Durch seine Freundschaft zu der Frauenrockband Girlschool hat Lemmy von Motörhead ja schon öfters versucht den überflüssigen Sexismusvorwurf gegen ihn zu entkräftigen. Kein besonders überzeugendes, jedoch ein deutlich hörbares Argument.
Entdeckt wurden Girlschool von dem Mitarbeiter des Motörheadmanagement Dave “Giggles” Gilligan. Lemmy gefiel der Sound der Band und so fanden sich die Damen im Jahre 1979 als Support für die Overkill-Tour von Motörhead wieder. Dort hatte Lemmy auch eine kurze Affäre mit der leider letzten Monat an Krebs verstorbenen, eigentlich lesbischen Sängerin und Gitarristin Kelly Johnson.
Im Frühjahr 1981 befanden sich Girlschool dann in Rickmansworth mit dem Produzenten Vic Maile im Studio. Der Motörhead Drummer Phil “Philthy Animal” Taylor war während einer Tour in Belfast eine Treppe runter gefallen und hatte sich den Hals gebrochen. Somit vielen alle Liveaktivitäten von Lemmy und Co. flach und es bestand Zeit um für Crossmarketingzwecke mit Girlschool zusammen eine Single aufzunehmen.
Man entschied sich für den durch Johnny Kidd And The Pirates bekannt geworden Song Please Don’t Touch. Auf der B-Seite der Single coverten sich die Bands dann auch noch gegenseitig. Die Damen spielten den Motörheadsong Bomber und die Herren übernahmen das Lied Emergency von Girlschool mit Motörheadgitarrist “Fast” Eddie Clarke zum zweiten Mal überhaupt an den Leadvocals. Auf allen Tracks spielte die Girlschool Schlagzeugerin Denise Dufort, da Animal aus bekannten Gründen nicht dazu in der Lage war.
Diese Single wurde später unter dem Titel The St. Valentine’s Day Massacre am Valentinstag (14. Februar) des Jahre 1981 veröffentlicht. Sie stellte sich mit Platz 5 als größter Erfolg heraus, den sowohl Motörhead als auch Girlschool jemals in den britischen Singlecharts hatten.
Es folgte ein legendärer Auftritt bei Top Of The Pops mit Denise am Schlagzeug und Animal als Tänzer und Backgroundsänger.
Girlschool und Motörhead bei Top Of The Pops im Jahre 1981:
Jetzt ist es bald endlich so weit: Der nach einem Outtake der Basement Tapes benannte, lang erwartete Film I’m Not There über Bob Dylan kommt diesen Herbst noch in die Kinos. Jetzt ist der erste Trailer dazu erschienen.
Mit Filmen wo bekannte Schauspieler noch bekanntere Rockstars spielen ist das ja immer so eine bedenkliche Sache. Besonders wenn die Musiker um die sich der Film dreht noch leben. Der Regisseur Todd Haynes hatte sich im Jahre 1998 schon einmal an eine Lebensabschnittsverfilmung von eine der großen Legenden der Popmusik versucht. Der Film Velvet Goldmine über die Ziggy Stardust Epoche von David Bowie war zwar hochkarätig besetzt und hatte vom Soundtrack durch die Beteilung von Placebo über Brain Eno bis hin zu Pulp und Lou Reed einiges zu bieten, scheiterte jedoch künstlerisch auf ganzer Linie. Selbst David Bowie distanzierte sich von dem Machwerk und verbot es Songs oder sonstige eindeutigen Erkennungsmerkmale in dem Film zu verwenden.
Bob Dylan scheint in diesem Falle großzügiger zu sein. In I’m Not There werden seine Lieder auftauchen und des weiteren sechs Schauspieler, welche alle den Sänger in verschieden Lebenslagen und Abschnitten seiner Karriere darstellen. Darunter Richard Gere, Cate Blanchett und Christian Bale, der zwar in American Psycho brillierte, aber dessen schauspielerische Leistungen Batman Begins und eben Velvet Goldmine zur Qual werden ließen.
Das Konzept von I’m Not There verspricht jedoch einiges. Eine klare Erzählstruktur und traditionelle Filmtechniken sollen nicht verwendetet werden. Vielmehr soll analog zu Dylans Songwriting poetisch bestimmte Schlüsselmomente im Leben des Songschreibers nachgestellt werden.
Auch der Soundtrack zum Film schaut recht interessant aus. Neben dem bisher offiziell unveröffentlichten Meisterwerk I’m Not There von Bob Dylan tauchen auch eine Menge an bekannten Musiker wie Eddie Vedder, Willie Nelson oder Ramblin’ Jack Elliot auf, die sich an Coverversionen von Bob Dylan Songs versuchen. Unterstützt werden diese überwiegend von der eigens für dieses Projekt gebildete Band Million Dollar Bashers. Neben Lee Ranaldo und Steve Shelley von Sonic Youth gehören noch Television-Gitarrist Tom Verlaine, Nels Cline von Wilco und Dylan-Langzeitbassist Tony Garnier zu dieser Gruppe.
Diese Doppel CD mit über 30 Tracks erscheint in den USA am 30. Oktober diesen Jahres.
Ob dieser Film sammt Soundtrack dann mehr von Dylan hat als Dylan selber, oder ob der bekannte Slogan “Nobody Sings Dylan Like Dylan” zutrifft wird sich nach der Veröffentlichung zeigen. Hoffentlich läuft der Film dann in Deutschland auch flächendeckend im Original und wird nicht von bekannten Verdächtigen wie Wolfgang Niedecken, Anke Engelke und Judith Holofernes schlecht synchronisiert.
Canada: September 2007 (Toronto Film Festival)
Italy: September 2007 (Venice Film Festival)
Italy: 7 September 2007
USA: 21 November 2007 (limited)
Australia: 26 December 2007
Germany: 10 January 2008
Netherlands: 13 March 2008
Tracklist des Soundtrack:
All Along The Watchtower – Eddie Vedder & The Million Dollar Bashers
As I Went Out One Morning – Mira Billotte
Ballad Of A Thin Man – Stephen Malkmus & The Million Dollar Bashers
Billy – Los Lobos
Can You Please Crawl Out Your Window – The Hold Steady
Can’t Leave Her Behind – Stephen Malkmus & Lee Ranaldo
Cold Irons Bound – Tom Verlaine & The Million Dollar Bashers
Dark Eyes – Iron & Wine & Calexico
Fourth Time Around – Yo La Tengo
Goin’ To Acapulco – Jim James & Calexico
Highway 61 Revisited – Karen O & The Million Dollar Bashers
I Wanna Be Your Lover – Yo La Tengo
I’m Not There – Bob Dylan
I’m Not There – Sonic Youth
Just Like A Woman – Charlotte Gainsbourg & Calexico
Just Like Tom Thumb’s Blues – Ramblin’ Jack Elliot
Knockin’ On Heaven’s Door – Antony & The Johnsons
The Lonesome Death Of Hattie Carroll – Mason Jennings
Maggie’s Farm – Stephen Malkmus & The Million Dollar Bashers
Mama You’ve Been On My Mind – Jack Johnson
The Man In The Long Black Coat – Mark Lanegan
Moonshiner – Bob Forrest
One More Cup Of Coffee – Roger McGuinn & Calexico
Pressing On – John Doe
Ring Them Bells – Sufjan Stevens
Señor (Tales Of Yankee Power) – Willie Nelson & Calexico
Simple Twist Of Fate – Jeff Tweedy
Stuck Inside Of Mobile With Memphis Blues Again – Cat Power
The Times They Are A Changin’ – Mason Jennings
Tombstone Blues – Richie Havens
When The Ship Comes In – Marcus Carl Franklin
Wicked Messenger – The Black Keys
You Ain’t Goin ‘Nowhere – Glen Hansard & Markta Irglov
Lange Zeit konnte der norwegische Gitarrist und Gelegenheitssänger Knut Schreiner (alias Euroboy) durch die Band Euroboys seine Tätigkeit als Leadgitarrist bei der Band Turbonegro (in Norwegen unter dem Namen Turboneger bekannt) finanzieren. Denn obwohl Turbonegro international einen gewissen Kultstatus und Bekanntheitsgrad genossen, waren die Euroboys kommerziell ungemein erfolgreicher.
Zwischen dem schweinischen Rock der Turbonegroprägung und dem Sixties Surf-, Easy Listening- und Soulsound der Euroboys scheinen musikalisch Welten zu liegen. Jedoch sind diese Genres für den potenziellen Musikliebhaber nun auch nicht so weit von einander entfernt, dass es unglaubwürdig erscheinen würde beide Musikstile offiziell gut zu finden.
