Die Band Modest Mouse um den Sänger und Gitarristen Isaac Brock hat sicherlich die kommerzielle und mediale Anerkennung verdient, welche sie gerade in der Öffentlichkeit erhält. Gegründet im Jahre 1993 veröffentlichen die Musiker aus Issaquah, einer Stadt im US-Staat Washington, seit 1996 stetig solide Indie-Platten auf fast unzählig vielen Labels, vom Indielabel K-Records bis hin zum Majorgiganten Epic Records. Am 7.6.2006 spielte diese Band im Fritz Club im Berliner Postbahnhof.
Das Konzert war wie zu erwarten frühzeitig ausverkauft. Das letzte Album vom Frühjahr diesen Jahres We Were Dead Before The Ship Even Sank war überraschender Weise auf Platz 1 in die Billboard Charts eingestiegen. Außerdem war jetzt der Publikumgarant und The Smith Gitarrist Johnny Marr mit von der Partie.
Das Publikum feierte dann zurückhaltend euphorisch bei gefühlten 60 Grad und 98 Prozent Luftfeuchtigkeit die überwiegend sechsköpfige Band. Songs wurden meistens durch Begeisterungsrufe der vorderen Reihen gefeiert und frühzeitig erkannt, auf aggressives Rumgepoge oder gar Stagediving wurde erfreulicher Weise überwiegend verzichtet.
Positiv fiel relativ schnell die Instrumentierung auf. Mit zwei Schlagzeugern, von denen sich ein Drummer eher auf Perkussion beschränkt, Keyboards und akustischen Instrumenten (Kontrabass, Akkordeon, etc.) wurde ein Sound erzielt der von gängigen Rockstandards abwich. Zeitweise durfte sogar ein vermeintlicher Roadie mitspielen. Bis auf die Drummer, sowie Marr und Brock an den edelsten Klampfen, rotierte das Instrumentenkarussell auch stetig. Die Bassläufe waren aber trotzdem meistens die heimlichen Highlights des Abends.
Besonders einschüchternd war das Erscheinungsbild des Noel Gallagher Vorbilds Marr. Sein drahtiges Äußeres lies keineswegs auf einen 43jährigen Musiker, sondern eher auf einen Ende 20jährigen Studenten schließen. Seine Gitarrenmelodieläufe orientierten sich dann auch nicht an vergangenen Tagen, sondern spielten zeitlose ohrwurmartige Gitarrenläufe, welche teilweise an David Bowie Platten der Berliner Zeit erinnerten.
Hollywoodstar Susan Sarandon im Trainingsanzug an der Bar schien dies zu gefallen, auch wenn sich der Gesang aus dem Soundbrei nicht wirklich hervorhebt. Dafür sang aber Marr ungewöhnlich präzise seine Backvocals.
Das Konzert irritiert jedoch in einer Hinsicht. Auf der Bühne waren äußerst fähige und sympathische Musiker am Werke. Der Sound war im Postbahnhof nicht wirklich schlecht und man freute sich tendenziell über jeden weiteren Song. Die Arrangements waren gut und die Setlist auch ausgewogen zusammengestellt. Der Funke sprang jedoch nicht wirklich über und man hatte nach dem Konzert das leichte Gefühl zwar ein solides, aber doch auch etwas belangloses Ereignis erlebt zu haben. Vielleicht war ich aber für so einen Event auch nur nicht spirituell bereit.
Zwei Tage später wird bekannt das Sänger Brock bei einem Überfall im Gesicht verletzt worden ist und weitere Konzerte ausfallen müssen. Die Karten behalten ihre Gültigkeit und Nachholtermine sollen so schnell wie möglich angekündigt werden. Gute Besserung.
Fotos vom Konzert gibt es hier.
Nachtrag: Nachholtermine sind jetzt angekündigt worden:
03.07. Köln – Live Music Hall
04.07. Frankfurt – Batschkapp
Hier ein Ausschnitt vom Berliner Konzert, wo Isaac zu der Publikumsfrage nach seinem rotem Auge Stellung nimmt:
Video zu der neuen Modest Mouse Single Dashboard: