Mit dem ZOOM H2 Handy Recorder zum Bootlegger

Oktober 12, 2008

Zugegeben: Ich war schon enttäuscht und sogar etwas geschockt, als ich meinen neuen Handy-Recorder ZOOM H2 aus der Verpackung nahm. Das Design und die Verarbeitung versetzten mich zurück in die düsteren 1980er Jahre meiner frühen Jugend.

Ein einfaches Plastikgehäuse aus den Tigerstaaten, eine extrem kleine LCD-Anzeige wie von einer Billig-Uhr aus dem Kaugummiautomaten und Druckknöpfe wie von einer Spielkonsole der ersten No-Name-Generation. Dazu keine im Lieferumfang beinhalteten Batterien, eine mitgelieferte Speicherkarte mit nur 512 MB und zu allem Überfluss erkennt dann auch mein Computer das USB-Gerät nicht richtig.

Dabei war alles so schön durchdacht. Endlich, nach Jahrzehnten von wenigen Konzertmitschnitten mit geliehenen MP3- und MiniDisc-Recordern, schlechten Proberaumaufnahmen mit analogen Tapedecks oder digitalen Handys und Laptops sowie verpassten Interviewchancen, eigene Aufnahme in solider Qualität selber machen. Nachdem ich dem Gerät bei mehreren Freunden aus der Ferne beim Dauereinsatz zuhören konnte, habe ich dann schließlich auch selbst zugeschlagen.

Die technischen Daten bestätigten meine Erwartungen an so ein Gerät: Aufnahme von zwei oder vier Kanälen simultan, Compressor/Limiter, eingebauter Chromatic Tuner und Metronom, Aufnahme im variablen MP3-Format oder sogar als unkomprimiertes Wav-File, Normalizing Funktion, USB-Schnittstelle, 90° und 120° Stereoaufnahmen oder 360° Surround Aufnahmen und die Speicherung auf SD Karten.

Außerdem kann der handliche ZOOM H2 (er hat etwa nur die Größe einer Zigarettenschachtel) auch als USB-Interface für den Computer und als Mikrophone verwendet werden. Von Vorteil sind zudem auch die mitgelieferten Gegenstände wie Stativ, Mikroständeradapter, Windschutz, Netzteil, Kopfhörer und diverse Kabel.

Hinzu kommt der Dumping-Preis von nur um die 190 Euro. Exakt die richtige Preisklasse für solche Apparate. Denn wenn man mehr ausgeben muss, macht dann eher ein kleines richtiges Recording-Setup mit Laptop, Audio-Interface und externen Mikrophonen Sinn. Auch fast ausschließlich gute Testberichte und Konsumentenreports lassen den ZOOM H2 so gut wie ohne Konkurrenz erscheinen.

Überzeugen tut der Recorder dann aber erst wirklich, wenn man das Ergebnis dessen hört warum man diese Anschaffung überhaupt erst getätigt hat: Die Aufnahme wirkt sehr klar, rauschfrei und räumlich sehr gut dargestellt. Außerdem scheinen Erschütterungen oder Hintergrundgeräusche verhältnismäßig wenig mit auf die Aufnahme zu gelangen.

Mit der näheren Beschäftigung mit dem ZOOM H2 wich dann bei mir auch die erste Schockstarre. Das Gerät hat nämlich für mich genau die richtigen Vorteile: Preiswert, klein und handlich, normaler Batteriebetrieb, geringes Eigenrauschen, genügend externe Anschlussmöglichkeiten für Mikrophone, Kopfhörer und andere Geräte, eine einfache Bedienung und nicht zuletzt ein extrem guter Grundsound.

Ich brauche den Rekorder schließlich nicht um professionelle Studioaufnahmen zu machen oder um hochwertiges Equipment zu ersetzten. Nur für die schnelle, unkomplizierte und anspruchslose Aufnahme für nebenbei habe ich mir das Gerät zugelegt. Und diese Erwartungen werden bis jetzt erfüllt.

In Zukunft wird also mir und meinem ZOOM H2 kein Konzert, keine Songidee und keine Musikprobe mehr entgehen. Und dies ist auch durchaus als akustische Drohung meinerseits zu verstehen.

Unten kann man sich zwei erste Testaufnahmen mit dem Gerät anhören und runterladen. Ich habe jedoch selbstverständlich nachträglich mit Cubase von Steinberg noch einige akustische Feinabstimmungen vorgenommen.

Without Feathers You Can’t Fly (Proberaummitschnitt meiner Band im ursprünglichen 160-MP3-Format)

In Every Life A Little Rain Must Fall (Soloaufnahme, nachts im Bett im Wav-Format)


Welche Nachteile Vinyl-Schallplatten haben

August 20, 2008

Wer etwas in der musikalischen Welt auf sich hält kauft analoge Vinyl-Schallplatten und posaunt das bei jeder Gelegenheit auch in das digitale Universum hinaus.

Die Vorteile liegen dabei ja auch klar auf der Hand: Die jetzt 60 Jahre alte Schallplatte klingt vermeintlich besser und ehrlicher als normale digitale Tonträger, durch die Größe des Covers wird das haptische Erlebnis zusätzlich verstärkt und die Unmöglichkeit des hin- und her-“skippens“ führt meistens dazu, dass der Hörer Alben auch wieder richtig und vollständig hört. Von „politischen“ Gründen für die CD-Abstinenz ganz zu schweigen.

Das in den letzten Jahren besonders im englischsprachigen Pop-Ausland wieder mehr, aber immer noch im Verhältnis zu vergangenen Absatzzahlen oder aktuellen CD-Verkaufszahlen erschreckend wenig Leute Platten kaufen, hat sicher auch etwas mit den obsoleten digitalen Speichermedien zu tun.

Viele Nutzer lesen mittlerweile die Daten von den kleinen silbernen Scheiben nur aus, um sie dann auf dem MP3-Player oder auf der Computerfestplatte zu verwalten und um Musikdateien platzsparend zu transportieren. Es scheint jedoch, als wäre die CD in Musikliebhaberkreisen bereits nach etwa 20 Jahren schon wieder zu einem Auslaufprodukt geworden.

Dabei sollte man nicht vergessen, dass selbst die Hochphase des Vinyls im Verhältnis zu der dessen Vorgänger der Schellack-Platte zeitlich wesentlich geringer war. Einige Plattensammler – wie der kompetente Joe Bussard – lehnen noch heute den Vinylkonsum konsequent als modernen Wahnsinn ab.

Doch in Zeiten wo viele Plattenhändler eher potenzielle Abzocker, anstatt verlässliche Kundenberater sind, ähnelt der Schallplattenkauf nicht selten der Teilnahme an einer Lotterie. Viele gebrauchte und sorgfältig geprüfte Exemplare des immer teurer werdenden schwarzen Musikgoldes knacken, knistern und leiern selbst nach intensiver Reinigung.

Die Plattenregale sind gefüllt mit schlechten holländischen Schwarzpressungen und russischen Billig-Neuveröffentlichungen. Und sogar der Klang der Neuausgaben von großen Labels ist nicht selten eher bescheiden, da oftmals das vorliegende CD-Master im Ausland auf zu dünnem Vinyl gepresst wurde. Der Sound der Platte ist dann nicht selten tot und leblos.

Selbst wenn dem Sammler eine gut erhaltende Originalausgabe oder eine 180-Gramm-Neuveröffentlichung den Spaß am Plattenkaufen erhält; der Kunde weiß im Gegensatz zum CD-Kauf selten wirklich genau, was er für sein Geld bekommt. Denn oftmals halten neue Ausgaben von alten Platten dem Vergleich mit dem Original nicht stand.

Auch wenn mit digitalen Medien schwer glaubwürdig als DJ aufzulegen und viel gute Musik überhaupt nie oder erst viel später digital erschienen ist: Der größte Nachteil der klobigen Schallplatte ist sicherlich, dass man sie schwer brennen, runterladen oder beliebig vervielfältigen kann.

Im Angesicht von mit klirrenden MP3s aus Laptoplautsprechern und iPods zufrieden gestellten Musikrezipienten, mag dieser Nachteil für die Zukunft dieses momentan gut funktionierenden Nischenmarktes erschreckend schwerer wiegen als manche glauben. Denn was nützt die beste Soundqualität, wenn man sie nicht adäquat wiedergeben kann oder man diesbezüglich gar keinen Anspruch hegt. Aber letztendlich kommt es ja auf die Musik an und nicht auf das Medium, oder etwa doch nicht?


Der Franzose Herman Düne in Williamsburg, NYC

August 3, 2008

Einer der ersten Menschen mit einem wirklich angemessenen Outfit, welchen ich während meines Kurztrips in New York City traf, war David-Ivar Herman Düne. In der kleinen Bar Pete’s Candy Store im Stadtteil Williamsburg des Stadtbezirks Brooklyn sah ich den Franzosen zum ersten Mal.

Aufgrund des beeindruckenden Vollbartes, den zerschlissenen Klamotten und seinem Aufenthaltsort in der hintersten Ecke des für New York typischen Hinterhofbiergarten war mir sofort klar: So sehen nur echte Amerikaner mit einem Subkultur-Hintergrund aus.

Das Herman Düne allerdings gar kein Bürger der USA und sich wahrscheinlich auch gerade so wie ich im Urlaub befand, wurde mir jedoch erst vier Tage später wirklich klar. Dann sah ich den Musiker nämlich auf der Bühne des Union Pools. Ein kleiner Club, der sich ebenfalls im Prenzlauer Berg von New York City befand.

Kurz zuvor hatte der eigentliche Anlass meiner Anwesenheit, der Anti-Folk-Held und Comic Zeichner Jeffrey Lewis, bereits eindrucksvoll bewiesen, wie man doch noch aus alten Musiktraditionen neue Facetten heraus holen kann.

Ich verdankte den Zutritt zum restlos überfüllten Club glücklicher Weise einem ergaunerten Gästelistenplatz von Lewis’ Plattenlabel. Ohne diesen wäre mir anschließend bei subtropischen Temperaturen die französische Indiepopband Herman Düne sicherlich entgangen.

Aufgrund der für New York typischen Klimabedingungen schwankte ich während des Konzertes zwischen dem mit Bläsersektion und Frauenchor angereicherten Bandsound im Innenraum und den Adam Green Lookalikes außerhalb im Hinterhof hin und her.

Als einzigste Konstante blieb vor meinem geistigen Auge das über beiden Theken befindliche Schild mit der Aufschrift: „We’re still waiting for the guy who said he’ll tipp us later“ hängen. Die Band spielte jedoch trotz der Umstände einen begeisternden Auftritt und verbreitete mit ihren melancholischen Liedern gute Laune unter dem 20-Something-Publikum.

Herman Düne begann ich jedoch erst nach meiner Rückkehr aus dem Land meiner Träume wirklich zu schätzen. Als ich nämlich nach dem Konzert erworbene CDs richtig auswertete und relevante Web 2.0 Anwendungen penible untersuchte. Dann fand ich heraus, dass Herman Düne gar keine Amerikaner, sondern oftmals mit Schweden verwechselte Franzosen sind.

Trotzdem ist meine Zeit im Williamsburger Untergrund irgendwie unzertrennbar mit Herman Düne und deren wunderschöner Musik verbunden. Der für mich wohl multikulturellsten und trotzdem amerikanischsten Band der letzten Jahre.

Herman Düne: “I Wish That I Could See You Soon”:


Franz Schöler interviewte Eroc für den Rolling Stone

Januar 11, 2008

Andere Zeiten, andere Hörgewohnheiten. Das im Zeichen von digitaler Musikrezeption und Lauheitswahn die meiste Musik überkomprimiert wird ist hinlänglich bekannt. Die letzten Alben von Bands wie den Red Hot Chili Peppers, den Arctic Monkeys oder den Foo Fighters sind alleine vom Klang kaum noch ohne Ohrenschmerzen komplett und in voller Länge zu ertragen. Mastering-Guru Eroc hat im Rolling Stone zum gegenwärtigen Status der Musikproduktion eindeutig Stellung bezogen.

Für das Hören von Musik über MP3-Player, im Internet oder im Fernsehen ist es aus kommerziellen Gründen wichtig das sie laut ist. Laute Klänge werden zunächst vom unbedachten Hörer als Qualität und als was Besonders wahrgenommen und erheben sich dadurch über die Konkurrenz. Deswegen wurden in den letzten Jahren Musikaufnahmen immer stärker an die digitale 0 db Schranke heran komprimiert. Unter anderem werden dadurch leise Passagen und Töne an die Lauten angeglichen. Die Folge: kaum noch Unterschiede in der Dynamik, Frequenz und im Klang; dafür aber besonders laute Aufnahmen.

Mit Rolling Stone Autor Franz Schöler trifft dann im Interview auf Eroc ein weiterer Musikspezialist. Er lässt Eroc erzählen und dabei werden die wesentlichen Punkte der Thematik umfangreich besprochen. Von den Vorteilen einer analogen Aufnahme, über die Möglichkeiten der heutigen „Computer-Kids“ bis hin zur Verdrängung von renommierten Aufnahmepalästen durch gefährliches Halbwissen.

