Betätigungsfelder in den 1950er- und 1960er-Jahren in der Regel noch einer Minderheit, überwiegend an technischen Universitäten, vorbehalten, so sorgten Münzspielautomaten in den 1970er-Jahren für einen ersten Videospiel-Boom.

Die Blütezeit hatte diese Art der Freizeitgestaltung in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren mit dem Aufkommen von Heimcomputern und Spielkonsolen. In dieser Zeitepoche liegen auch die Ursprünge der meisten Spielgenres wie Rollenspiele, Rennspiele, Jump ’n’ Runs, Beat ’em ups und Adventures.

Unvergessen bleiben die beliebten “Brotkästen” wie der Commodore 64 und der Commodore Amiga, das Atari VCS 2600 und der Atari ST, Nintendos Game Boy, das NES und das Super NES oder der Game Gear, das Master System und das Mega Drive von Sega. Für die richtig dekadenten Spielefreaks gab es noch teure Automaten wie das Neo Geo oder der Atari Lynx. Etwas später konnte man auch passabel auf den ersten PCs spielen.

Eine strikte Trennung zwischen Computer- und Konsolenspiel, wie sie eine Hardliner getätigt haben, konnte ich nie wirklich nachvollziehen. Nachdem ich mit der Musik begonnen habe, sind die digitalen Zeitvernichtungsmaschinen jedoch größtenteils aus meinen Leben verschwunden. Aufgrund von motorischen Koordinationsschwierigkeiten musste ich neulich sogar meinen Titel im digitalen Street-Fighter-Nahkampf wieder abgeben.

Doch die Zeit ist nun Reif, um meinen Commodore 64 und den Atari ST meines Bruders wieder aus dem elterlichen Keller zu holen. Und brauche ich eigentlich auch noch ein Sega Mega Drive?

Hier geht es zum Quiz bei WELT ONLINE.

Im Londoner Trainingslager der Marathonläufer

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Nach meinem Abitur war eine Konsumtour in die popkulturellste aller europäischen Städte fällig: das Brit-Pop-London der mittleren 1990er Jahre. Ein Flug war schnell gebucht. Doch für eine adäquate Unterkunft reichte das Geld nicht aus. Schließlich galt es vor Ort den Großteil des Ersparten in rare Schallplatten umzusetzen. Warum es also nicht einmal mit einer Jugendherberge probieren?

Ein Youth Hostel, nur um die 100 Meter von der berühmten St. Paul’s Cathedral entfernt, wurde auserkoren, um als Basisstützpunkt für alle konsumtechnischen Aktivitäten zu fungieren. Nach der Ankunft stellte sich jedoch heraus, dass der laute Glockenturm von St. Paul’s nur die geringste Störquelle darstellte. Der Zeitpunkt des Aufenthaltes überschnitt sich nämlich zufällig mit dem legendären London-Marathon.

Dies hatte zur Folge, dass die Herberge überfüllt war mit Hochleistungssportlern aus der ganzen Welt. In dem zum Trainingslager umfunktioniertem Mehrbettschlafsaal wurde tagsüber hart trainiert und ab 22 Uhr war strickte Bettruhe angesagt. Für alle abweichenden Aktivitäten herrschte von seitens der körperfixierten Langstreckenläufer nur wenig Verständnis.

Nach drei Nächten wurde klar, dass mein Aufenthalt und Hochleistungssport nicht länger kompatibel waren. Das neue Hostel lag im ruhigen Holland Park und war zum Glück von Marathonläufern befreit. Und der Einkaufstrip wurde dann doch noch ein voller Erfolg.

Dieser Artikel ist auch im Sonntagsmagazin BIZ der Berliner Morgenpost erschienen. Hier der Online-Print-Import.

Nils Bokelberg, Kurt Cobain und die 90er Jahre

Als die ehemalige deutsche Fernsehikone der 90er Jahre, Nils Bokelberg, in seinem Blog und bei Spreeblick dazu aufrief, seinen Song “Die 90s“ akustisch zu vergewaltigen, konnte ich meinem inneren kreativen Drang nicht widerstehen. Außerdem schien eine schnelle Neueinspielung eine gute Aufgabe, um mein wieder auferstandenes Schlagzeug und einen neuen Gitarrenverstärker unter schöpferischen Hochdruck zu testen.

