Vor ein paar Wochen machte zur Berlinale noch das deutsche Regie-Aushängeschild Wim Wenders als DJ den Verve-Club im Berliner Tausend unsicher. Letzten Dienstag (26. Mai 2009) war nun schon wieder eine absolute Legende des deutschen Beitrags zur Pop-Kultur unter den Gleisen des Bahnhofs Friedrichstraße anwesend. Dank meiner bescheidenen Kontakte zur Plattenindustrie durfte ich dort den Beatles-Wegbegleiter Klaus Voormann um ein Autogramm bitten.
Unterstützt von Universal Classics & Jazz „Guru“ Christian Kellersmann legte Voormann schöne Musik von Dr. John bis Billie Holiday auf. Der Anlass für das DJ-Set war unter anderem die bevorstehende Veröffentlichung der ersten Soloplatte des mittlerweile 71-jährigen Musikers, Grafiker und Universalkünstlers. Unterbrochen wurde diese Darbietung im letzten Berliner Verve-Club vor der Sommerpause durch Sets der jazzigen Live-Band Paul Kleber Trio.
Nettweise steigerte dann der Trio-Entdecker nicht nur den ideologischen und kommerziellen Wert meiner Voormann-Autobiografie, sondern auch naheliegender Weise meiner deutschen Vinyl-Ausgabe der von ihm designten Revolver-LP der Beatles. Besonders auf dem Schallplattencover fügt sich etzt seine Unterschrift von 2009 perfekt in die über 43 Jahre alte Arbeit von 1966 ein.
Als Bassist und Pianist spielte Voormann mit Pop-Legenden wie John Lennon, Manfred Mann, Lou Reed, James Taylor oder Harry Nilsson. Über 100 Plattencover gestaltete das Gründungsmitglied von John Lennons Plastic Ono Band für Bands wie die Beatles, die Bee Gees oder Turbonegro. Als sein berühmtes Werk gilt die Covergestaltung der mit Rubber Soul und Help besten Beatles-LP Revolver.
Auf dem deutschsprachigen Musikmarkt trat er durch seine Zusammenarbeiten mit Trio, Marius Müller-Westernhagen und Heinz Rudolf Kunze in Erscheinung. Im Vorwort seiner 2003 erschienen Autobiografie bezeichnete Paul McCartney seinen Freund Voormann liebenswürdig als „Arschloch“.
Nebenkostenrückzahlungen sind schon etwas Feines. Man kann davon im Nachtleben dekadent die Sau raushängen lassen, seine Steuerschulden bezahlen oder sich einfach eine neue Gitarre kaufen. Da mich die ersten beiden Dinge nicht wirklich interessieren, habe ich mich nun erst mal für die dritte Variante entschieden.
Bei der Reparatur eines anderen beliebten Klangkörpers hatte ich neulich das neue Objekt der Begierde gesichtet. Eine weinrote Höfner Model 450 von 1966 hing dort im Gitarrenhospital an der Wand. Dummerweise genau dass, wo ich schon seit Jahren unterbewusst hinter her bin. Warum also nicht einmal eine deutsche Vintage-Gitarre erwerben?
Auch wenn alte Western-Gitarren vielleicht nicht immer mehr so exakt zu spielen sind, wie neue Fabrikware, gibt es doch nichts schöneres, als eine Gitarre zu besitzen, die älter ist als man selbst.
Amerikanische Gitarren sind in Deutschland schwer preiswert zu erstehen. Und mit Höfner und Framus gab und gibt es ja in diesen Breitengraden seit vielen Jahrzehnten auch weltweit geachtete Hersteller. Was für die Beatles gut genug war, sollte dann auch für mich ausreichen.
Zwei Wochen nach der ersten Begegnung war dann die Panik zu groß, jemand könnte mir zuvorkommen. Also Skrupel beiseite gewischt, schnell hin in den Hinterhofladen geeilt, Geld auf Tisch gelegt und Gitarre eingepackt.
Natürlich musste ich sofort damit spontan ein paar Songs aufnehmen. Das Ergebnis kann man unten in den Videos sehen und hören.