Zugegeben: Ich war schon enttäuscht und sogar etwas geschockt, als ich meinen neuen Handy-Recorder ZOOM H2 aus der Verpackung nahm. Das Design und die Verarbeitung versetzten mich zurück in die düsteren 1980er Jahre meiner frühen Jugend.
Ein einfaches Plastikgehäuse aus den Tigerstaaten, eine extrem kleine LCD-Anzeige wie von einer Billig-Uhr aus dem Kaugummiautomaten und Druckknöpfe wie von einer Spielkonsole der ersten No-Name-Generation. Dazu keine im Lieferumfang beinhalteten Batterien, eine mitgelieferte Speicherkarte mit nur 512 MB und zu allem Überfluss erkennt dann auch mein Computer das USB-Gerät nicht richtig.
Dabei war alles so schön durchdacht. Endlich, nach Jahrzehnten von wenigen Konzertmitschnitten mit geliehenen MP3- und MiniDisc-Recordern, schlechten Proberaumaufnahmen mit analogen Tapedecks oder digitalen Handys und Laptops sowie verpassten Interviewchancen, eigene Aufnahme in solider Qualität selber machen. Nachdem ich dem Gerät bei mehreren Freunden aus der Ferne beim Dauereinsatz zuhören konnte, habe ich dann schließlich auch selbst zugeschlagen.
Die technischen Daten bestätigten meine Erwartungen an so ein Gerät: Aufnahme von zwei oder vier Kanälen simultan, Compressor/Limiter, eingebauter Chromatic Tuner und Metronom, Aufnahme im variablen MP3-Format oder sogar als unkomprimiertes Wav-File, Normalizing Funktion, USB-Schnittstelle, 90° und 120° Stereoaufnahmen oder 360° Surround Aufnahmen und die Speicherung auf SD Karten.
Außerdem kann der handliche ZOOM H2 (er hat etwa nur die Größe einer Zigarettenschachtel) auch als USB-Interface für den Computer und als Mikrophone verwendet werden. Von Vorteil sind zudem auch die mitgelieferten Gegenstände wie Stativ, Mikroständeradapter, Windschutz, Netzteil, Kopfhörer und diverse Kabel.
Hinzu kommt der Dumping-Preis von nur um die 190 Euro. Exakt die richtige Preisklasse für solche Apparate. Denn wenn man mehr ausgeben muss, macht dann eher ein kleines richtiges Recording-Setup mit Laptop, Audio-Interface und externen Mikrophonen Sinn. Auch fast ausschließlich gute Testberichte und Konsumentenreports lassen den ZOOM H2 so gut wie ohne Konkurrenz erscheinen.
Überzeugen tut der Recorder dann aber erst wirklich, wenn man das Ergebnis dessen hört warum man diese Anschaffung überhaupt erst getätigt hat: Die Aufnahme wirkt sehr klar, rauschfrei und räumlich sehr gut dargestellt. Außerdem scheinen Erschütterungen oder Hintergrundgeräusche verhältnismäßig wenig mit auf die Aufnahme zu gelangen.
Mit der näheren Beschäftigung mit dem ZOOM H2 wich dann bei mir auch die erste Schockstarre. Das Gerät hat nämlich für mich genau die richtigen Vorteile: Preiswert, klein und handlich, normaler Batteriebetrieb, geringes Eigenrauschen, genügend externe Anschlussmöglichkeiten für Mikrophone, Kopfhörer und andere Geräte, eine einfache Bedienung und nicht zuletzt ein extrem guter Grundsound.
Ich brauche den Rekorder schließlich nicht um professionelle Studioaufnahmen zu machen oder um hochwertiges Equipment zu ersetzten. Nur für die schnelle, unkomplizierte und anspruchslose Aufnahme für nebenbei habe ich mir das Gerät zugelegt. Und diese Erwartungen werden bis jetzt erfüllt.
In Zukunft wird also mir und meinem ZOOM H2 kein Konzert, keine Songidee und keine Musikprobe mehr entgehen. Und dies ist auch durchaus als akustische Drohung meinerseits zu verstehen.
Unten kann man sich zwei erste Testaufnahmen mit dem Gerät anhören und runterladen. Ich habe jedoch selbstverständlich nachträglich mit Cubase von Steinberg noch einige akustische Feinabstimmungen vorgenommen.
Without Feathers You Can’t Fly (Proberaummitschnitt meiner Band im ursprünglichen 160-MP3-Format)
In Every Life A Little Rain Must Fall (Soloaufnahme, nachts im Bett im Wav-Format)
Verfasst von Jens Kupillas
Verfasst von Jens Kupillas
Verfasst von Jens Kupillas