Energy from Waste – Auf Tour mit Deine Dose

Oktober 24, 2009

dose

Die letzte Woche stand ganz im Zeichen der alternativen Deutschrock-Blechbüchsen von Deine Dose. Ich hatte die Ehre auf einer kleinen Tour als Erfüllungsgehilfe für die Berliner Indie-Rock-Verfechter zu funktionieren. Und zwar überwiegend am Besten aller möglichen Instrumente: dem Bass.

Selbstverständlich habe ich auch versucht die deutschsprachigen Songs mit meinem Hintergrundgegröle nachhaltig aufzuwerten. Als Gegenleistung wurde mir zugesichert, dass ich im groben Verhältnis von drei zu acht auch einige meiner alten deutschen Songs darbieten durfte. Allerdings musste ich dann dafür auch Gitarre spielen.

Der musikalische Zirkus feierte seinen Auftakt am 19. Oktober 2009 im Kulturpalast in meiner Heimatstadt Hannover. Aufgepeitscht mit „Energy from Waste“ teilten wir uns dort die Bretter des Ladens unseres Vertrauens mit Marc Rous und seiner virtuosen Band. Nach einem solide abgelieferten Konzert ging es am folgenden Tag in die Stadt des Karnevals und der größenwahnsinnigen Medienvertreter.

Fast wurde uns die Einfahrt in die Kölner Innenstadt durch einen umgekippten Tanklastzug verbarrikadiert. Als letzte von drei Bands bestiegen wir am Abend des 20. Oktobers 2009 ohne den obligatorischen Soundcheck die Bühne des MTCs. Vor uns hatten bereits die sympathischen, zu einem Viertel aus Exil-Berlinern bestehenden Cozy Noise ihren Indie-Rock furios aufgeführt. Auch die Gruppe Cosmic Spacers hatte schon ihrem Namen alle Ehre gemacht. Unserer Gig wurde dann für uns zum besten „Happening“ der Tour.

Am Mittwoch, dem 21. Oktober 2009 verließen wir mit einer frisch eingekauften Dosis Slayer das Rheinland entlang beeindruckender Atomkraftwerke gen Hamburger Hafen. In Eimsbüttel war der aufgeräumte Music Club Live für einen Abend unser neues Zuhause. Die Muckerpolizei lies dort bei uns zum Glück noch einmal Gnade vor Recht ergehen. Nach einem kurzen Aufenthalt im Plattenarchiv eines lokalen DJs sowie einem posaunenartigen Frühstück ging es zurück in die Hauptstadt.

In Berlin residierten wir am 23. Oktober 2009 im mittigsten aller Mitte-Etablissements: In der Nähe des weltbekannten Straßenstrichs der Oranienburger Straße im Zosch in der Tucholskystrasse. Die extra aus Köln angereisten Cosmic Spacers teilten erneut mit uns die Bühne.

Außerdem waren noch die Hannoveraner Savant angereist. Erfreulicher Weise war der Laden wieder befriedigend gefüllt. Alles lief nach Plan und am Ende des bärtigen Konzerts blieb nur noch ein akustisches Fragezeichen über der Zukunft der Band Deine Dose zurück.

Wie mittlerweile digital üblich wurde jede kleinste öffentliche Regung von mir wieder „journalistisch“ begleitet. Jedes Konzert wurde vollständig mit einem Zoom-Aufnahmegerät als Audiodateien archiviert. Außerdem sind noch vereinzelt Video- und Fotoaufnahmen entstanden. Mehr davon in meinem YouTube-Channel und bei MySpace.

Das Affenhaus ist ein Elfenbeinturm (MTC, Köln):

Superstar (MTC, Köln)

Auf verlorenem Posten (Kulturpalast, Hannover):


Quentin Tarantino hat wieder Zeit zum Filmen

September 11, 2009

international

Seit Kill Bill bin ich stocksauer auf Quentin Tarantino. Nachdem der Starregisseur in den 1990er-Jahren mit Pulp Fiction einen modernen Klassiker abgeliefert hatte und diese Leistung mit Jackie Brown sogar noch übertraf, sorgten die langatmigen Kill-Bill-Filme mit überflüssigen Gewaltausbrüchen und klischeehaften Urangstszenen bei mir für Entrüstung.

Während Regiegenies wie John Ford oder Alfred Hitchcock ihre Zeit mit dem Drehen von Filmen verbracht haben, hatte Tarantino wohl anscheinend etwas Besseres zu tun. In seiner über 20jährigen Karriere in Hollywood kann der Mann aus Tennessee nur eine Handvoll von ihm verantworteter Filme vorweisen. Auch wenn das Argument „Qualität vor Quantität“ gegen die oben erwähnte Regisseurbrocken nicht wirklich zieht, kann es in diesem Fall jedoch vielleicht noch für Verständnis sorgen.

Jetzt also Inglourious Basterds. Viel wurde geschrieben über den neusten Tarantino-Film. Schon während der Dreharbeiten im Hinterland von Berlin war kaum ein Entkommen vor der Berichterstattung über die zukünftigen Inglourious Basterds. Ich habe trotzdem versucht alle Meldungen zu ignorieren und den Zug des Infotainment ein mediales Gleis weiter an mir vorbeirauschen zu lassen.

Dementsprechend unvoreingenommen saß ich dann am günstigen Kinotag im ehemaligen DDR-Premierenkino Kino International in der Karl-Marx-Allee in Berlin. Eingepfercht zwischen geruchstoffesabsondernden Humanoiden mit Hang zur Geräuschverbreitung und Alkoholaufnahme waren die Grundbedingungen eher suboptimal.

Doch erfreulicherweise gingen die fast 160 Minuten Inglourious Basterds überwiegend kurzweilig über die Bühne. Der Film war recht unterhaltsam, relativ lustig und erstaunlich spannend. Auf nervige Videospielsequenzen der letzten James-Bond-Batman-Star-Wars-Orgien wurde zum Glück verzichtet. Überwiegend ruhige Kamerafahrten und eine kammerspielartige Inszenierung sorgten für eine solide Ausgangslage.

Das der Autorenfilmer Tarantino fast zehn Jahre an der Geschichte gearbeitet hatte, konnte man ihr dann auch anmerken. Trotz der tarantinoüblichen Filmzitate war das Drehbuch sehr gut konstruiert und gehört sicherlich zu eines der stärkeren Einzelteile des Films. Ein weiteres waren einige der Schauspieler des mit deutschen Gesichtsverleihern gespickten Ensembles.

Schöngesicht Brad Pitt lieferte erneut eine erstaunliche Performance ab. Nach seinen brillanten Darstellungen in Fight Club, Snatch und Seven scheint sich der gescheiterte Journalist als einer der besten populären Hollywood-Schauspieler der heutigen Zeit fest zu etablieren.

Auch der Österreicher Christoph Waltz war als Verkörperung des Bösen eine positive Überraschung. Genauso wie August Diehl, der schon seit 23 zu einem der besseren aktuellen deutschen Schauspieler gezählt werden kann. Mit der jungen Französin Mélanie Laurent als „Revenge Of The Jews“ gelang Tarantino sogar eine beeindruckende internationale Neuentdeckung. Auch „Manta, Manta“-Darsteller Til Schweiger konnte nicht seine Chance nutzen, den Kinobesucher zu nerven oder zum Fremdschämen zu animieren. Dies lag vielleicht aber auch daran, dass er relativ schnell und verdient den Filmtod frönen durfte.

Bei Daniel Brühl sah dies leider schon etwas anderes aus. Auch wenn er in der Lage war seine Figur mit der erforderlichen Schleimigkeit zu füllen kamen bei der Betrachtung seines Spiels keine wirklichen Glücksgefühle auf. Beim Antlitz von „Punk-Rocker“ Bela B. bin ich dann fast vor Wut aus meinem Kinosessel aufgesprungen.

Martin Wuttke mag besser sein als sein mutmaßlicher Volksbühnen-Counterpart und DDR-Volksschauspieler Henry Hübchen. Als bescheuerter Adolf Hitler war er nicht sehr überzeugend. Dies mag aber auch an Tarantinos Regieanweisungen liegen, den Diktator überzogen und unrealistisch als Witzfigur darzustellen.

