Joni Mitchell und Bob Dylans langer Atem

September 29, 2007

Viele Musikkritiker und Kenner behaupten, dass eine der wenigen Künstlerinnen, welche in die luftigen Songwriter-Höhen eines Bob Dylan vordringen könnte die Kanadiern Joni Mitchell sei (das gilt auch für männliche Kollegen). Ihr bis dahin jazzigstes Album Hejira aus dem Jahre 1976 unterstützt dann auch diese Annahme. Schließlich lassen sich auf dieser Platte erzähltechnische Parallelen zu Dylans Meisterwerk Blood On The Tracks erkennen.

Die monumentale und sehr persönlichen Einschätzung dieser wichtigen Platte von dem Duisburger Songschreiber Tom Liwa kann man eigentlich kaum noch etwas sinnvolles hinzufügen.
Verblüffend ist jedoch wie viele der Popgrößen der 1960er Jahre ihren zweiten Frühling in der Mitte der 1970er Jahre erlebten. Dylan war mit der Rolling Thunder Revue künstlerisch und performancetechnisch auf dem Höhepunkt seiner (gesanglichen) Ausdruckskraft, Joan Baez veröffentlichte mit Diamonds And Rust ihr bis dahin bestes Album, die Rolling Stones hatten im Jahre 1972 ihr Meisterwerk Exile On Main Street abgeliefert, Neil Diamond wurde von Robbie Robertson neu erfunden und Neil Young veröffentlichte seine besten Soloalben. Und Joni Mitchell nahm ihre sagenhafte Platte Heijra auf.

Die erste Single und der Eröffnungssong des Albums, Coyote, ist sicherlich einer der bekanntesten Songs aus dieser Schaffensperiode von Joni. Sie spielte dieses Lied auch zusammen mit The Band auf deren von Martin Scorsese filmisch dokumentierten Abschiedkonzert The Last Waltz. Mit ihrem Landsmann Neil Young sang sie dann bei The Last Waltz auch zusammen im Duett den Young Song Helpless. Bekannt geworden als teuerste Retuschierungsarbeit der Musikgeschichte. Denn Young hingen beim singen so deutlich sichtbar die noch kurz zuvor verabreichte Koksbrocken aus der Nase, welche nachträglich vom Editor entfernt werden mussten.

Auf Herija durfte dann Neil Young auch Harmonika bei dem Song Furry Sings The Blues spielen. Einer der besten Songs des Albums – und von Joni Mitchell generell – dürfte jedoch der nur von Mitchells Gitarre und Gesang, sowie der Leadgitarre von Larry Carlton und den Vibraphoneinsprengseln von Victor Feldmann getragener Song Amelia sein. Eine Ode an die amerikanische Flugpionierin und Frauenrechtlerin Amelia Earhart.

Amelia Earhart überflog als erste Frau alleine den Atlantik und sie hält noch viele weitere Rekorde auf diesem Sektor inne. Im Juli 1937 verschwand sie und ihr Navigator Fred Noonan mit deren Flugzeug über dem Pazifik in der Nähe der Howland-Inseln. Trotz einer der größten Suchaktionen in der Menschheitsgeschichte wurden ihre Leichen bis heute nicht gefunden. Zahlreiche Legenden ranken sich um ihr verbleiben, gepaart mit Elvisähnlichen Sichtungsberichten. Die außergewöhnlichen Leistungen Amelia Earharts bewirkten zahlreiche Fußnoten in der Popkultur. Unter anderem taucht sie in der Star Trek Serie Voyager am anderen Ende der Galaxis wieder auf. Entführt im Jahre 1937 von bösartigen Aliens. Neben Joni Mitchell schrieben auch Heather Nova, Bachman Turner Overdrive oder die New Radicals Songs über sie. Der von Mitchell ist sicherlich mit der Beste.

Anlässlich des Konzert The Great Music Experience vom 22. und 23. Mai 1994 vor dem Todai-ji Tempel in Nara, Japan, kamen Joni und Dylan auch auf der Bühne zusammen. Das Konzert wurde weltweit Live in 55 Ländern übertragen. Joni spielten insgesamt drei Konzerte mit Bob Dylan zusammen. Im englischen Mojomagazin äußerte sie sich im Jahre 1994 zu dieser einschneiden Erfahrung mit folgenden Wortem: „And if you look closely at it, you can see the little brat, he’s up in my face – and he never brushes his teeth, so his breath was like…right in my face – and he’s mouthing the words at me like a prompter, and he’s pushing me off the mic. It’s like he’s basically dipping my pigtail in ink.“ Ohne weiteren Kommentar.

Liverversion von Amelia:


Mein erstes The Doors Album

September 24, 2007

Als ich neulich zum ersten Male den Film Almost Famous sah, war ich meistens gut und allwissend am nicken. Schließlich habe ich alle Alben, welche an prominenter Stelle ins Bild gereicht oder erwähnt werden glorreicher Weise schon seit längerer Zeit im Privatarchiv. Ob nun Joni Mitchell, Bob Dylan, Led Zeppelin, Black Sabbath oder The Stooges; alles keine Unbekannten von mir, bis, ja bis sich Morrison Hotel von The Doors in jungfräulicher Schönheit vor die Linsen schob. Bleich und sabbernd saß ich nun in meinem Elend vor dem Fernseher.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich immer erfolgreich das Werk dieser amerikanischen Band ignoriert. Angespornt von nervigen Orgelexzessen in Schuldiskos und dem Musikgeschmack der falschen Menschen. The Doors war für mich immer „Frauenmusik“ im schlechteren Sinne, die in der Tradition von amerikanischen „Künstlern“ stand, welche regelmäßig bedeutungsschwangere Werke ohne Substanz abliefern. Moby ist da sicherlich einer der prominentesten aktuellen Vertreter dieser erfolgreichen Musiksparte.

Nach einer kurzen Internetrecherche und dem einhelligen Lob der drei The Doors Alben The Doors, Morrison Hotel und L.A. Woman kamen mir nun allerdings erste Zweifel. Zudem war der brillante Style des späteren Jim Morrison mit Vollbart und Boots nicht so einfach zu verleugnen und der sumpfige Countrybluessound der Band auch eine tiefere Überprüfung wert. Also taumelte ich ahnungslos in meinen Plattenladen des Vertrauens, um wenigstens eine Kopie eines The Doors Album für Referenzzwecke abzugreifen.

Mit der 40th Anniversary Perception Box sind nahezu alle Studioaufnahmen von Jim Morrison & Co in remasterter und aufgearbeiteter Form erhältlich. Die einzelnen Alben gibt es dann auch separat im neuen Jewelcase günstig zu erwerben. Eine solide Alternative zum angeranzten und schwerer erhältlichen Vinyl.

Meine Wahl viel aufgrund des Covers dann letztendlich auf Morrison Hotel. An der Kasse sprach mich der peinlich berührte Verkäufer mit den Worten „Was?! Die hast du noch nicht!’“ an. Beschämt murmelte ich Lügen wie „Habe nur die unremasterte Vinylorginalausgabe“ oder „Für eine jüngere Freundin zum Geburtstag“. Aber auch zum vertuschen mitgekaufte Dylanbootlegs der letzten Deutschlandtour konnten mir da nicht weiterhelfen. Bloß schnell unerkannt nach Hause…

Beim ersten Hören wurde ich dann vom Roadhouse Blues einigermaßen weggeblasen. Mit Waiting for The Sun und You Make Me Real ging es dann auch vielversprechend weiter. Als Joy Division Anhänger fielen mir zwar beim ersten analysieren stimmliche Parallelen zu Ian Curtis auf. Aber halt! Der lebte ja viel später und irgendwas kann dann da ja nicht stimmen. Die Musik begeisterte mich auch sofort, nur mit den Stimmen/Gesangslinien, beziehungsweise den Texten habe ich zunächst noch einige Probleme. Sicherlich auch der Hauptgrund für meine jahrelange Abstinenz seit den Weggehzeiten der Jugendtage von dieser Band. Nach einiger Hörzeit ist man dann allerdings im Thema drin. Und weitere The Doors Platten sind bereits bestellt.


Das erste Album von Bert Jansch

September 21, 2007

Der weise Neil Young hat zwei Hauptgitarrenidole: Für die elektrische Gitarre ist dies zum einen unüberraschender Weise Jimi Hendrix. Für die akkustische Gitarre kein alter Bluesmusiker wie Robert Johnson, Charlie Patton oder Skip James, sondern der schottische Folkmusiker Bert Jansch.

Auch für Donovon, Jimmy Page und Bob Dylan rangiert Jansch ganz oben unter den relevanten Musikern der späten 1960er Jahre und den folgenden Jahrzehnten. Einflüsse seiner Musik lassen sich in akustischen Led Zepplin Passagen genauso wiederfinden wie im Gitarrenstil von Donovan oder Neil Young. Selbst der legendäre Nick Drake war ein Bewunderer des Musikers aus Glasgow und coverte sogar dessen Song Courting Blues.

Nachdem Jansch mit seiner minderjährigen Ehefrau für einige Zeit durch Europa gereist war, zwang ihn eine Magen- und Darmgrippe im marokkanischen Tangier zur Rückkehr ins Vereinigte Königreich. Im London in der Mitte der 1960er Jahre traf er dort auf eine lebendige Folkszene und den Produzenten Bill Leader. Jansch erstes, selbstbetiteltes Album, soll dann auch in der Küche von Leader mit einem einfachen Tapedeck und einer geliehenen Gitarre aufgenommen worden sein.

Der Produzent verkaufte die Aufnahmen für 100 Pfund an die Plattenfirma Transatlantic Records, welche dann die 15 Songs als Platte veröffentlichten. Das Album Bert Jansch verkaufte sich im Jahre 1965 dann sogleich über 150.000 mal. Der Song Do You Hear Me Now von dieser Platte erlange später noch größere Aufmerksamkeit, als ihn Donovan für seine Nummer 1 EP Universal Soldier aufnahm. Mit Needle Of Death enthielt Bert Jansch auch einen der ersten britischen Songs, welcher die negativen Aspekte des Drogenmissbrauchs thematisierte. Seine Geschichte über den Herointod eines Freundes weißt dann zudem auch starke Ähnlichkeiten mit dem Neil Young Song The Needle And The Damage Done auf.

Obwohl Bert Jansch zunächst als der britische Bob Dylan angesehen wurde, hinkt dieser Vergleich doch stark. Während die Texte bei Bob Dylans Musik einen maßgeblich Antriebsmotor darstellen, ist die Musik von Jansch eher vom Gitarrenspiel getrieben. Viele Instrumentallieder unterstreichen diese Annahme noch. Trotzdem ist es doch erstaunlich wie stark sich sein Einfluss bei vielen anderen Musikern wiederfindet. Gerade im Vergleich zu Donovan oder Nick Drake sind die Ähnlichkeiten doch frappierend.

Ende 2006 hat Bert Jansch sein letztes Studioalbum The Black Swan mit Gastmusikern wie Beth Orton oder Devendra Banhart veröffentlicht. Im August 2007 erschien die Live-DVD Fresh As A Sweet Sunday Morning mit Aufnahmen von einem Konzert vom 22. April 2006 aus der Sheffield Memorial Hall in England.

Bert Jansch am 13. April 2007 in Barcelona:


Der Almost Famous Soundtrack

September 19, 2007

Der Hollywoodfilm Almost Famous aus dem Jahre 2000 gilt als einer der besten Werke von Regisseur, Drehbuchautor, Schauspieler, Journalist und Produzent Cameron Crowe. Mit über 3,5 Millionen US-Dollar stand dem Film auch ein ungewöhnlich hohes Budget alleine für den Soundtrack zur Verfügung. Dies scheint für eine Geschichte über die Rockmusik der Post-1960-Jahre-Ära auch nur folgerichtig zu sein. Den Titeltrack des Films schrieb Crowe jedoch zum Teil selber.