Das Besondere an den Anfang der 1990er Jahre unter dem Namen Kåre And The Cavemen in Norwegen gegründeten Euroboys (Euroboys war ursprünglich nur das Bandpseudonym für den Auslandsmarkt, erst ab dem Jahre 2000 ist es dann zum offiziellen Bandnamen geworden) ist allerdings das sie zu Beginn überwiegend als Instrumentalband auftraten.
Erste Berühmtheit erlangten die Euroboys als Hausband einer bekannten Norwegischen Fernsehsendung. Diese Arbeit brauchte den Schulfreunden schließlich auch den Deal mit dem Label Virgin ein. Nach der Vinylsingle In The Mood erreichte das instrumentale Debütalbum Jet Age die oberen Gefilde der Charts. Es folgten diverse Besetzungswechsel, vier Studioalben und einige EPs auf denen auch immer öfter Gesang zu hören war.
Seit dem letzten Album Soft Focus aus dem Jahre 2004 ist es relativ still um die Band aus Oslo geworden, was sicherlich nicht zuletzt mit der Reunion von Turbonegro und dem internationalen Erfolg dieser Band zu tun hat.
Heute zahlt Knut Schreiner seine Miete sicherlich von den Gagen und Merchandisingeinnahmen, welche er mit Turbonegro verdient. Trotzdem ist es positiv zu bewerten, dass sein Interesse am aktiven Musikmachen so breit gefächert war und ist.
Video für die Single One Way Street vom Album Soft Focus aus dem Jahre 2004:
Joan Baez hatte des Öfteren ein glückliches Händchen, wenn es darum ging gute Songs und talentierte Songschreiber für die High Society der Liedermacherkunst zu entdecken. Wie Bob Dylan und seine Lieder Anfang der 1960er Jahre durch Baez einem größeren Publikum zugänglich gemacht wurden, erfuhr auch der geistreiche, amerikanische Songwriter Richard Shindell Ende der 1990er Jahre einen größeren Popularitätsschub durch die Folkqueen.
Für das Album Gone From Danger aus dem Jahre 1997 – zusammen mit Joan Baez, Diamonds And Rust und Dark Chords On A Big Guitar eines der besten Baez Alben – nahm die Sängerin gleich drei Songs (Reunion Hill, Fishing und Money For Floods ) von Musiker aus New Jersey auf. Auf der Tour zum Album begleitet Richard Shindell dann in den Jahren 1997 und 1998 Joan Baez rund um die Welt. Als Folge dessen erhielt der Name Shindell endlich die verstärkte Aufmerksamkeit, die er schon länger verdiente. Zuvor hatte der 1960 geborene Sänger schon etwa zehn Jahre in der Öffentlichkeit Musik gemacht und drei Alben veröffentlicht. Dies alles jedoch auf einem kommerziellen eher niedrigen Level.
Richard Shindell schreibt wie kaum ein Anderer Lieder aus der Perspektive einer potentiell unsympathischen Person und fast dadurch komplexe Ereignisse und Zusammenhänge im begrenzten Rahmen eines Songs zusammen. Ein besonders gutes Beispiel ist da der Song Fishing. Aus der Sicht eines Inspektor für illegale Einwanderer (INS) während eines Verhörs wird die Situation der ungewollten Einwanderer in den USA eindrucksvoll geschildert.
Seine Jungend verbrachte Shindell in Port Washington auf Long Island, wo er seinen ersten Gitarrenunterricht erhielt. Nach der Pubertät in Baltimore begann er in New York am Hobart Collage zu studieren. Nach seinem Abschluss dort und dem Aufenthalt in einem buddhistischen Kloster begann Shindell Europa zu bereisen und spielte einige Zeit in der Metro von Paris für etwas Kleingeld.
Nach einer kurzen Auszeit von der Musik und Philosophiekursen am Union Theological Seminary widmete er sich wieder intensiver dem Songschreiben und nahm Platten auf dem Indielabel Shanachie auf. Nach dem Joan Baez Intermezzo gründete er 1998 zusammen mit Dar Williams und Lucy Kaplansky die Gruppe Cry Cry Cry. Es folgten zwei weitere Soloalben auf Shanachie und im Jahre 2004 mit dem Album Vuelta der Wechsel zum Label Koch. Heute wohnt Shindell in Buenos Aires, Argentinien mit seiner Frau und den gemeinsamen Kindern.
Und im Mai diesen Jahres veröffentlichte er im Eigenvertrieb sein Coveralbum South Of Delia. Die Songsauswahl hört sich mit Lieder von Bob Dylan, Bruce Springsteen und Woody Guthrie äußerst vielversprechend an.
Richard Shindell spielt einen seiner cleversten Songs Fishing in Columbus, Ohio:
Bevor mir krankheitsbedingt meine Stimme endgültig versagt kommt nun eine kurze, größenwahnsinnige Durchsage in eigener Sache mit relativer Verwandtschaft zum Pure Kosmos: Es existiert nun endlich ein richtiges Musikvideo zu einem von meinen Solosongs!
Mit bescheidenen Mitteln kehrte ich zusammen mit dem äußerst fähigen Regisseur Cyman Lee Bierwag (Trashlords, Zoonamii) an relevante Orte meiner Vergangenheit, wie zum Beispiel Schrottplätze, öffentliche Toiletten, Schnellstraßen, Bibliotheken, Einfahrten zu Bordellen und Fußgängerzonen, zurück. Mit professioneller und zeitaufwendiger Unterstützung von Cyman Lee und Holger Banse von Mad Elephant Films nahm diese Intention dann letztendlich eine beachtliche Form an.
Die Musik zum Video stammt von mir und wurde (bis auf die Drums) überwiegend nachts in meinem Zimmer aufgenommen und gemischt (Akustikgitarre, Hauptgesang und Harmonika gleichzeitig Live, der Rest ist dann Overdubs). Das mächtige Schlagzeug spielte der taktvolle Andru Giant von meiner Band, den Disco Darlings. Gemastered wurde diese Aufnahme dann schließlich von Andi Bukelini (Blue Man Group, etc.) im Studio Wong, der Aufnahmeunterkunft des Gods Of Blitz Gitarristen Olli Wong.
Weitere neue Solosongs der letzten Zeit mit der unterschiedlichsten Beteiligung der üblichen Verdächtigen wie Andru Giant, Anika Hoff oder den Trashlords findet ihr hier zum kostenlosen Download. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und Ende der Werbedurchsage.
Intellektuelle Diskussionsbeiträge darf der Leser von der im Jahre 2002 erschienenen Autobiografie White Line Fever des Motörhead Frontmanns Ian Kilmister (besser unter dem Namen Lemmy bekannt) nicht erwarten, denn schließlich steht diese Figur nicht für universitäre Wissensangebote, sondern für über 60 Jahre gelebten Rock ´n´ Roll.
Sex, Drugs And Rock ´n´ Roll scheinen dann auch die Haupteckpfeiler von Lemmys bisherigen Leben gewesen zu sein. Wer viel mehr von dem knapp 300 Seiten dicken Machwerk erwartet wird eher enttäuscht werden.
Neben dem detaillierten Schildern der drei Fixpunkte des Rocks in allen Lemmy relevanten Phasen ist das Buch im wesentlichen eine Abrechnung. Eine Abrechung mit allen heuchlerischen und verlogenen Menschen der Rockwelt. Allen voran bekommen Labelangestellte, Booker und sonstige Protagonisten der Entertainmentbranche kräftig ihr Fett ab. Dicht gefolgt von Feministinnen, Vegetariern, Abstinenzlern, Heroinabhängigen, Nazis, Regierungsangehörigen und sonstigen Spießern.
Vorgetragen wird dies in einem der Situation angemessenen Gossenslang, gespickt mit Schimpfworten und diversen anderen unappetitlichen Schlidderungen. Geschönt wird in diesen Ausführungen nicht viel, selbst nicht die eigene Person.
Die deutsche Übersetzung kann diese englischsprachigen Triaden natürlich nicht angemessen gerecht werden. Somit hat der Leser oftmals den Eindruck die Biografie eines deutschen Stammtischprolls im gehoben Alters zu rezipieren. In der Originalausgabe ist vieles sicherlich weniger peinlich.
Der Leser mag sich fragen, warum man 30 Jahre nach dem Tod von Elvis und in Zeiten in denen alles schon mal da gewesen scheint und nichts mehr wirklich schockieren oder provozieren kann, man sich so ein nostalgisches Werk überhaupt zu Gemüte führen sollte? Weil es einfach ungemein unterhält und beim Lesen großen Spaß macht. Nicht mehr und nicht weniger.
