Im April 2009 veröffentlicht Neil Young seine neuste Platte „Fork In The Road„. Es soll ein Konzeptalbum über seine Arbeit an dem Linc-Volt-Projekt sein. Im Rahmen dieser Tätigkeit hat der Musiker und Sammler von alten Autos zusammen mit dem Mechaniker Jonathan Goodwin unter anderem einen alten Lincoln Continental in ein ökologisch korrektes Fahrzeug umgebaut.
Eine ganze Generation sollte damit anscheinend zum umweltverträglichen Autofahren inspiriert werden. Amüsante Videos dokumentierten dieses Ereignis im Internet. Eine noch nicht veröffentlichte Dokumentation wurde darüber von Larry Johnson produziert.
Für die seinem Autodoktor gewidmete Single „Johnny Magic“ des neuen Albums hat der Gitarrenmeister nun zwei Videos über die Huffington Post und seine eigenen Webseiten veröffentlicht. Ein Clip wurde zuvor sogar Live gestreamed. Bereits im Januar 2009 war ein selbstgemachtes Video zum Titeltrack der neuen Platte erschienen.
Die zwei neuen Clips zeigen nun verwackelte Bilder von Young zum Playback des neuen Songs singend am Steuer seines Super-Ökomobils und eines anderen Wagens auf der Fahrt durch Wichita. Im heute (11. März 2009), zwei Tage nach dem ersten Video veröffentlichten zweiten Video, ist noch der Hund Carl mit dabei.
Unser “Joe, the Rock Star” kündigt die Veröffentlichung mit folgenden Worten an: “This is a song about people and heroes and change. Life in America. I hope you enjoy it as much as my dog. He is usually very camera shy but not in this video. Featuring Shakey Pictures’ new „economy look“ to go with the times! Let’s send Johnny to Detroit!”
Diese Aktion liegt damit voll im nicht mehr so neuen Trend vom „User Generated Content“ und hat bei einer „Legende“ wie Neil Young auch einen gewissen Charme. Der mit Youngs Tourband, bestehend aus Ben Keith (Pedal Steel, Keyboards), Chad Cromwell (Drums), Rick Rosas (Bass), Pegi Young (Gesang) und Anthony Crawford (Gesang, Gitarre), eingespielte Track besticht durch einen passend zur Thematik rollenden „Drive“ und einer eingängige Melodie.
Vielerorts konnte man in jüngster Zeit eine nicht ganz unberechtigte Kritik an Neil Youngs angeblich eher schwächeren neuen Texten vernehmen. Auch die vermeintliche Überheblichkeit und Weltfremdheit des dekadenten Rock-Star-Millionärs mit den kostspieligen Hobbys wurde teilweise nicht ganz zu Unrecht bemängelt.
Dazu bleibt anzumerken, dass die Lyrics bei Neil Young nie wirklich das Ausschlaggebende waren. Was seine Musik ausmacht, ist die unkopierbare Atmosphäre, melancholische Melodien, seine unverwechselbare Stimme, sein einzigartiges Gitarrenspiel und nicht zuletzt seine bemerkenswerten Lieder. Auch schon oft gehörte Schüttelreime können daher leichter verziehen werden.
Wer keine einfachen Reime hören will, kann sich ja gerne ein Buch oder Kurzgeschichten zu Gemüte führen. Viele Songtexte von Slackern wie Kurt Cobain wurden ja oft wegen des fehlen von Reimstrukturen gelobt. Sie waren jedoch deshalb auch manchmal ein Ausweichen vor den elementaren Herausforderungen des lyrischen Dichtens: Nämlich den passenden Reim zu finden.
Sicherlich sind interessante und nicht so oft gehörte Phrasen gerade heutzutage besonders erfreulich. Doch Neil Young hat in seiner viele Jahrzehnte umfassenden Karriere schon so einiges gedichtet; Wiederholungen sind da nicht ganz unvermeidlich. Außerdem war er einer von denen, die dieses System des Songschreibens maßgeblich mit geprägt haben. Ihm dies jetzt vorzuwerfen wäre so, als würde man Johnny Rotten seine „punkige“ Attitüde vorhalten.
Die neuen Videos von Neil Young lassen jedoch eine leichte Ernsthaftigkeit und Integrität erkennen, an der es vielen aktuellen Musikern momentan leider eklatant mangelt. Der marxistische Trick, anderen Menschen in erster Linie kommerzielle Motive zu unterstellen, sollte bei diesem Mann nun wirklich nicht angewendet werden. Dafür hat er zu viel erlebt, geleistet und schon genug Geld verdient.
Man sollte Neil Young deswegen vor allem mit sich selbst messen. Mit Prairie Wind hat er erst 2005 gezeigt, dass er noch gute Platten veröffentlichen kann. Und wie sich sein neues Album in den Kanon der klassischen Neil-Young-Alben einfügt, wird sich dann im April zeigen.
Update: Und noch ein neues Video zu dem schönen und ruhigen Song „Light a Candle“ im amerikanischen Rolling Stone.
Verfasst von Jens Kupillas 
Verfasst von Jens Kupillas