Die Geschichte des 15-jährigen hochbegabten William Miller, welcher als Journalist für das Musikmagazin Rolling Stone Anfang der 1970 Jahre die fiktive Band Stillwater auf Tour begleitet, erhielt unter anderem den Oscar für das beste Drehbuch, einen Golden Globe und viele weitere Preise. Dabei hatte Crowe nichts anderes getan als Erlebnisse seiner eigenen Jugend medientauglich für die Kinosäle aufzuarbeiten. Er selbst begleitete als Jugendlicher für den Rolling Stone die großartige The Allman Brothes Band auf Tournee durch die USA. Seine Geschichte über diese Zeit gelangte sogar auf die Titelseite des Magazins. Auch seine Erfahrungen auf Tour mit Led Zeppelin und Lynyrd Skynyrd flossen in den Film mit ein.

The Allman Brothers Band heißen in Almost Famous jedoch Stillwater. Dessen Musik hat unter anderem der legendäre Peter Framton, welcher im Film auch einen Cameo-Auftritt als Roadmanager der Band Humble Pie hat, komponiert. Auch Crowe zeichnete sich zusammen mit seiner Frau Nancy Wilson, Gitarristin der kanadischen Gruppe Heart, für den Titeltrack und weitere Songs von Stillwater verantwortlich. Sogar Pearl Jam Gitarrist Mike McCready spielte wichtige Gitarrenparts der Filmband ein.

Besonders interessant sind jedoch auch die über 50 Songs von damals zeitgenössischer Musik, welche in Almost Famous angespielt werden. Der offizielle Soundtrack liefert mit 17 Songs da nur einen kleinen Ausschnitt der verwendeten Lieder. Mit einer gelungenen Auswahl an Musik von den unterschiedlichsten Musikern wie David Bowie, Yes, Elton John, Led Zeppelin, The Allman Brothers Band, Lynyrd Skynyrd, Cat Stevens, Rod Stewart, The Who, The Beach Boys oder Simon & Garfunkel ist diese Platte jedoch mehr als ein Best Of Sampler von den frühen 1970er Jahren.

Erwähnung verdient auch die lange Liste der Songs, welche nicht auf dieser CD oder LP vorkommen: Neben Deep Purple, MC5, Black Sabbath, Iggy And The Stooges, Steely Dan, Jimi Hendrix oder Joni Mitchell tragen zwei Songs von Neil Young And Crazy Horse erheblich zur Stimmung im Film mit bei. Und bei einer Flugzeugnotlandung wird dann auch schon mal von den Protagonisten der Buddy Holly Klassiker Peggy Sue intoniert. Die Musik spielt in Almost Famous eine zentrale Rolle. Ohne diesen Soundtrack wäre dieser Film so nicht denkbar gewesen.

Trailer zu Almost Famous:


Lou Reeds “Most Depressing Album Of All Time”

September 17, 2007

Eines der schlimmsten Verbrechen, welches man sich als Wahlberliner schuldig machen kann, ist sich negativ über die neue deutsche Hauptstadt zu äußern. Dann schließen sich schnell die Reihen und Menschen der unterschiedlichsten Couleur und politischer Gesinnung stehen sofort Gewehr bei Fuß um ihre geliebte Heimat zu verteidigen. Lou Reed hat mit seinem Album Berlin aus dem Jahre 1973 zwar nicht viel über das Spreeathen des Ostens an sich gesagt; die ehemals geteilte Stadt jedoch als plausible Metapher verwendet.

Rückbetrachtend wird das dritte offizielle Soloalbum von Lou Reed meistens als Gegenreaktion auf den massiven Erfolg des Vorgängers Transformer und den Megahit Walk On The Wild Side gewertet. Diese kommerzielle Aufmerksamkeit überraschte nicht nur die Musikindustrie, sondern auch Lou Reed selber. Berlin sollte im Kontrast zum euphorischen Vorgänger und Glamrock Klassiker das „Most Depressing Album Of All Time“ werden.

Zusammen mit Jack Bruce, Steve Winwood, Aynsley Dunbar, Tony Levin und weiteren Sessionmusikern nahm Lou Reed (selber ungewöhnlicher Weise an der Akustikgitarre) ein depressives und überladenes Album über Beziehungskrisen und Drogenmissbrauch auf. Obwohl die meisten Songs älter und schon zum Teil auf vorherigen Alben veröffentlicht worden waren, kam es wie es kommen musste: Das heute als einer der Klassiker der 1970er Jahre und als ein Meilenstein im Genre Konzeptalbum geltende Album viel bei Publikum und Kritik fatal durch.

Heutzutage erscheint dies zum einen durch die ungewöhnliche Instrumentierung, die bombastische Produktion von Bob Ezrin und die negative Stimmung einerseits verständlich. Andererseits irritiert an dem damaligen Urteil die Schönheit und über weite Strecken doch relative Eingängigkeit der Songs. Lieder wie Lady Day, Caroline Says I und Men of Good Fortune beinhalten für heutige Verhältnisse ohrwurmartige Melodien und lassen die Trommelfälle beim hören höher schlagen. Weit entfernt sind diese Soundkollagen von den diffusen Indie-, Punk-, Noise- und Avantgardearien der noch folgenden Jahrzehnte.

Im Jahre 2007 erfüllte sich Reed dann einen langgehegten Traum, indem er das Album mit einem gigantischen Personalaufwand auf die Bühnen der Welt brachte. Diesmal mit mehr Erfolg als bei der Veröffentlichung.

Lou Reed singt in Paris im Jahre 1974 den von Billie Holiday insperierten Song Lady Day:


Leonard Cohen griff Warren Beatty unter die Arme

September 16, 2007

Der kanadische Allroundkünstler Leonard Cohen hat in seiner Karriere oft das Image des intellektuellen Charmeurs kultiviert. Neben einigen wirklichen Hits waren jedoch viele seiner Songs von einer gewissen Beliebigkeit und Belanglosigkeit geprägt. Wie gut jedoch die Musik Cohens im richtigen Kontext funktionieren kann, zeigt der Robert Altman Film McCabe & Mrs. Miller mit Warren Beatty.

Drei Songs von Leonard Cohen sind Bestandteil des Soundtracks des sogenannten Anti-Western aus dem Jahre 1971. Bestehende Klischees des Westerngenres werden dort zwar angedeutet, aber jedoch nie zur gewohnten Auflösung geführt. Der melancholische Schneewestern McCabe & Mrs. Miller hat oft etwas Traumartiges an sich, was nicht zuletzt von der stimmungsvollen Musik Cohens unterstützt wird.

Obwohl Leonard Cohen schon mit 13 Jahren anfing Gitarre zu spielen und während seines Studiums an der McGill University im kanadischen Montreal in der dreiköpfigen Country-Folk-Band Buckskin Boys musizierte, begann er mit der eigentlichen Musikkarriere relativ spät. Zunächst veröffentlichte er in den 1950er und 1960er Jahren mehrere Romane und Gedichtbände deren Tantiemen ihm ermöglichten ziellos durchs Leben zu treiben.

Nach diversen Europaaufenthalten kehrte er mit fast 33 Jahren im Jahre 1967 ins berühmte Chelsea Hotel nach New York City zurück. Als neuer Bob Dylan vermarktet verkaufte sich sein erstes Album The Songs Of Leonard Cohen im selben Jahr auch besonders unter den Folkfans relativ gut. Die drei Lieder „Winter Lady“, „The Stranger Song“ und „Sisters Of Mercy“ der Platte sind dann vier Jahre später auch in den besonders eindruckvollen Szenen von McCabe & Mrs. Miller zu sehen.

Und so profitierten am Ende idealerweise beide Seiten von einander. Cohens Lieder gewinnen durch die stimmungsvollen Bilder von Robert Altman noch mehr an Substanz, während auch die teilweise improvisierte Darstellung von Warren Beatty nicht selten eine tiefere Bedeutung ereilt. Bei der Premiere von McCabe & Mrs. Miller hatte Cohen dann schon zwei weitere Alben veröffentlicht.

Der Song „Sisters Of Mercy“ in McCabe & Mrs. Miller:


Old Black und Neil Youngs alte Gitarren

September 15, 2007

Willie Nelson hat Trigger, Bruce Springsteen eine umgebaute Telecaster und Neil Young seine geliebte Gitarre Old Black. Neil gilt als leidenschaftlicher Sammler von alten und zum Teil auch billigen Second Hand Gitarren. Auf seiner Ranch Broken Arrow außerhalb von der kalifornischen Reichensiedlung Woodside beheimatet er neben vielen alten Autos und einer Modeleisenbahn auch eine gigantische Gitarrensammlung.

Auch wenn bei ihm im Studio aus soundtechnischen Gründen oft neuere und teurere Instrumente im Einsatz sind; bei Auftritten verwendet er neben diversen Tasteninstrumenten in der Regel seit Jahrzehnten die gleichen fünf Gitarren. Liebevoll gepflegt werden diese seit 1972 von Neils Gitarrentechniker, Gelegenheitsbegleitmusiker und Gitarrensammler Larry Cragg.

Als Neil die erste Rohfassung von Jim Jarmuschs großartiger Dokumentation Year Of The Hourse zu sehen bekam, sprang er fassungslos vom Sessel auf: Jarmusch hatte Filmaufnahmen aus über 20 Jahren von Neil Young & Crazy Horse eindrucksvoll zusammen geschnitten. Neil wurde aber keineswegs vom Kontrast seines jungen Antlitzes mit dem Aktuellen in Rage versetzt, sondern vom Erscheinungsbild seiner damals noch neueren und funkelenden Gitarre Old Black.

Die Gibson R6 Les Paul Goldtop aus dem Jahre 1953 ist Neils Haupt-E-Gitarre seit den späten 1960er Jahren. Zuvor spielte er überwiegend eine Gretsch 6120, welche er unter anderem während seiner Zeit bei Buffalo Springfield einsetzte.

Auch eine Gretsch der Marke White Falcon aus den späten 1950er benutzte Neil von den späten 1960er bis in die frühen 1970er Jahre. Zu hören ist diese unter anderem auf den Songs Ohio, Southern Man, L.A., und Alabama. Ihr Verbleib ist aber spätestens seit dem Neil Young Album Zuma etwas unklar.

Gerüchte besagen, Neil habe sie mit dem damaligen Buffalo Springfield Mitglied Stephen Stills gegen Old Black getauscht. Andere behaupten der Musiker Jim Messina habe als Tausch gegen die legendäre Gibson von Neil eine orange Gretsch-Gitarre bekommen. Fakt ist aber, dass Old Black seit den frühen 1970er Jahren auf fast allen elektrischen Konzerten von Neil Young zu hören war.

Im Laufe ihrer über fünfzigjährigen Existenz wurde Old Black mehrfach umgebaut. Die originalen Pickups wurden durch einen DiMarzio Single-Coil, einen Mini-Humbucker aus einer Gibson Firebird Gitarre und einem P-90 Pickup ersetzt. Außerdem wurde ein neuer Kippschalter installiert, der es Neil ermöglicht, alle weiteren Schalter (unter anderem Tone und Volume Regler) und Einstellungen zu umgehen und direkt seinen Sound vom Humbucker in den Verstärker zu schicken. Die wohl bekannteste und wichtigste Neuerung an der schwarzen Gitarre ist jedoch das Bigsby B7 Vibrato System. Der zugehörige Tremolohebel, mit dem Töne variiert werden können, ist ein relevanter Bestandteil von Neils E-Gitarrensound.

Ihren Namen hat Old Black wahrscheinlich durch eine amateurhafte Umlackierung erhalten. Der vermutliche standardmäßig goldene Körper wurde dabei anscheinend schwarz umgesprüht. Auch das bei Goldtops in der Regel weiße Plastikschlagbrett ist dabei wohl ausgetauscht worden. Das neue Schlagbrett ist aus Aluminium und damit mitverantwortlich für eine stärkere Feedbackanfälligkeit der Gitarre. Auch diese ist nicht unwichtig für den individuellen Gitarrensound von Neil Young.