Das Eroc oftmals belehrend oder gar dogmatisch daher kommt, ändert nichts an der Tatsache, dass er in den meisten Punkten nicht Unrecht hat. Über seine Qualitäten als Soundtechniker mag sich mancher noch streiten, seine Aussagen treffen hier jedoch meistens den Kern der Problematik. Mögen diese lesenwerten Worte auch ohne Kompression durchdringen zu Allen die es betrifft.


Happy Rovin’ Cowboy – John Ford und die Musik

Dezember 19, 2007

Der Regisseur John Ford gilt als einer der Besten seines Faches. Regelmäßig übertrumpfte der amerikanische Filmemacher irischer Abstammung bei der Oscarwahl und an der Kinokasse seinen ungleichen englischen Rivalen Alfred Hitchcock. Gewöhnlich gelten seine langen monumentalen Landschaftaufnahmen vom amerikanischen Westen als sein wichtigstes Alleinstellungsmerkmal. Man sollte jedoch auch nicht einen weiteren elementareren Bestandteil seiner Filme vergessen: die Musik.

Eines von Fords immer wiederkehrenden Hauptthemen in den in 50 Jahren Regiearbeit entstandenen 124 Filmen war die Überlegenheit von Menschen am Rande der Gesellschaft gegenüber den ordentlichen Bürgern in ihrer Mitte. Flankiert wurde dies regelmäßig durch Motive von Akteuren in der wilden Landschaft, beim Essen oder beim musizieren.

Neben den opulenten Filmsoundtracks gibt es jedoch in fast jedem John Ford Streifen Szenen, wo die Protagonisten zusammen singen oder Anderen beim singen zuhören. Dies orientiert sich dann in der Regel nicht an überproduzierten Musicalstandards, sondern erinnert oftmals eher an Kneipen- oder Marschgesänge.

Das die Musik dem mit zehn Geschwistern aufgewachsenen Regisseur besonders wichtig war, zeigt auch die Tatsache das er großen Wert auf Musikunterhaltung während der Drehpausen legte. So fuhren nicht selten eigens dafür engagierte Musiker während den Dreharbeiten mit, um das Filmteam mit ihren Künsten zu unterhalten.

Obwohl John Ford zu so etwas wie einem Synonym für das Filmgenre Western geworden ist, stammt eine der sicherlich bekanntesten Musikszenen aus einem Westernfilm ironischerweise aus Howard Hawks Gegenentwurf zu dem Klassiker Zwölf Uhr mittags Rio Bravo.

Dort treffen sich dann gleich drei Legenden aus drei verschiedenen Generationen: Ricky Nelson, Dean Martin und John Wayne. Da sich der Duke fast immer beharrlich weigerte selbst die Stimmbänder zu erheben, durfte der unvergessende Walter Brennan mitsingen und die Harp blasen. Ein sichtliches Vergnügen.

My Rifle, My Pony And Me:

Cindy, Cindy:


Woody Allen spielt George Gershwin in Manhatten

Oktober 12, 2007

Trotz medial ausgeschlachteter privater Ausschweifungen bleibt Woody Allen einer der wichtigsten Regisseure des 20. Jahrhunderts. Besonders auffällig ist die Vielseitigkeit seines Werkes, welches trotz der Unterschiedlichkeit immer die unverkennbare Handschrift des New Yorkers trägt. Und analog zu Alfred Hitchcock hat Allen auch nie einen wirklich schlechten Film gemacht.

Der oft als eine Fortsetzung seines Oscarprämierten endgültigen Durchbruchsfilm Annie Hall (zu deutsch: Der Stadtneurotiker) aus dem Jahre 1977 angesehene und dritte Teil seiner New York Trilogie Manhattan aus dem Jahre 1979, unterscheidet sich dann doch etwas von seinem bisherigen filmischen Werk.

Ähnlich wie in seinen vorrangegangen Filmen setzt Woody Allen zwar in Manhattan seine romantische Auseinandersetzung mit dem Beziehungsdschungel neurotischer New Yorker Intellektueller fort. Getragen wird dies jedoch im Gegensatz zu seinen vorherigen Filmen zum ersten Mal in einer im Cinemascope Aspect Ratio (2.35:1) Format gefilmten Schwarz-Weiß Ästhetik, sowie durch einen ernsten Unterton und der musikalischen Untermalung von Klängen von dem unsterblichen amerikanischen Komponisten, Pianisten und Dirigenten George Gershwin.