Sylvester Groth hatte zum zweiten Mal den Goebbels gespielt. Auch durch die Wiederholung wurde es leider nicht wirklich besser. Dafür war Rod Taylor als Winston Churchill sehr amüsant und auch Mike „Party on, Wayne“ Myers konnte standardgemäß abliefern. Meine potentielle Nachbarin Jana Pallaske hatte ich zuerst gar nicht erkannt. Dies war aber deswegen rückblickend doch ganz erfreulich.

Das die Filme von Quentin Tarantino gespickt sind mit den vielförmigsten Anekdoten der Filmgeschichte ist hinlänglich bekannt. Auch die zentrale Bedeutung der Musikauswahl wird den meisten Kinogängern bekannt sein. Erstaunlich ist trotzdem, dass sich die Musik von Inglourious Basterds ausschließlich aus den Soundtracks anderer Filme zusammensetzt.

Ennio Morricone Arbeiten zu legendären Italowestern zu verwenden war da mehr als naheliegend. David Bowies Song Cat People (Putting Out Fire) für den Film Katzenmenschen kam dann überraschend und erfrischend unvorsehbar vor. Dagegen war die Für-Elise-Melodie von Ludwig van Beethoven im Intro schon etwas zu naheliegend im Angesicht der Film-Thematik.

Besonders erstaunlich ist, dass Tarantino in Inglourious Basterds eine Hauptfolgen der NS-Zeit klarer zusammengefasst hat als so mancher Historiker: Viele Täter und Verbrecher legten nach dem Krieg ihre Uniformen ab und fuhren oftmals ungestraft und ungehindert mit ihrer Karriere fort. Doch mit einer Harkenkreuznarbe auf der Stirn ist das nicht so einfach möglich – so das ironische Fazit von Tarantino. In diesem Zusammenhang ist es auch erfreulich, dass eindeutig Stellung zu NS-Kollaborateuren wie Emil Jannings und Leni Riefenstahl bezogen wurde.

Prinzipiell habe ich als Anhänger einer Generation der die Gnade der späten Geburt zuteil wurde keine grundsätzlichen Probleme an einer maßvollen kulturellen Auf- und Verarbeitung des Dritten Reichs. Doch der von mir nicht sehr geschätzte Zeit-Autor Jens Jessen spricht einen wichtigen Punkt an, indem er schreibt: „Das Brutalste des Films ist seine Leichtfertigkeit. Es ist ihm alles nur ein blutiger Scherz.“ Vielleicht hätte ich doch wirklich nach Kill Bill meine Auseinandersetzung mit dem Werk von Quentin Tarantino beenden sollen.


W. Hank Daniels nervt jetzt auch noch mit Jazz-Blog

Juli 8, 2009

hank

Seit vielen Jahren nervt mich mein alter Weggefährte W. Hank Daniels schon mit toter Jazz-Musik. Über diverse digitale Kommunikationskanäle werde ich diesbezüglich mit Konsumbefehlen zu dem von mutmasslichen Musikrassisten oft abwertend als „musikalische Wichse“ gebrandmarkten Genre belästigt. Da dies bei weitem nicht genug zu sein scheint, hat Mr. Daniels nun leider auch noch sein eigenes dogmatisches Weblog Jazz 101 gestartet.

Ein kultureller Diskurs ist mir seit jeher sehr wichtig. Denn solange es eine geistige Entwicklung durch die stetige Auseinandersetzung mit kulturellem Input gibt, geht es irgendwie auch mit der eigenen Kreativität beständig weiter. Prinzipiell sehe ich mich auch als ein Jazz-Fan an. Genies wie Thelonious Monk, Duke Ellington oder Oscar Peterson haben meine musikalische Denkweise entschieden mit geprägt. Es gibt da nur ein Problem: Ich höre kaum Jazz!

Beziehungsweise: Ich höre neue Jazz-Platten in der Regel nur ein- bis zweimal. Dann bin ich stark von der Musik beeindruckt, greife aber später äußerst selten wieder auf diese Tonträger zurück. An diesem Punkt setzt jetzt der unbelehrbare Jazz-Enthusiast W. Hank Daniels (ein Pseudonym aus George W. Bush, Hank Williams und Charlie Daniels!) an.

Damit es kein Entkommen vor dem Vergessen gibt stellt er in seinem Review-Blog klassische Jazz-Platten vor. Da diese von toten Musiker dominierte Thematik noch nicht speziell genug zu sein scheint, wird sein Internetauftritt ausschließlich in englischer Sprache verfasst. Wahrscheinlich geschieht des, um sich intellektuell von anderen Musikkritikern (Vgl. Georg Kreisler) abzugrenzen oder um sich selbst nicht nur auf den deutschen Musikmarkt zu limitieren.

Schockierender Weise gelingen ihm die Rezensionen erstaunlich gut und lesbar. Seine Artikel zeugen von einer tiefen Kenntnis der Thematik und seine prägnante Ausdrucksweise von einem großen englischen Vokabular. Neben einem kommerziellen Vergleich der Mannes-Kraft durch die Aufzählung moderner Audiotechnik, widmet sich einer der ersten Einträge dem obskuren Charles-Mingus-Werk “Mingus Mingus Mingus Mingus Mingus” von 1963.

Auch wenn es schon eine Vielzahl von Jazz-Angeboten im Internet gibt macht Jazz 101 Lust auf mehr. Bleibt zu hoffen, dass dort in Zukunft regelmäßig neue Einträge zu lesen sein werden. Nichts wäre schlimmer, als eine zusätzliche virtuelle Jazz-Sackkasse. Und für mich gibt es jetzt wohl kein Entkommen mehr vor den Jazz-Avancen des Apodiktikers W. Hank Daniels.


Klaus Voormann, die Beatles und der Verve-Club

Mai 29, 2009

verveclub

Vor ein paar Wochen machte zur Berlinale noch das deutsche Regie-Aushängeschild Wim Wenders als DJ den Verve-Club im Berliner Tausend unsicher. Letzten Dienstag (26. Mai 2009) war nun schon wieder eine absolute Legende des deutschen Beitrags zur Pop-Kultur unter den Gleisen des Bahnhofs Friedrichstraße anwesend. Dank meiner bescheidenen Kontakte zur Plattenindustrie durfte ich dort den Beatles-Wegbegleiter Klaus Voormann um ein Autogramm bitten.

Unterstützt von Universal Classics & Jazz „Guru“ Christian Kellersmann legte Voormann schöne Musik von Dr. John bis Billie Holiday auf. Der Anlass für das DJ-Set war unter anderem die bevorstehende Veröffentlichung der ersten Soloplatte des mittlerweile 71-jährigen Musikers, Grafiker und Universalkünstlers. Unterbrochen wurde diese Darbietung im letzten Berliner Verve-Club vor der Sommerpause durch Sets der jazzigen Live-Band Paul Kleber Trio.

Nettweise steigerte dann der Trio-Entdecker nicht nur den ideologischen und kommerziellen Wert meiner Voormann-Autobiografie, sondern auch naheliegender Weise meiner deutschen Vinyl-Ausgabe der von ihm designten Revolver-LP der Beatles. Besonders auf dem Schallplattencover fügt sich etzt seine Unterschrift von 2009 perfekt in die über 43 Jahre alte Arbeit von 1966 ein.

Als Bassist und Pianist spielte Voormann mit Pop-Legenden wie John Lennon, Manfred Mann, Lou Reed, James Taylor oder Harry Nilsson. Über 100 Plattencover gestaltete das Gründungsmitglied von John Lennons Plastic Ono Band für Bands wie die Beatles, die Bee Gees oder Turbonegro. Als sein berühmtes Werk gilt die Covergestaltung der mit Rubber Soul und Help besten Beatles-LP Revolver.

Auf dem deutschsprachigen Musikmarkt trat er durch seine Zusammenarbeiten mit Trio, Marius Müller-Westernhagen und Heinz Rudolf Kunze in Erscheinung. Im Vorwort seiner 2003 erschienen Autobiografie bezeichnete Paul McCartney seinen Freund Voormann liebenswürdig als „Arschloch“.

revolver


Meine neue Vintage-Gitarre von Höfner

Mai 4, 2009

hofner

Nebenkostenrückzahlungen sind schon etwas Feines. Man kann davon im Nachtleben dekadent die Sau raushängen lassen, seine Steuerschulden bezahlen oder sich einfach eine neue Gitarre kaufen. Da mich die ersten beiden Dinge nicht wirklich interessieren, habe ich mich nun erst mal für die dritte Variante entschieden.