Das Gibson Les Paul Logo auf dem Gitarrenkopf legt nahe, dass entweder der Hals gegen einen von einer anderen Gibson (vermutlich einer Gibson SG) ausgetauscht wurde, oder das es sich bei Old Black in Wirklichkeit um einen Gold Top Deluxe Nachbau aus dem Jahre 1968 handelt. Bekannt ist Old Black außerdem wegen dem markanten Gitarrengurt auf dem Peacesymbole und Friedentauben zu sehen sind. Das beeindruckendste sind jedoch die Abnutzungsspuren am Hals und Körper der Gitarre. Dort ist nämlich nicht selten der Lack ab und das blanke Holz zu sehen.

Eine weitere wichtige Gitarre von Neil Young ist die Westerngitarre Hank der Marke Martin D-28. Dieser Spitzname rührt von dem früheren Besitzer, der Countrylegende Hank Williams, her. Williams Sohn, der „Country Outlaw“ Hank Williams Jr., hatte die Gitarre seines Vaters gegen ein paar Schrottflinten getauscht. Nach einigen Eigentümerwechseln kam sie nach einiger Zeit in den Besitz von Grant Boatwright.

Als Neil Young Mitte der 1970er Jahre auf der Suche nach einer neuen Akustikgitarre war, arrangierte sein Freund Tut Taylor den Kauf zu einem nicht bekannten Preis. Seitdem ist Neil seit über 30 Jahren mit Hank auf Tournee und im Studio unterwegs. Mit dem Song This Old Guitar von seinem vorletzten Album Prairie Wind hat er ihr ein Denkmal gesetzt. Für ein paar Monate soll Neil diese Gitarre sogar Bob Dylan ausgeliehen haben.

Eine vor Hank oft benutzte Westerngitarre, welche auch heute noch oft verwendet wird, ist Neils Martin D-45. Auf ihr hat er viele seiner frühen Songs, wie zum Beispiel Old Man, geschrieben und eingespielt. Neben einer weiteren Martin 12-Saiter Akustikgitarre verdient noch ein Gibson Mastertone Banjo aus dem Jahre 1927 eine besondere Erwähnung. Das Instrument hat sechs Saiten und wird wie eine Gitarre gestimmt. James Taylor spielte es auf der Aufnahme zu Old Man und bei dem Klassiker Old King von der jüngsten Neil Young DVD Heart Of Gold aus dem Jahre 2006 hat es der Meister selber zwischen den Fingern.

Obwohl jede dieser Gitarren heute mehr an kommerziellen Wert besitzen dürfte als eine kleine Eigentumswohnung, ist es doch beeindruckend das Neil Young seit so vielen Jahrzehnten mit den gleichen Instrumenten arbeitet. Beim Kauf und Bau eher solide Standardinstrumente der mittleren Preisklasse, hat sich deren realer und besonders ideeller Wert um ein vielfaches potenziert. Das Spielen hat sie mächtig gemacht.

Neil Young mit Old Black und Pearl Jam spielen Keep On Rockin In A Free World beim MTV Video Music Award 1993:


Townes Van Zandt und der Film Heartworn Highways

September 13, 2007

Die stimmungsvolle Dokumentation Heartworn Highways des Regisseurs James Szalapski aus dem Jahre 1981 über damals abseits vom Nashville Etablissement stehende Country Singer/Songwriter bestätigt auch heute noch eindrucksvoll schon lang vermutete musikalische Tatsachen.

Es wird schnell klar, wenn David Allen Coe bei einem Gefängniskonzert über seine kriminelle Vergangenheit schwadroniert, dass er einer der integersten Outlaws der Countrymusik überhaupt ist. Auch daran, dass das texanische „Rich Kid“ Townes Van Zandt mit die glaubwürdigsten und melancholischen Countryballaden schreibt, können nach dem Genuss des Films kaum noch Zweifel aufkommen. Zudem wird der Beweis geliefert, dass es schwer sein wird einen Musiker zu finden der bessere Storysongs über alltägliche Geschichten liefert als der Gitarrenbauer Guy Clark. Auch andere Figuren im Film wie Rodney Crowell, Steve Young, Larry Jon Wilson, Gamble Rogers, Barefoot Jerry oder die Charlie Daniels Band fügen sich perfekt in das im Jahre 1975 gedrehten, aber erst 1981 veröffentlichte Werk ein.

Getoppt werden jedoch die meisten dieser eindrucksvollen Szenen (unter anderem auf Townes Van Zandts Farm oder in der Küche von dem Haus von Guy und Susanna Clarks in Nashville) durch die Performance des 20-jährigen Steve Earle. Über zehn Jahre bevor Earle überhaupt seine erste Platte veröffentlichte, spielte er mit leidenschaftlichen Songs und durch eine energiegeladene Vortragsweise die meisten der älteren Protagonisten scheinbar mühelos an die Wand. Im Hauptfilm spielen diese Szenen nur eine Rolle am Rande und vielen leider der Schere zum Opfer. Die über eine Stunde lagen Outtakes auf der DVD machen diese deshalb fast sehenswerter als den eigentlichen Hauptfilm. Wenn dann auch noch die Mehrheit der im Film auftretenden Musiker zusammen den Hank Williams Klassiker „I’m So Lonesome I Could Cry“ anstimmen schließt sich ein logischer Kreis.

Townes Van Zandt bringt mit „Waitin’ Around To Die“ Seymour Washington zum weinen:


Der Todestag von Johnny Cash

September 12, 2007

Heute vor mittlerweile auch schon wieder vier Jahren ist Johnny Cash im Alter von 71 Jahren in Nashville, Tennessee gestorben. Jetzt ist Jerry Lee Lewis der letzte Überlebende des Million Dollar Quartet. Das Johnny Cash auch ein fähiger Imitator von seinem Kollegen Elvis A. Presley war, zeigt folgendes Video:


The Folksmen als Vorgruppe für Spinal Tap

September 11, 2007

Das es sich bei Christopher Guest um einen gescheiterten Folkmusiker handelt, sieht man dem Schauspieler und Ehemann von Jamie Lee Curtis äußerlich kaum an. Optisch würde man ihn eher für einen Lehrer, Angestellten oder bestenfalls Talkshowmoderator halten. Das es der Spinal Tap Miterfinder jedoch faustdick hinter den Ohren hat, erkennt man im Interview durch seinen trockenen Humor und die Fähigkeit aus dem Stand heraus Dialekte und Persongruppen perfekt zu imitieren ziemlich schnell.

Ein weiteres Meisterwerk von Guest nach This Is Spinal Tap aus der unsinnigen Schublade Mockumentary ist der Film A Mighty Wind. Eine Parodie auf Folkgruppen wie Peter, Paul und Mary. Christopher Guest schrieb das Drehbuch mit, führte Regie und spielte die Hauptrolle in diesem Werk aus dem Jahre 2003.

In gewohnter Spinal Tap Manier stellen in dem Film Michael McKean, Harry Shearer und Guest die fikitive Folkgruppe The Folksmen dar, welche sich für ein Reunionkonzert nach vielen Jahren erneut zusammen trifft. Beeinflusst ist der Film durch die Dokumentation The Weavers: Wasn’t That a Time! über das Weavers’ Carnegie Hall Konzert aus dem Jahre 1955.

Die Songs in A Mighty Wind wurden von den Darstellern und deren Umfeld extra für den Film geschrieben und sogar Live vor der Kamera eingespielt. Der Song „A Kiss At The End Of The Rainbow“ schaffte es sogar für den Oscar nominiert zu werden. Neben diversen Talkshowauftritten durften The Folksmen sogar als Vorgruppe für Spinal Tap zu eröffnen. Ganz oben angekommen kann man da fast schon sagen.

The Folksmen bei David Letterman: