Bert Kaempferts Gitarrist Ladi Geisler wird 80

Februar 16, 2007

Am 27. November diesen Jahres feiert einer der technisch besten und einflussreichsten Gittaristen des Nachkriegsdeutschland seinen 80. Geburtstag. Grund genug für eine kurze Rückschau auf das Leben des „Knackbasserfinders“ Ladi Geisler.
Der in Prag geborene Autodidakt Geisler kam über einen Kriegsgefangenschaftsaufenthaltes in Dänemark im Jahre 1946 nach Deutschland. Die Gitarre nahm er zum ersten Mal im Gefangenenlager im nördlichen Schleswig-Holstein in die Hand. Nach seiner Rückkehr wurde er zu einem der ersten E-Gitarristen Deutschlands, denn seine Gitarre hatte er sich rechtzeitig selbst zusammengelötet.

Die erste musikalische Station Geislers war das von Hamburg aus operierende Horst Wende Trio, dessen Popularität aufgrund eines Engagements für den NWDR recht schnell wuchs. Eine Hamburgerische Kneipenbekanntschaft mit einem damals noch unbekannten Freddy Quinn hatte zur Folge, dass bis Mitte der 1960er Jahre der Gitarrensound auf fast allen Freddy Quinn Platten aus den Händen von Ladi kam.

Durch eine Festanstellung als Musiker beim NDR ab 1955 und der Förderung von James Last, wurde Geisler in den folgenden Jahren zu einem der gefragtesten Session-Gittaristen von Plattenfirmen wie der Polydor, Philips oder Electrola; mit nicht selten über 1500 Aufnahmen pro Jahr! Von Schlager, Rock ‘n’ Roll, Beat, bis Jazz, Unterhaltungsmusik und Easy Listening kann Ladi Geisler fast alles spielen. Aber auch als Studioinhaber („Studio 17″), Livemusiker, Radiomoderator oder Bandleader seines eigenen Trios machte er stets eine gute Figur.

Seinen größten Coup landete Ladi jedoch im Rahmen seiner Zusammenarbeit mit dem Beatles Entdecker, Easy Listening Erfinders, Komponisten (u. a. für Frank Sinatra, Elvis Presley, Freddy Quinn, etc.) und erfolgreichsten deutschen Orchesterleiter nach dem 2. Weltkrieg Bert „Fips“ Kaempfert: Der „Knackbass“.

In der wundervollen Kaempfert Dokumentation Strangers In The Night: The Bert Kaempfert Story von Marc Boettcher demonstriert Ladi eindrucksvoll diese von ihm erfunden Gitarrentechnik, welche seit dem in aller Welt so viele Nachahmer gefunden hatte. Ladi Geisler – Ein ganz Großer der deutschen Musikszene.


The Collins Kids erwecken (Alb-)Träume

Februar 15, 2007

Kinder als Musiker und Rockstars? – Da tauchen vor dem geistigen Auge des Musikkenners gleich potentielle Rotzlöffel wie Kris Kross, die Kelly Family oder gar Tokio Hotel auf. Dies sind jedoch alles wahrlich blutige Amateure im Verhältnis zu The Collins Kids, welche Ende der 1950er die Rockaltersgrenzen zum einstürzen brachten.
Der 1944 geborene Larry Collins war bereits im Alter von 10 Jahren ein wahnsinniger Gitarrenderwisch, welcher wie sein Mentor Joe Maphis dass letzte an Rocklicks aus einer doppelhalsigen Mosritegitarre holte.

Seine zwei Jahre ältere Schwester Lorrie Collins ging als eine der ersten weiblichen Rock And Roll Sängerinneren in die Annalen der Musikgeschichte ein. Zusammen spielten sie als The Collins Kids Rockabillysongs wie „Shake, Rattle And Roll“, „Chantilly Lance“ oder „Hoy Hoy“ und waren regelmäßige, sowie gern gesehene Gäste in erfolgreichen Fernsehshows der 1950er Jahre wie Tex Ritters Town Hall Party oder Ranch Party.

Nach einer Affäre von Lorrie mit dem Teen Idol, Sänger und Schauspieler Ricky Nelson bedeutete ihre Heirat mit dem fast doppelt so alten Johnny Cash Manager Stu Carnall im Jahre 1959 und der Geburt ihres ersten Kindes im Jahre 1961, das unweigerliche Ende der Gruppe. Ihr Bruder Larry schrieb und produzierte in den folgenden Jahrzehnten eine Vielzahl von bekannten Countryhits, darunter das von Tanya Tucker oder Hellen Reddy gesungene „Delta Dawn“. In den Jahren 1993 und 2006 gaben The Collins Kids Reunion Konzerte, diesmal natürlich nicht mehr als Kids, sondern als gestandene Rock(ybilly)stars.


Joe Bussard archiviert nur die Platten-Essenz

Februar 12, 2007

Joe Bussard ist ein Sammler und Suchender im positiven Sinne. Ohne die über 25.000 Exemplare von 78-rpm Platten umfassenden Sammlung des fast 71jährigen, wären wichtige amerikanische Kulturgüter wahrscheinlich für immer auf dem Grunde des Mississippis verloren gegangen.

Zum Glück sucht und archiviert Bussard seit den frühen 1950er Jahren die kostbaren, runden und nicht selten einzigartigen Tondokumente im Keller seines Hauses in Frederick im US „Border State“ Maryland. Für einige Wiederveröffentlichungen von Reissue Labels wie Yazoo Records waren diese Scheiben in den mächtigen Kelleregalen des Zigarrenliebhabers die einzigste verfügbare Originalquelle.

Clint Eastwood hat einmal die Beiträge der USA zur „Weltkultur“ definiert: Westerns & Jazz. Dies sind auch die Eckpfeiler der musikalischen Aktivitäten von Joe Bussard. Mit dem leidenschaftlichen Herzen eines Musikers, Radiomoderators und Labelinhabers, begibt er sich seit über 50 Jahren auf sogenannte „Fieldtrips“ in die südlichen Regionen der Vereinigten Staaten.

Immer auf der Suche nach in runden Platten eingeritzter amerikanischer Jazz-, Country-, Blues-, Gospel- und Folkmusik der 1920er und 1930er Jahre aus dem Dunstkreis seiner beiden großen Helden; dem „Father Of Delta Blues“ Charley Patton und dem „Singing Brakeman“ Jimmie Rodgers.

Es gibt viele Musiksammler mit extrem vielen Platten, jedoch kaum einer hat wahrscheinlich so viele Gute bei sich zu Hause stehen wie Joe Bussard. Und kaum einer hat sie wahrscheinlich so intensiv und leidenschaftlich in sich aufgesogen wie dieser Mann.
Die Begeisterung Bussards für die kreativste und produktivste Periode in der amerikanischen Tonaufzeichnung geht jedoch einher mit einem Dogmatismus, welcher auf den Betrachter zunächst leicht befremdlich wirkt.

So lehnt er wegen durchaus nachvollziehbaren Gründen, wie z. B. der Einführung von Tonbandmaschinen und der dadurch ermöglichten Technik des „Overdubbings“, jede Art von Tonaufnahmen nach 1950 kategorisch ab. Die Jazzmusik ist in den Augen des Musikkenners bereits schon Mitte der 1930er Jahre für immer gestorben, was die Spätwerke von Duke Ellington oder Count Basie, aber auch das von Bebopern wie Charlie Parker, Dizzy Gillespie oder Thelonious Monk, von vornherein negiert. Eine von seiner pubertierenden Tochter erworbene John Lennon LP endete in den späten 1960er Jahren auch als Frisbeescheibe im Müllcontainer.

In seiner rebellischen Jugend lauschte Bussard schon mal vereinzelt modernen Klängen von Musikern wie Hank Williams Sn, Gene Autry oder Hank Snow. Diese Zeiten sind aber weitäsgehend vorbei. Abgeleitet aus der weltweiten „Gleichschaltung“ der Musikkultur durch Pop- und Rockmusik (laut Bussard), bleibt dem Kenner der musikalischen Vergangenheit keine andere Wahl, als sich in das eigene Universum zurückzuziehen. Für viele Musikfanatiker mag Musik nur ein Hobby sein; für Joe Bussard war und ist es immer ein Fulltimejob.

Und somit ist es im Grunde auch nur folgerichtig, wenn er alle fremde und zerstörerische Elemente konsequent ablehnt und sich nur den puren Originalen widmet. Denn Musik wird wahrscheinlich niemals ehrlicher und direkter sein, als diese in den 1920er Jahren von armen Berufsmusiker, ohne großen technischen Aufwand direkt über ein Mikrophon auf Platte geritzten akustischen Zeichen. Diese wertvollen Signale will Joe Bussard bewahren.

Der Videoausschnitt unten stammt aus der brillianten Joe Bussard Dokumentation Desperate Man Blues. Erhältlich mit etwas Glück auf DVD und dem dazugehörigen fantastischen Soundtrack auf CD.
Auch zu empfehlen sind die Bussard Compilations Down In The Basement und Fonotone Records 1956-1969.


Walter Schreifels spricht in Berlin deutsch!

Februar 6, 2007

Außer Dave Grohl und Eric Clapton kann wohl kaum jemand von sich behaupten in mehr als drei musikhistorisch relevanten Bands gespielt zu haben. Bis auf Walter Schreifels, der bei Youth Of Today, den Gorilla Biscuits und Quicksand mit dabei war und in jüngster Zeit mit den Rival Schools und Walking Concert musizierte.

Nun wohnt dieser Mann auch noch freiwillig in Berlin und beackert auf Solopfaden unsere Breitengrade. Zusammen mit Olli Schulz ist er im März in Deutschland unterwegs und wird sicherlich zu diesem Anlass auch einige Hits seiner alten Bands spielen. Hoffentlich auch die Aktivierungshymne meiner Jugend „Start Today“ von den großartigen Gorilla Biscuits (wie unten im Video zu sehen).

Tourdaten:

08.03. Jena – Kassablanca
14.03. Oldenburg – Amadeus
15.03. Osnabrück – Kleine Freiheit
16.03. Köln – Stereo Wonderland
17.03. Konstanz – Kulturladen
18.03. Frankfurt – Cookys


Das neue Johnny Cash Video

Februar 3, 2007

Ja, das neue Johnny Cash Video zu „God’s Gonna Cut You Down“ ist gut gemacht. Der Song ist ein Riesenhit und bestimmt auch einer der Highlights der American Recordings Serie des „Man In Black“. Die überwiegende Mehrheit der im Video auftretenden Stars hatte wahrscheinlich eine persönliche und tiefe Beziehung zu der Legende, welche sich sicher auch über diese Art der posthumen Hommage gefreut hätte.

Ich für meinen Teil kann es jedoch kaum verkraften zu diesem Lied die Visagen von Bono, Justin Timberlake, Tommy Lee oder Chris Martin ertragen zu müssen. Johnny Cash hat sich zum weltweit kleinsten, gemeinsamen Nenner der Unterhaltungsbranche entwickelt (oder war dies wahrscheinlich schon immer). Deswegen wird man wohl in Zukunft seine Musik immer öfter in einem Kontext wahrnehmen, mit der sie ursprünglich nicht so viel zu tun hatte. Zeitlose Kunst nennt man das dann wohl.

Auftretende Personen (in der Reihenfolge des Erscheinens im Video):

# Iggy Pop
# Kanye West
# Chris Martin
# Kris Kristofferson
# Patti Smith
# Terrence Howard
# Flea
# Q-Tip
# Adam Levine
# Chris Rock
# Justin Timberlake
# Kate Moss
# Sir Peter Blake
# Sheryl Crow
# Dennis Hopper
# Woody Harrelson
# Amy Lee
# Tommy Lee
# Dixie Chicks
# Mick Jones
# Sharon Stone
# Bono
# Shelby Lynne
# Anthony Kiedis
# Travis Barker
# Lisa Marie Presley
# Kid Rock
# Jay Z
# Keith Richards
# Billy Gibbons
# Corinne Bailey Rae
# Johnny Depp
# Graham Nash
# Brian Wilson
# Rick Rubin
# Owen Wilson