Meine prollige musikalische Version des Jahrzehnts von Grunge und Love-Parade erinnert nun entfernt an “Smells Like Teen Spirit” von Nirvana. Bei der Geschwindigkeit, der Tonart, der Gesangsplatzierung im Refrain und natürlich der Thematik des Textes der Vorlage von Nilzenburger, war so eine Interpretation natürlich naheliegend. Zu naheliegend wahrscheinlich.

Dies ist auch der Grund, warum dieses Meisterwerk meines schlechten Geschmacks wohl für immer auf Nils’ und meiner privaten Festplatte sein Dasein fristen wird. Courtney Love und Dave Grohl sollen ja notorisch knapp bei Kasse sein. Und auch die GEMA wird zu Recht an den Kontoständen ihrer finanziell potenten Kunden interessiert sein.

Auch wenn in diesem konkreten Fall wahrscheinlich keine rechtlichen Komplikationen zu erwarten sind, schließlich ist der Song ja eindeutig von Nils geschrieben worden, es wurden keine Original-Samples verwendet und es würde ja auch niemals ein Gewinn damit erwirtschaftet werden, wird dieses Werk für alle Ewigkeiten in der privaten Anonymität einer weniger Computer verschwinden.

Für die nächsten Sessions muss ich jedoch noch die Mikrophonplatzierungen der Schlagzeugabnahme optimieren. Der Sound ist da noch etwas schwammig in den oberen Mitten. Die virtuelle Aufnahme der 90ties mit einem aktiven Protagonisten dieser Epoche hat mir aber trotzdem viel Sinn bereitet.

Der Gitarrist und seine erste Gitarre

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Irgendwie war sie schon immer da. Die alte Western-Gitarre im Keller meiner Eltern. Als ich Anfang der 1990er Jahre mit dem musizieren begann, war ich mit meiner zu Weihnachten geschenkten Konzert-Gitarre etwas unzufrieden. Schließlich wollte ich meinen Helden Bob Dylan, Bruce Springsteen und Johnny Cash Konkurrenz machen. Nylonsaiten auf einer klassischen Gitarre waren dafür aber nicht unbedingt von Vorteil.

Da fiel mir die alte Gitarre wieder ein. Doch leider hatte ich viele Jahre zuvor das Musikinstrument meinem Freund und späteren Bassisten meiner Band (Reebosound) beim Geisterbahnspielen auf seinem Kopf zerschlagen und damit dem Gerät schwere Schäden zugefügt. Eine Knappheit an finanziellen Mitteln und ein Übermaß an kreativer Energie führten dazu, dass ich das Instrument dann selber reparierte. Viel Holzleim, Farbe, die eigentlich für die Segeljacht meiner Eltern bestimmt war und abgesägte Besenstilstücke verhalfen dem alten Instrument zu neuer Form.

Zehn Jahre später erfuhr ich dann von meinem Onkel, der seiner Schwester und meiner Mutter die Klampfe in den 1980er Jahren mal geschenkt hatte, die Vorgeschichte der musikalischen Axt: Die Frau seines großen Bruders kaufte in den späten 1960er Jahren die Gitarre im Urlaub in Spanien. Dann trotzte sie einige Zeit lang den Witterungen auf deren deutschem Balkon. Mein musikalischer Onkel hatte Mitleid, erlöste die Seele des Instrumentes und überarbeitete es mit einem Kollegen während des Genusses von alkoholischen Getränken.

Auf dieser Gitarre habe ich dann spielen gelernt und hunderte Songs damit aufgenommen. Obwohl sie nicht mehr richtig zu stimmen ist und viele merkwürdige akustische Interferenzen produziert, hört sie sich auf Aufnahmen noch relativ gut an. Weihnachten 2008 wurde damit dann auch das Lied “Red Eyed Strangers“ von mir alleine in meinem Zimmer eingespielt (Download; zu hören ist die Gitarre dort im Stereo-Bild auf der linken Seite).

Von meinen vielen Gitarren ist diese immer noch meine Wertvollste. Sie erinnert mich an meine Familie und an meine eigenen (musikalischen) Wurzeln. Und sie wird bis zu meinem Tod hoffentlich noch an meiner Seite bleiben und danach Angehörigen vererbt werden.

