Obwohl die Beasts Of Bourbon tendenziell eher ältere Musik spielen, hätte deren gestriges Konzert im Berliner Columbia Club auch in den Jahren 1977, 1987, 1997 oder eben 2007 stattfinden können. Den jeweiligen Zuschauern wäre kein großer Unterschied aufgefallen.
Vom Rock ausgezerrt wie eh und je lieferte die Band einen positiven Beweis für zeitlose Rockmusik und eine energievolle Performance. Das fortgeschrittene Alter der Protagonisten auf der Bühne spielte dabei keine bedeutende Rolle und viel auch kaum weiter auf; das des Publikums allerdings schon.
Die Halle des Columbia Clubs füllte sich nur mäßig mit dem zu erwartenden männlichen Berliner Klientel und selbst bei Konzertbeginn war die Örtlichkeit nur maximal zu zwei Dritteln gefüllt. Sinnlose Absperrgitter vor der Bühne ein eher improvisierter Thekenstand sorgten zusammen mit der Architektur der Halle für eine leichte Dorffest- oder Schülerfetenatmosphäre. Dementsprechend kreischig war dann auch der Sound während des Konzertes. Dies war jedoch mit Beginn der Show bestenfalls nur noch Nebensache.
Mit dem Konzertanfang und den beiden Klassiker The Low Road und Just Right wurde relativ schnell die rockende Spreu vom posenden Weizen getrennt. Darauf folgten dann einige Songs von dem neuen Album Little Animals (acht Stück insgesamt am ganzen Abend), welche auch erstaunlich gut beim Publikum ankamen.
Rockstarerfahrungen mit den The Cruel Sea unterstützen den Sänger Tex Perkins, denn seine ironisch und extrem lustigen Bühneneinlagen führten zusammen mit seiner wahnsinnig prägnanten Stimme zu einer deutlichen Präsenz auf den Brettern dieser Welt.
Die Stimmung innerhalb der Band schien, wie es sich für eine richtige Rockband gehört, eher leicht gereizt. Tex Perkins und Gründungsmitglied Spencer P. Jones interagierten zwar gewohnt harmonisch, Bassist Brain Hopper schien jedoch Probleme mit dem Sound und anderen Bandmitgliedern zu haben. Auch Drummer Tony Pola hing zeitweise dem Beat etwas hinterher. Bei dieser Art des Ausdrucksrocks sollte das aber auch zeitweise so sein.
Die geniale Komposition Drop Out des alten Beasts Of Bourbon Schlagzeugers James Baker wurde eben diesen und dem anderen relevanten Exmitstreiter Kim Salmon gewidmet und war sicherlich mit dem Hound Dog Taylor Song Let’s Get Funky einer der Höherpunkte des Abends.
Die Gitarrensaiten wechselt die Band noch selber und auch der gesamte Abend wurde an den selben abgerockten Instrumenten und ohne Roadies bestritten. Die Band steigert sich immer mehr zum Ende des Konzertes hin und musste für zwei Zugaben wieder zurück kommen, bevor nach dem Schlusssong des neuen Albums Thanks nichts mehr ging.
Das Publikum bildete eher einen Gegenpol zu dieser mehr oder minder frischen Band. Die Menschen im Zuschauerraum waren zwar zum Ende hin immer euphorischer bei der Sache, der unbeteiligte Beobachter musste jedoch schnell feststellen, dass ein Generationswechsel im schlechten Sinne an diesem Abend stattgefunden hatte. Bestimmte Rockveranstaltungen scheinen nicht für generationsübergreifenden Fangemeinden gemacht zu sein. Leicht tragisch nur, wenn die Musik und deren Musiker im krassen Gegensatz dazu stehen. Das wahrgenommene Auftreten des Publikums der Columbiahalle hatte dann jedoch teilweise einen nervenden und konservativen Unterton und war symptomatisch für die anwesende geistig überalterte Kreuzberger Rockcommunity.
Dies Beasts Of Bourbon waren zwar eine zeitlang nicht wirklich aktiv, aber auch nie richtig aufgelöst und Rockgeschichte. Dieser Abend machte das wieder unmissverständlich klar. Wie gewohnt beschien das Konzert die rockige Seite der Australier. Die oftmals besseren Countrysongs blieben bei so einem Liveansatz größtenteils verständlicher Weise im Vinyl stecken. Hoffentlich geht es mit dieser Band trotzdem immer auf Platte und auf der Bühne so weiter.
Setlist (aus der Erinnerung nieder geschrieben und keine Garantie oder Anspruch auf Vollständigkeit und korrekter Chronologie):
1. The Low Road
2. Just Right
3. I Don’t Care About Nothing Anymore
4. I’m Gone
5. I Told You So
6. Hard, Straight & Long
7. Chase The Dragon
8. Bad Revisited
9. Little Animals
10. Master And Slave
11. Finger Lickin’
12. Driva Man
13. Too Much Too Late
14. Drop Out
15. Hard For You
16. Saturated
17. New Day Of The Dead
18. Let’s Get Funky
19. Thanks
Video zum Song I Don’t Care About Nothing Anymore vom neuen Album Little Animals:
Verfasst von Jens Kupillas
Verfasst von Jens Kupillas
Verfasst von Jens Kupillas