Viele Musikkritiker und Kenner behaupten, dass eine der wenigen Künstlerinnen, welche in die luftigen Songwriter-Höhen eines Bob Dylan vordringen könnte die Kanadiern Joni Mitchell sei (das gilt auch für männliche Kollegen). Ihr bis dahin jazzigstes Album Hejira aus dem Jahre 1976 unterstützt dann auch diese Annahme. Schließlich lassen sich auf dieser Platte erzähltechnische Parallelen zu Dylans Meisterwerk Blood On The Tracks erkennen.
Die monumentale und sehr persönlichen Einschätzung dieser wichtigen Platte von dem Duisburger Songschreiber Tom Liwa kann man eigentlich kaum noch etwas sinnvolles hinzufügen.
Verblüffend ist jedoch wie viele der Popgrößen der 1960er Jahre ihren zweiten Frühling in der Mitte der 1970er Jahre erlebten. Dylan war mit der Rolling Thunder Revue künstlerisch und performancetechnisch auf dem Höhepunkt seiner (gesanglichen) Ausdruckskraft, Joan Baez veröffentlichte mit Diamonds And Rust ihr bis dahin bestes Album, die Rolling Stones hatten im Jahre 1972 ihr Meisterwerk Exile On Main Street abgeliefert, Neil Diamond wurde von Robbie Robertson neu erfunden und Neil Young veröffentlichte seine besten Soloalben. Und Joni Mitchell nahm ihre sagenhafte Platte Heijra auf.
Die erste Single und der Eröffnungssong des Albums, Coyote, ist sicherlich einer der bekanntesten Songs aus dieser Schaffensperiode von Joni. Sie spielte dieses Lied auch zusammen mit The Band auf deren von Martin Scorsese filmisch dokumentierten Abschiedkonzert The Last Waltz. Mit ihrem Landsmann Neil Young sang sie dann bei The Last Waltz auch zusammen im Duett den Young Song Helpless. Bekannt geworden als teuerste Retuschierungsarbeit der Musikgeschichte. Denn Young hingen beim singen so deutlich sichtbar die noch kurz zuvor verabreichte Koksbrocken aus der Nase, welche nachträglich vom Editor entfernt werden mussten.
Auf Herija durfte dann Neil Young auch Harmonika bei dem Song Furry Sings The Blues spielen. Einer der besten Songs des Albums – und von Joni Mitchell generell – dürfte jedoch der nur von Mitchells Gitarre und Gesang, sowie der Leadgitarre von Larry Carlton und den Vibraphoneinsprengseln von Victor Feldmann getragener Song Amelia sein. Eine Ode an die amerikanische Flugpionierin und Frauenrechtlerin Amelia Earhart.
Amelia Earhart überflog als erste Frau alleine den Atlantik und sie hält noch viele weitere Rekorde auf diesem Sektor inne. Im Juli 1937 verschwand sie und ihr Navigator Fred Noonan mit deren Flugzeug über dem Pazifik in der Nähe der Howland-Inseln. Trotz einer der größten Suchaktionen in der Menschheitsgeschichte wurden ihre Leichen bis heute nicht gefunden. Zahlreiche Legenden ranken sich um ihr verbleiben, gepaart mit Elvisähnlichen Sichtungsberichten. Die außergewöhnlichen Leistungen Amelia Earharts bewirkten zahlreiche Fußnoten in der Popkultur. Unter anderem taucht sie in der Star Trek Serie Voyager am anderen Ende der Galaxis wieder auf. Entführt im Jahre 1937 von bösartigen Aliens. Neben Joni Mitchell schrieben auch Heather Nova, Bachman Turner Overdrive oder die New Radicals Songs über sie. Der von Mitchell ist sicherlich mit der Beste.
Anlässlich des Konzert The Great Music Experience vom 22. und 23. Mai 1994 vor dem Todai-ji Tempel in Nara, Japan, kamen Joni und Dylan auch auf der Bühne zusammen. Das Konzert wurde weltweit Live in 55 Ländern übertragen. Joni spielten insgesamt drei Konzerte mit Bob Dylan zusammen. Im englischen Mojomagazin äußerte sie sich im Jahre 1994 zu dieser einschneiden Erfahrung mit folgenden Wortem: „And if you look closely at it, you can see the little brat, he’s up in my face – and he never brushes his teeth, so his breath was like…right in my face – and he’s mouthing the words at me like a prompter, and he’s pushing me off the mic. It’s like he’s basically dipping my pigtail in ink.“ Ohne weiteren Kommentar.
Liverversion von Amelia:
Verfasst von Jens Kupillas
Verfasst von Jens Kupillas
Verfasst von Jens Kupillas