Welcher Typ von Plattensammler sind Sie?


1. Der “Core”-Plattensammler
Für den “Core”-Plattensammler muss jede Schallplatte ein absoluter Knaller sein. Die Sammlung soll das perfekte Abbild der eigenen Person darstellen. Schwachstellen müssen deswegen kontinuierlich ausgemerzt werden.
Dabei kommt es besonders auf die musikalische, klangliche, ästhetische und kommerzielle Qualität an. Alles was nicht den eigenen Ansprüchen – die sich selbstverständlich analog zur Lebenserfahrung “weiterentwickeln” – genügt, wird demonstrativ an den verdutzten Bekanntenkreis verramscht oder unter großer Ankündigung zur nächsten Müllhalde gefahren.
Die Sammlung darf natürlich auch auf keinen Fall ein Ausmaß annehmen, das über das Fassungsvermögen des Ikea-Regals Expedit (ca. 1500 Exemplare) hinaus geht.

2. Der Vinyl-Investor
Dem Vinyl-Investor geht es um eine gute Geldanlage. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten suchen solche wohlhabenden Jungunternehmer oft nach einer Möglichkeit, um ihren finanziellen Überschuss in materielle Gegenwerte umzuwandeln, bevor das Finanzamt ihnen in die Quere kommt.
Wenn der Großteil schon in Gold und Immobilien gesichert wurde: Warum nicht mal etwas Risikokapital in etwas total abgefahrenes wie alte Vinyl-Platten stecken? Das macht die eigene Person interessant im Bekanntenkreis und gibt einem zusätzlich einen leicht rebellischen Anschein. Musik spielt dabei keine Rolle. Es zählt nur allein der Wert.
Solche Investments zahlen sich jedoch so gut wie nie aus, da die als extrem selten und rar angepriesenen Exponate sich in der Regel als total wertlos entpuppen. Doch das ist dem Vinyl-Investor egal. Den Spaß war es wert.

3. Der Kulturarchivar
Wen nicht er, wer dann? Der Kulturarchivar hat ausschließlich hohe und ehrenwerte Ziele. In Zeiten des unreflektierten Kulturverfalls liegt es an ihm, das wertvolle musikalische Erbe der Menschheit zu sichern.
Deswegen sammelt er auch so viele Schallplatten wie er sich gerade noch leisten kann. Oft auch zur Sicherheit mehrere Exemplare pro Ausgabe. Unabhängig von der musikalischen Qualität oder Zustand. Es gilt möglichst viele bald verlorene Schätze für die Ewigkeit zu konservieren.
Der größte Traum des Kulturarchivars ist es, irgendwann in ferner Zukunft von einer wichtigen Institution wegen einer nicht mehr auffindbaren Ausgabe kontaktiert zu werden. Diese hat er dann selbstverständlich auf Lager und stellt sie gnädig zur Verfügung.

4. Der Musikliebhaber
Dem Musikliebhaber geht es ausschließlich um das Hören von guter Musik. Schallplatten kauft er nur wegen den immensen Klangvorteilen. Deswegen sind ihm auch Originalpressungen so wichtig, da natürlich nichts, aber auch gar nichts jemals an den Klang der Erstauflage heran reichen kann.
Auf Sammler und Händler schaut der Musikliebhaber angewidert herab. Für ihn handeln solche Personen ausschließlich aus niedrigen Beweggründen.
Von seinen über 10.000 LPs und 6000 Singles hat er jede ausgiebig studiert und analysiert. Trotzdem stehen immer noch viele Neueingänge ungehört in der Ecke seines Musikzimmers. Das ist ihm dann vor anwesenden Gästen immer hochgradig peinlich.

5. Der Plattenspezialist
Am Anfang stand die Erkenntnis: Man kann nicht alle erschienenen Schallplatten erwerben. Unmöglich. Wenn man sich jedoch auf eine kleine Nische konzentriert, kann man dort in einer Lebensspanne eventuell vorzeigbare Ergebnisse erzielen.
Dieser Bereich wird in der Regel schon in der frühsten Jugend des Plattenspezialisten vordefiniert. Die Möglichkeiten sind vielfältig: Ein seltenes Label, eine längst vergessende Musikrichtung, das umfangreiche Werk eines einzelnen Künstlers: Je ausgefallener, desto besser.
Besonders clevere Vertreter dieser Art spezialisieren sich auf ein ausgestorbenes Medium wie Schellackplatten oder 8-Tracks. Die natürlichen Feinde des Plattenspezialisten sind Komplettausgaben, Reissue-Label und das Internet.

6. Der Plattenkommunikator
Schallplatten sind für den Plattenkommunikator nur ein Mittel zum Zweck. Und zwar um das Haus verlassen zu dürfen, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und um sich selbst möglichst häufig darzustellen. Denn nur im Dialog mit Anderen lernt er sich selber wirklich kennen und schätzen.
Deswegen redet der Plattenkommunikator auch ununterbrochen. Meistens über sich selber oder über seine wenigen Platten, welche in diesem Fall nur einen “MacGuffin” darstellen.
Diese Spezi hat naturgemäß wenig Ahnung von Musik im Allgemeinen oder von Schallplatten im Besonderen. Sie ist vor allem für Plattenhändler der größtmöglich anzunehmende Alptraum.

7. Der Plattenreaktionär
In einer fernen Vergangenheit kosteten Schallplatten einmal zehn Deutsche Mark. Das sind umgerechnet etwa fünf Euro. Mehr gibt der Plattenreaktionär auch heute nicht für Platten aus. Aus Prinzip und um gegen die fortschreitende Kapitalisierung aller Lebensbereiche zu demonstrieren.
Das aktuelle Preisniveau, die finanzielle Situation des Verkäufers oder gar die gestiegenen Lebenshaltungskosten interessieren ihn dabei ebenso wenig wie die Qualität seiner eigenen Sammlung. Deswegen kann man Plattenreaktionäre überwiegend beim Wühlen in 1-Euro-Kisten (bei jeder Wetterlage) oder beim Verhandeln mit genervten Verkäufern um niedrige Cent-Beträge beobachten.

8. Der Plattensammler
Für den Plattensammler haben Schallplatten den großen Nachteil, dass man sie auch hören kann. Diese Tatsache belastet ihn unheimlich stark. Denn während der Briefmarkensammler Erwerbungen schnell und unkompliziert weg sortieren kann, hat der Plattensammler immer einen großen Stapel an Neueingängen vor seinen Ohren stehen.
Wirkliche Plattensammler sind auch immer Komplettisten. Jedes noch so unwichtige Lebenszeichen eines Musikers wird archiviert. Unabhängig von dessen Qualität.
Symptome die bei Plattensammlern auftreten ähneln denen von Suchtkranken. Plattensammler bleibt man, wie auch Alkoholiker, ein Leben lang.

9. Die Plattenpackratte
Plattenpackratten kaufen alles was ihnen unter die Finger kommt. Hauptsache schwarz, rund und mit einem Loch in der Mitte. Auch hier spielt Qualität keine Rolle. Hauptsache viel und billig.
Es gibt oft Überschneidungen zu anderen exzessiven Verhaltensarten wie Drogenkonsum, Arbeitsverweigerung oder mangelnde Körperhygiene. Wohnungen von Plattenpackratten ähneln denen von normalen Messies, nur muss für die Entrümpelung nach deren Ableben mehr ausgegeben werden.

10. Der Plattenhändler
Der Plattenhändler ist der natürliche Feind eines jeden Plattenkäufers. Er verachtet den Kunden und der Kunde verachtet ihn. Die gesamte Musikindustrie ist seit Beginn von dieser Dualität geprägt.
Jeder Plattenhändler war, bevor er aus Mangel an Alternativen zum Händler aufstieg, selbst einmal ein Plattensammler. Jetzt hat er für diese untere Evolutionsstufe nur noch Verachtung über. Dies wird in der Regel mit dogmatischen Phrasen wie “Was willst Du?” quotiert.
Trotzdem widerfahren dem Plattenhändler in dunklen Momenten gelegentlich noch Rückfälle. Er behält dann die wertvollsten Neueingänge für seine private und geheime Kollektion ein.

11. Der Frust-Digger
Für den Frust-Digger ist der Plattenkonsum im besten Fall ein Symptom für mangelnden Sex. Normaler Weise jedoch eher ein Substitut für familiäre Beziehungen, Kinderwunsch oder ein erfülltes Leben.
Der Kauf von Schallplatten soll seinem Leben irrationaler Weise einen tieferen Sinn geben. Dieses Ziel wird naturgemäß nie erreicht. Deswegen ist der Frust-Digger ein einsames und sehr hasserfülltes Lebewesen, welches seine Mitmenschen ständig für das eigenes Versagen verantwortlich macht.
Der Frust-Digger ist auch immer pleite (oder gar verschuldet) und nicht mehr Herr seiner Lage. Ein Sklave der eigenen ekelhaften Triebe. Tief gezeichnet und immer auf der rücksichtslosen Suche nach dem nächsten Platten-Fix. In den Medien wird er auch öfters als Vinyl-Junkie beschrieben.

Slowboat Films stellen den Status quo in Frage

So einfach kann das sein: Einige wenige Klicks und schon lädt ein neuer Kinofilm in hoher Qualität aus dem Internet auf den eigenen Computer. Der Filmkonsum kann in wenigen Minuten starten. Ohne komplizierte Anmeldung, langwierige Urheberrechtsbelehrungen oder nervige Kopierschutzverfahren. Und das noch auf sogenannten legalem Wege.

Moderne Science-Fiction? Wirre Fantasien von Computernerds auf LSD? Verschwörungstheorien von “ideologisch verwirrten Web-Kommunisten”? Nein. Bei Slowboat Films schon länger vorbildliche Realität. Die Werke der im hessischen Rodgau ansässigen Filmemacher um M. A. Littler können auf deren Homepage schnell und einfach erworben werden.

Zur Auswahl stehen Downloadlinks zu DivxHD-Files mit hoher Auflösung (1920 x 1080). Wahlweise können die englischsprachigen Filme mit Untertiteln oder ohne geladen werden. Die Links werden per Email zugesandt und sind 24 Stunden gültig. Das Herunterladen eines Filmes kostet dabei nur schlappe acht Euro. Die Bezahlung erfolgt traditionell über Paypal.

Sollte eine DVD-Version des Werkes vorliegen, kann diese auf der selben Weise für 20 Euro bestellt werden. Die Website ist übersichtlich und einfach zu navigieren. Die wichtigsten Information und Trailer zu den Filmen geben schnell einen Überblick darüber, was man dort kauft.

Und das ist nicht weniger als eine komplett eigene Sicht auf die Welt. Im durchaus positiven Sinne. Mit “The Folk Singer” wurde im Jahre 2008 die Arbeit des Regisseurs, Autoren und Produzenten M. A. Littler einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Die Mischung aus Dokumentation und Spielfilm zeigt hungrige Musiker um Possessed by Paul James und Scott H. Biram abseits von Shopping-Malls und Rockstarvisionen in Texas und Louisiana.

Zuvor waren bereits einige Filme, zum Beispiel über die Schweizer Band The Dead Brothers oder den Fotografen und Schriftsteller Miron Zownir, erschienen. Das neuste Roadmovie “The Kingdom of Survival” führt Littlers Streben nach einer von Werner Herzog beschriebenen “Ecstatic Truth” zu neuen Höhepunkten.

Darin werden die Theorien von Vordenkern aus dem linken Spektrum wie Noam Chomsky, Mark Mirabello, Ramsey Kanaan oder Joe Bageant am Ende vom Farmer und Folk-Musiker Will “The Bull” Taylor mit einer klaren Absage an die “Culture of Complaning” aufgelöst.

Die Selbstbestimmung wird zu einem zentralen Punkt. Mach wie beim Baseball das Beste aus den Dir zugeworfenen Bällen! Genau dies tun auch M. A. Littler und Slowboat Films mit Ihren Werken und deren direkten Vertrieb über das Internet. Ein eigentlich ganz normaler Vorgang.

Das Marc A. Littler auch einiges zu erzählen hat, kann man in diesen Interviews überprüfen:
M.A. Littler Interview by Gerry Fialka
Reeling The Real Interview: M.A. Littler
Interview at 19th Raindance Film Festival

The Kingdom of Survival: Official Trailer:

Mikro Green Bullet verleiht Songs Vintage-Sound


Nur für das Protokoll: Auch 2011 hatte für mich wieder einigen musikalischen Output zur Folge. Neben noch nicht komplett aufgenommenen Alben meiner beiden Bands The Last Pawnbrokers und Deine Dose, sowie einem unfertigen Solo-Album, fiel noch eine Sammlung mit 13 Cover-Songs dabei ab.

“The Broken Hearts Of Other People” beinhaltet in zyklischer Reihenfolge die Beziehungsdramen von einigen meiner liebsten Songwriter wie Townes van Zandt, Kris Kristofferson, Merle Haggard, Bob Dylan, Hank Williams oder Bruce Springsteen.

Aufgenommen wurde das akustische Machwerk alleine von mir in meiner Wohnung mit Geräten wie Gitarre, Kontrabass, Mandoline, Banjo, Steel-Gitarre, Dobro, Harmonium, Mundharmonika, Melodica, Klavier, Glockenspiel, Snare-Drum, Maracass, Tambourine und vielen mehr.

Grundlage bildete in der Regel die Live-Performance im Wohnzimmer mit Gesang und Akustik-Gitarre. Der Rest wurde nachträglich auf den Mastertake gespielt. Bei allen Liedern wurde der Hauptgesang über mein neues Shure 520DX aufgenommen. Besser bekannt ist das robuste Mirko unter dem Namen “Green Bullet” oder “Fahrradlampe”.

Eigentlich wurde das 520DX zur Abnahme und Verstärkung von Mundharmonika entwickelt. Beim Gesang liefert es jedoch einen verzerrten, in der Regel als “Vintage-Sound” wahrgenommenen Klang. Ein Klassiker, beliebt bei Musikern wie Jack White, Scott H. Biram oder H.P. Baxxtor.

Es gibt schon mehr als genug aufgenommen Musik auf der Welt. Um keine Schwierigkeiten mit der Musikpolizei, der GEMA oder sonstigen Spielverderbern zu bekommen, bleibt dieses Werk wohl meine persönlichste Postkarte von dem Jahr 2011.

Die Trackliste:
01 the lady came from baltimore :: tim hardin
02 be here to love me :: townes van zandt
03 mona lisa lost her smile :: david allan coe (johnny cunningham)
04 cigarettes, whisky and wild, wild women :: sons of the pioneers (tim spencer)
05 me and bobby mcgee :: kris kristofferson
06 cold irons bound :: bob dylan
07 dying of another broken heart :: lindi ortega
08 time :: tom waits
09 tougher than the rest :: bruce springsteen
10 alone and forsaken :: hank williams
11 he stopped loving her today :: george jones (bobby braddock/curly putman)
12 diane :: hüsker dü (grant hart)
13 i don’t have any love around :: merle haggard