Die Musik von Gershwin kann dabei auch in entfernter Weise als eine Metapher für den Film verstanden werden. Zeichnete sich bisher Woody Allen als begeisterter Jazzfan und Jazzmusiker aus, welcher im Vorspann und auch sonst in seinen Streifen gerne Jazzmusik zum Einsatz brachte, kann Manhattan inklusive die Verwendung von Gershwins Musik, als eine verstärkte Hinwendung zu ernsteren künstlerischen Ausdrucksformen verstanden werden.

George Gershwin und sein Bruder Ira waren einer der einflussreichsten modernen Komponisten überhaupt. Neben einigen klassischen Werken zeichneten sie sich vor allem in den 1920er und 1930er Jahren auch als Urheber für viele Broadwaystücke und Filme aus und schrieben bis heute gespielte Klassiker und Jazz-Standards.

Eines der Hauptwerke von George Gershwin ist die auch in Allens Manhattan verwendete und erstmals am 12. Februar 1924 in der Aeolian Hall in New York aufgeführt Rhapsody in Blue. Gershin verbindet da drin vordergründig gegensätzliche Musikstile wie Jazz und Klassik und steht damit potentiell parallel zu Allen, welcher in Manhattan auch unterschiedliche Filmgenres wie Komödie oder Drama verbindet.

Wenn man sich auf die polarisierende Person Woody Allen bereit ist einzulassen sind die meisten seiner Filme heutzutage immer noch ein zeitloser Genuss.

P. S. In einer Hauptrolle ist die Enkelin Mariel Hemingway des Schriftstellers Ernest Hemingway als 17-Jährige Allen Geliebte Tracy zu sehen.


Slashs Gitarrensound von Guns N’ Roses

Oktober 3, 2007

Vor über 20 Jahren erschien das erste Album Appetite for Destruction von Guns N’ Roses. Der Internetversand Amazon kündigt das neue Album Chinese Democracy der Rockband aus Los Angeles schon für den 31. Dezember 2025 an. Damit befinden wir uns aktuell fast in der zeitlichen Mitte vom musikalischen Schaffen von Axl Roses und seiner Band. Deren Musik dominierte jedoch überwiegend ein Anderer.

Sicherlich hat der Sänger Axl Rose eine markante Stimme und ist ein passable Songschreiber (gewesen). Auch Bassist Duff McKagan spielte einen sehr melodiös Bass und ist ein hervorragender Multiinstrumentalist. Sogar Izzy Stradlins Musikverständnis war relativ wichtig für den Sound der Gunners. Was die Band aber heute neben nostalgischen Veranlagungen hauptsächlich noch hörenswert macht, ist das Gitarrenspiel von Leadgitarrist Slash.

Zu einer Zeit wo überwiegend Sportgitarristen a la Eddie Van Halen oder Joe Satriani in der kommerziell härteren Rockmusik unterwegs waren, beschränkte sich der als Saul Hudson geborene Musiker auf die Tugenden eines Rockgitarristen. Er verzichtete überwiegend auf sinnlose Tappingarien oder sonstigen Speedgitarrenläufe und entwickelte einen eigenen melodiösen und erdigen Gitarrensound.

Auch übertriebene Effekte sind selten auf Slashs Gitarrenläufen zu finden. Nur das Wah-Wah Pedal wird neben Verzerrung und Hall sparsam von ihm als Effekt eingesetzt. Sein bluesiges Gitarrenspiel orientiert sich eher an Rockgitarristen der 1960er und 1970er Jahre wie Keith Richards, Jimmy Page, Jimi Hendrix oder Joe Perry als an damals aktuellen Standards. Die Vollendung findet die Gitarrenkunst von Slash in Guns N’ Roses Songs wie Estranged, November Rain oder Sweet Child O’ Mine.

Slash spielte überwiegend eine Gibson Les Paul Gitarre und Marshall Verstärker. Er war auch der erste Musiker mit einer eigenen Marshall Verstärkerserie. Die Gitarrenfirma Gibson widmete ihm mehrere Signaturegitarren. Auch heute sind seine Gitarrenläufe noch genauso frisch wie an dem Tag der Einspielung. Was man von Axl Roses Gesang nicht immer behaupten kann.

Video zum Guns N’ Roses Song Estranged:


Joni Mitchell und Bob Dylans langer Atem

September 29, 2007

Viele Musikkritiker und Kenner behaupten, dass eine der wenigen Künstlerinnen, welche in die luftigen Songwriter-Höhen eines Bob Dylan vordringen könnte die Kanadiern Joni Mitchell sei (das gilt auch für männliche Kollegen). Ihr bis dahin jazzigstes Album Hejira aus dem Jahre 1976 unterstützt dann auch diese Annahme. Schließlich lassen sich auf dieser Platte erzähltechnische Parallelen zu Dylans Meisterwerk Blood On The Tracks erkennen.

Die monumentale und sehr persönlichen Einschätzung dieser wichtigen Platte von dem Duisburger Songschreiber Tom Liwa kann man eigentlich kaum noch etwas sinnvolles hinzufügen.
Verblüffend ist jedoch wie viele der Popgrößen der 1960er Jahre ihren zweiten Frühling in der Mitte der 1970er Jahre erlebten. Dylan war mit der Rolling Thunder Revue künstlerisch und performancetechnisch auf dem Höhepunkt seiner (gesanglichen) Ausdruckskraft, Joan Baez veröffentlichte mit Diamonds And Rust ihr bis dahin bestes Album, die Rolling Stones hatten im Jahre 1972 ihr Meisterwerk Exile On Main Street abgeliefert, Neil Diamond wurde von Robbie Robertson neu erfunden und Neil Young veröffentlichte seine besten Soloalben. Und Joni Mitchell nahm ihre sagenhafte Platte Heijra auf.

Die erste Single und der Eröffnungssong des Albums, Coyote, ist sicherlich einer der bekanntesten Songs aus dieser Schaffensperiode von Joni. Sie spielte dieses Lied auch zusammen mit The Band auf deren von Martin Scorsese filmisch dokumentierten Abschiedkonzert The Last Waltz. Mit ihrem Landsmann Neil Young sang sie dann bei The Last Waltz auch zusammen im Duett den Young Song Helpless. Bekannt geworden als teuerste Retuschierungsarbeit der Musikgeschichte. Denn Young hingen beim singen so deutlich sichtbar die noch kurz zuvor verabreichte Koksbrocken aus der Nase, welche nachträglich vom Editor entfernt werden mussten.

Auf Herija durfte dann Neil Young auch Harmonika bei dem Song Furry Sings The Blues spielen. Einer der besten Songs des Albums – und von Joni Mitchell generell – dürfte jedoch der nur von Mitchells Gitarre und Gesang, sowie der Leadgitarre von Larry Carlton und den Vibraphoneinsprengseln von Victor Feldmann getragener Song Amelia sein. Eine Ode an die amerikanische Flugpionierin und Frauenrechtlerin Amelia Earhart.

Amelia Earhart überflog als erste Frau alleine den Atlantik und sie hält noch viele weitere Rekorde auf diesem Sektor inne. Im Juli 1937 verschwand sie und ihr Navigator Fred Noonan mit deren Flugzeug über dem Pazifik in der Nähe der Howland-Inseln. Trotz einer der größten Suchaktionen in der Menschheitsgeschichte wurden ihre Leichen bis heute nicht gefunden. Zahlreiche Legenden ranken sich um ihr verbleiben, gepaart mit Elvisähnlichen Sichtungsberichten. Die außergewöhnlichen Leistungen Amelia Earharts bewirkten zahlreiche Fußnoten in der Popkultur. Unter anderem taucht sie in der Star Trek Serie Voyager am anderen Ende der Galaxis wieder auf. Entführt im Jahre 1937 von bösartigen Aliens. Neben Joni Mitchell schrieben auch Heather Nova, Bachman Turner Overdrive oder die New Radicals Songs über sie. Der von Mitchell ist sicherlich mit der Beste.

Anlässlich des Konzert The Great Music Experience vom 22. und 23. Mai 1994 vor dem Todai-ji Tempel in Nara, Japan, kamen Joni und Dylan auch auf der Bühne zusammen. Das Konzert wurde weltweit Live in 55 Ländern übertragen. Joni spielten insgesamt drei Konzerte mit Bob Dylan zusammen. Im englischen Mojomagazin äußerte sie sich im Jahre 1994 zu dieser einschneiden Erfahrung mit folgenden Wortem: „And if you look closely at it, you can see the little brat, he’s up in my face – and he never brushes his teeth, so his breath was like…right in my face – and he’s mouthing the words at me like a prompter, and he’s pushing me off the mic. It’s like he’s basically dipping my pigtail in ink.“ Ohne weiteren Kommentar.

Liverversion von Amelia:


Old Black und Neil Youngs alte Gitarren

September 15, 2007

Willie Nelson hat Trigger, Bruce Springsteen eine umgebaute Telecaster und Neil Young seine geliebte Gitarre Old Black. Neil gilt als leidenschaftlicher Sammler von alten und zum Teil auch billigen Second Hand Gitarren. Auf seiner Ranch Broken Arrow außerhalb von der kalifornischen Reichensiedlung Woodside beheimatet er neben vielen alten Autos und einer Modeleisenbahn auch eine gigantische Gitarrensammlung.

Auch wenn bei ihm im Studio aus soundtechnischen Gründen oft neuere und teurere Instrumente im Einsatz sind; bei Auftritten verwendet er neben diversen Tasteninstrumenten in der Regel seit Jahrzehnten die gleichen fünf Gitarren. Liebevoll gepflegt werden diese seit 1972 von Neils Gitarrentechniker, Gelegenheitsbegleitmusiker und Gitarrensammler Larry Cragg.

Als Neil die erste Rohfassung von Jim Jarmuschs großartiger Dokumentation Year Of The Hourse zu sehen bekam, sprang er fassungslos vom Sessel auf: Jarmusch hatte Filmaufnahmen aus über 20 Jahren von Neil Young & Crazy Horse eindrucksvoll zusammen geschnitten. Neil wurde aber keineswegs vom Kontrast seines jungen Antlitzes mit dem Aktuellen in Rage versetzt, sondern vom Erscheinungsbild seiner damals noch neueren und funkelenden Gitarre Old Black.

Die Gibson R6 Les Paul Goldtop aus dem Jahre 1953 ist Neils Haupt-E-Gitarre seit den späten 1960er Jahren. Zuvor spielte er überwiegend eine Gretsch 6120, welche er unter anderem während seiner Zeit bei Buffalo Springfield einsetzte.

Auch eine Gretsch der Marke White Falcon aus den späten 1950er benutzte Neil von den späten 1960er bis in die frühen 1970er Jahre. Zu hören ist diese unter anderem auf den Songs Ohio, Southern Man, L.A., und Alabama. Ihr Verbleib ist aber spätestens seit dem Neil Young Album Zuma etwas unklar.

Gerüchte besagen, Neil habe sie mit dem damaligen Buffalo Springfield Mitglied Stephen Stills gegen Old Black getauscht. Andere behaupten der Musiker Jim Messina habe als Tausch gegen die legendäre Gibson von Neil eine orange Gretsch-Gitarre bekommen. Fakt ist aber, dass Old Black seit den frühen 1970er Jahren auf fast allen elektrischen Konzerten von Neil Young zu hören war.

Im Laufe ihrer über fünfzigjährigen Existenz wurde Old Black mehrfach umgebaut. Die originalen Pickups wurden durch einen DiMarzio Single-Coil, einen Mini-Humbucker aus einer Gibson Firebird Gitarre und einem P-90 Pickup ersetzt. Außerdem wurde ein neuer Kippschalter installiert, der es Neil ermöglicht, alle weiteren Schalter (unter anderem Tone und Volume Regler) und Einstellungen zu umgehen und direkt seinen Sound vom Humbucker in den Verstärker zu schicken. Die wohl bekannteste und wichtigste Neuerung an der schwarzen Gitarre ist jedoch das Bigsby B7 Vibrato System. Der zugehörige Tremolohebel, mit dem Töne variiert werden können, ist ein relevanter Bestandteil von Neils E-Gitarrensound.

Ihren Namen hat Old Black wahrscheinlich durch eine amateurhafte Umlackierung erhalten. Der vermutliche standardmäßig goldene Körper wurde dabei anscheinend schwarz umgesprüht. Auch das bei Goldtops in der Regel weiße Plastikschlagbrett ist dabei wohl ausgetauscht worden. Das neue Schlagbrett ist aus Aluminium und damit mitverantwortlich für eine stärkere Feedbackanfälligkeit der Gitarre. Auch diese ist nicht unwichtig für den individuellen Gitarrensound von Neil Young.

Das Gibson Les Paul Logo auf dem Gitarrenkopf legt nahe, dass entweder der Hals gegen einen von einer anderen Gibson (vermutlich einer Gibson SG) ausgetauscht wurde, oder das es sich bei Old Black in Wirklichkeit um einen Gold Top Deluxe Nachbau aus dem Jahre 1968 handelt. Bekannt ist Old Black außerdem wegen dem markanten Gitarrengurt auf dem Peacesymbole und Friedentauben zu sehen sind. Das beeindruckendste sind jedoch die Abnutzungsspuren am Hals und Körper der Gitarre. Dort ist nämlich nicht selten der Lack ab und das blanke Holz zu sehen.

Eine weitere wichtige Gitarre von Neil Young ist die Westerngitarre Hank der Marke Martin D-28. Dieser Spitzname rührt von dem früheren Besitzer, der Countrylegende Hank Williams, her. Williams Sohn, der „Country Outlaw“ Hank Williams Jr., hatte die Gitarre seines Vaters gegen ein paar Schrottflinten getauscht. Nach einigen Eigentümerwechseln kam sie nach einiger Zeit in den Besitz von Grant Boatwright.

Als Neil Young Mitte der 1970er Jahre auf der Suche nach einer neuen Akustikgitarre war, arrangierte sein Freund Tut Taylor den Kauf zu einem nicht bekannten Preis. Seitdem ist Neil seit über 30 Jahren mit Hank auf Tournee und im Studio unterwegs. Mit dem Song This Old Guitar von seinem vorletzten Album Prairie Wind hat er ihr ein Denkmal gesetzt. Für ein paar Monate soll Neil diese Gitarre sogar Bob Dylan ausgeliehen haben.

Eine vor Hank oft benutzte Westerngitarre, welche auch heute noch oft verwendet wird, ist Neils Martin D-45. Auf ihr hat er viele seiner frühen Songs, wie zum Beispiel Old Man, geschrieben und eingespielt. Neben einer weiteren Martin 12-Saiter Akustikgitarre verdient noch ein Gibson Mastertone Banjo aus dem Jahre 1927 eine besondere Erwähnung. Das Instrument hat sechs Saiten und wird wie eine Gitarre gestimmt. James Taylor spielte es auf der Aufnahme zu Old Man und bei dem Klassiker Old King von der jüngsten Neil Young DVD Heart Of Gold aus dem Jahre 2006 hat es der Meister selber zwischen den Fingern.

Obwohl jede dieser Gitarren heute mehr an kommerziellen Wert besitzen dürfte als eine kleine Eigentumswohnung, ist es doch beeindruckend das Neil Young seit so vielen Jahrzehnten mit den gleichen Instrumenten arbeitet. Beim Kauf und Bau eher solide Standardinstrumente der mittleren Preisklasse, hat sich deren realer und besonders ideeller Wert um ein vielfaches potenziert. Das Spielen hat sie mächtig gemacht.

Neil Young mit Old Black und Pearl Jam spielen Keep On Rockin In A Free World beim MTV Video Music Award 1993:


Foo Fighters sind die Rolling Stones der Generation X

September 2, 2007

Das Schöne an Dave Grohl und seiner Hauptband den Foo Fighters war ja, dass sie energiegeladene und ohrwurmverdächtige, jedoch auch oft etwas belanglose und harmlose Musik gemacht haben.

Seit dem letzten Doppelalbum In Your Honor hat jedoch Grohl nun nach so vielen Jahren des bescheidenen Musizierens anscheinend das sogenannte John Lennon Fieber gepackt. Eigene Musikaktivitäten stehen nun nicht mehr für sich selber, sondern müssen in einem gesamtgesellschaftlichen Rahmen stattfinden.

In Your Honor wurde dann dem amerikanischen kleinen Mann und Arbeiter gewidmet. Eine imaginäre Person von der weder Grohl, als auch Lennon aufgrund ihren Biografien keine wirkliche Ahnung haben können.
Beim Live Earth Konzert in London wurden dann auch durchschnittliche Schüttelreimsongs in den großen Kontext eingeordnet und dementsprechend Ex-Vizepräsidenten und der Zukunft der ganzen Welt gewidmet.

Nun erscheint nach einem akustischen Livealbum und dem Vaterschaftsurlaub von Herrn Grohl am 21. September das neue Foo Fighters Album mit dem bedeutungsschwangeren Titel Echoes, Silence, Patience And Grace.
Die erste Single The Pretender zeigt, dass die Foo Fighters anscheinend immer weniger ihre großen Vorbilder Led Zeppelin verkraften können.
Trotzdem knallt der Song ungemein und beweist erneut aus was für extrem guten Musikern die Band besteht. Das der Schlagzeuger Taylor Hawkins nun endlich auch offiziell und hörbar bei den Foo Fighters mitsingen darf wirkt sich dann auch sehr positiv auf den von The Colour And The Shape Produzent Gil Norton mit entwickelten Sound aus. Leider steht der durchschnittliche Text trotz The Who Zitat dem Ganzen immer noch etwas hinten an.

Die Foo Fighters scheinen also endgültig zu den Rolling Stones der Generation X zu werden. Man darf gespannt drauf warten, wem dann das neue Werk gewidmet sein wird.

Die Foo Fighters (inkluxive Pat Smear) mit The Pretender Live bei Radio One (BBC):