Und weil Lemmy wohl einer der wenigen ist, der so eine Story authentisch rüberbringen kann, ohne sich wie viele Andere aus diesem Metier der Heuchelei oder Dekadenz schuldig zu machen.
Sicherlich ist dies keine Lektüre am künstlerischen Puls der Zeit, sondern eher ein authentisches Lebensmanifest von einem gealterten Rocker. Lemmy wird aber trotzdem in Zukunft so weiter machen.
Auch im Alter noch richtig gut: Motörhead mit Serial Killer vom Album Hammered aus dem Jahre 2002:
Und einer der besten Rocksongs aller Zeiten, inklusive Stepptanzpart: Ace Of Spades:
Zwischen den beiden unten als Video aufgeführten Performances von dem Bob Dylan Song To Ramona liegen fast 25 Jahre. Beide Versionen des selben Liedes haben trotzdem auf unterschiedlichste Arten etwas Unwiderstehliches.
Bob Dylans offener Abschiedsbrief an eine verblasste Liebe tauchte erstmalig auf dem im Rotweinrausch am Abend des 9. Juni 1964 in nur einer Session vor wenigen Freunden eingespielten vierten Album Another Side Of Bob Dylan des Songschreibers auf. Ähnlich wie Don’t Think Twice, It’s All Right oder It Ain’t Me, Babe hat auch To Ramona Dylans Ende seiner Beziehung zu der Schauspielerin Suze Rotolo als Hintergrund.
Im Gegensatz zu Bob Dylans vielen politischen Songs aus der Zeit ist To Ramona einer seiner persönlichsten und zugleich literarischsten Songs. Bis heute hat sich das Lied im Liveset von Bob Dylan gehalten und im Laufe der Zeit die unterschiedlichsten Wandlungen durchgemacht.
Die Liveversion aus dem Frühjahr des Jahres 1965 wurde von dem Filmemacher D. A. Pennebaker im Rahmen der Dreharbeiten zu dem Bob Dylan Film Don’t Look Back während der Englandtour des Sängers gemacht. Als Outtake ist diese Version auf der Deluxe Edition des Ende April diesen Jahres endlich erschienen offiziellen DVD Version des Filmes enthalten.
Dylans jugendliche Energie erzeugt beim Zuhörer fast ein Gefühl des körperlichen Schwebens und steht damit im Gegensatz zu der eher blusigen Liveversion aus dem Jahre 1989.
Im März und April des Jahres 1989 hatte Dylan in New Orleans unter der Fittiche von Daniel Lanois durch das späte Meisterwerk Oh Mercy wieder erneut seinen Fuß auf die musikalische Landkarte gestemmt. Mit Beginn der sogenannten Neverending Tour im Jahre 1988 hatte Dylan aus dem Desastern der Touren der 1980er Jahre mit den Grateful Dead oder Tom Petty And The Heartbreakers gelernt und neue Energie getankt. Und so sprüht auch diese spätere Version vor Energie und virtuosen Gitarrenspiel, scheint aber die Lebensweisheit von 25 Jahren weitern Jahren zu beinhalten. So unterschiedlich beide Versionen scheinen mögen, sie zeigen die Vielfältigkeit von Bob Dylan und seinen Songs und machen eine Entscheidungen zu Gunsten von einer der beiden Interpretationen unmöglich.
Das Musikgenre Brit-Pop war in vielerlei Hinsicht schon ein merkwürdiges musikalisches Phänomen. Unter einem Begriff wurden so unterschiedliche Bands wie zum Beispiel Oasis, Pulp oder die Manic Street Preachers zusammen gefasst, welche eigentlich musikalisch oder auch sonst kaum etwas gemeinsam hatten. Die außergewöhnliche Band Elastica hatte vom Stil und Attitüde her viel mehr mit den Brit-Pop Paten Punk, Indie oder New Wave gemeinsam, als was der gewöhnliche Hörer unter “eigentlichem” Brit-Pop verstehen würde.
Gegründet wurden Elastica von der ehemaligen Langzeitfreundin von Blur Chefdenker Damon Albarn Justine Frischmann und dem Drummer Justin Welsh im Jahre 1992. Zuvor waren beide bei Suede aktiv, dort aber etwas frustriert über ihren musikalischen Einfluss und den Stil der Band. Im Abstand von fünf Jahren veröffentlichten dann Elastica zwei extrem gute Platten und einige Singles mit unterschiedlichen Bandmitstreitern.
Bassistin Annie Holland verlies die Gruppe bereits nach dem Feile Festival am 6. August 1995. Ihr war angeblich der prall gefüllte Terminplan zu stressig geworden. Sie wurde zunächst für den Rest der Tour durch Sessionbassist Abby Travis und später durch Sheila Chipperfield ersetzt. Holland kehrte jedoch im Jahre 1999 bis zur Auflösung von Elastica im Jahre 2001 zurück. Seitdem wurde über ihrem Verbleib nichts mehr wirklich öffentlich gemacht. Sie lebt in Brighton.
Die Gitarristin Donna Matthews verlies die Band bereits Ende 1998. Angeblich wegen einer Heroinabhängigkeit und der daraus resultierenden Unfähigkeit den Bandalltag ordentlich zu bewältigen. Mit ihrer neuen Band Klang veröffentlichte sie neben einer Single im Mai 2004 das Album No Sound Is Heard. Eine Menge Livemitschnitte und Promos kann man sich hier umsonst runterladen. Mittlerweile ist die Band allerdings auf Eis gelegt und Donna am Dartington College of Music and Arts aktiv.
Als Ersatz für Donna und zur Ergänzung des Gruppensounds kamen im Jahre 2000 Gitarrist Paul Jones und die beiden Keyboarder Dave Bush und Mew zur Band. Mew ist heute mit dem Elastica Schlagzeuger Justin Welsh verheiratet. Die Beiden leben nun zusammen in der südenglischen Stadt Devon.
Im August 1999 erschien eine EP der Band mit sechs Songs aus den letzten vier Jahren. Diese Songs wurden in den folgenden Monaten teilweise noch mal neu aufgenommen und erschienen mit anderen Liedern im April 2000 auf der zweiten Elastica LP The Menace. Die Kritik nahm das Album mit gemischten Gefühlen auf. Die fünf Jahre zwischen den beiden Alben und das neue Line-Up ließen viele unbeantwortete Fragen offen. Nach der Abschiedssingle “The Bitch Don’t Work” im Jahre 2001 waren Elastica Geschichte, was viele Fans zunächst nicht glauben wollten, sich jedoch bis heute als gültig herausgestellt hat.
Konkrete Gründe für den Split scheint es wenige zu geben. In ihrem letzten Schreiben erklärt Justine, dass die Auflösung der Band unter extrem guten Bedingungen stattgefunden hat. Nach zehn aktiven Jahren war die Gruppe wohl am Ende ihrer Kreativität. Und was machen die Elastica Neuzugänge? Paul Jones betreibt das Slogan Records Label, Dave Bush studiert Web Design in Wiltshire und Sheila Chipperfield ist europaweit als DJ unterwegs, sowie in das Projekt Liveroom TV involviert.
Nachdem Sängerin Justine im Jahre 2003 auf der Pleasure Single “Don’t Look The Other Way” den Gesang übernommen hatte, unterstützte sie ihre damaligen WG Nachbarin M.I.A. die Demos für ihr erstes Album zu produzieren. Sie schrieb auch die Musik für die M.I.A. Single “Galang” mit und produzierte später die Band White Rose Movement. Momentan studiert Justine Visual Arts und Psychologie an der buddhistischen Naropa Privatuniversität in Colorado, USA.
Im Nachhinein betrachtet erstaunt auch der immense kommerzielle Erfolg der Band. Ihr erstes Album ist nicht nur das am schnellsten verkaufte englische Debütalbum aller Zeiten (sogar noch vor Definitely Maybe von Oasis), ihre Single Connection war auch ein ungewöhnlich großer Hit in den USA. Die Musik steht in dem in nichts nach und verdient auch heute noch gehört zu werden. Ein solider Trost für die momentane Nichtexistenz der Band ist das großartige Livealbum The Radio One Sessions mit 21 Versionen von den größten Elastica Songs.
Die späten Elastica versuchen sich auf dem Fuji Rock Festival an der deutschen Sprache und den Trio Klassiker Da Da Da. Leider nur mit mäßigen Erfolg: