Die letzten Plattenläden von Hannover

25
Hannover Rock City: Trotz CeBIT, Expo 2000, Erstligaverein, den Scorpions, gescheiterten Präsidenten und Kanzlern – die Leine-Stadt bleibt eine Provinz-Metropole und müsste sich eigentlich nicht mit Disney-Ländern wie Hamburg oder Berlin vergleichen. Im Verhältnis zu den ähnlich großen Ballungszentren Stuttgart oder Nürnberg wird jedoch schnell klar: Hannover muss sich vor diesen Städten nicht verstecken – schon gar nicht in Bezug auf Plattenläden.

Auch wenn glorreiche Tonträgergeschäfte wie Musicland, Boots, Die Schallplatte, Can, Blue Note, Pop-Center, Govi, Phonac, Heimann oder Powerhouse nicht mehr existieren – die niedersächsische Hauptstadt ist immer wieder einen “Digging-Trip” wert. Auch die Flohmärkte Leineufer und Lagenhagen sowie die Plattenbörsen können in diesem Bereich hilfreich sein. Im Folgenden habe ich zu einigen Plattenläden in Hannover meine zutiefst subjektiven Einschätzungen aufgelistet.

25 Music
25 Music in der Lister Meile war irgendwie schon immer da. Früher befand sich das Geschäft im Hinterhof – vor einigen Jahren wurde dann mit dem Umzug in die heiligen Hallen des ehemaligen Flitz-Sport-Skatboardladens der Sprung in die ersten Reihe vollzogen. Die Musikinstrumenten und -equipmentabteilung musste dabei leider dran glauben.
Vorne ist nun die Auswahl an CDs und Musik-Büchern groß – im Hinterraum dreht sich alles ums Vinyl. Und das ist mittlerweile im so großen Stil eingekauft worden, dass selbst Millionenstadtdigger neidisch werden könnten. Auch Neuware ist umfangreich vorhanden.
Legendär sind die Rudi Keuntjes Konzertfotos von berühmten Musikern wie Nirvana oder Elastica die auch heute noch – trotz Abwesenheit des Fotografen – an den Wänden hängen. Sicherlich mittlerweile die erste Adresse für den Instant-Musikkauf in Hannover.
Lister Meile 25
30161 Hannover

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Qype

Dithmar’s – Das etwas andere Kaufhaus
Das Original. Ein ganzes Haus in der List voll mit Krams. Wer hier her findet, der bleibt erst einmal. Ganz hinten gibt es auch viele Platten aus diversen Wohnungsauflösungen. Vielleicht ist eine Rarität dabei? Wer sich durchwühlt, der gewinnt. Manchmal.
In der Steinriede 7
30161 Hannover

Qype

Monster Records
Direkt im Herzen von Hannover – gelegen an einem der meist frequentierten Verkehrsknotenpunkte der niedersächsischen Motor-Stadt. Zwei Häuser weiter wohnte und experimentierte der Erfinder der Schallplatte. Also historisch gesehen kein schlechter Ort für ein Vinyl-Geschäft mit zwei Zimmern.
Der Schwerpunkt liegt auf Punk/Hardcore/Indie und Artverwandten zu fairen Preisen. Obwohl die 11-Toes-LP Pinch mit 100 Euro ironisch eher im hochpreisigen Segment angesiedelt wird. Auch erfreulich viele Singles sind vorhanden.
Bei In-Store-Gigs von Punk-Bands aus der anderen Stadt vibrieren gerne schon mal die Wohnungsdecken des gesamten Blockes. Die Öffnungszeiten sollen sich von anderen beruflichen Aktivitäten des Eigentümers ableiten. Da der Laden eher neueren Ursprungs ist: Unbedingt besuchen und überprüfen!
Oeltzenstrasse 1
30167 Hannover

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Hot Shots Records
Spinal Tap lässt grüßen: Hier wird (Classic-)Rock noch groß geschrieben. Doch auch die anderen Musikarten Metal und Blues-Rock haben hier ein Zuhause. Dazu kommt Artverwandtes und Neuerscheinungen. Die ehemaligen Hallen schräg über der Fast-Food-Domäne am Steintor wurden vor langer Zeit mal vom berühmten Musicland beherbergt. Nach elf Jahren Nachnutzung ist Hot Shots Records dann Pfingsten 2013 in die Herschelstrasse fast gegenüber umgezogen.
Der Schwerpunkt liegt auf CDs jedes Alters – doch auch das Vinyl steht noch in soliden Mengen in den gelben Kisten. Viele Boxsets locken von hinter der Kasse. Autogrammstunden und Unplugged-Gigs haben unter anderem schon Künstler wie Carl Carlton, Uli Jon Roth oder Rose Tattoo in das Etablissement gelockt.
Achtung! Nun umgezogen: Jetzt in der legendären Herschelstrasse in einer noch größeren Kathedrale.
Herschelstrasse 32
30159 Hannover

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Hugendubel
Auch hier. Bevor der Taschenrechner gnadenlos zuschlug war das mal Schmorl und von Seefeld.
Bahnhofstrasse 14
30159 Hannover

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Media Markt/Saturn

Mittlerweile auch 104505050mal in Hannover.

Ohrwurm
Früher gab es dort die günstigsten CDs der Welt. Mittlerweile hat sich der Laden etwas vergrößert. Gebrauchte CDs gibt es aber immer noch zu korrekten Preisen. Jede Menge andere Medien auch. Vinyl ist eher nur in Restbeständen anwesend.
Deisterstrasse 32
30449 Hannover

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Rockers
Ewig schon in Hannover-Linden am Start. Zeitweise sogar mit Zweigfiliale in der anderen Stadt. Die Mode-Klamotten mussten mittlerweile weichen – was dem Vinyl-Plattensortiment sehr gut getan hat.
Konzentriert wird sich hier im wesentlichen auf Punk/Hardcore/Indie. Aber auch Rock, Soul, Reggae, Hip Hop ist vertreten – und die Jazzecke ist neuerdings solide aufgefüllt. Henry Rollins hat dort seine Joy-Division-Platten erstanden. Relevante Filme auf DVD und Blu-ray sowie alte Musik-Bücher und Magazine sind vorhanden. Die Online-Aktivitäten sollten nicht unterschätzt werden.
Weckenstrasse 1
30451 Hannover

In The News: Plastic Bomb

Tonvermittlung
Berliner Allee 56
30175 Hannover

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Zweitausendeins-Shop
Hannoveraner Verkaufsstelle des von Kinowelt aufgekauften “Alt-68er-Versandhandels”. Gegenüber vom Pavillon. Unterbietet vom Preis alles in der realen und sogar digitalen Welt. Allerdings kaum Vinyl. Irgendwie kommt mir das Sortiment hier umfangreicher und besser als in anderen Zweitausendeins-Städten vor.
Friesenstrasse 57
30161 Hannover

Dieser Artikel ist ein kostenloser, nicht kommerzieller Service von Jens Kupillas. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Aktualität oder Objektivität. Druckfehler und Änderungen vorbehalten.

Welcher Typ von Plattensammler sind Sie?


1. Der “Core”-Plattensammler
Für den “Core”-Plattensammler muss jede Schallplatte ein absoluter Knaller sein. Die Sammlung soll das perfekte Abbild der eigenen Person darstellen. Schwachstellen müssen deswegen kontinuierlich ausgemerzt werden.
Dabei kommt es besonders auf die musikalische, klangliche, ästhetische und kommerzielle Qualität an. Alles was nicht den eigenen Ansprüchen – die sich selbstverständlich analog zur Lebenserfahrung “weiterentwickeln” – genügt, wird demonstrativ an den verdutzten Bekanntenkreis verramscht oder unter großer Ankündigung zur nächsten Müllhalde gefahren.
Die Sammlung darf natürlich auch auf keinen Fall ein Ausmaß annehmen, das über das Fassungsvermögen des Ikea-Regals Expedit (ca. 1500 Exemplare) hinaus geht.

2. Der Vinyl-Investor
Dem Vinyl-Investor geht es um eine gute Geldanlage. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten suchen solche wohlhabenden Jungunternehmer oft nach einer Möglichkeit, um ihren finanziellen Überschuss in materielle Gegenwerte umzuwandeln, bevor das Finanzamt ihnen in die Quere kommt.
Wenn der Großteil schon in Gold und Immobilien gesichert wurde: Warum nicht mal etwas Risikokapital in etwas total abgefahrenes wie alte Vinyl-Platten stecken? Das macht die eigene Person interessant im Bekanntenkreis und gibt einem zusätzlich einen leicht rebellischen Anschein. Musik spielt dabei keine Rolle. Es zählt nur allein der Wert.
Solche Investments zahlen sich jedoch so gut wie nie aus, da die als extrem selten und rar angepriesenen Exponate sich in der Regel als total wertlos entpuppen. Doch das ist dem Vinyl-Investor egal. Den Spaß war es wert.

3. Der Kulturarchivar
Wen nicht er, wer dann? Der Kulturarchivar hat ausschließlich hohe und ehrenwerte Ziele. In Zeiten des unreflektierten Kulturverfalls liegt es an ihm, das wertvolle musikalische Erbe der Menschheit zu sichern.
Deswegen sammelt er auch so viele Schallplatten wie er sich gerade noch leisten kann. Oft auch zur Sicherheit mehrere Exemplare pro Ausgabe. Unabhängig von der musikalischen Qualität oder Zustand. Es gilt möglichst viele bald verlorene Schätze für die Ewigkeit zu konservieren.
Der größte Traum des Kulturarchivars ist es, irgendwann in ferner Zukunft von einer wichtigen Institution wegen einer nicht mehr auffindbaren Ausgabe kontaktiert zu werden. Diese hat er dann selbstverständlich auf Lager und stellt sie gnädig zur Verfügung.

4. Der Musikliebhaber
Dem Musikliebhaber geht es ausschließlich um das Hören von guter Musik. Schallplatten kauft er nur wegen den immensen Klangvorteilen. Deswegen sind ihm auch Originalpressungen so wichtig, da natürlich nichts, aber auch gar nichts jemals an den Klang der Erstauflage heran reichen kann.
Auf Sammler und Händler schaut der Musikliebhaber angewidert herab. Für ihn handeln solche Personen ausschließlich aus niedrigen Beweggründen.
Von seinen über 10.000 LPs und 6000 Singles hat er jede ausgiebig studiert und analysiert. Trotzdem stehen immer noch viele Neueingänge ungehört in der Ecke seines Musikzimmers. Das ist ihm dann vor anwesenden Gästen immer hochgradig peinlich.

5. Der Plattenspezialist
Am Anfang stand die Erkenntnis: Man kann nicht alle erschienenen Schallplatten erwerben. Unmöglich. Wenn man sich jedoch auf eine kleine Nische konzentriert, kann man dort in einer Lebensspanne eventuell vorzeigbare Ergebnisse erzielen.
Dieser Bereich wird in der Regel schon in der frühsten Jugend des Plattenspezialisten vordefiniert. Die Möglichkeiten sind vielfältig: Ein seltenes Label, eine längst vergessende Musikrichtung, das umfangreiche Werk eines einzelnen Künstlers: Je ausgefallener, desto besser.
Besonders clevere Vertreter dieser Art spezialisieren sich auf ein ausgestorbenes Medium wie Schellackplatten oder 8-Tracks. Die natürlichen Feinde des Plattenspezialisten sind Komplettausgaben, Reissue-Label und das Internet.

6. Der Plattenkommunikator
Schallplatten sind für den Plattenkommunikator nur ein Mittel zum Zweck. Und zwar um das Haus verlassen zu dürfen, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und um sich selbst möglichst häufig darzustellen. Denn nur im Dialog mit Anderen lernt er sich selber wirklich kennen und schätzen.
Deswegen redet der Plattenkommunikator auch ununterbrochen. Meistens über sich selber oder über seine wenigen Platten, welche in diesem Fall nur einen “MacGuffin” darstellen.
Diese Spezi hat naturgemäß wenig Ahnung von Musik im Allgemeinen oder von Schallplatten im Besonderen. Sie ist vor allem für Plattenhändler der größtmöglich anzunehmende Alptraum.

7. Der Plattenreaktionär
In einer fernen Vergangenheit kosteten Schallplatten einmal zehn Deutsche Mark. Das sind umgerechnet etwa fünf Euro. Mehr gibt der Plattenreaktionär auch heute nicht für Platten aus. Aus Prinzip und um gegen die fortschreitende Kapitalisierung aller Lebensbereiche zu demonstrieren.
Das aktuelle Preisniveau, die finanzielle Situation des Verkäufers oder gar die gestiegenen Lebenshaltungskosten interessieren ihn dabei ebenso wenig wie die Qualität seiner eigenen Sammlung. Deswegen kann man Plattenreaktionäre überwiegend beim Wühlen in 1-Euro-Kisten (bei jeder Wetterlage) oder beim Verhandeln mit genervten Verkäufern um niedrige Cent-Beträge beobachten.

8. Der Plattensammler
Für den Plattensammler haben Schallplatten den großen Nachteil, dass man sie auch hören kann. Diese Tatsache belastet ihn unheimlich stark. Denn während der Briefmarkensammler Erwerbungen schnell und unkompliziert weg sortieren kann, hat der Plattensammler immer einen großen Stapel an Neueingängen vor seinen Ohren stehen.
Wirkliche Plattensammler sind auch immer Komplettisten. Jedes noch so unwichtige Lebenszeichen eines Musikers wird archiviert. Unabhängig von dessen Qualität.
Symptome die bei Plattensammlern auftreten ähneln denen von Suchtkranken. Plattensammler bleibt man, wie auch Alkoholiker, ein Leben lang.

9. Die Plattenpackratte
Plattenpackratten kaufen alles was ihnen unter die Finger kommt. Hauptsache schwarz, rund und mit einem Loch in der Mitte. Auch hier spielt Qualität keine Rolle. Hauptsache viel und billig.
Es gibt oft Überschneidungen zu anderen exzessiven Verhaltensarten wie Drogenkonsum, Arbeitsverweigerung oder mangelnde Körperhygiene. Wohnungen von Plattenpackratten ähneln denen von normalen Messies, nur muss für die Entrümpelung nach deren Ableben mehr ausgegeben werden.

10. Der Plattenhändler
Der Plattenhändler ist der natürliche Feind eines jeden Plattenkäufers. Er verachtet den Kunden und der Kunde verachtet ihn. Die gesamte Musikindustrie ist seit Beginn von dieser Dualität geprägt.
Jeder Plattenhändler war, bevor er aus Mangel an Alternativen zum Händler aufstieg, selbst einmal ein Plattensammler. Jetzt hat er für diese untere Evolutionsstufe nur noch Verachtung über. Dies wird in der Regel mit dogmatischen Phrasen wie “Was willst Du?” quotiert.
Trotzdem widerfahren dem Plattenhändler in dunklen Momenten gelegentlich noch Rückfälle. Er behält dann die wertvollsten Neueingänge für seine private und geheime Kollektion ein.

11. Der Frust-Digger
Für den Frust-Digger ist der Plattenkonsum im besten Fall ein Symptom für mangelnden Sex. Normaler Weise jedoch eher ein Substitut für familiäre Beziehungen, Kinderwunsch oder ein erfülltes Leben.
Der Kauf von Schallplatten soll seinem Leben irrationaler Weise einen tieferen Sinn geben. Dieses Ziel wird naturgemäß nie erreicht. Deswegen ist der Frust-Digger ein einsames und sehr hasserfülltes Lebewesen, welches seine Mitmenschen ständig für das eigenes Versagen verantwortlich macht.
Der Frust-Digger ist auch immer pleite (oder gar verschuldet) und nicht mehr Herr seiner Lage. Ein Sklave der eigenen ekelhaften Triebe. Tief gezeichnet und immer auf der rücksichtslosen Suche nach dem nächsten Platten-Fix. In den Medien wird er auch öfters als Vinyl-Junkie beschrieben.

Slowboat Films stellen den Status quo in Frage

So einfach kann das sein: Einige wenige Klicks und schon lädt ein neuer Kinofilm in hoher Qualität aus dem Internet auf den eigenen Computer. Der Filmkonsum kann in wenigen Minuten starten. Ohne komplizierte Anmeldung, langwierige Urheberrechtsbelehrungen oder nervige Kopierschutzverfahren. Und das noch auf sogenannten legalem Wege.

Moderne Science-Fiction? Wirre Fantasien von Computernerds auf LSD? Verschwörungstheorien von “ideologisch verwirrten Web-Kommunisten”? Nein. Bei Slowboat Films schon länger vorbildliche Realität. Die Werke der im hessischen Rodgau ansässigen Filmemacher um M. A. Littler können auf deren Homepage schnell und einfach erworben werden.

Zur Auswahl stehen Downloadlinks zu DivxHD-Files mit hoher Auflösung (1920 x 1080). Wahlweise können die englischsprachigen Filme mit Untertiteln oder ohne geladen werden. Die Links werden per Email zugesandt und sind 24 Stunden gültig. Das Herunterladen eines Filmes kostet dabei nur schlappe acht Euro. Die Bezahlung erfolgt traditionell über Paypal.

Sollte eine DVD-Version des Werkes vorliegen, kann diese auf der selben Weise für 20 Euro bestellt werden. Die Website ist übersichtlich und einfach zu navigieren. Die wichtigsten Information und Trailer zu den Filmen geben schnell einen Überblick darüber, was man dort kauft.

Und das ist nicht weniger als eine komplett eigene Sicht auf die Welt. Im durchaus positiven Sinne. Mit “The Folk Singer” wurde im Jahre 2008 die Arbeit des Regisseurs, Autoren und Produzenten M. A. Littler einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Die Mischung aus Dokumentation und Spielfilm zeigt hungrige Musiker um Possessed by Paul James und Scott H. Biram abseits von Shopping-Malls und Rockstarvisionen in Texas und Louisiana.

Zuvor waren bereits einige Filme, zum Beispiel über die Schweizer Band The Dead Brothers oder den Fotografen und Schriftsteller Miron Zownir, erschienen. Das neuste Roadmovie “The Kingdom of Survival” führt Littlers Streben nach einer von Werner Herzog beschriebenen “Ecstatic Truth” zu neuen Höhepunkten.

Darin werden die Theorien von Vordenkern aus dem linken Spektrum wie Noam Chomsky, Mark Mirabello, Ramsey Kanaan oder Joe Bageant am Ende vom Farmer und Folk-Musiker Will “The Bull” Taylor mit einer klaren Absage an die “Culture of Complaning” aufgelöst.

Die Selbstbestimmung wird zu einem zentralen Punkt. Mach wie beim Baseball das Beste aus den Dir zugeworfenen Bällen! Genau dies tun auch M. A. Littler und Slowboat Films mit Ihren Werken und deren direkten Vertrieb über das Internet. Ein eigentlich ganz normaler Vorgang.

Das Marc A. Littler auch einiges zu erzählen hat, kann man in diesen Interviews überprüfen:
M.A. Littler Interview by Gerry Fialka
Reeling The Real Interview: M.A. Littler
Interview at 19th Raindance Film Festival

The Kingdom of Survival: Official Trailer:

Mikro Green Bullet verleiht Songs Vintage-Sound


Nur für das Protokoll: Auch 2011 hatte für mich wieder einigen musikalischen Output zur Folge. Neben noch nicht komplett aufgenommenen Alben meiner beiden Bands The Last Pawnbrokers und Deine Dose, sowie einem unfertigen Solo-Album, fiel noch eine Sammlung mit 13 Cover-Songs dabei ab.

“The Broken Hearts Of Other People” beinhaltet in zyklischer Reihenfolge die Beziehungsdramen von einigen meiner liebsten Songwriter wie Townes van Zandt, Kris Kristofferson, Merle Haggard, Bob Dylan, Hank Williams oder Bruce Springsteen.

Aufgenommen wurde das akustische Machwerk alleine von mir in meiner Wohnung mit Geräten wie Gitarre, Kontrabass, Mandoline, Banjo, Steel-Gitarre, Dobro, Harmonium, Mundharmonika, Melodica, Klavier, Glockenspiel, Snare-Drum, Maracass, Tambourine und vielen mehr.

Grundlage bildete in der Regel die Live-Performance im Wohnzimmer mit Gesang und Akustik-Gitarre. Der Rest wurde nachträglich auf den Mastertake gespielt. Bei allen Liedern wurde der Hauptgesang über mein neues Shure 520DX aufgenommen. Besser bekannt ist das robuste Mirko unter dem Namen “Green Bullet” oder “Fahrradlampe”.

Eigentlich wurde das 520DX zur Abnahme und Verstärkung von Mundharmonika entwickelt. Beim Gesang liefert es jedoch einen verzerrten, in der Regel als “Vintage-Sound” wahrgenommenen Klang. Ein Klassiker, beliebt bei Musikern wie Jack White, Scott H. Biram oder H.P. Baxxtor.

Die Trackliste:
01. The Lady Came From Baltimore :: tim hardin
02. Be Here To Love Me :: townes van zandt
03. Mona Lisa Lost Her Smile :: david allan coe (johnny cunningham)
04. Cigarettes, Whisky And Wild, Wild Women :: sons of the pioneers (tim spencer)
05. Me And Bobby McGee :: kris kristofferson
06. Cold Irons Bound :: bob dylan
07. Dying Of Another Broken Heart :: lindi ortega
08. Time :: tom waits
09. Tougher Than The Rest :: bruce springsteen
10. Alone And Forsaken :: hank williams
11. He Stopped Loving Her Today :: george jones (bobby braddock/curly putman)
12. Diane :: hüsker dü (grant hart)
13. I Don’t Have Any Love Around :: merle haggard

Zehn Arten Plattenkäufer zur Weißglut zu bringen


1.
Nehmen Sie alle verkaufte Schallplatten nach der Bezahlung aus den Schutzhüllen und behalten Sie diese kommentarlos ein. Plastiktüten führen Sie aus Gründen der Gewinnmaximierung grundsätzlich nicht. Seien Sie dabei so unfreundlich, wie es das Gesetz noch zulässt.

2.
Stellen Sie Neueingänge immer wahllos zwischen Ihre alten Platten, damit wegen Überfüllung ein Durchblättern unmöglich wird. Preisen Sie die Ware auch prinzipiell nie aus. Sollte ein Kunde trotzdem Interesse zeigen, gleichen Sie vor seinen Augen die Platte, unabhängig von Zustand, Pressung oder Einkaufspreis, online mit den relevanten Preisen bei Ebay, Discogs und Popsike ab. Schlagen Sie dann auf den ermittelten Höchstpreis für nicht verkaufte Original-Pressungen noch fünf Euro für fehlendes Porto und Verpackung drauf.

3.
Akzeptieren Sie aus Steuergründen niemals EC- oder Kreditkarten. Lehnen Sie zusätzlich Kleingeld kategorisch ab. Stellen Sie auch keine Quittungen und Rechnungen aus. Sollte ein Kunde trotzdem darauf bestehen, verlangen Sie dann nachträglich noch 19 Prozent Umsatzsteuer auf den Kaufwert.

4.
Ziehen Sie wahllos eine obskure, aber unhörbare Prog- oder Krautrockplatte aus den 1970er-Jahren aus Ihrem Sortiment hervor. Kennt der potenzielle Käufer diese nicht, sagen Sie sehr laut, so dass die immer anwesenden Plattennerds im Laden es hören können: “Was? Die hast Du nicht?! Die brauchst Du aber sehr dringend!”.
Sollte der Kunde dann keinen Kaufimpuls artikulieren, urteilen Sie noch lauter dogmatisch mit erhobenen Zeigefinger: “Ich dachte bisher immer, Du interessierst Dich für Musik!” oder “Aber von Pink Floyd haste schon mal etwas gehört?”.

5.
Erwerben Sie billige Bootlegs und Schwarzpressungen von Rock-Klassikern aus Ost-Europa und England. Verkaufen Sie diese an ahnungslose Kunden als offizielle Ausgaben. Idealer Weise mit dem Zusatzschild: “US-Original, Mint/Mint” oder “Rarität”. Kann auch mit günstigen Reissues funktionieren.

6.
Kleben Sie auf willkürliche Schallplatten Preisschilder mit astronomischen Summen. Lassen Sie auch niemals mit Ihnen handeln. Sollte ein Kunde kritische Ansichten zu Ihren überteuerten Preisen haben, sagen Sie gleichgültig: “Im Internet gehen diese Platten sofort für diese Preise weg!”.

7.
Öffnen Sie Ihren Laden/Stand niemals analog zu den normalen Geschäfts-Öffnungszeiten.
Nutzen Sie die viele freie Zeit, um auszuschlafen und andere Geschäfte und Flohmärkte nach Angeboten und Schnäppchen zu durchforsten. Bieten Sie dann diese Ware in Ihrem Laden an und verdoppeln Sie den ursprünglichen Preis.

8.
Präparieren und restaurieren Sie kaputte Platten, um Sie dann als neuwertig verkaufen zu können. Nutzen Sie dafür Buntstifte, Kleber, nicht zu entfernende Preisschilder, sowie Wasch- und Schleifmaschinen.

9.
Kaufen Sie keine Platten an. Vor allem keine Klassiker, Standards oder gar Raritäten. Lehnen Sie auch Neuware aus moralischen Gründen komplett ab. Vertreten Sie dies offensiv nach Außen mit Argumenten wie Qualitätsnachteile oder Kapitalismuskritik. Verschweigen Sie Steuervorteile, eigenes Unvermögen bei der Akquise und gigantische Gewinnmagen. Äußern Sie sich ähnlich zu CDs, SACDs, DVDs, Blu-rays, MP3s, Streaming, Downloads, Videospiele, Smartphones, Internet und moderner Live-Musik.

10.
Richten Sie Ihr Sortiment konsequent auf Touristen und Gelegenheitskäufer aus. Verkaufen Sie bessere Ware sofort und ausschließlich im Internet. Erwähnen Sie gegenüber Stammkunden in diesem Zusammenhang auch regelmäßig Plattenbörsen im Ausland. Lachen Sie über jeden Käufer, der den Laden verlassen hat.

Bei Lieblingsplatten-Berlin gibt es die andere Seite der Medaille zu lesen.

Welche Nachteile Vinyl-Schallplatten haben

Wer etwas in der musikalischen Welt auf sich hält kauft analoge Vinyl-Schallplatten und schreit dies auch bei jeder Gelegenheit in das digitale Universum hinaus.

Die Vorteile liegen dabei ja auch klar auf der Hand: Die über 60 Jahre alte unkomprimierte Schallplatte klingt vermeintlich wärmer, tiefer und besser als herkömmliche digitale Tonträger. Durch die Größe des Covers wird das haptische Erlebnis zusätzlich verstärkt.

Die Unmöglichkeit des hin- und her-“skippens” führt meistens dazu, dass der Hörer Alben auch öfters wieder vollständig hört. Im Gegensatz zu digitalen Musikmedien, wie 100.000 Songs umfassende MP3-Festplatten-Sammlungen oder 35-CDs-Boxsets, ist nach spätestens 25 Minuten (die maximale Länge einer LP-Seite) ein erstes, absehbares Ende erreicht. Eine beruhigende Tatsache.

Auch der Prozess des “Diggins”, das Suchen und Finden von meistens alten, seltenen Schallplatten-Artefakten, ist eine viel amüsantere Erfahrung als der schnelle Klick bei iTunes oder Amazon. Hinzu kommt, dass der Vinyl-Kauf nicht selten eine lukrative Wertanlage darstellt. Von “politischen” Gründen für die CD-Abstinenz ganz zu schweigen.

Das in den letzten Jahren wieder mehr, aber immer noch im Verhältnis zu vergangenen Absatzzahlen oder aktuellen CD-Verkaufszahlen erschreckend wenig Leute Platten kaufen, hat sicher auch etwas mit den obsoleten digitalen Speichermedien zu tun.

Viele Nutzer lesen mittlerweile die Daten von den kleinen silbernen Scheiben nur aus, um sie dann auf dem MP3-Spieler oder auf der Computerfestplatte zu verwalten und platzsparend zu transportieren. Zudem gibt es jede Menge illegale Alternativen zum Kauf. Es scheint, als wäre die CD (obwohl immer noch Rückgrat der deutschen Musikindustrie) in Musikliebhaberkreisen bereits nach etwa 20 Jahren im Angesicht des Mediennutzungswandel schon wieder zu einem Auslaufprodukt geworden.

Dabei sollte man nicht vergessen, dass selbst die Hochphase des Vinyls im Verhältnis zu der dessen Vorgänger der Schellack-Platte zeitlich wesentlich geringer war. Einige Plattensammler – wie der dogmatische Joe Bussard – lehnen noch heute den Vinylkonsum konsequent als modernen Wahnsinn ab.

Doch in Zeiten wo viele Plattenhändler eher potenzielle Abzocker, anstatt verlässliche Kundenberater sind, ähnelt der Schallplatten-Kauf nicht selten der Teilnahme an einer dubiosen Kirmes-Lotterie. Viele gebrauchte und sorgfältig geprüfte Exemplare des immer teurer werdenden Musikgoldes knacken, knistern und leiern selbst nach intensiver Reinigung.

Die Plattenregale sind gefüllt mit schlechten holländischen Pressungen und illegalen Billig-Neuveröffentlichungen, so genannten “Counterfeits”. Und sogar der Klang vieler Neuausgaben von großen Labels ist nicht selten eher bescheiden, da oftmals einfach das griffbereite CD-Master im billigen Ausland auf schlechtem Vinyl gepresst wurde. Der Sound der Platte ist dann, selbst im direkten Vergleich zur günstigeren CD, oft tot und leblos.

Hinzu kommt, dass viele findige Subjekte mittlerweile Platten ohne Rücksicht auf Verluste aggressiv reinigen und abschleifen. Besonders auf Flohmärkten können so seltene Ausgaben an Touristen und sonstige Ahnungslose als neuwertig (“Mint”) teuer verkauft werden. Auch wenn dem Sammler eine gut erhaltende Originalausgabe oder eine solide Neuveröffentlichung den Spaß am Platten kaufen erhält; der Kunde weiß folglich im Gegensatz zum CD-Kauf letztendlich selten wirklich genau, was er für sein schwer verdientes Geld auch bekommt.

Auch wenn mit digitalen Medien schwer glaubwürdig als DJ aufzulegen und viel gute Musik überhaupt nie oder erst viel später digital erschienen ist: Der größte Nachteil der klobigen Schallplatte ist allerdings, dass man sie schwer günstig brennen, runterladen oder beliebig vervielfältigen kann. Für echte Musikliebhaber mit begrenzten Budget ein leider immer noch schlagendes Argument.

Ein weiterer Punkt, der einem den Erwerb von gebrauchten Schallplatten gründlich versaut, ist das Internet. Im Zeitalter von Smartphones und einer fast grenzenlosen Informationsverfügbarkeit sind viele Plattenhändler zeitnah über den potenziellen Wert ihrer Ware bestens unterrichtet.

Mittlerweile werden also die meisten Vinyl-Platten gnadenlos durch den Popsike-Filter (eine Website die Ergebnisse von Schallplatten-Auktionen speichert) gejagt. Mit von den Käufern mit generierten horrenden und teilweise unverschämten Preisen als Ergebnis. Denn diese Preise werden ja bezahlt.

Für einige an der Insolvenz schrammende oder gar schwarz agierenden Verkäufer ohne große berufliche Alternativen ein logischer Vorgang. Eine uninteressante Kaufoptionen aber für Schnäppchenjäger und normale Kunden. Vor allem, wenn die neue, remasterte CD-Version nur noch einen Bruchteil von der uralten Schallplatte kostet.

Das Sammeln von seltenen Platten entwickelt sich immer mehr zu einem dekadenten Hobby für gut betagte Menschen. Wurde früher noch eher in Porzellan- oder Briefmarkensammlungen investiert, stehen nun heute vermehrt teure Platten im Fokus der gelangweilten Elite.

Der Turbo-Kapitalismus hat in diese ehemals von vermeintlich linken Besserwissern dominierte Bastion Einzug gehalten. Gnadenlose Vorreiter sind nicht die mit unterm Strich fairen Preisen agierenden Elektrofachmärkte oder Internetversandhäuser, sondern oft der kleine, skrupellose Plattenverkäufer von um die Ecke.

Disclaimer: Dieser Artikel ist erstmalig am 20. August 2008 erschienen. Ich habe ihn am 8. April 2011 aber nochmal stark überarbeitet.

Wer kennt diese Rust Never Sleeps von Neil Young?


Rarität, oder kann die weg? Vor einiger Zeit habe ich im Record Store in Berlin eine merkwürdige Ausgabe von Neil Youngs Jahrhundertalbum Rust Never Sleeps erstanden. Auch wenn ich mit diesem offiziell zertifizierten Meisterwerk noch nicht wirklich warm geworden bin, konnte ich dem Angebot nicht widerstehen. Es war meine dritte Ausgabe dieses Albums. Andere Versionen nicht mitgezählt.

Im Gegensatz zum Original ziert das Cover dieser Ausgabe jedoch zusätzlich einen Neil Young im neumodischen Berlin-Mitte-Outfit – im schlecht sitzenden Anzug, Hipster-Schuhen und mit obligatorischer Bierflasche. Auf der Rückseite sind einige Songtexte und das Logo der Platte abgedruckt.

Das Label besagt “Neumann Stereophonic SX68Sound KY15″. Bei der Musik scheint es sich um das Original-Album zu handeln. Auch wenn die Qualität etwas schlechter zu sein scheint, als die von meinem US-Original.

Wahrscheinlich wird es sich um ein illegales Bootleg handeln. Selbst das Internet ist hierzu ungewöhnlicher Weise bisher sprachlos. Dies wird sich mit diesem Artikel nun ändern. Vielleicht weiß ja jemand mehr über diese irre Pressung?