Dieser Text ist auch hier bei WELT ONLINE erschienen.

Vom Plattensammeln für den guten Zweck

Sie halten sich selbst für einen Plattensammler? Lächerlich! Im Vergleich zu legendären Pionieren des Gewerbes wie Lenny Kunstadt oder den Collyer Brüdern sind fast alle zeitgenössische Archivare bedeutungslose Würmer. Große kulturelle Schätze der Menschheit wären ohne die Helden des Kulturhamstern ohne Zweifel für immer verloren gegangen.

Die Sucht nach dem Sammeln vom Gegenständen kann man leicht anthropologisch ableiten. Schon in der Steinzeit soll die männliche Ausgabe der Gattung Mensch mit dem Jagen und Sammeln von existenziell wichtigen Gegenständen die meiste Zeit verbracht haben. Waren damals noch wehrlose Viecher und verfaultes Obst elementare Gegenstände der Begierde, sind heutzutage in der allseits verdammten Überflussgesellschaft eher andere Dinge von Relevanz.

Kulturgegenstände wie Tonträger, Bücher, Filme oder Magazine sollten sicherlich für jedes aufgeklärte Individuum von höchster Wichtigkeit sein. Doch welchen Sinn macht die persönliche Archivierung dieser Gegenstände? Schließlich ist ein großer Teil dieser Geistesnahrung in den Bibliotheken oder Videotheken für einen Bruchteil des finanziellen Einsatzes zu erwerben. Und im Internet gibt es ja sowieso fast alles umsonst, wenn auch meistens nicht ganz legal.

Fast jedem ehrlichen Plattensammler ist schon mal vorgekommen, dass er ein Exemplar unabsichtlich mehrfach erworben hat. In Wirklichkeit geht es jedoch nicht darum ein Werk zu besitzen, sondern zu glauben das man es besitzt. In die Verlegenheit in dieser Angelegenheit mit der Realität konfrontiert zu werden, kommt man in der Regel eher selten. Viele Archive sind voll von ungehörten Platten, ungelesene Büchern und ungesehenen Filmen. Doch welcher Bibliothekar hat schon jedes Buch gelesen, was in seiner Bücherei steht? Was zählt, ist der gute Wille. Und die richtige Zeit zum rezipieren wird bestimmt noch kommen.

Auch die menschliche Auffassungsgabe ist begrenzt und selbst der hungrigste Mensch kann nicht unbeschränkt geistige Nahrung aufnehmen. Ein Menschenleben reicht bei weitem nicht aus, um auch nur Bruchteile des menschlichen Kulturerbe angemessen zu studieren. Doch mittlerweile sind viele Sammlungen von durchschnittlichen Studenten dank der digitalen Revolution schon größer als das Auffassungsvolumen des humanen Gehirns.

Selbst wenn die Unterschiede zwischen den verschiedenen Ausgaben vorhanden sein mögen, rechtfertigen sie einen vielfachen Kauf des selben Werkes? Sinnvoll wäre vielleicht sich eher wie Joe Bussard ein Kernarchiv voller akzeptierter Klassiker auf dem hochwertigsten Medium und in der vollendeten Ausgabe zuzulegen. Doch wer trifft da schon die richtige Entscheidung, wenn viele Kulturgegenstände ihre Zeit brauchen um vollständig erfasst zu werden? Wer hat nicht ein Album oder ein Buch Jahre nach dem Erwerb erst als Geniestreich identifiziert?

Zudem sind viele Werke auch nicht beliebig verfügbar, sondern kurz nach dem Erscheinen für immer “Out of Print”. Das Brechen der ersten Konsumregel (“Kaufe niemals später, was du auch jetzt kaufen kannst!”) hat dann nicht selten verheerende Konsequenzen. Es gibt auch weitaus kostspielerische Hobbys als die Auseinandersetzung mit menschlichen Kernwerten. Die Mehrheit der Bewohner dieser Breitengrade gibt an einem Wochenende mehr Geld für Drogen, “Party” und Spritgeld aus, als der durchschnittliche Sammler in einer ganze Woche.

Im Grunde hat eine Sammlung auch einen Tagebuchähnlichen Charakter. Man archiviert damit auch immer einen Teil seines eigenen Lebens. Und welche wirklich wichtigen Gründe könnte es für die Vernichtung und Aussonderung von Kulturgegenständen geben? Platzmangel? Weniger schleppen bei potenziellen Umzügen? Geld sparen? Alles unzutreffende Argumente für einen echten Sammler.

Es bleibt einem die Illusion etwas Sinnvolles zu tun und die Essenz des Menschheit für die Nachwelt aufzubewahren. Während andere Bürger ihre Zeit und Geld mit nutzlosen Dingen verschwenden, kann man sich dadurch selbst verbessern. Dazu besteht die Möglichkeit für die eigene belanglose Person noch einen Bedeutungszuwachs zu generieren. Doch eins sollte man niemals vergessen: Kunst kann man nicht besitzen.

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Die vielen Poster des White Albums der Beatles

Gestern vor 40 Jahren ist das “White Album” der Beatles erschienen. Den weißen Namen verdankte die Platte dem von Richard Hamilton gestalteten Cover.

Im wissenschaftlichen Diskurs über John Lennons halbherzige Antwort auf Paul McCartneys Sgt. Pepper-Konzept habe ich jüngst interessante Erkenntnisse gewonnen. Dem eigentlich selbstbetitelten Beatles-Album lagen nämlich neben vier größeren Bildern der einzelnen Fab-Four noch ein Poster bei.

Während sich auf der Rückseite des Plakats die Texte zu den Albumsongs befinden, ist auf der Vorderseite eine Fotocollage mit Bildern die John Kelley im Herbst 1968 aufgenommen hatte zu sehen. Von dieser Collage gab es jedoch unterschiedliche Versionen.

Ich bin in der glücklichen Situation sogar gleich zwei verschiedene Exemplare zu besitzen. Wie man auf den Fotos unten sehen kann sind auf einem Plakat mehr Bilder vorhanden. Unter anderem ist noch ein Foto von Ringo Starr mit Hut, eine halbnackte Frau und ein irrer Freak zu sehen. Die Gründe für diese Unterschiede sind mir allerdings völlig unklar.

An anderen Aufnahmen kann man jedoch hier erkennen, dass es noch mehr als zwei unterschiedliche Poster gab. Auf einer zensierten Version ist verständlicher Weise John Lennons nackter Körper samt Yoko Ono abgeschnitten worden und eine Zeichnung von ihm fehlt auch noch. Merke: Über die Beatles kann man immer noch neue Dinge herausfinden.

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Colt Seavers und ein Stuntman-Song für alle Fälle

Begonnen hatte alles mit einem Song. Nachdem der Leadsänger der “The Diamonds”, David Sommerville, dem Produzenten Glen A. Larson, seine neuste Songidee “Ballad Of The Unknown Stuntman” vorgespielt hatte, war dieser so begeistert, dass er sofort eine Fernsehserie daraus machen wollte.

Laut einer Hollywood-Legende spielten sie dann den Verantwortlichen des Fernsehsenders ABC nur dieses Lied vor und bekamen sofort den Zuschlag für die Produktion. Dem Aspekt des frustrierten Stuntmans fügte Larson später noch eine Kopfgeldjägerthematik hinzu. Das Fundament für “Ein Colt für alle Fälle” war damit im Jahre 1981 gelegt.

Glen A. Larson hatte bereits Ende der 1970er-Jahre mit “Quincy”, “Kampfstern Galactica” und “Magnum” TV-Klassiker der leichten US-Serienunterhaltung geliefert. “Knight Rider” sollte in den 1980er-Jahren noch folgen. Am meisten Spaß bereitete ihm jedoch, wie er späte erzählte, die Produktion von “The Fall Guy”, wie “Ein Colt für alle Fälle” schließlich im englischsprachigen Original hieß.

Nachdem zunächst Burt Reynolds für die Hauptrolle im Gespräch war, ging dieser Job letztendlich an Lee Majors. Majors war dankbar, sein Image nach den Jahren als Sechs-Millionen-Dollar-Mann in der gleichnamigen Serie noch einmal korrigieren zu können. Die Serie produzierte der Schauspieler dann auch gleich selbst mit. Im weiteren Verlauf stolperten auch immer wieder berühmte Gäste wie James Coburn, Tom Selleck oder der unglaubliche Hulk durchs TV-Bild.

Die Handlung ist schnell erzählt: Der von Majors gespielte Stuntman Colt Seavers ist notorisch Pleite und muss deswegen widerwillig Jobs als Kopfgeldjäger annehmen. Unterstützt wird er dabei von seinem tollpatschigen Cousin Howie Munson (Douglas Barr) und einer Blondine mit dem zweideutigen Namen Jody Banks (Heather Thomas). Wechselnde Kautionshelferinnen beliefern das Team mit Aufträgen.

Dabei erinnert die Machart der Serie an James-Bond-Filme oder sogar an klassische B-Western der 1920er- und 1930er-Jahre. Durch und durch böse Charaktere treiben ungehindert ihr Unwesen und werden in einem Showdown am Ende vom Helden zur Strecke gebracht. Und so haben auch Colt Seavers und seine Weggefährten immer das Herz am rechten Fleck. Deren Gegenspieler sind folgerichtig auch immer eindeutig böse. Und natürlich siegt am Ende das Gute, und die Ordnung ist wieder hergestellt.

Die Handlung hat in der Regel also keinen besonderen Tiefgang. Auch die Darsteller besitzen die Vielschichtigkeit von durchschnittlichen Comic-Figuren. Dialoge haben kaum eine lyrische Relevanz. Dafür gibt es viele visuelle Actionszenen mit wilden Schlägereien und atemberaubenden Verfolgungsjagden. Genau diese Eindimensionalität macht jedoch den Charme der Serie aus. In komplexen Zeiten gewinnen solche simplen Geschichten mit festen Abläufen und Bezugspunkten oftmals an Unterhaltungswert.

Vielleicht prägte deshalb Colt Seavers die Jugend einer ganzen deutschen Generation mit. Heather Thomas aka Jody Banks verlieh Tagträumen von vielen pubertierenden Jungen eine Inspirationsquelle. Ein wahrscheinlich noch größerer Einfluss auf die Fantasie der männlichen Heranwachsenden dürfte jedoch der Pickup-Truck von Colt, ein GMC Sierra Grande, gewesen sein. Auch Jahre später denken viele Erwachsende noch gerne mit Nostalgie an diese Fernsehabenteuer zurück, welche das Amerikabild von so vielen Europäern nachhaltig beeinflussten.

Am 14. Januar 2008 erschien fast 25 Jahre nach der deutschen Erstausstrahlung die erste Staffel von “Ein Colt für alle Fälle” in Deutschland auf DVD. Aufgrund von Lizenzstreitigkeiten musste die Serie jedoch leider neu synchronisiert werden. Dafür gab es ein restauriertes Bild, neue Szenen, einige Specials und eine solide aufgemachte Verpackung. Die zweite Staffel wird nun am 28. November 2008 veröffentlicht. Unklar ist noch, ob alle Episoden der Serie jemals in Europa auf DVD erscheinen werden.

Der Titelsong der Serie, “The Unknown Stuntman”, wurde schließlich von Lee Majors selbst gesungen. Der Hobby-Interpret nahm leichte textliche Änderungen, wie die Erwähnung von seiner Ex-Frau und “Ein Engel für Charlie”-Darstellerin Farrah Fawcett, vor. Das Lied ist heute genauso wie die Serie ein amerikanischer TV-Klassiker der 1980er-Jahre.

Update: Den Text kann man jetzt auch hier auf WELT ONLINE und hier in der Berliner Morgenpost lesen.

Vorspann von “Ein Colt für alle Fälle”, inklusive “The Unknown Stuntman”:

Welche die besten Beatles-Songs sind

Neil Young hat mit der Coda der Konzerte seiner aktuellen Europa-Tournee erneut bewiesen, dass es wirklich sehr schwer ist Lieder der Beatles erfolgreich zu interpretieren. Besonders wenn man sich dabei an so epischen Studiomeisterwerken wie A Day In The Life vergeht.

War Neils Cover-Version von Imagine auf dem Tribute To Heroes Konzerts wegen der Änderung von einer der dekadentesten Textzeilen überhaupt in “Imagine no possessions. I wonder if I can” noch originell, so kann diese erneute Würdigung von Lennon und Co. als durchaus gewagt eingestuft werden.

Darüber wer der beste Pilzkopf war und warum Paul McCartney die öffentliche musikalische Wahrnehmung der Fab Four stärker als John Lennon geprägt hat, habe ich mich bereits an anderer Stelle ausgelassen. Was die besten Beatles-Stücke sind, ist im Gegensatz dazu jedoch weitaus schwieriger zu bestimmen.

Auch wenn Bestenlisten generell eher wenig Sinn machen; sie sind doch manchmal trotzdem notwendig. Gerade in einem umfangreichen Werk können Hitmarkierungen Orientierung bieten. Deshalb habe ich hier die Top 20 mit meinen liebsten Beatles-Songs aufgeführt.

Ich bitte um Beachtung: Obwohl John Lennon in meiner Fab-Four-Sympathie-Rangliste nur kurz vor George Harrison das Schlusslicht mit bildet, wird diese Aufzählung ausschließlich von Jahrhundertsongs dominiert, bei denen Lennon überwiegend die Lead-Vocals gesungen hat. Ob sein Gesang auch ein Indiz für die Haupturheberschaft der Stücke ist, wird nicht mehr genau zu bestimmen sein und war bereits in der Vergangenheit immer wieder Gegenstand von Kontroversen.

Es handelt sich bei dieser Liste auch um eine durchaus subjektive, wertende und zeitlich abhängige Reihenfolge. Die Hauptargumente für die Auswahl, neben den großartigen Kompositionen an sich, sind in den Klammern mit angegeben.

1. Across The Universe (WWF Version)
(Text, Akkordwechsel, Gitarrenpickung, Atmosphäre, Chöre der Apple Scruffs)

2. Happiness Is A Warm Gun
(Titel, Struktur, Gitarrensound, Gesänge am Ende, Atmosphäre)

3. Strawberry Fields Forever
(Mellotron von Paul, Idee, Drums von Ringo, rückwärts gespielte Tonbandcollagen, Ende, gepitchter Gesang)

4. Tomorrow Never Knows
(Drums von Ringo, “Der Dalai Lama singt von einem Berg herab”, One-Chord-Song (C-Dur), Tonband-Samples von Paul)

5. A Day In The Life
(Gesangslinie der Strophe, Orchester-Zwischenteil, Übergang zur letzten Strophe, Bass von Paul, “Now they know how many holes it takes to fill the albert hall”)

6. Help!
(Drum-Fills von Ringo, Lead-Gesangs-Performance, zweite Strophenstimme von Paul und George, Lead-Gitarre im Chorus von George)

7. I Am The Walrus
(Struktur, Video aus Magical Mystery Tour, Gesangssound, Text, Gesänge der Mike Sammes Singers, Soundeffekte)

8. I’m A Loser
(Titel, Harmonikasolies)

9. Revolution
(“You Can Count Me Out-In”, Anti-Mao Bekenntnis, Schreie am Ende, Gitarrensound, E-Piano von Nicky Hopkins)

10. Everybody’s Got Something To Hide Except Me And My Monkey

(Titel, Anfang, Lead-Gitarre)

11. The Ballad Of John And Yoko
(Egotrip von Lennon-McCartney (Lennon (on guitar): “Go a bit faster, Ringo!” McCartney (on drums): “OK, George!”), Bass/Drums von Paul, Back-Vocals von Paul, Bridge, Subtile Steigerung zum Ende hin)

12. You’ve Got To Hide Your Love Away

(Bob Dylan, keine Drums, 12-String Gitarre)

13. Girl
(Atemgeräusche beim Gesang, Mittel-Achter, “Tit-Tit-Tit“ Back-Vocals, Walzer-Ende)

14. In My Life
(Gitarrenanfang von George, Bach-Piano-Solo von George Martin (bei halber Geschwindigkeit aufgenommen), Vergangenheitsthematik)

15. Norwegian Wood
(Sitar von George, ¾ Takt, Back-Vocals von Paul)

16. Don’t Let Me Down
(Gelungene Umsetzung der Love-Song Thematik, Billy Preston, Mittel-Achter, Rooftop Konzert)

17. You’re Going To Lose That Girl
(Bongos, Back-Vocals)

18. A Hard Day’s Night
(Ringo Zitat, Film, Geschichte des Anfangsakkord, Perkussion)

19. I’m Only Sleeping
(Rückwärts gespieltes Gitarrensolo, Idee, Gesangsperformance)

20. Sexy Sadie
(Negatives Maharishi Mahesh Yogi Portrait, Piano von Paul, Back-Vocals)

Wolf Biermanns Indie-Platte Chausseestraße 131

Der durch zahlreiche Preise und Ehrungen hochdekorierte Freiheitskämpfer Wolf Biermann hat in den letzten Jahren subjektiv betrachtet sicherlich einige kulturelle Verbrechen begangen. Neben seinen Bob Dylan und William Shakespeare Verschlimmbesserungsübersetzungen nervten besonders seine Statements zu belanglosen Themen des öffentlichen Lebens. Eines der interessantesten musikalischen Tatsachen über den Barden mit dem Walrossbart dürfte jedoch sein erstes richtiges Album Chausseestraße 131 aus dem Jahre 1968 (sic!) sein.

Nachdem der Sohn eines 1943 als Jude in Auschwitz ermordeten kommunistischen Werftarbeiter den Mitschnitt von seinem ersten Gastspielauftritt in der Bundesrepublik Wolf Biermann (Ost) zu Gast bei Wolfgang Neuss (West) und den Lyrikband Die Drahtharfe in Westdeutschland veröffentlicht hatte, verhängte das 11. Plenum des ZK der SED im Dezember 1965 ein totales Auftritts- und Publikationsverbot in der DDR gegen ihn. Auch in die SED wollte man ihn nicht aufnehmen, da die Zuständigen damals der Ansicht waren, Biermann könnte die Vielzahl seiner künstlerischen Aktivitäten nur durch massiven aufputschenden Drogenkonsum vollbracht haben.

Aufgrund dieser Einschränkungen war es für den während der Aufnahmen zu Chausseestraße 131 fast 32-jährigen Musiker um einiges schwieriger seine Lieder auf den DDR-Plattenlabels Amiga oder Eterna zu veröffentlichen, geschweige denn ein professionelles Tonstudio zu benutzen. Die Aufnahmen fanden dann in Biermanns Berliner Wohnung unter der selben Adresse mit Hilfe eines von Freunden aus dem Westen organisierten Grundig-Tonbandgeräts, sowie eines von seiner Mutter unter ihrem Rock durch die Kontrollen im Tränenpalast am Bahnhof Friedrichstraße geschmuggelten Sennheiser 421-Mikrofons, statt.

Durch die Kugelcharakteristik des Mikros wurden dabei jedoch auch noch die Geräusche von sich am Haus vorbei bewegenden Straßenbahnen, Autos, Hunden und Menschen mit eingefangen. Nachdem Biermann zunächst versucht hatte die Geräuschkulisse durch Wolldecken vor den Fenster oder Aufnahmesessions in der Nacht oder am Wochenende zu mindern, wurde letztendlich beschlossen die Fenster extra zu öffnen um durch den Chausseestraßen-Sound dem Album einen authentischen Ausdruck zu verleihen. Diese Umstände machten die Platte wahrscheinlich zu einem der ersten bekannten deutschen Lofi-Indie-Homerecording-Projekten überhaupt.

Beim hören der Einspielung irritiert einem jüngeren Hörer sofort der raue, wütende und aggressive Klang der Aufnahmen. Nur zum Teil ist dies der Soundqualität geschuldet. Vielmehr singt und spielt Biermann auf vielen Liedern mit einer erstaunlichen, aber durch die Umstände auch verständlichen Wut.

Damit steht diese Platte im krassen Gegensatz zu den herkömmlichen ostdeutschen Kulturprodukten der selben Zeit. Lieder wie Die hab ich satt haben auch heute nicht viel von ihrer Aktualität eingebüsst und vermitteln, trotz des zeitgeschichtlichen Bezugs, eine zeitlose Authentizität.

Die selbe Platte soll im Jahre 1975 für CBS laut Biermanns eigenen bekunden in einem amüsanten, fingierten Interview auf der Rückseite der Schallplattenhülle nochmal neu eingespielt worden sein. Allerdings sind im direkten Vergleich für den Laien kaum großartige Unterschiede zwischen diesen beiden Ausgaben zu erkennen.

Die “Originalaufnahmen” von Chausseestraße 131 wurden dann erwartungsgemäß nur in der Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht. Das dafür verliehene Preisgeld von 10.000 DM des Fontane-Preises der Stadt West-Berlin spendete Biermann dem damaligen APO-Anwalt und späteren Rechtsextremisten und Antisemiten Horst Mahler für die Verteidigung von Westberliner Studenten.

Mit der Platte Chausseestraße 131 lieferten Biermann jedoch der Stasi nicht nur die richtige Adresse des kulturellen Staatsfeindes, sondern auch einen Vorwand für weiter Maßnahmen gegen ihn frei Haus mit. Seine Ausbürgerung aus der DDR im November 1976 war damit nur noch eine Frage der Zeit.

Dieses Konzert in der Kölner Sporthalle vom 13. November 1976 diente dem Politbüro der SED als Vorwand für die Ausbürgerung Wolf Biermanns:

Elvis Presley hat Unplugged erfunden

Als Elvis Presley im Oktober 1958 zu seinem Militärdienst nach Hessen aufbrach, war für viele rückblickend der Mythos des Kings unheilbar lädiert. Selbst die Haupt-Beatles Paul McCartney und John Lennon beriefen sich später immer ausdrücklich nur auf den Pre-Army-Elvis.

Das im nachhinein als Elvis’ 68 Comeback Special umgetaufte im Dezember 1968 ausgestrahlte NBC-TV Special läutete nach langen Jahren in Hollywood jedoch die vielleicht beste Phase in der kurzen Musikkarriere von Elvis ein. Neben den aufwendig inszenierten und choreographierten Showszenen sind allerdings die informellen Jam-Sessions vor einem kleineren Publikum das wirkliche Highlight dieser Aufnahmen.

Die 1960er Jahre hatte Elvis überwiegend mit dem produzieren von vielen leichten Filmen und deren weichgespülten Soundtracks verbracht. Sein letztes Konzert vor einem größerem Publikum am 25. März 1961 in Pearl Harbor lag schon Jahre zurück. Somit schien als Wiederauflage von Elvis Teilnahme an einer Weihnachtsradiosendung aus dem Jahre 1967 ein TV-Auftritt zum Weihnachtsfest im Jahre 1968 längst überfällig.

Bereits am 27. und 29. Juni wurden vier einstündige Shows vor unterschiedlichem Publikum aufgezeichnet, aus denen dann mit später gefilmten “Musicalszenen” die fertige TV-Version zusammengeschnitten wurde. Diese Konzerte wurden später als “The Burbank Sessions”, benannt nach den NBC Burbank Studios, bekannt.

Neben den für die endgültige Sendung verwendeten Soloauftritten von Elvis zu einer Mischung von Live- und Playbackaufnahmen sind die Jam-Sessions des 27. Juni der wahre Leckerbissen dieser Konzerte. Sie gelten allgemein hin auch als Vorläufer des späteren Unplugged Konzepts von MTV in den 1990er Jahren.

Zusammen mit fünf alten Freunden und Weggefährten (darunter auch die Mitglieder aus Elvis Originalband: Scotty Moore und D.J. Fontana) saß ein in schwarzem Leder gehüllter Elvis auf einem Stuhl und sang sich locker durch seine bekannten (That’s All Right, Heartbreak Hotel, Are You Lonesome Tonight?) und weniger bekannten (Tryin’ To Get To You, When My Blue Moon Turns To Gold Again) Lieder.

Gerade wegen den vielen Unterbrechungen, Verspieler, Anekdoten und Witzen gehören diese beiden Auftritte mit zu dem Besten was der King in seinem Leben aufgenommen hat. Nie sah Elvis besser aus. Nie sang er ehrlicher und sympathischer seine Hits. Es folgte die berüchtigte Las Vegas Zeit mit dem tragischen Ende des King Of Rock ‘n’ Roll.