Bei der Reparatur eines anderen beliebten Klangkörpers hatte ich neulich das neue Objekt der Begierde gesichtet. Eine weinrote Höfner Model 450 von 1966 hing dort im Gitarrenhospital an der Wand. Dummerweise genau dass, wo ich schon seit Jahren unterbewusst hinter her bin. Warum also nicht einmal eine deutsche Vintage-Gitarre erwerben?

Auch wenn alte Western-Gitarren vielleicht nicht immer mehr so exakt zu spielen sind, wie neue Fabrikware, gibt es doch nichts schöneres, als eine Gitarre zu besitzen, die älter ist als man selbst.

Amerikanische Gitarren sind in Deutschland schwer preiswert zu erstehen. Und mit Höfner und Framus gab und gibt es ja in diesen Breitengraden seit vielen Jahrzehnten auch weltweit geachtete Hersteller. Was für die Beatles gut genug war, sollte dann auch für mich ausreichen.

Zwei Wochen nach der ersten Begegnung war dann die Panik zu groß, jemand könnte mir zuvorkommen. Also Skrupel beiseite gewischt, schnell hin in den Hinterhofladen geeilt, Geld auf Tisch gelegt und Gitarre eingepackt.

Natürlich musste ich sofort damit spontan ein paar Songs aufnehmen. Das Ergebnis kann man unten in den Videos sehen und hören.

Hell’s Angelic:


Mit Deine Dose im NBI in der Kulturbrauerei in Berlin

April 25, 2009

nbi1

Nach aufregenden Eskapaden im musikalischen Banküberfallen war es an der Zeit mal wieder als Solo-Aktivist mit den Sporen zu treten. Ganz allein ist man jedoch auf Dauer zum Scheitern verurteilt. Deswegen war es eine solide Idee sich von den Indie-Rock-Verfechtern von Deine Dose begleiten zu lassen.

Analog zu klassischen Konzertdarbietungen einer relevanten Musikepoche vor ungefähr 40 Jahren bestritt ich am 23. April 2009 mein Stück vom Zirkuskuchen mit einem akustischen, englischsprachiges Solo-Set, sowie einem Band-Dose-Set im deutsprachigen Gewand.

Dabei gilt zu beachten, dass erstmals ein Band-Set von mir ausschließlich mit (von mir so gefürchteten) deutschen Liedern bestritten wurde. Auf ein stilprägendes Jackett habe ich dann aber zum Glück doch noch verzichtet. Anschließend konnten Interessierte noch die Hausherren von Deine Dose mit einem einstündigen Set abnicken.

Harte Jahre mit Erfahrungen im journalistischen Abliefern haben auch bei diesem Event wieder eine nahezu vollständige mediale Auswertung in Bild, Ton und Video bewirkt. Vorhang auf für das Affenhaus im Elfenbeinturm.

Setlist:
1. Without Feathers You Can’t Fly
2. Let’s Play Hardball
3. Hell’s Angelic
4. Fast Money

5. Clubheim der Nation
6. Das Affenhaus ist ein Elfenbeinturm
7. Zu gut für diese Welt
8. Auf verlorenem Posten

Jens Kupillas & Deine Dose
„Das Affenhaus ist ein Elfenbeinturm“


Johnny Magic – Neil Young unterwegs im Web 2.0

März 11, 2009

Im April 2009 veröffentlicht Neil Young seine neuste Platte „Fork In The Road„. Es soll ein Konzeptalbum über seine Arbeit an dem Linc-Volt-Projekt sein. Im Rahmen dieser Tätigkeit hat der Musiker und Sammler von alten Autos zusammen mit dem Mechaniker Jonathan Goodwin unter anderem einen alten Lincoln Continental in ein ökologisch korrektes Fahrzeug umgebaut.

Eine ganze Generation sollte damit anscheinend zum umweltverträglichen Autofahren inspiriert werden. Amüsante Videos dokumentierten dieses Ereignis im Internet. Eine noch nicht veröffentlichte Dokumentation wurde darüber von Larry Johnson produziert.

Für die seinem Autodoktor gewidmete Single „Johnny Magic“ des neuen Albums hat der Gitarrenmeister nun zwei Videos über die Huffington Post und seine eigenen Webseiten veröffentlicht. Ein Clip wurde zuvor sogar Live gestreamed. Bereits im Januar 2009 war ein selbstgemachtes Video zum Titeltrack der neuen Platte erschienen.

Die zwei neuen Clips zeigen nun verwackelte Bilder von Young zum Playback des neuen Songs singend am Steuer seines Super-Ökomobils und eines anderen Wagens auf der Fahrt durch Wichita. Im heute (11. März 2009), zwei Tage nach dem ersten Video veröffentlichten zweiten Video, ist noch der Hund Carl mit dabei.

Unser “Joe, the Rock Star” kündigt die Veröffentlichung mit folgenden Worten an: “This is a song about people and heroes and change. Life in America. I hope you enjoy it as much as my dog. He is usually very camera shy but not in this video. Featuring Shakey Pictures’ new „economy look“ to go with the times! Let’s send Johnny to Detroit!”

Diese Aktion liegt damit voll im nicht mehr so neuen Trend vom „User Generated Content“ und hat bei einer „Legende“ wie Neil Young auch einen gewissen Charme. Der mit Youngs Tourband, bestehend aus Ben Keith (Pedal Steel, Keyboards), Chad Cromwell (Drums), Rick Rosas (Bass), Pegi Young (Gesang) und Anthony Crawford (Gesang, Gitarre), eingespielte Track besticht durch einen passend zur Thematik rollenden „Drive“ und einer eingängige Melodie.

Vielerorts konnte man in jüngster Zeit eine nicht ganz unberechtigte Kritik an Neil Youngs angeblich eher schwächeren neuen Texten vernehmen. Auch die vermeintliche Überheblichkeit und Weltfremdheit des dekadenten Rock-Star-Millionärs mit den kostspieligen Hobbys wurde teilweise nicht ganz zu Unrecht bemängelt.

Dazu bleibt anzumerken, dass die Lyrics bei Neil Young nie wirklich das Ausschlaggebende waren. Was seine Musik ausmacht, ist die unkopierbare Atmosphäre, melancholische Melodien, seine unverwechselbare Stimme, sein einzigartiges Gitarrenspiel und nicht zuletzt seine bemerkenswerten Lieder. Auch schon oft gehörte Schüttelreime können daher leichter verziehen werden.

Wer keine einfachen Reime hören will, kann sich ja gerne ein Buch oder Kurzgeschichten zu Gemüte führen. Viele Songtexte von Slackern wie Kurt Cobain wurden ja oft wegen des fehlen von Reimstrukturen gelobt. Sie waren jedoch deshalb auch manchmal ein Ausweichen vor den elementaren Herausforderungen des lyrischen Dichtens: Nämlich den passenden Reim zu finden.

Sicherlich sind interessante und nicht so oft gehörte Phrasen gerade heutzutage besonders erfreulich. Doch Neil Young hat in seiner viele Jahrzehnte umfassenden Karriere schon so einiges gedichtet; Wiederholungen sind da nicht ganz unvermeidlich. Außerdem war er einer von denen, die dieses System des Songschreibens maßgeblich mit geprägt haben. Ihm dies jetzt vorzuwerfen wäre so, als würde man Johnny Rotten seine „punkige“ Attitüde vorhalten.

Die neuen Videos von Neil Young lassen jedoch eine leichte Ernsthaftigkeit und Integrität erkennen, an der es vielen aktuellen Musikern momentan leider eklatant mangelt. Der marxistische Trick, anderen Menschen in erster Linie kommerzielle Motive zu unterstellen, sollte bei diesem Mann nun wirklich nicht angewendet werden. Dafür hat er zu viel erlebt, geleistet und schon genug Geld verdient.

Man sollte Neil Young deswegen vor allem mit sich selbst messen. Mit Prairie Wind hat er erst 2005 gezeigt, dass er noch gute Platten veröffentlichen kann. Und wie sich sein neues Album in den Kanon der klassischen Neil-Young-Alben einfügt, wird sich dann im April zeigen.

Update: Und noch ein neues Video zu dem schönen und ruhigen Song „Light a Candle“ im amerikanischen Rolling Stone.


Hank Williams, Schellack und der finale Triumph

März 4, 2009

hankwilliams

Für die meisten ernsthaften Plattensammler ist das sicherlich nichts besonderes, doch für mich der Konsum-Triumph des Jahres: Am letzten Wochenende habe ich im Record Store Berlin bei Torsten Dobberstein meine erste Original-Hank-Williams-Platte erworben. Und zwar „Hey, Good Lookin’“ als 78“ Schellack von MGM Records von 1951. Auf der B-Seite befindet sich das Lied „My Heart Would Know“ und begleitet wird Hank Williams natürlich von seinen Drifting Cowboys.

Vor vielen Jahren bin ich über einem im „Bluegrass State“ weilenden Weggefährten mit Hilfe eines 28.8k Modem zum ersten Mal in den Genuss der Musik des Country-Sängers gekommen. Seit diesem Zeitpunkt bin ein erklärter Jünger des Musikers mit dem Alta-Ego „Luke The Drifter“. Ich besitze so gut wie alle veröffentlichten Aufnahmen von ihm auf diversen Alben und Box-Sets. Außerdem habe ich bereits 80 Songs des am 1. Januar 1953 verstorbenen Musikers selber aufgenommen.

Hank Williams Sn. ist sicher einer der ganz wenigen Songschreiber, deren Hit-Frequenz an das Lebenswerk eines Bob Dylan herankommt. Ob meine neue Platte nun viel wert ist, kann ich nicht genau bestimmen. Mir fehlt ja schließlich noch ein Plattenspieler der Schellack-Platten vernünftig abspielen kann.


Digitalisierung des digitalen Archivs abgeschlossen

Februar 23, 2009

archiv

Bereits gegen Ende des Jahres 2008 war die Digitalisierung meines digitalen Archivs abgeschlossen. Meine nicht gerade kleine Original-CD-Sammlung befindet sich jetzt komplett auf mehreren Festplatten parallel gesichert. Vom aufwendigen Boxset bis zur billigen Promo-CD und Zeitschriftenbeilage – alles wurde ausgelesen.

Über zwei Jahre lang habe ich fast täglich meinen Rechner mit Plastikscheiben gefüttert und diese in 55.593 MP3s mit einer konstanten 256er-Bit-Rate umgewandelt. Besonders ärgerlich waren Aufnahmen, die nicht in einer Online-Datenbank vorhanden sind. Diese erforderten dann ein Abtippen der Tracklist von Hand.

Erstaunlicher Weise war am Ende nur um die 340 GB Speicherplatz verbraucht. Da mutet schon fast eine erneute Konvertierung als Flac-Dateien als wünschenswert an. Die CDs können jetzt theoretisch in Unzugskartons in den Keller wandern. Und als nächstes ist wohl mein DVD-Archiv dran – aber erst, wenn größere Festplatten auf den Markt kommen.


Mit den Trashlords hinter verschlossenen Türen

Januar 1, 2009

Während einige meiner Nachbarn versucht haben die örtliche Polizeistation zu sprengen, durfte ich den Silvesterabend sinnvoller nutzten, um die rituell abgehaltene Weihnachts-Session mit den Trashlords zu mischen.

Dieses Jahr hatten wir uns wieder am 27. Dezember 2008 im Keller des legendären Studios Institut für Wohlklangforschung in Hannover eingefunden und ohne doppelten Boden live acht Eigenkompositionen eingespielt.

Aufgrund von logistischen Problemen fanden die Aufnahmen diesmal nur in der Kernbesetzung zu viert statt. Dafür sind die Songs diesmal zusätzlich zur Akustik-Gitarre, Bass, Mundharmonika und Gesängen wieder mit vollständigen Schlagzeug und elektrisch verstärkter Gitarre angereichert worden.

Wegen den zu erwartenden technischen Schwierigkeiten haben es dann immerhin noch fünf Lieder am Ende durch die digitale Barriere auf meinen Laptop geschafft. Wie sich so das anhört, könnt ihr hier unten überprüfen:

Jens Kupillas & The Trashlords
The Behind Closed Doors Session

01. Hell’s Angelic
02. On The Second Leg
03. Dark Friday
04. Irakli
05. Das Affenhaus ist ein Elfenbeinturm
06. Red Eyed Strangers
07. Fast Money
08. Waiting For A Plane

back-kopie