Elvis Presley hat Unplugged erfunden

Dezember 28, 2007

Als Elvis Presley im Oktober 1958 zu seinem Militärdienst nach Hessen aufbrach, war für viele rückblickend der Mythos des Kings unheilbar lädiert. Selbst die Haupt-Beatles Paul McCartney und John Lennon beriefen sich später immer ausdrücklich nur auf den Pre-Army-Elvis.

Das im nachhinein als Elvis’ 68 Comeback Special umgetaufte im Dezember 1968 ausgestrahlte NBC-TV Special läutete nach langen Jahren in Hollywood jedoch die vielleicht beste Phase in der kurzen Musikkarriere von Elvis ein. Neben den aufwendig inszenierten und choreographierten Showszenen sind allerdings die informellen Jam-Sessions vor einem kleineren Publikum das wirkliche Highlight dieser Aufnahmen.

Die 1960er Jahre hatte Elvis überwiegend mit dem produzieren von vielen leichten Filmen und deren weichgespülten Soundtracks verbracht. Sein letztes Konzert vor einem größerem Publikum am 25. März 1961 in Pearl Harbor lag schon Jahre zurück. Somit schien als Wiederauflage von Elvis Teilnahme an einer Weihnachtsradiosendung aus dem Jahre 1967 ein TV-Auftritt zum Weihnachtsfest im Jahre 1968 längst überfällig.

Bereits am 27. und 29. Juni wurden vier einstündige Shows vor unterschiedlichem Publikum aufgezeichnet, aus denen dann mit später gefilmten „Musicalszenen“ die fertige TV-Version zusammengeschnitten wurde. Diese Konzerte wurden später als „The Burbank Sessions“, benannt nach den NBC Burbank Studios, bekannt.

Neben den für die endgültige Sendung verwendeten Soloauftritten von Elvis zu einer Mischung von Live- und Playbackaufnahmen sind die Jam-Sessions des 27. Juni der wahre Leckerbissen dieser Konzerte. Sie gelten allgemein hin auch als Vorläufer des späteren Unplugged Konzepts von MTV in den 1990er Jahren.

Zusammen mit fünf alten Freunden und Weggefährten (darunter auch die Mitglieder aus Elvis Originalband: Scotty Moore und D.J. Fontana) saß ein in schwarzem Leder gehüllter Elvis auf einem Stuhl und sang sich locker durch seine bekannten (That’s All Right, Heartbreak Hotel, Are You Lonesome Tonight?) und weniger bekannten (Tryin’ To Get To You, When My Blue Moon Turns To Gold Again) Lieder.

Gerade wegen den vielen Unterbrechungen, Verspieler, Anekdoten und Witzen gehören diese beiden Auftritte mit zu dem Besten was der King in seinem Leben aufgenommen hat. Nie sah Elvis besser aus. Nie sang er ehrlicher und sympathischer seine Hits. Es folgte die berüchtigte Las Vegas Zeit mit dem tragischen Ende des King Of Rock ‘n’ Roll.


Happy Rovin’ Cowboy – John Ford und die Musik

Dezember 19, 2007

Der Regisseur John Ford gilt als einer der Besten seines Faches. Regelmäßig übertrumpfte der amerikanische Filmemacher irischer Abstammung bei der Oscarwahl und an der Kinokasse seinen ungleichen englischen Rivalen Alfred Hitchcock. Gewöhnlich gelten seine langen monumentalen Landschaftaufnahmen vom amerikanischen Westen als sein wichtigstes Alleinstellungsmerkmal. Man sollte jedoch auch nicht einen weiteren elementareren Bestandteil seiner Filme vergessen: die Musik.

Eines von Fords immer wiederkehrenden Hauptthemen in den in 50 Jahren Regiearbeit entstandenen 124 Filmen war die Überlegenheit von Menschen am Rande der Gesellschaft gegenüber den ordentlichen Bürgern in ihrer Mitte. Flankiert wurde dies regelmäßig durch Motive von Akteuren in der wilden Landschaft, beim Essen oder beim musizieren.

Neben den opulenten Filmsoundtracks gibt es jedoch in fast jedem John Ford Streifen Szenen, wo die Protagonisten zusammen singen oder Anderen beim singen zuhören. Dies orientiert sich dann in der Regel nicht an überproduzierten Musicalstandards, sondern erinnert oftmals eher an Kneipen- oder Marschgesänge.

Das die Musik dem mit zehn Geschwistern aufgewachsenen Regisseur besonders wichtig war, zeigt auch die Tatsache das er großen Wert auf Musikunterhaltung während der Drehpausen legte. So fuhren nicht selten eigens dafür engagierte Musiker während den Dreharbeiten mit, um das Filmteam mit ihren Künsten zu unterhalten.

Obwohl John Ford zu so etwas wie einem Synonym für das Filmgenre Western geworden ist, stammt eine der sicherlich bekanntesten Musikszenen aus einem Westernfilm ironischerweise aus Howard Hawks Gegenentwurf zu dem Klassiker Zwölf Uhr mittags Rio Bravo.

Dort treffen sich dann gleich drei Legenden aus drei verschiedenen Generationen: Ricky Nelson, Dean Martin und John Wayne. Da sich der Duke fast immer beharrlich weigerte selbst die Stimmbänder zu erheben, durfte der unvergessende Walter Brennan mitsingen und die Harp blasen. Ein sichtliches Vergnügen.

My Rifle, My Pony And Me:

Cindy, Cindy:


Hank Williams verlorene Bootleg-Schätze

Dezember 17, 2007

Die meisten Songwriter schreiben in ihrem Leben (wenn überhaupt) nur eine Handvoll wirklich guter Lieder. Einer der wenigen der an eine Ausnahme dieser Regel mit dem Namen Bob Dylan heranreicht (wenn sie nicht sogar übertrifft) ist der unsterbliche Countrymusiker Hank Williams. Kaum ein Anderer hat mit einer so hohen Frequenz Jahrhundertsongs wie am Fließband geschrieben wie diese amerikanische Countryikone. Umso erstaunlicher ist, dass man sogar über 50 Jahre nach Hanks Ableben noch immer neue Hits von ihm identifizieren kann.

Ein gutes Beispiel dafür ist der von Johnny Cash auf seinem letzten offiziellen Album American V – A Hundred Highways gecoverten Begräbnissong On The Evening Train. Der Protagonist in dem Lied beerdigt seine Frau und bittet Gott ihm beizustehen um ihm und seinen Kindern ein Weiterleben zu ermöglichen. Hank soll diesen Song mit seiner Frau Audrey zusammen geschrieben haben. Aber weder auf dem opulenten Boxset The Complete Hank Williams (wo ja eigentlich alles von Hank Williams drauf sein sollte), noch auf der Demo Compilation Rare Demos: First To Last oder der am Beginn seiner Karriere im Jahre 1949 aufgezeichneten Live CD Health & Happinesss Shows ist dieser Track zu finden.

Wie bei den Health & Happinesss Shows handelt es sich auch bei den Mother’s Best Flour Transciptions um „gebootlegde“ Radiosendungen in denen Hank Williams auftrat. Die Mother’s Best Flour Transciptions sind jedoch (noch) nicht erschienen und man könnte vermuten, dass sich On The Evening Train in diesen Sets befindet. Wahrscheinlicher ist aber wohl, dass Hank das Lied nie richtig offiziell aufgenommen hat.

Wie Johnny Cash diesen Song dann gefunden hat ist auch nicht ganz klar. Er gehört aber sicherlich mit zu den besten Recordings des Man In Black der späteren Jahre. Besonders wenn man im Hinterkopf behält, dass zu der Zeit der Aufnahme seine Frau June Carter Cash beerdigt wurde, bekommt das Lied eine extrem tragische Doppeldeutigkeit. Die Originalversion würde ich aber irgendwann trotzdem gerne mal hören.


Achtung Baby – U2s Rückkehr nach Europa

Dezember 15, 2007

Durch die Neuveröffentlichung des U2 Albums The Joshua Tree wird erneut deutlich, wie verdammt gut die Platte und Band eigentlich ist. Das Bemerkenswerte ist jedoch, dass U2 mit dem Nachfolgealbum Achtung Baby noch eins drauf zusetzen vermochten.

Man mag zu den Iren und insbesondere ihrem Chefdenker Bono stehen wie man will; ihre Qualitäten als Musiker und Songschreiber wird wohl kaum einer ernsthaft anzweifeln. Sicherlich sind die affektierten öffentlichen Gesten – gerade im Zusammenhang mit politischen Ambitionen – von Paul David Hewson (Bonos bürgerlicher Name) für den Normalbürger nicht immer leicht zu ertragen. Neben dem oftmals grenzwertigen und übertriebenen Gesang lassen auch die extremen christlichen Wurzeln von U2 gelegentlich kritische Fragen offen. Mit Achtung Baby lieferten die Dubliner jedoch ihr bestes Werk und eine der besten Platten der letzten 25 Jahre ab.

Nach The Joshua Tree und einer umfangreichen Tour war bei U2 zunächst erst einmal die Luft raus. Kommerziell wie künstlerisch war mit dem Album alles gesagt und erreicht worden. Das Live-Album Rattle And Hum samt zugehörigen Film überbrückte die Zeit zu einem neuen Studioalbum. Es sollte ein radikaler Stilwechsel, hin zu etwas Neuem und einem für U2 untypischen Sound und Style werden. Die sich zu der Zeit in der Wiedervereinigung befindliche Stadt Berlin schien der perfekte Nährboden dafür.

Mit dem Produzentenlegenden Daniel Lanois, Brian Eno und Flood arbeiten die Musiker unter anderem in den Kreuzberger Hansa Tonstudios an der ehemaligen Berliner Mauer. Dort hatten auch schon David Bowie und Iggy Pop knapp zehn Jahre zuvor ihre besten Alben aufgenommen. Das Ergebnis waren die für U2 ungewohnten düsteren Klänge und ein neuer und frischer – rückblickend betrachtet zeitloser – Sound.

Waren noch die letzten Platten von Bono & Co stark von amerikanischer Blues-, Rock- und Countrymusik geprägt, schlug die Band jetzt eine Brücke zurück zur europäischen Popmusik. Die Folge war ein weniger von Americana (während den Aufnahmen zu The Joshua Tree arbeiteten U2 sogar mit The Band Kopf Robbie Robertson zusammen), dafür aber umso mehr von unter anderem David Bowies Avantgardemusik der späten 1970er und den temporären Gitarrensounds der Manchester Szene der frühen 1990er Jahre inspirierter Klang. Es wurde mehr mit Songstrukturen experimentiert, Effektpedale kamen zum Einsatz und die Gitarrenverzerrung erhielt Einzug in die Musik von U2.

Alle zwölf Songs der Platte thematisieren den emotionalen Bruch zwischen zwei Menschen. Die Albumreinfolge kann man als Chronologie des Endes einer Beziehung – von Euphorie am Beginn über Zerwürfnis und Vorwürfen bis hin zu tiefer Depression – gesehen werden. Trotz (oder gerade wegen) dieser oftmals inflationären und beliebigen Thematik hat das Album eine ungewöhnliche Dichte und Geschlossenheit. Mit Ausnahme von vielleicht Tryin’ To Throw Your Arms Around The World oder Acrobat befinden sich auch kaum „Füllertracks“ auf dieser CD.

Wird in der Regel immer völlig zu Recht den revolutionären Klang, die dunkle Atmosphäre und das innovative Songwriting, sowie das unnachahmliche Gitarrenspiel von Gitarrist The Edge als markantestes Alleinstellungsmerkmals des Albums angegeben, so sollte man die cleveren Texte von Bono dabei auch nicht völlig unter den Tisch fallen lassen. Sonst eher leicht ins kitschige und pathetische abdriftende schrieb hier Bono wesentlich klarer, nackter und bescheidener seine Wahrheit nieder. Das Politische ist zum Glück vollständig (bis auf die Angabe der Spendenadressen von Greenpeace und Amnesty International im Booklet) extrem persönlichen Texten gewichen. Diese befinden sich aber auf einem extrem hohen, fast schon dylanesken, Niveau.

Phrasen aus The Fly, Until The End Of The World oder Who’s Gonna Ride Your Wild Horses haben es dabei besonders in sich. Und selbst die im Jahre 2002 von Johnny Cash mit Unterstützung von Red Hot Chili Peppers Gitarist John Frusciante gecoverte Schnulze One entpuppt sich als wirklicher Jahrhundertsong. Bei all dem Herzschmerz fragt sich der Hörer, wie der seit August 1982 mit seiner Jugendliebe Alison Stewart glücklich verheiratete Bono überhaupt in der Lage war diese dramatischen Liebessongs zu schreiben.

Der deutsche Titel des Albums erklärte sich übrigens – neben dem Berliner Entstehungsort – dadurch, dass der Tontechniker Joe O’Herlihy diese Warnung oft während der Arbeit am Album gerufen haben soll. Dabei handelte es sich um ein Zitat aus dem Musical Frühling für Hitler von Mel Brooks.

In der U2-Geschichte folgte die monumentale und übertriebene Zoo TV Tour und der durchwachsende Schnellschuss Zooropa, der zwar mit der Wim Wender Ballade Stay (Faraway, So Close!) und Numb die beiden besten U2-Songs überhaupt enthielt, jedoch als Gesamtwerk nicht wirklich überzeugen konnte. Achtung Baby ist jedoch ein unglaublich wegweisendes und einmaliges Album und die seit Jahrzehnten unveränderte Besetzung von U2 eine der wenigen Konstanten im schnellebigen Pop-Geschäft.


Led Zeppelin wiedervereint in London

Dezember 12, 2007

Gestern war es also soweit. Led Zeppelin spielten in der Londoner O2-Arena vor über 20.000 Zuschauern das seit einem halben Jahr massiv angekündigte Reunion-Konzert. Aufgrund der räumlichen Differenz, dem nötigen Kleingeld, der geringen Chance bei den Millionen von Ticketanfragen eine Karte abzubekommen und vor allem aus mangelndem Interesse war ich jedoch nicht vor Ort.

Ähnlich wie Helmut Kohls Verdienste für die deutsche Einheit, darf auch der maßgebliche Einfluss von Led Zeppelin auf die Rockmusik der 1970er Jahre nicht öffentlich angezweifelt werden. Obwohl sich mir als Fan des textlastigen 2-Minuten Pop-Songs die Lieder der englischen Rockveteranen irgendwie nie völlig erschlossen haben, sind die einzelnen Musiker und deren Zusammenspiel sicherlich maßgeblich für diese Art von Musik.

Der Anlass des 16 Songs umfassenden Sets vom 10. Dezember 2007 war dann jedoch auch ein besonders ehrenwerter: Zum Gedenken an den vor einem Jahr verstorbenen Atlantic Records-Gründer Ahmet Ertegun spielten die drei Herren um die 60 und der 41-jährige Sohn des 1980 volltrunken an seinem Erbrochenen erstickte Ur-Drummer John Bonham eine solide Show. Alle Einnahmen sollen an die Stiftung von Ertegun – einer der wichtigsten Plattenproduzenten und Pioniere der Popmusikgeschichte – gehen.

Die größten Led Zeppelin Hits wie Dazed And Confused, Kashmir, Whole Lotta Love und sogar der Nothing Else Matters Vorläufer Stairway To Heaven wurden dann auch dem begeisterten Publikum dargeboten. Mit der Konzertpremiere von For Your Life gab es sogar ein ganz besonderes Leckerbissen für die Fans. So liest mal jedenfalls an vielen Stellen im Internet.

Das Gesamtwerk kann nun downgeloaded werden, Klingeltöne gibt es davon auch und die vielen Kameramänner auf der Bühne deuten auf eine baldige DVD Veröffentlichung hin. Die Rockveteranen – welche sich in den 1970er Jahren gegen Promotion und Singleveröffentlichungen sträubten – sind damit also endlich in der medialen Gegenwart angekommen.

Mir wird es wohl wahrscheinlich nie ganz klar werden, wo durch sich Led Zeppelin von meiner Meinung nach besseren 1970er Jahre Rockbands wie Black Sabbath, Kiss, AC/DC oder Queen positiv abgrenzen. Waren sie vielleicht nur etwas früher da? Sind sie bessere Musiker mit besseren Songs? Oder gibt es da vielleicht gar keinen Wettbewerb und die Bands können sogar alle nebeneinander auf gleicher Höhe bestehen?

Den unzähligen anwesenden Fans hat das Konzert sicherlich eine besondere Gottesandacht beschert. Eine Tournee schließt die Band jedoch kategorisch aus. Somit wird es wohl bei diesem einmaligen Event bleiben. Kommerzielle Folgeaktivitäten wird es bestimmt immer wieder mal geben. Auch nicht so schlecht.


Peter Bogdanovich lässt Tom Petty zu Wort kommen

Dezember 3, 2007

Die deutsche Ausgabe des amerikanischen Musikmagazins Rolling Stone kürte jüngst die 25 besten Musik-DVDs aller Zeiten. Ein neuer Anwärter auf diesen illustren Kreis dürfte die am 23. November 2007 erschienene DVD-Box Tom Petty – Runnin’ Down A Dream sein. Der berühmte Regisseur Peter Bogdanovich wagte sich mit diesem Werk in für ihn unbekannte Gefilde vor und meisterte diese neue Aufgabe bravourös.

Dem Laien mag das Antlitz von Bogdanovich eventuell von Making-Offs bekannter Hollywoodklassiker bekannt sein. Und in der Tat begann der überzeugte Veganer seine Karriere als Filmkritiker und Filmbiograph von Hollywood-Giganten wie Orson Welles oder Alfred Hitchcock. Unvergesslich sind auch seine Gastauftritte, wie zum Beispiel in der US-Serie Northern Exposure. Wirklich bekannt wurde Bogdanovich jedoch als Regisseur von innovativen Filmen wie The Last Picture Show, What’s Up, Doc? oder Paper Moon, welche gezielt versuchten historische Filmgenres wiederzubeleben.

Mit der Dokumentation über den musikalischen Werdegang der US-Rocker Tom Petty & The Heartbreakers betrat Bogdanovich für ihn filmisches Neuland. Den Sohn von Einwandern aus Serbien und Österreich kannte man nicht gerade als einen typischen Fan von erfolgreicher Pop-Musik. Auch bei der monumentalen Länge von fast vier Stunden alleine für die Dokumentation (der DVD-Box sind noch ein Jubiläumskonzert aus dem Jahre 2006 und eine CD mit raren Aufnahmen beigefügt) musste der potenzielle Zuschauer zuerst etwas Schlucken. Bogdanovich aber als ein Kenner der Filmgeschichte und als ein talentierter Regisseur bewältigte diese Herausforderung wie ein alter Rock-Hase.

Nie wird der Film langweilig oder gar aufdringlich. Bogdanovich lässt die Protagonisten selber erzählen und verbindet dies gekonnt mit Archivaufnahmen aus den verschiedensten Epochen. Die filmischen Mittel bleiben im Hintergrund und widmen sich bewusst nur dem Hauptziel: Die Geschichte einer bekannten Rockband möglichst spannend und authentisch zu darzustellen. Das mit Tom Petty & The Heartbreakers eine besonders dankbare und vor allem interessante Thematik zur Verfügung stand, wirft die Frage auf, warum fast 40 Jahre Bandgeschichte verstreichen mussten, bis so ein Film überhaupt erst gedreht wurde.

Der Zuschauer verfolgt gebannt die einem modernen Märchen ähnliche Geschichte der Jungs aus Gainesville, Florida. Von den ersten Anfängen unter Namen wie The Sundowners, The Epics oder Mudcrutch, über die großen Erfolge und nervenzehrenden Kämpfen mit der Plattenindustrie, bis hin zu erfolgreichen Solotrips und jüngsten persönlichen Tragödien. Und natürlich durften auch nicht prominente Weggefährte wie Bob Dylan, George Harrison, Johnny Cash, Dave Stewart, Stevie Nicks, Roger McGuinn oder Roy Orbison, sowie bekannte Fans wie Eddie Vedder, Dave Grohl, Rick Rubin oder Johnny Depp im Interview nicht fehlen. Also insgesamt pure Unterhaltung für die gesamte Familie.

Trailer zur Dokumentation:


Die Blue Man Group im BlueMax Theater in Berlin

Dezember 1, 2007

Dank meines Kollegen Andi kam ich jetzt endlich auch mal in den Genuss der weltbekannten Blue Man Group. Bereits seit dem Jahre 2004 kann man die Blaumänner schon in Deutschland bewundern. Seit Anfang 2007 sogar im eigenen BlueMax Theater (im ehemaligen IMAX-Kino) in Berlin und in einer zweiten Spielstätte in Oberhausen.

Die Blue Man Group wurde schon im Jahre 1987 von Matt Goldman, Phil Stanton und Chris Wink infolge einiger kleinerer Aufführungen in New York gegründet. Nachdem sie im Jahre 1991 den Village Voice Obie Award erhielten, führten sie im gleichen Jahr ihre Show im La MaMa Experimental Theatre Club auf. Nach kurzer Zeit zogen sie in das Astor Place Theatre um, in dem sie bis heute auftreten. In den folgenden Jahren wurden Shows in Boston, Chicago und Las Vegas eröffnet. Im Jahre 2004 wurde Berlin die erste außeramerikanische Spielstätte der Blue Man Group.

Beim Berliner Publikum schienen die drei leicht naiven aber durchaus liebenswürdigen Hauptprotagonisten, sowie die vierköpfige Band gut anzukommen. Kein Wunder, denn das Stück setzte nicht zuletzt auf eindrucksvolle Spezial-Effekte, Interaktion mit dem Publikum und massenkompatible Darstellungsformen. Hinter dem vordergründigen Anschein steckte jedoch noch mehr an kreativer Substanz.

Unterschwellige Kritik an der modernen Medienlandschaft schien bei der deutschen Blue Man Group-Inszenierung immer wieder durch. Das Publikum wurde durch irreführende Leuchtreklame und sinnentleerte Plakate bewusst in die Irre geführt wurde. Eingespielte Aufnahmen wiesen auf die Problematik des digitalen Zeitalters hin. Die Szenen hatten fast immer einen kritischen Beigeschmack. Dies wurde zum Beispiel in der bekannten Rockkonzert-Bewegungen-Szene deutlich, wo Darsteller und Publikum die zehn wichtigsten Rockstarbewegungen einstudieren mussten. Präsentiert wurde dies meistens mit einem leicht ironischen und humorvollen Unterton und war dadurch eher selten peinlich.

Ein wenig erinnerten die stummen Blaumänner an die Marx Brothers. Auch die unverhältnismäßigen, aber lustigen Aktionen der Blue Man Group unterhielten das Publikum prächtig. In ihrer einfachen Welt konnten die drei Darsteller fast alles tun und lassen was sie wollten, ohne existenzielle Konsequenzen fürchten zu müssen. Ein Hauch von Anarchie schwebte in der Luft. Gerade für den jüngeren Teil des Publikums eine perfekte Identifikationsvoraussetzung der Marke Pippi Langstrumpf.

Ein zentraler Punkt des Stückes war auch die Einbeziehung des Publikums. Zuschauer wurden auf die Bühne gerufen und die Blaumänner wanderten des Öfteren ins Publikum und animierten die Besucher zum Mitmachen. Bemerkenswert war auch wie die Darsteller auf die Reaktionen aus dem Publikum eingingen und Anregungen aufnahmen und weiterverarbeiteten. Improvisation war eine wichtige Größe der Show. Eine Vorstellung wird aus diesem Grunde wohl auch nie wirklich der Anderen gleichen. Natürlich fehlten in diesem Zusammenhang nicht sorgfältig platzierte Verfremdungseffekte. Eine Sprecherin war zum Beispiel plötzlich über ihre erotische Stimme begeistert oder Zuschauer wurden hinter den Kulissen vorgeblich rau behandelt.

Ein weiterer elementarer Bestandteil war die Musik. Diese kam gelegentlich von Band, wurde aber hauptsächlich von Musikern Live gespielt. Die Band thronte hoch über der Bühne in zwei großen Kästen und spielte mit so einer Energie, dass man sich fragte, wie es möglich ist bei einer aus dem prall gefüllten Vorstellungsplan resultierenden Mehrfachbesetzung an anderen Tagen auch dieses Niveau zu halten. Der Schlagzeuger war der heimliche Star des Abends. Er spielte so druckvoll und präzise wie es ein Dave Grohl wohl auch tun würde. Das der Zither- und Gitarren-Spieler fast alleine für Melodie und Klansphären zuständig war – Perkussionist, sowie Chapmanstick-, Bass- und Talkingdrumspieler waren tendenziell eher der Rhythmussektion zugeordnet – fiel nicht im geringsten negativ auf. Der Sound war breit und energievoll.

Gegen Ende der Aufführung hatte man dann etwas das Gefühl, dass einige spektakuläre Effekte nur um des Effekts willen eingesetzt wurden. Einen Sinn oder einer Dienlichkeit für die gesamte Aufführung ließen sich dann nicht immer erkennen. Ich für meinen Geschmack wäre lieber zehn Minuten früher in den Berliner Abend entlassen worden. Der fast ausverkaufte Saal schien dies aber anders zu sehen. Die Zuschauer amüsierten sich köstlich, als zum Beispiel sich Massen von Klopapier über den Saal ergossen, die Blaumänner per Kameraübertragung das nächste Taxis ergriffen oder als mit viel Farbe und großen Trommeln so richtig rumgesaut wurde.

Mittlerweile hat die Blue Man Group in Berlin schon über eine Millionen Besucher erreicht. Anfang 2008 wird es eine dritte deutsche Spielstätte in Stuttgart geben. Es zeigt, dass man mit innovativen Ideen die darstellende Kunst auch besondern jungen Generationen erfolgreich nahe bringen kann, ohne dabei plump oder niveaulos zu werden. Die Chance sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen zu können bleibt also in der nächsten Zeit weiter bestehen.

Dieser Artikel bezieht sich auf die 20 Uhr Vorstellung im Berliner BlueMax Theater vom 30.11.2007.

Thomas Gottschalk kündigt die Blue Man Group an: