Am vorletzten Samstag ist in Australien das neue Beasts Of Bourbon Album Little Animals erschienen. Obwohl die neuen Songs und Videos auf deren My Space Seite viel Gutes versprechen ist die CD oder gar LP hier in Europa nicht so einfach und zeitnah zu bekommen.
Deswegen habe ich mir erstmal als Placebomedikament die noch relativ neue DVD Low Life In Spain von dem spanischen Label Munster Records zu Gemüte geführt.
Aufgezeichnet wurde das Konzert am 21.4.2006 im Copernico Club in Madrid im Rahmen der BOB „Reuuniontour“ (wenn man bei einer so sporadisch aktiven und nie wirklich aufgelösten Band davon reden kann) mit vier Kameras und einem Multitrack Audiorecordingsystem. Diese DVD bietet also die perfekte Ergänzung zu der gleichnamigen Live CD, welche im Jahre 2003 im weltberühmten Tote Hotel in Melbourne aufgenommen wurde.
Die filmtechnische Umsetzung der DVD ist leider trotzdem nicht wirklich die Beste. So etwas ist mir aber in der Regel bei Konzertmitschnitten auch nicht so wichtig. Gitarrist und Tex Perkins Wegbegleiter Charlie Owen bekommt der Zuschauer jedoch proportional relativ wenig zu Gesicht. Es könnte fast der Eindruck entstehen, als wollten die Macher das Fehlen von Gründungsmitglied, Sympathieträger und Rhytmussection Lieferant Kim Salmon (Bassmann und Drummer der BOB waren fast immer identisch mit denen von Salmons jeweiligen Hauptbands) vertuschen. Der war zwar seit dem großartigen und letzten 1997er BOB Studioalbum Gone schon ohne nennenswerte negative Konsequenzen für den Sound der Band nicht mehr mit von der Partie, fehlt mir aber irgendwie trotzdem zum vollständigen visuellen BOB Erscheinungsbild.
Wer MTV Standards an Technik, Schnitt und Performance erwartet war bei dieser Band zum Glück schon immer an der falschen Adresse. Die Größe des Copernico Club machen wilde Kamerafahrten auch gar nicht erst möglich. Mit Beginn des Konzertes kann man jedoch sich den Gedanken nicht verwehren hier spielt eine solide, aber etwas schlaffe Alt-Herren-Pub-Band, anstatt eine der größten Bluesrockbands der letzten Jahrzehnte. Dies mag an der zu Beginn hellen Bühnenbeleuchtung, dem etwas steifen Publikum oder gar an dem fortgeschrittenen Alter der Protagonisten liegen.
Obwohl, Sänger Tex Perkins merkt man weder stimmlich noch äußerlich die vergangen Jahren wirklich an. Auch Bassist und ehemaliges Surrealists Mitglied Brain Hopper hat sich gut gehalten. Der Rest der Band, angeführt von Urmitglied Spencer P. Jones und seinem diabolischen Grinsen, zelebrieren das Altern in Würde der Traditionsmarke Rolling Stones.
Spätestens ab dem Kracher „Make ‘em Cry“ vom Album Gone senkt sich jedoch auch das Licht und die Stimmung hebt merklich an. Mehrfach Spielfehler und Tempoprobleme sind eher sympathisch als das sie ernsthaft stören würden.
Die BOB spielen im Laufe des Abends ein Best Off Set ihres tendenziell späteren musikalischen Schaffens. Vom nostalgischen Opener und Titeltrack ihres von vielen Fans als ihr bestes Werk bezeichneten 1991er Album „The Low Road“, über die inoffizielle Würdigungshymne „Bad Revisited“ für den ehemals besten Klub Hannovers und dem einzigen gelungenen AC/DC Cover von „Ride On“, bis hin zu Swamp Rock Klassikern wie „Just Right“ oder „Black Milk“ und der grandiosen Hound Dog Taylor Interpretation „Let’s Get Funky“. Sogar die Underdog Hymne „Drop Out“, geschrieben vom ehemaligen BOB Drummer und Australienrocklegende James Baker intoniert die Band wie eh und je eindrucksvoll.
Leider vermisse ich etwas neue Songs oder wenigstens eine neue Herangehensweise an altes Material. Wäre diese DVD vor 10 Jahren erschienen könnte man sie sicherlich als solide Momentaufnahme einer großenartigen Band bezeichnen. In Anbetracht der verstrichenen Zeit hätte sicher mehr passieren können.
Aber die BOB waren schon immer zuviel Spaßprojekt von erstaunlichen Musikindividualisten, als das sie sich um solche intellektuellen Musikanalysen scheren würden. Es ist trotzdem erfreulich und wichtig dass sie zurück sind. Und neue Songs scheint es nun doch zu geben, welche auch immerhin für ein komplettes Album reichen. Dann ist ein erneuter Livemitschnitt auch bestimmt gleich doppelt so spannend und hoffentlich auch bald fällig. Für Juni 2007 ist erst mal eine kleine Tour in Australien angekündigt.
Trailer der Beasts Of Bourbon DVD Low Life In Spain:
Verfasst von Jens Kupillas
Verfasst von Jens Kupillas
Verfasst von Jens Kupillas