Danny Federici an Krebs erkrankt

November 27, 2007

Seit über 30 Jahre gibt es schon die E Street Band. Bruce Springsteens Band ist allerdings mehr als nur eine reine Begleitband. Der Zusammenhalt innerhalb der Band wird seit Jahrzehnten durch eine tiefe Freundschaft gewährleistet. Jetzt musste Ur-Keyboarder Danny Federici aus der laufenden Tour aussteigen.

Bis auf wenige Line Up Wechsel besteht die Band aus New Jersey seit spätestens 1975 in dieser Kern-Zusammensetzung. Springsteen lobt immer wieder die tiefen, unschiedlichen Beziehungen, welche er zu jedem einzelnen Mitglied besitzt. Seit seine Frau Patti Scialfa im Jahre 1984 in die Gruppe einstieg (damals noch nicht offiziell mit Springsteen verbandet; das sollte noch bis 1988 auf sich warten lassen) steht nahezu das komplette engsten soziale Umfeld des Boss bei Konzerten auf der Bühne.

In jüngsten Interviews äußerte Bruce immer wieder seine Dankbarkeit über das Wunder, dass er seit so langer Zeit mit den selben Musikern zusammen spielen darf. Am Ende eines Gigs in Bosten musste Springsteen jetzt leider eine sehr traurige Mitteilung machen.

Wie der Rolling Stone berichtet verabschiedeten Bruce und seine Kollegen den Keyboarder Danny Federici aus der laufenden „Magic“-Tournee. Federici ist an Hautkrebs erkrankt und muss sich dringend einer Behandlung unterziehen. In einer Mitteilung von Springsteen vom 21. November 2007 heist es: „Danny is one of the pillars of our sound. We all eagerly await his healthy and speedy return“. Bis es soweit ist, wird Charlie Giordano für Federici einspringen.

Danny Federici gehört mit Bassist Garry Tallent, Saxophonist Clarence Clemons und Springsteen selber zu den Gründungsmitgliedern der E Street Band. Neben Pianist Roy Bitten spielte Federici auch öfters als andere Mitglieder der Gruppe auf Springsteens Soloalben. Er lernte bereits in frühster Kindheit Akkordeon und nahm in der Zeit während die E Street Band inaktiv war ambitionierte Jazzalben auf.

Für den Sound der Band sind seine dezenten Tasteneinlagen sehr wichtig. Meistens im Hintergrund, nahm er allerdings in Songs wie Hungry Heart auch eine prominentere Rolle ein. Sein elektronische Glockenspiel gehört zu den charakteristischen Merkmalen der Band. Eine gute Besserung.

Brilliantes Arkordeonspiel von Danny Federici bei Youngstown, Live in New York City im Jahre 2000:


Martin Scorsese filmt die Rolling Stones

November 22, 2007

Der körperlich sehr kleine Regisseur Martin Scorsese gehört zu den ganz großen seiner Zunft. Seit den frühen 1970er Jahren dreht der italienisch-stämmige New Yorker auch immer mal wieder imposante Musikdokumentationen. Werke wie der bedeutende Abschiedskonzertfilm The Last Waltz, die Mini-Serie The Blues oder das Meisterwerk No Direction Home gehören unbestritten zu den wichtigsten Meilensteinen der Musikfilmgeschichte. Wäre man besonders dreist, würde man behaupten, dass dies Martin Scorseses beste und unterhaltsamste Werke überhaupt sind.

Mit der Konzertdokumentation Shine A Light widmet sich Scorsese nun den nimmermüden Rolling Stones. Zwei Konzerte (29. Oktober und 1. November 2006) der Stones im New Yorker Beacon Theater im Rahmen ihrer A Bigger Bang-Welttournee wurden dafür von Kameras eingefangen. Mit dabei auf der Bühne waren Jack White, Christina Aguilera, und ein sehr lebendiger Buddy Guy, sowie der potenzielle „First-Husband“ Bill Clinton im Publikum. Wie für Scorsese fast schon üblich, werden dann für den fertigen Film die Liveaufnahmen in Kontrast mit Backstageimpressionen, Interviews und Archivfilmen gesetzt.

Schon voreilig für den Herbst 2007 angekündigt, soll der Film dann im April 2008 endgültig in die Kinos kommen. Und hält der erste Trailer was er verspricht, kann es gut sein, dass Shine A Light die perfekte Ergänzung zu dem opulenten Stones Boxset A Bigger Bang vom Sommer 2007 liefert. Film ab.


Murray Lerners Newport Folk Festival

November 17, 2007

Das Newport Folk Festival gilt als so etwas wie das Woodstock für Intellektuelle. Seit 1959 geht es dort nur offiziell gesitteter und intellektueller zu, als auf anderen Massenveranstaltungen. Die Dokumentation Festival! von Murray Lerner zeigt die Höhepunkte der Veranstaltungen von 1963 bis 1966.

Gegründet wurde das Folk Festival nach dem Vorbild des bereits etablierten Newport Jazz Festivals. Die Musiker Pete Seeger, Theodore Bikel und Oscar Brand, sowie der spätere Bob Dylan Manager Albert Grossman veranstalten zusammen mit dem Gründer des Newport Jazz Festivals, George Wein, im Sommer des Jahres 1959 zum ersten Mal diese zukünftige Folk-Institution.

In den 1960er Jahren traten auf den Brettern im US-Bundesstaat Rhode Island, die die Welt bedeuten so unterschiedliche Künstler wie Howlin’ Wolf, Bob Dylan, Joan Baez, Peter, Paul And Mary, Johnny Cash, Odetta, Son House, Donovan oder die Paul Butterfield Blues Band auf. Mit einer Unterbrechung von 1971 bis 1985 findet seitdem jedes Jahr einmal dieses Ereignis statt.

Legendär sind die Auftritte von Bob Dylan. Besonders die kurze Performance aus dem Jahre 1965 zusammen mit Mitgliedern der Paul Butterfield Blues Band (unter anderem der unvergessliche Mike Bloomfield) ist im musikalischen Gedächtnis geblieben.

Dylan trat dort zum ersten Mal mit voller elektrischer Verstärkung auf und spielte noch relativ neue Songs wie Like A Rolling Stone oder Maggies Farm. Angeblich wurde er deswegen vom Publikum von der Bühne gebuht. Der Pate des aufrichtigen Folk-Amerikas, Pete Seeger, soll sogar mit einer Axt versucht haben die Stromleitungen zu kappen um so dem Treiben auf der Bühne ein Ende zu bereiten. Harte Rock- oder vorgeblich triviale Popklänge waren nicht bei allen feingeistigen Folkies erwünscht.

Dieses Spektakel kann man sich jetzt durch die neue DVD Bob Dylan – The Other Side Of The Mirror zum ersten Mal in dieser Länge zu Gemüte führen. Der Regisseur Murray Lerner hatte sich allerdings schon einmal im Jahre 1967 dieser Thematik mit dem Film Festival! gewidmet. Viele Ausschnitte dieser wegweisenden Arbeit tauchten dann später in den verschiedensten Dokumentation wie etwa Martin Scorsese No Direction Home oder eben auch The Other Side Of The Mirror auf.

Dies scheint auch der Grund zu sein, warum man sich beim Sehen oftmals wünscht, noch mehr unbekanntes Material zu Gesicht zu bekommen. Die essentiellen Szenen aus The Other Side Of The Mirror und auch Festival! hat man schon in einschlägigen anderen Dokumentation zu Gesicht bekommen. Bei Murray Lerner Werken hat man jedoch die Chance dies umfangreicher und mit einem engen Fokus auf das Newport Folk Festival zu tun.

Und das Eintauchen in diese, in vielen Belangen doch noch unschuldige oder sogar naive Zeit macht erheblichen Spaß. Ob da noch mehr in der Archiven schlummert wird die Zukunft zeigen.

Ausschnitt aus Festival!:


McCartney plant Beatles-Neuveröffentlichung

November 12, 2007

Es ist fast ein Skandal. Der Back-Katalog der erfolgreichsten, revolutionärsten, legendärsten, schönsten, wichtigsten und besten Band der Welt liegt bis heute noch nicht in vernünftiger digitaler Form vor. Nun kündigt Beatles Frontmann Paul McCartney endlich virtuelle Abhilfe an.

Während andere irrelevante Gruppen schon ihr zweites Remaster auf den Markt und in die Downloadkanäle schmeißen, musste man als Fan der Beatles immer noch die Nadel auf das schwarze Vinyl legen, um in den vollen Genuss ihrer Alben kommen. Für manchen Fan vielleicht ein Segen, für nachfolgende iPod-Generationen, Vinyl-Abstinenzler und digitale Klagfetischisten auf Dauer aber ein nicht zu tolerierender Fluch.

Erste, nicht überzeugende CD Versionen aus den 1980er Jahren oder amateurhafte MP3 Übertragungen aus illegalen Tauschbörsen können da auch nicht großartig weiterhelfen. Nur ausgewählte Appetithappen, wie die Singlekompilation 1 oder die Neuabmischung Let It Be… Naked gab das Unternehmen Beatles zu mindestens für die digitale CD-Welt frei. Manch einer mag da von kommerziellen Kalkül auf zukünftige Musikmärkte sprechen; offiziell wurden immer Abstimmungsprobleme zwischen den Verantwortlichen als Gründe angegeben.

Paul „Macca“ McCartney weckt jetzt aber mit folgenden Worten die Hoffnungen der weltweiten Fans: „Es wird bald passieren. Das meiste ist erledigt und bereit. Es ist nur ein winzig kleiner Punkt übrig, der noch geklärt wird, während ich hier spreche. Es geht dabei wirklich nur um Feintuning, also bin ich ziemlich sicher, dass es 2008 soweit sein wird.“

Wenn dem so sei, wird das musikalische Jahr 2008 ganz im Zeichen der Beatles stehen. Die werden dann wohl auch fast 40 Jahre nach deren Auflösung die Spitzen der Charts – wie zuletzt mit dem Album 1 im Jahre 2000 – rund um den Globus anführen.


You Really Got Me – Der erste Heavy Metal Song

November 11, 2007

Von vielen Musikkritikern wird der Beatlessong I Want You (She’s So Heavy) vom Album Abbey Road aus dem Jahre 1969 als eines der ersten Heavy Metal Stücke angesehen. John Lennon und George Harrison spielten bei der Aufnahme so viele Gitarren ein, bis der Gesamtklang sich so „heavy“ anhörte wie es sich Lennon vorstellte.

Und beim genauen hinhören erkennt man in der Tat wie sehr sich das Arrangement und die Spielweise von I Want You (She’s So Heavy) und spätere Heavy Metal Kompositionen wie etwa Slayers Season In The Abyss ähneln. Folgerichtig nahmen das Lied auch Metalbands wie Type O Negative oder Beatallica auf.
Als wesentlich wichtigere Grundlage für weitere Hard Rock und Punk Rock Riffs kann man allerdings den über fünf Jahre zuvor aufgenommen Song You Really Got Me von der britischen Band The Kinks ansehen.

Diese dritte Single der Band wurde von ihrem (späteren) Kopf Ray Davis geschrieben und verhalf The Kinks zum internationalen Durchbruch. Nach zwei Wochen an der Spitze der englischen Singlecharts landete der Song auch auf dem selbstbetitelten Debütalbum der Gruppe und festigte im Rahmen der British Invasion dadurch auch deren Status in Amerika. Eigentlich erstaunlich, wenn man den kaputten Gitarrensound der Aufnahme berücksichtigt.

The Kinks standen Mitte des Jahres 1964 unter immensen Druck von ihrer Plattenfirma Pye. Die ersten beiden Singles waren geflopt und der dritte Versuch hätte bei mangelnden Erfolg auch der Letzte sein können. Im Sommer 1964 wurde dann You Really Got Me zunächst in mehreren Versionen aufgenommen, bevor der endgültige Mastertake auf Band gelangte. Der radikale Gitarrensound kam dabei deswegen zustande, weil Dave Davies, Gitarrist und Bruder von Ray, den Lautsprecher seiner Gitarrenbox mit einer Rasierklinge bearbeitete.

Um das wahnsinnige Gitarrensolo des Liedes ranken sich wohl die mit legendärsten Mythen der Rockgeschichte. Obwohl es höchstwahrscheinlich von dem damals erst 17-jährigen Dave Davies persönlich gespielt wurde, tauchten von jeher immer wieder Gerüchte auf, dass Jimmy Page, seines Zeichens der zukünftige Gitarrist von den Yardbirds und Led Zeppelin, dabei seine Finger mit im Spiel hatte. Page wurde zwar kurz darauf vom The Kinks Produzenten Shel Talmy als Rhythmusgitarristen des ersten The Kinks Albums angeheuert, spielte aber wahrscheinlich nie selber das eigentliche Solo.

Allerdings war der spätere Deep Purple Keyboarder Jon Lord bei You Really Got Me mit von der Partie. Auf Wunsch des Produzenten spielte auch des Sessionsmusiker Bobby Graham im Gegensatz zum damaligen regulären The Kinks Drummer Mick Avory das Schlagzeug bei der Aufnahme ein.

Das Lied hat dann auch alles was einen klassischen Rocksong der härteren Gangart ausmacht: Ein prägnantes und einfaches Gitarrenriff, treibende Schlagzeugbeats, grölende Backgroundgesänge, einen simplen Text, sowie eine einprägsame Gesangslinie. Kein Wunder das es zu den am meisten gecoverten Stücke der Musikgeschichte gehört. Versionen von Robert Palmer, Van Halen oder zuletzt von dem Frauen-Electro-Clash Duo Robots In Disguise tauchen immer wieder auf. You Really Got Me ist zu so etwas wie einer musikalischen Blaupause für Hard Rock Songs geworden.

The Kinks spielen You Really Got Me:


Hank Thompson auch verstorben

November 9, 2007

Die großen Meister der amerikanischen Countrymusic scheinen momentan in Scharen abzutreten. Nach dem Tod von Porter Wagoner letzte Woche ist am letzten Dienstag (6. November 2007) auch noch der einzigartige Hank Thompson von der Lebensbühne abgetreten.

Wenige Tage nach der Absage seiner Konzerttournee und seinem Abschied vom Showgeschäft erlag Thompson wie auch Wagoner zuvor einem Lungekrebsleiden. Der King Of Western Swing schied um 22.45 Uhr friedlich im Kreis seiner Familie in der texanischen Stadt Keller 82-jährig aus dem Leben.
Der am 2. September 1925 in Waco, Texas, geborene Thompson begann in den 1940er Jahre seine Honky Tonk Karriere unter dem Einfluss von Größen wie Jimmie Rodgers, Gene Autry oder der Carter Family. Tex Ritter verschaffte ihm dann 1947 einen Plattenvertrag bei Capitol Nashville, wo er seinen ersten Hit Humpty Dumpty Heart erlangte. Im Jahre 1949 folgte wohl sein bekanntesten Song „The Wild Side of Life“.
Neben fast unzähligen Hits, Top 20 Charteinträgen, über 60 Millionen verkauften Platten und einer Mitgliedschaft in der Country Music Hall Of Fame wurde Thompson mit Live At The Golden Nugget für das erste offizielle Livealbum der Musikgeschichte bekannt. Nach 18 Jahre bei Capitol veröffentlichte er bei vielen verschiedenen Labels.
Hanks erster Hit Humpty Dumpty Heart aus der US-TV-Show Star Route:


Townes Van Zandt und Bob Dylans Kaffeetisch

November 1, 2007

„Townes Van Zandt is the best songwriter in the whole world and I’ll stand on Bob Dylan’s coffee table in my cowboy boots and say that.“ Mit diesen Worten huldigte Townes Van Zandts Zögling Steve Earle seinem musikalischen Meister. Während man die Musik von Bob Dylan seit Jahrzehnten in fast jedem Coffeeshop oder an jeder Tankstelle kaufen kann, ist es in Deutschland gar nicht so einfach Van Zandts frühe Platten zu erstehen.

Die Musik von Townes Van Zandt ist der Mehrheit sicherlich durch die erfolgreichen Interpretationen der 1980er Jahre von bekannten Musikern im Ohr. Besonders zu erwähnen ist da die Pancho & Lefty Version von Merle Haggard und Willie Nelson, sowie der Song If I Needed You, neu interpretiert von Emmylou Harris und Don Williams.

Eines der größten frühen Werke von Townes Van Zandt ist das selbstbetitelte dritte Album aus dem Jahre 1969. Überwiegend spärlich instrumentiert, nur Townes an seiner gezupften Gitarre begleitet von Geige, Flöte oder Mundharmonika, widmet sich der Sänger Themen mit verzweifelten und aussichtslosen Untertönen. Drei der Lieder des Albums waren schon auf dem Debütalbum aus dem Jahre 1968 enthalten. Eine Vorgehensweise die symptomatisch für die Arbeitsweise von Van Zandt werden sollte, da er oftmals mit den früheren Versionen nicht mehr zufrieden war und sie deshalb neu aufnahm. Auf seinem dritten Album vereint Townes jedoch eine unglaublich tiefe melancholische Stimmung mit einer brillanter poetischer Lyrik, welche keine Füller auf dem Album zuläst.

Fast auf die Minute genau 44 Jahre nach dem Tod seines großen Vorbildes Hank Williams Sn. erlag auch Townes Van Zandt am Neujahrsmorgen 1997 einem Herzinfarkt. Nicht zuletzt analog zu seinem Idol auch als Folge davon, dass er manisch-depressiv, drogen- und bis zuletzt alkoholabhängig war. Seit frühster Jugend hatte er jedoch regelmäßig Songs geschrieben, Platten aufgenommen und Konzerte gespielt.

Kurz vor seinem Tod versuchte Townes noch unter der Anleitung von Sonic Youth Schlagzeuger Steve Shelley im Studio an neuen Liedern zu arbeiten. Die Sessions wurden jedoch wegen dem schlechten mentalen und körperlichen Zustand von Townes abgebrochen.

Auf die Ehrzuweisung durch Steve Earle reagierte Van Zandt übrigens mit den Worten. „I’ve met Bob Dylan and his bodyguards, and I don’t think Steve could get anywhere near his coffee table.“ Auch eine Erklärung dafür, warum seine Musik heute so schwer zu erwerben ist.

Townes Van Zandt spielt im Jahre 1993 seinen bekanntesten Song Pancho & Lefty in der TNN „American Music Shop“ Show: