Seit über 20 Jahren ist sie nur sporadisch musikalisch aktiv. Die amerikanische Singer/Songschreiberin Cindy Lee Berryhill ist jedoch weit mehr als nur ein musikalischer Geheimtipp. Anfang der 1980er Jahre rutschte sie zufällig von der Punk in die Anti-Folk Szene. Ihr zweites Album wurde dann sogar von Patti Smith Gitarrist und Suzanne Vega Produzent Lenny Kaye in New York produziert.
Mit ihrem nächsten Werk Garage Orchestra wagte sich die kalifornische Sängerin im Jahre 1994 (mit Unterstützung von Mitglieder von San Diego Symphony und dem Harry Partch Ensemble) auf orchestrale Instrumentierungspfade.
Das 1996er Nachfolgealbum vereinte dann Folksongwriting mit einer breiten Instrumentenauswahl. Diesen Februar erschien nun nach elf Jahren (abgesehen von der 1999er Live CD „Living Room 16″) auf dem kleinen aber sehr feinen in San Diego beheimateten Label Populuxe Records das neue Album der Lebensgefährtin des Chef-Dylanologen Paul Williams.
Gratisdownloads im erdigen Soundgewand gibt es auf der Künstler- und auf der Labelseite. Hoffentlich ist die CD auch bald in Deutschland erhältlich, denn humorvolle Textzeilen wie „When did Jesus become a Republican. I thought he was a poor man’s friend“ wecken beim strapazierten Ohrenschmalz die Lust nach mehr. Dann würde sich auch zeigen ob das Album mehr bietet als nur amüsante Amerikaansichten einer liberalen Sängerin.
Unter Experten herrscht schon länger Unklarheit darüber wer als der größte Outlaw der Countrymusik zu betrachten ist. Einige schwören darauf das legendäre Musiker wie David Allen Coe, Hank Williams Jr. oder Tompall Glaser die größten Verdienste auf diesem Gebiet vorzuweisen haben. Manche lassen in Punkto musikalischer Gesetzlosigkeit nichts auf die alten Helden Hank Williams Sn. oder Jimmy Rodgers kommen. Andere behaupten sogar das die Highwaymen Johnny Cash, Willie Nelson oder Kris Kristofferson wichtige Maßstäbe auf diesem Gebiet gesetzt hätten. Der Highwayman Waylon Jennings ist jedoch sicher einer der heißesten Anwärter auf diesen Titel.
Eindrucksvoll ist der Moment wo es Johnny Cash bei einem seiner letzten TV Interviews in der Larry King Show im November 2002 die Sprache verschlägt und ihm die Tränen in den Augen stehen. Larry King hatte ihn nach dem kürzlich verstorbenen Waylon Jennings gefragt. Immerhin wohnten Cash und Jennings in den späten 1960er Jahren kurzzeitig in einer Wohnung in Nashville zusammen (im bekannten Film „Walk The Line“ spielt Waylons Sohn Shooter in dieser Szene seinen Vater).
Ol’ Waylon war in Texas in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Seine ersten Erfolge feierte er als Bassist von Buddy Holly, mit dem er zusammen auf Tournee war und der auch seine erste Aufnahme „Jole Blon“ produzierte. Als er sich Waylon dann auf der Tour von Buddy Holly mit den Worten verabschiedete „I hope your ole plane crashes“ um seinen Platz im Flugzeug dem kranken Kollegen J.P. Richardson zu überlassen und selber alleine die anstrengende Fahrt im Bus anzutreten, erwies sich dies als Prophezeiung. Das Flugzeug stützte ab und Holly und seine Mitstreiter starben an diesem Tag der als The Day The Music Died in die Musikgeschichte einging.
Nach diesem Schock begann Waylon wie in seiner Anfangszeit zunächst als Radio DJ zu arbeiten und veröffentlichte wenig später relativ erfolgreiche, jedoch aber auch viele durchschnittliche Soloalben, auf denen er Rock ’n’ Roll, Folk und Country mischte und bis auf das Schlagzeug nur elektrische Instrumente verwendete.
Waylon war gegen Ende der 1960er Jahre schon länger mit den typischen Arbeitsweisen im Musikgeschäft in Nashville unzufrieden gewesen. Die Plattenfirma und Produzenten bestimmten damals welche Lieder gesungen wurden und ließen dem Musiker selber wenig künstlerische Freiheit.
Als jedoch der Arrangeur Danny Davis ohne sein Wissen seine Aufnahmen nachträglich bearbeitete und unter anderem mit Streichern „overdubbte“, platzte Ol’ Waylon der Kragen: Er zog eine Waffe, fuchtelte damit wütend im Studio herum und nahm anschließend im Dezember 1972 Lonesome, On’ry And Mean zusammen mit seiner Tourband und sich selbst als Produzenten unter seinen eigenen Bedingungen auf.
Waylons nächstes von Tompall Glaser (selbst wichtiger Outlaw) produziertes Album Honky Tonk Hereos setzte mit einer Rock ’n’ Roll Attitüde und brillanten Songs von dem texanischen Songschreiber Billi Joe Shaven noch einen oben drauf. Das Ergebnis war ein erdiger, mehr am Livesound orientierter Klang, welcher sich stark von den herkömmlichen Produktionen in Nashville unterschied. Wie schon Johnny Cash zuvor begann Waylon nun weiter Alben aufzunehmen die abgeschlossene Einheiten bildeten und fernab vom gängigen „Ein Hit und neun Füllersongs“ Muster neue Maßstäbe setzten. Waylons nächste Alben The Ramblin’ Man, This Time und Dreaming My Dreams waren ähnlich gut wie die Vorgänger. Das Outlaw Movement hatte damit begonnen. Wer nun der größte Outlaw von Allen ist muss jeder selbst entscheiden und die potentiellen Protagonisten an ihren Taten messen.
Waylon Jennings und Johnny Cash am 25. März 1970 unterhalten sich und singen dann zusammen „The Singing Star’s Queen“:
„There’re only two expressions in Westerns: With a hat and without a hat!“ Marion Michael Morrison hat dies einmal in der Rolle des John Wayne zum italienischen Django Darsteller Franco Nero als humorvoll gemeinten Tipp gesagt. Der auch unter dem Spitznamen „The Duke“ bekannte Wayne beherrschte beide Ausdrucksweisen meisterhaft. Vor genau 100 Jahren wurde diese amerikanische Ikone am 26. Mai 1907 in Iowa geboren.
Wäre ein Krebstod – John Wayne machte seinen jahrzehntelange Zigarettenkonsum (drei bis vier Schachteln täglich) dafür verantwortlich, andere die Dreharbeiten zum Film Der Eroberer (1956), die in einem Atomwaffentestgebiet in Utah stattfanden – im Jahre 1979 nicht dazwischen gekommen, würde er heute einen besonders runden Geburtstag feiern.
Viel zu viel unwichtiges ist schon über John Wayne geschrieben. Von seinen reaktionären politischen Einstellungen über die angeblich homosexuellen Untertöne seiner frühen Filme bis hin zu der an Travestie grenzenden Verkleidung mit Toupet und Cowboyoutfit der späten Jahre. Den Mythos John Wayne kann das alles jedoch niemals diskreditieren.
Über hundert Jahre Soziologieforschung und dessen Vertreter haben es fast geschafft das Böse aus der Welt wegzudiskutieren und vermeintliche gesellschaftliche Umstände für alles Übel verantwortlich zu machen. Das Böse ist aber immer noch da. Deshalb hat jede Zeit Menschen nötig, welche für das Gute nachdrücklich und unabänderlich eintreten. Personen die den aufrechten Gang wagen und intuitiv in der Lage sind Richtig von Falsch zu unterschieden. Echte Helden eben. John Wayne war so ein Held, Michael Morrison vielleicht nicht unbedingt. Herzlichen Glückwunsch und Danke, Duke!
Ein solides neues Album haben die Beasts Of Bourbon Ende April 2007 in Australien auf dem AC/DC Label Albert Productions veröffentlicht. Angeblich in nur zwei Tagen geschrieben und in drei Tagen aufgenommen.
Jetzt kündigt die MySpace Seite der Band direkt im Anschluss ihrer Australientour eine umfangreiche Europatournee an. Den Auftakt machen die Jungs in der Glocksee in Hannover. Hier die Daten. Nicht verpassen!
06.07.2007 Hannover (Cafe Glocksee)
07.07.2007 Dortmund (FZW)
11.07.2007 Ulm (Eden Bar)
12.07.2007 Wien (Szene)
13.07.2007 München (Muffathalle)
14.07.2007 Ebensee (Kino)
15.07.2007 Torino (Spaziale)
16.07.2007 Faenza (Strade Blu)
20.07.2007 Bilbao (Cafe Anztokia)
21.07.2007 Santander (Draga Beach)
22.07.2007 Madrid (Gruta 77)
26.07.2007 London (The Underworld)
27.07.2007 Köln (Yard Club @ Kantine)
29.07.2007 Berlin (Columbia Club)
31.07.2007 Hamburg (Knust)
01.08.2007 Kopenhagen (Vega)
02.08.2007 Halden (Kick Off Party DOTF)
03.08.2007 Halden (Down On The Farm Festival)
04.08.2007 Halden (DOTF Festival – Acoustic Set)
Nicht weniger Musiker können von sich behaupten eine gesamte Musikrichtung selbst kreiert zu haben. Wenn man Bill Monroe schon nicht zugute halten will das er den Bluegrass wirklich alleine erfunden hat, so muss man ihm wenigstens zugestehen das er diese Musiksparte maßgeblich wie kein Anderer geprägt hat.
Als jüngstes von acht Kinder eines Farmerpaares wurde Monroe im westlichen Kentucky schon früh mit einfachen Verhältnissen und dem Tod konfrontiert. Seine Eltern und der Stiefelternersatz „Uncle Pen“ waren gestorben bevor Bill 20 Jahre alt war. Zusammen mit seinem Bruder Charlie begann der Mandolinenspieler als The Monroe Brothers ab Mitte der 1930er Jahre eine erfolgreiche Schallplattenkarriere, welche jedoch 1938 im erbitterten Bruderkrieg kurzzeitig endete.
Schon von Beginn an war es für den niemals unrasiert anzutreffenden Monroe ein wichtiges Anliegen, dass er und seine Band zu jeder Zeit anständig und ordentlich gekleidet waren. Seine sich ab 1939 nennende Band Bill Monroe And His Blue Grass Boys (Bluegrass leitet sich vom „Bluegrass State Kentucky“ und die aufgrund des nährstoffreichen Bodens blaugrünen Blätter der dort verbreiteten Grasart Poa pratensis ab) kleideten sich oft in Reitklamotten und trugen dazu fast immer einen stattlichen Hut.
Mit einer beschleunigten String-Band Version von dem Jimmy Rodgers Song „Mule Skinner Blues“ gelang Bill Monroe And His Blue Grass Boys im Jahre 1940 ein erster Riesenerfolg. Bei der Audition für die Grand Ole Opry liefert der Song der Band einen „Job for Life“ in dem schon damals legendären Etablissement.
Mit Flatt & Scruggs, Chubby Wise an der Fiddle und Howard Watts (a. k. a. „Cedric Rainwater“) am Bass war schon Mitte der 1940er das klassische Lineup der Blue Grass Boys perfekt. Es folgten viele Jahrzehnte des erfolgreichen Musikzierens, u. a. zusammen mit so bekannten Größen wie Jimmy Martin, Sonny Osborne, Carter Stanley oder Kenny Baker.
Trotz eines der größten Blue Grass Dogmen, dem Musizieren mit akustischen Instrumenten ohne eigentliche Rhythmuseinheiten wie Schlagzeug, Perkussion oder gar Blechbläsern, hat diese Musik und gerade die von Bill Monroe im Besonderen eine ungewöhnliche Energie, Drive und Rhythmus. Der Großteil der aktuellen Bands mit „Groove“, „Tightness“ und „Funk“ auf der Fahne reichen daran heute nicht mal ansatzweise heran. Das rührt nicht zuletzt daher, weil mit Musikern wie unter anderem Scruggs und nicht zuletzt Monroe selber, absolute Virtuosen an den Instrumenten zu Gange waren.
Bill Monroe trat bis in die 1990er Jahre mit seiner Band Live und im Tonstudio in Erscheinung. Bei den Blue Grass Boys spielten über die Jahrzehnte verteilt über 150 Musiker mit. Selbstverständlich immer 100 Prozent korrekt gekleidet.
Linkshändler sollen ja angeblich allesamt potentielle Genies sein. Bei prominenten Beispielen der Popmusikgeschichte wie Paul „Macca“ McCartney, Jimi Hendrix oder Kurt Cobain scheint dies ja auch halbwegs zuzutreffen. Das beste Beispiel ist jedoch der Fast-2-Meter-Mann Albert King, welcher zusammen mit BB King und Freddie King das Blues Triumvirat der herrschenden E-Gitarren Könige bildet.
It’s A Long Way To The Top (If You Wanna Rock ‘N’ Roll) sangen die heiligen AC/DC schon. Albert King wusste bereits fast 40 Jahre vorher einen Blues über diese Thematik zu singen. Auf Plantagen in Mississippi und Arkansas groß geworden begann er schon als Kind auf aus Zigarrenkisten selbstgebauten Gitarren zu spielen. Später konnte er sich dann keine wirkliche Linkhändlergitarre leisten und spielte deswegen „normale“ Instrumente verkehrt herum. Das hatte zur Folge, dass die dünnen Seiten bei Albert Kings Gitarren dann oben waren. Diesen Umstand verdankt jedoch die Welt den einzigartigen Gitarrenstil des auch als „The Velvet Bulldozer“ bekannten Musikers. Denn wenn ein rechtshändiger Gitarrist die hohen Saiten noch oben zieht, zog sie Albert King analog dazu nach unten und dies hörte sich anderes an.
Anfang der 1950er Jahre durfte King dann auch mit Jimmy Reed in einer Band spielen, leider nur als Drummer. Eine erste Solosingle im Jahre 1953 für das Label Parrott interessiert dann kaum jemanden, was zur Folge hatte das Albert King nach St. Louis zog und erstmal nur noch in seiner Freizeit vor sich hin klampfte.
Erst Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre nahm der Gitarrist wieder einige Singles für die Plattenfirma Bobbin auf, die teilweise von Ike Turner produziert wurden und sich relativ erfolgreich verkauften. Zu dieser Zeit begann Albert King auch seine bekannte Gitarre Lucy, ein Instrument aus der damals noch neuen Serie der Firma Gibson mit dem Namen Flying V, zu spielen. Dieses Modell wurde viele Jahre später von Mettalisten wie den Scorpions oder Metallica erfolgreich zweckentfremdet.
Seine Gitarre stimmte King in der Regal vier Halbtöne nach unten und schlug die Saiten wie damals unter Bluesmusikern oft üblich von Hand anstatt mit Hilfe eines Plektrums an.
Mit 42 Jahren begann der Musiker im Jahre 1966 für die eher als Soul Label bekannte und in Memphis beheimatete Firma Stax aufzunehmen. Zusammen mit seiner neuen Begleitband Booker T & The MG’s (später wurden Teile davon als Begleitmusiker der Blues Brothers degradiert) produzierte King in den folgenden Jahren bis 1974 viele Hits und trat oft Live (u. a. mit Jimi Hendrix) auf. Erst ein Herzinfarkt konnte die noch bis ins hohe Lebensalter aktive Musikerkarriere 1992 stoppen. Ohne seinen Gitarrenstil wären Musiker wie Jimi Hendrix, Eric Clapton oder Stevie Ray Vaughan so nicht möglich gewesen.
Ravi Shankar Tochter Norah Jones hat mit Johnny Cash eine breite Fanbasis gemeinsam, welche sich quer durch alle Bevölkerungsgruppen zieht und Menschen erreicht, die nicht unbedingt zu überzeugten Jazz- bzw. Country-Hörern im eigentlichen Sinne zählen.
Mit ihren ersten beiden Alben haarscharf an belangloser Fahrstuhlmusik vorbeimusiziert, intensivierte Mrs. Jones Anfang diesen Jahres offiziell mit ihrem dritten Album die eigene Songschreiberkunst. Das ihre Stärke aber auch auf dem Interpretieren großer Standards liegt, bewies die New Yorkerin unter anderem schon mit ihrer Version des Hank Williams Sn. Klassikers „Cold, Cold Heart“ auf ihrem ersten Album Come Away With Me.
Während der bekannten Johnny Cash Tribut TV Show imponierte Jones mit der Performance von einem von Cashs besten Songs – „Home Of The Blues“ (erhältlich auch auf The Legend of Johnny Cash Vol. 2) – und verwies damit die Auftritte von langjährigen Cashweggefährten wie Willie Nelson oder Hank Williams Jr. auf ihre Plätze.
Schon blöd wenn man wie Timothy Treadwell 13 Sommer lang im Katmai-Nationalpark in Alaska immer wieder mit Bären abhängt und dann am Ende als Dank trotzdem von den Viechern gefressen wird. Der Ausnahmeregisseur Werner Herzog machte unter anderen aus den von Treadwell mit einer Videokamera gedrehten über 100 Stunden langen Amateuraufnahmen im Jahre 2005 den wunderbaren Dokumentarfilm Grizzly Man.
Wenig später, im Januar 2006, rettete Herzog nach einem Autounfall in den Hollywood Hills das Leben von Johnny Cash Darsteller Joaquin Phoenix. Timothy Treadwell und seine Freundin konnte der durch seine Zusammenarbeit mit Klaus Kinski bekannt gewordene Regisseur leider nicht mehr retten. Die waren bereits im Oktober 2003 von Grizzlybären in Alaska getötet worden.
Neben der irrwitzigen Geschichte um den egozentrischen Freak Treadwell ist jedoch die Filmmusik von Fairport Convention Mitstreiter Richard Thompson ein wichtiger Bestandteil des Films.
Ähnlich wie Neil Young bei seinem großartigen Soundtrack zu dem Jim Jarmusch Western Dead Man konzentriert sich auch Thompson mehr auf eine die Atmosphäre der jeweiligen Szenen unterstützenden Gitarrenarbeit, als auf traditionell folkiges Songwriting.
Unterstützt wird der als Folkmusiker bekannt gewordene Engländer in den lauteren Passagen zeitweilig von Henry Kaiser und Sonic Youth/Wilco Mitarbeiter Jim O’Rourke.
Insgesamt gesehen ist der Film ein sehr interessantes Projekt und der eindrucksvolle Beweis das Werner Herzog viele Jahre nach dem Ende seiner Partnerschaft mit Kinski noch immer gute Filme macht. Zwei neue Werke hat er übrigens seit Grizzly Man schon wieder fertig gestellt.
Das Virgin Oberfreak Sir Richard Branson einen guten Riecher für interessante Projekte hat ist bekannt. Das Buch The BB King Treasures durch Virgin Books im Jahre 2005 in England veröffentlicht ist jedoch ein ganz besonderer Schatz. Im Stile des bekannten The Bob Dylan Scrapbooks anlässlich des 80. Geburtstag des Blues Boys erschienen, findet so diese Blues Schatzkiste nun auch über Umwege ihren Weg in die BRD.
In den USA durch die Bulfinch Press in die Bücherregale der Musikinteressierten gelangt, ist dieses von Dick Watermann zusammengestellte Buch durch die direkte Mithilfe von BB King persönlich entstanden.
Das besondere daran ist, dass es sich dabei nicht um einen normalen Bildband oder um eine klassische Biografie handelt, sondern eine mit sehr viele Liebe und seltenen Anekdoten aufgemachte Anthologie. Unveröffentlichtes Archivmaterial, originalgetreue, herausnehmbare Reproduktionen seltener Dokumente und eine Audio-CD mit King-Interviews und zwei bisher unveröffentlichten Songs (einer von BBs erster Aufnahmesession für ABC Records im Jahre 1962 und einer von einer Studiosession in London im Jahre 1971) sind genauso in diesem DIN A4 Bildband zu finden wie rare Fotos, Booklets mit Bildserien, alte Tourplakate und sorgfältig faksimilierten Originaldokumente aus dem Privatarchiv der Legende.
Auch die redaktionellen Beiträge, besonders über die Herkunft und Anfangszeit von BB King mit Statements überwiegend vom Protagonisten selber, jedoch auch von popkulturellen Größen wie Peter Guralnick, sind sehr gut gelungen. Einer meiner Lieblingsbilder ist neben den alten Plattencovern und Liveportraits ein Foto, wo BB King lächelnd Arm in Arm mit der Sängerin Claudia Marie Ivory Jackson und einem erfreuten Elvis A. Presley zu sehen ist.
Dieses Buch wird sich sicherlich zu dem Standardwerk über BB King etablieren. Eine wahre Schatzkiste.
B.B. King im Jahre 1968 in der legendären Ralph Gleason TV Sendung Jazz Casual:
Die Exzesse der letzten Zeit von dekadenten Rich-Kids à la Britney Spears, Robbie Williams oder Pete Doherty muten relativ harmlos gegen das Ausflippen eines gewissen George Jones an.
Der Countrysänger, auch besser bekannt unter dem Namen „The Possum“, gab sich dem maßlosen Suff, sinnlosem Randalieren und cholerischen Anfällen schon hemmungslos hin, als selbst der legendäre Keith Richards noch stocknüchtern mit einem Knabenchor klassische Stücke aufführte. Die aus endlosen Drogentouren resultierenden Showabsagen brachten Jones auch das Attribut „No Show Jones“ ein.
Das Erstaunliche ist jedoch das „The Possum“ im Gegensatz zu labilen Pechvögeln wie Jimi Hendrix oder Keith Moon die Eskapaden überlebte und heute unbeeindruckt musikalisch weiter macht. Die alte Schule war anscheinend doch von einem anderem Schlage als nochfolgende Musikergenerationen. Oder sollte es im Falle von George Jones einfach nur Glück gewesen sein?
No Show Jones wird mal wieder wegen Trunkenheit verhaftet. Die Kamera war zufälligerweise mit dabei: