Joe Bussard ist ein Sammler und Suchender im positiven Sinne. Ohne die über 25.000 Exemplare von 78-rpm Platten umfassenden Sammlung des fast 71jährigen, wären wichtige amerikanische Kulturgüter wahrscheinlich für immer auf dem Grunde des Mississippis verloren gegangen.
Zum Glück sucht und archiviert Bussard seit den frühen 1950er Jahren die kostbaren, runden und nicht selten einzigartigen Tondokumente im Keller seines Hauses in Frederick im US „Border State“ Maryland. Für einige Wiederveröffentlichungen von Reissue Labels wie Yazoo Records waren diese Scheiben in den mächtigen Kelleregalen des Zigarrenliebhabers die einzigste verfügbare Originalquelle.
Clint Eastwood hat einmal die Beiträge der USA zur „Weltkultur“ definiert: Westerns & Jazz. Dies sind auch die Eckpfeiler der musikalischen Aktivitäten von Joe Bussard. Mit dem leidenschaftlichen Herzen eines Musikers, Radiomoderators und Labelinhabers, begibt er sich seit über 50 Jahren auf sogenannte „Fieldtrips“ in die südlichen Regionen der Vereinigten Staaten.
Immer auf der Suche nach in runden Platten eingeritzter amerikanischer Jazz-, Country-, Blues-, Gospel- und Folkmusik der 1920er und 1930er Jahre aus dem Dunstkreis seiner beiden großen Helden; dem „Father Of Delta Blues“ Charley Patton und dem „Singing Brakeman“ Jimmie Rodgers.
Es gibt viele Musiksammler mit extrem vielen Platten, jedoch kaum einer hat wahrscheinlich so viele Gute bei sich zu Hause stehen wie Joe Bussard. Und kaum einer hat sie wahrscheinlich so intensiv und leidenschaftlich in sich aufgesogen wie dieser Mann.
Die Begeisterung Bussards für die kreativste und produktivste Periode in der amerikanischen Tonaufzeichnung geht jedoch einher mit einem Dogmatismus, welcher auf den Betrachter zunächst leicht befremdlich wirkt.
So lehnt er wegen durchaus nachvollziehbaren Gründen, wie z. B. der Einführung von Tonbandmaschinen und der dadurch ermöglichten Technik des „Overdubbings“, jede Art von Tonaufnahmen nach 1950 kategorisch ab. Die Jazzmusik ist in den Augen des Musikkenners bereits schon Mitte der 1930er Jahre für immer gestorben, was die Spätwerke von Duke Ellington oder Count Basie, aber auch das von Bebopern wie Charlie Parker, Dizzy Gillespie oder Thelonious Monk, von vornherein negiert. Eine von seiner pubertierenden Tochter erworbene John Lennon LP endete in den späten 1960er Jahren auch als Frisbeescheibe im Müllcontainer.
In seiner rebellischen Jugend lauschte Bussard schon mal vereinzelt modernen Klängen von Musikern wie Hank Williams Sn, Gene Autry oder Hank Snow. Diese Zeiten sind aber weitäsgehend vorbei. Abgeleitet aus der weltweiten „Gleichschaltung“ der Musikkultur durch Pop- und Rockmusik (laut Bussard), bleibt dem Kenner der musikalischen Vergangenheit keine andere Wahl, als sich in das eigene Universum zurückzuziehen. Für viele Musikfanatiker mag Musik nur ein Hobby sein; für Joe Bussard war und ist es immer ein Fulltimejob.
Und somit ist es im Grunde auch nur folgerichtig, wenn er alle fremde und zerstörerische Elemente konsequent ablehnt und sich nur den puren Originalen widmet. Denn Musik wird wahrscheinlich niemals ehrlicher und direkter sein, als diese in den 1920er Jahren von armen Berufsmusiker, ohne großen technischen Aufwand direkt über ein Mikrophon auf Platte geritzten akustischen Zeichen. Diese wertvollen Signale will Joe Bussard bewahren.
Der Videoausschnitt unten stammt aus der brillianten Joe Bussard Dokumentation Desperate Man Blues. Erhältlich mit etwas Glück auf DVD und dem dazugehörigen fantastischen Soundtrack auf CD.
Auch zu empfehlen sind die Bussard Compilations Down In The Basement und Fonotone Records 1956-1969.
Februar 22, 2009 um 6:10 |
[...] sie aber einen vielfachen Kauf des selben Werkes? Sinnvoll wäre vielleicht sich eher wie Joe Bussard ein Kernarchiv voller akzeptierter Klassiker auf dem hochwertigsten Medium und in der vollendeten [...]