Der letzte Freitag (24. April 2009) war für mich so etwas wie ein heiliger Tag. Denn an diesem Datum ist das neue Bob-Dylan-Album „Together Through Life“ erschienen.
Nach der überraschenden Ankündigung über die baldige Veröffentlichung einer neuen Dylan-Platte, habe ich Monate lang sehnsüchtig auf diese Großereignis gewartet. Schließlich wollte ich wissen, ob der Meister des Songwritings seinen auf „Love And Theft“ großartig begonnen und auf „Modern Times“ aufgrund von teilweise fehlender Songsubstanz etwas beliebig fortgeführte „Renter-Blues-Rock“ auch auf dem neuen Album weiterführen wird.
Sollte wirklich etwas dran sein an der and vielen Orten angekündigten Rückkehr von „His Bobness“ an die mexikanische Grenze im Tex-Mex-Gewand? Oder gibt es wieder Chess-Records-Sound-Exzesse wie auf den Vorgänger-Alben?
Also wurde im Vorfeld alles genau geplant: Bereits Wochen zuvor hatte ich die aufwendige Doppel-Vinyl-Edition (inklusive CD-Ausgabe) bei dem größten Internetversandhändler vorbestellt. Für den Veröffentlichungstag wurde sich extra frei genommen und alle eventuellen anderweitigen Termine großräumig abgesagt.
Am Tag vor dem Erscheinen des Albums wurde das Werk auch wie geplant schon mittags versandt. So weit so gut. Doch im Verlauf des expliziten Freitags stellte sich irgendwann heraus, dass „Together Trough Life“ wohl nicht mehr geliefert wird. Samstag dann aber auch nicht. Sonntag sowieso nicht. Montag jedoch auch nicht.
Das Kundenkonto beim Anbieter zeigte bei Nachforschungen folgendes an: Informationen zur Lieferung: 24. April 2009, 14:06 Uhr, Status: zugestellt, Transportdienst: Hermes. Eine Pressemeldung vom drauffolgenden Montag lieferte dann die nachträgliche Erklärung. Auch Hermes bekommt jetzt ein Stück vom größten Onlinehändlerkuchen ab.
Ein panischer Anruf auf der Hotline des Versandhauses lieferte dann genauere Ergebnisse zu meinem persönlichen Skandal zu Tage: Die Ware wurde an dem obigen Datum einem „Assman Kiosk“ (Vgl. My Ass!) unter meiner Adresse zugestellt.
Das ganze hatte nur folgendes Problem: In meinem Umfeld gibt es weder ein Etablismont, noch einen Bewohner unter diesem Namen. Außerdem hatte ich auch niemals eine Benachrichtigung, in welcher Form auch immer, erhalten. Schließlich saß ich am besagten Zustellungsdatum brav in meiner Wohnung und habe wehmütig auf die Klingel gestarrt.
Die wie immer überfreundliche Dame am Konsumtelefon meines Vertrauens hatte dann jedoch Mitleid mit meinem Dilemma und bot mir an das wertvolle Kulturgut einfach noch mal zu versenden. Einer der wenigen Vorteile, die sich ergeben, wenn man bei multinational operierenden Großkonzernen bestellt. „Aber ja doch, sofort rausschicken!“ war meine leicht hysterisch geschriene Antwort. Gesagt, getan. Perfekt – was für ein Service!
Doch was in der Zwischenzeit machen? Google lieferte die Antwort. Drei Straßen und zwei Straßenbahnstation weiter sollte es tatsächlich einen Kiosk mit dem Namen „Assemann“ geben. Also stürzte ich sofort raus aus meinem Bett und irrte dann spät abends noch durch die Straßen von Berlin auf der Suche nach einer ominösen Trinkhalle.
Leider ohne den geringsten Erfolg. Auch die genau Inspektion der relevanten Hinterhöfe lieferte keine genaueren Hinweise. Sogar bei erneuter Betrachtung am nächsten Tag nicht. Was für eine Katastrophe!
Zwei Tage später traf dann die erneute Lieferung ein. Diesmal von DHL und meinem Lieblingspostboten gebracht. Sollte der Versandhändler meiner Gewohnheit jedoch bei dieser Versandpolitik bleiben, muss ich wohl darauf erst einmal verzichten. Zumindestens bei dringenden Neuerscheinung. In Berlin gibt es ja noch einige Alternativangebote.
Und die Bob-Dylan-Platte? Das Paket liegt noch immer eingepackt auf meinem Boden. Irgendwie ist mir nach fast einer Woche schmerzvollem Warten die Lust auf das Hören vergangen. Vielleicht lege ich sie gleich mal auf.
Verfasst von Jens Kupillas 
Verfasst von Jens Kupillas