Die unterhaltsame Vinyl-Community auf YouTube

Vinyl ist im Kommen. Seit etwa 1948. Kaum ein anderes Medium zieht so viele Sammler, Freaks und Nerds an, wie die meist schwarzen Schallpappen. Auf YouTube hat sich dieses Jahr eine kleine, aber interessante Community dieser selbsternannten Musikexperten gebildet.

Für Interessierte ist dieses Programm sicherlich unterhaltsamer als die abendliche Fernsehberieselung. Mittlerweile haben sich Fragenkataloge etabliert, die sich die Sammler gegenseitig vorlegen. Wer willig ist und meint, etwas zu sagen zu haben, antwortet dann auf diese so genannten Threads.

Dann machen Fragen wie “What are the five Records you would like to have signed by the Original Artist?” oder “How good are you in evaluating the condition of a Record without playing it?” die Runde. Diese werden anschließend ausgiebig von der Community diskutiert.

Da ist zum Beispiel Dan aus Kanada. Dan arbeitet im Kopierladen der dortigen Universität und ist einer der größten Neil-Young-Fans des Bewegtbild-Internets. Seine Sammlung krönte er vor zwei Wochen mit der ultrararen Neil-Young-EP El Dorado für 170 Dollar, dem heiligen Gral der meisten Plattensammler. Immer Sonntags arbeitet der Hobby-Musiker zusätzlich im lokalen Plattenladen, was ihm den Vorteil einbringt, alle Platten dort für bis zu 40 Prozent günstiger erwerben zu können.

Nach Jahren des “diggins” auf düsteren Garage-Sales und in schmuddeligen Plattenläden hat Dan etwas die Lust am gebrauchten Vinyl verloren und schwört mittlerweile auch auf Neuerscheinungen und Reissues von Klassikern. Gekonnt umschifft er fast jedes musikalischen Fettnäpfchen und verfügt für sein geschätztes Alter schon über ein erstaunliches Musik-Wissen.

Seinen selbstverpassten Spontan-Titel “Decent Judge of Music” trägt er deswegen völlig zu Recht. Dan ist einer der professionelleren Vinyl-YouTuber und damit so etwas wie der Motoren dieser Community. Seit kurzem investiert er auch verstärkt in Jazz. Er schreibt außerdem einen Blog über die Verpackungen von Neuerscheinungen.

Mr. Hall of Fame stellt sich mit den Worten: “I’m a black man…NO LET ME CORRECT THat….I am an AMERICAN who loves metal, country, Rock, Jazz, R and B, classical, Grunge, Indie, world, and anything else that rings “nice” in my ears!” vor. In seinem kleinen Musikzimmer ist es fast immer dunkel. Dafür hat er unüblicher Weise eine Freundin. Er spielt auch Gitarre – will sein Instrument aber verkaufen, um mehr Geld für Platten zur Verfügung zu haben.

Mr. Hall of Fame archiviert seine Musikschätze auf Vinyl, CD und Kassette; nach Genres sortiert. Einer der größten Skandale ist für ihn, dass Kiss noch nicht in die Music Hall Of Fame aufgenommen worden sind. Da Mr. Hall of Fame zu fast allem etwas zu sagen hat, kann man sich meist täglich über neue Videos von ihm freuen.

Der Teenager Joseph O’Donnell hat altersbedingt die Beatles noch nicht völlig verkraftet. Damit ist das Themenfeld seiner Videos gesetzt.

Der Schotte versucht jetzt noch Bass zu lernen und erfreut die Gemeinschaft mit vielen Fragen – auch zu Themen abseits des Plattensammler-Universums. Sein starker Akzent soll schon zu Irritationen innerhalb der nordamerikanisch geprägten Community geführt haben.

Mr. Fartboy79 ist neu dabei und versucht Dan aus Kanada den Titel des größten Neil-Young-Fans des Web 2.0 streitig zu machen. Letzten Monat hat er Dan mit einem seltenen Exemplar von Neil Youngs El Dorado hart gedemütigt, was bei diesem einen reflexartigen und sehr teurem Konsumakt zur Folge hatte.

Auch er hat eine Frau, welche er selbstverständlich zu dem Neil-Young-Song Silver and Gold geehelicht hat. Mr. Fartboy79 ist in den 1990er-Jahren sozialisiert worden und konnte deswegen Neil Young schon weit über 20 Mal live sich anschauen.

Glowing00cabbage hat die Kontrolle über seinen Apple-Computer verloren. Deswegen ist in seinen Videos immer alles spiegelverkehrt. Er ist aber so nett, dass er Dan aus Kanada schon seltene Pearl-Jam-Club-Singles umsonst zugeschickt hat. Denn Glowing00cabbage hört eigentlich in letzter Zeit verstärkt Jazz.

Auch wenn sein Archiv nicht zu erkennen ist, gibt er sich fast wöchentlich dem günstigeren Instant-Konsum hin. Seine Musikleidenschaft und -Kenntnis ist trotzdem über jeden Zweifel erhaben.

Aldi aka Roofus aus dem französischsprachen Teil Kanadas ist einer der coolsten Typen auf YouTube – und ein wahrer Nerd. Er kann “Grooves” lesen und liebt nur die großen Löcher in den 45-Vinyls. Außerdem macht er gerade eine Ausbildung zum Buchhalter.

Seine Sammlung mit über 20.000 Einheiten besteht nach eigenem bekunden zu großen Teilen aus “Schrott”. Herkunftsbedingt befinden sich auch viele obskure französischsprachige Aufnahmen in seinem Archiv. Sehr unterhaltsam.

Nathan R. Morales ist aus Texas. Vor kurzem hat er Townes van Zandt entdeckt, was sein Leben natürlich verändert hat. Die Vermutung liegt nahe, dass er über einen eigenen Plattenladen verfügt. Von allen YouTube-Diggaz konnte er die traurigste Record-Geschichte erzählen. Fast täglich füllt sich sein Archiv mit neuen Schätzen.

Spellerine ist Beatles-Sammler. Und Elvis-Sammler. Und er findet auch noch eine ganze Menge ziemlich gut. Trotzdem ist er Anhänger der Ideologie des Core-Archivs. Mittlerweile kann man Spellerine auch selbst in seinen Videos sehen. Und er sieht viel jünger aus, als es die Stimme bisher vermuten lies.

Rhiview kommt aus Australien und ist eine Frau. Sie sammelt aber trotzdem Vinyl. Und sie spielt auch noch Videospiele. Ihre erste Platte war der “War of the Worlds” Soundtrack. Danach kamen gleich die 1990er-Jahre.

2 Antworten zu Die unterhaltsame Vinyl-Community auf YouTube

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