Gestern war es also soweit. Led Zeppelin spielten in der Londoner O2-Arena vor über 20.000 Zuschauern das seit einem halben Jahr massiv angekündigte Reunion-Konzert. Aufgrund der räumlichen Differenz, dem nötigen Kleingeld, der geringen Chance bei den Millionen von Ticketanfragen eine Karte abzubekommen und vor allem aus mangelndem Interesse war ich jedoch nicht vor Ort.
Ähnlich wie Helmut Kohls Verdienste für die deutsche Einheit, darf auch der maßgebliche Einfluss von Led Zeppelin auf die Rockmusik der 1970er Jahre nicht öffentlich angezweifelt werden. Obwohl sich mir als Fan des textlastigen 2-Minuten Pop-Songs die Lieder der englischen Rockveteranen irgendwie nie völlig erschlossen haben, sind die einzelnen Musiker und deren Zusammenspiel sicherlich maßgeblich für diese Art von Musik.
Der Anlass des 16 Songs umfassenden Sets vom 10. Dezember 2007 war dann jedoch auch ein besonders ehrenwerter: Zum Gedenken an den vor einem Jahr verstorbenen Atlantic Records-Gründer Ahmet Ertegun spielten die drei Herren um die 60 und der 41-jährige Sohn des 1980 volltrunken an seinem Erbrochenen erstickte Ur-Drummer John Bonham eine solide Show. Alle Einnahmen sollen an die Stiftung von Ertegun – einer der wichtigsten Plattenproduzenten und Pioniere der Popmusikgeschichte – gehen.
Die größten Led Zeppelin Hits wie Dazed And Confused, Kashmir, Whole Lotta Love und sogar der Nothing Else Matters Vorläufer Stairway To Heaven wurden dann auch dem begeisterten Publikum dargeboten. Mit der Konzertpremiere von For Your Life gab es sogar ein ganz besonderes Leckerbissen für die Fans. So liest mal jedenfalls an vielen Stellen im Internet.
Das Gesamtwerk kann nun downgeloaded werden, Klingeltöne gibt es davon auch und die vielen Kameramänner auf der Bühne deuten auf eine baldige DVD Veröffentlichung hin. Die Rockveteranen – welche sich in den 1970er Jahren gegen Promotion und Singleveröffentlichungen sträubten – sind damit also endlich in der medialen Gegenwart angekommen.
Mir wird es wohl wahrscheinlich nie ganz klar werden, wo durch sich Led Zeppelin von meiner Meinung nach besseren 1970er Jahre Rockbands wie Black Sabbath, Kiss, AC/DC oder Queen positiv abgrenzen. Waren sie vielleicht nur etwas früher da? Sind sie bessere Musiker mit besseren Songs? Oder gibt es da vielleicht gar keinen Wettbewerb und die Bands können sogar alle nebeneinander auf gleicher Höhe bestehen?
Den unzähligen anwesenden Fans hat das Konzert sicherlich eine besondere Gottesandacht beschert. Eine Tournee schließt die Band jedoch kategorisch aus. Somit wird es wohl bei diesem einmaligen Event bleiben. Kommerzielle Folgeaktivitäten wird es bestimmt immer wieder mal geben. Auch nicht so schlecht.